Moskau (gtai) - Die Hersteller von Baustoffen und Baumaterialien in
Russland freuen sich über die Erholung ihrer Branche. Die Einbrüche von
30%, die 2008 und 2009 hingenommen werden mussten, sind in großen Teilen
ausgeglichen worden. Einige Firmen, darunter Knauf mit seinen elf
russischen Produktionsniederlassungen, fahren sogar Rekordergebnisse
ein. Für das Jahr 2011 und die ersten Monate 2012 meldeten sie
erhebliche Umsatzzuwächse. Zementhersteller erhöhen ihre Kapazitäten /
Kunststofffenster liegen im Trend / Von Ullrich Umann
Branchenentwicklung
Die russischen Hersteller von
Baumaterialien und Baustoffen blicken optimistisch in die Zukunft.
Einige Firmen verzeichneten 2011 Umsatzzuwächse von 10 bis 15% sowie 20%
in den ersten beiden Monaten 2012 (jeweils auf vergleichbarer
Vorjahresbasis).
Der bis Mai 2012 amtierende ehemalige Minister
für Regionalentwicklung, Viktor Basargin, teilte der Öffentlichkeit mit,
dass 2011 insgesamt 210 neu gebaute Betriebe für Baumaterialien die
verbesserte Konjunkturlage genutzt und teilweise mit zwei bis drei
Jahren Verzögerung die Produktion aufgenommen haben. Die nunmehr
erweiterten Kapazitäten sind ausgelegt auf die Produktion von 230 Mio.
Ziegelsteinen, 87.000 cbm Eisenbeton, 556.000 cbm nichtmetallische
Baumaterialien sowie 100.000 cbm wärmedämmende Stoffe.
Als
Stimulus für den Ausbau des Industriezweiges hat das Ministerium für
Regionalentwicklung in Aussicht gestellt, private Investitionen in
innovative Produkte fallweise mit den finanziellen Möglichkeiten der
staatlichen Beteiligungs- und Fördergesellschaft Rosnano und der
Außenwirtschaftsbank WEB zu unterstützen. Zudem kann die öffentliche
Hand ihre Beschaffungen von Baumaterialien und -stoffen antizyklisch
genau dann platzieren und damit temporär den Markt stabilisieren, wenn
private Orders an Umfang abnehmen. Insgesamt sollen bis 2020
Investitionen aus verschiedenen Quellen in Höhe von 1,56 Billionen Rubel
(50 Mrd. US$; 1 US$ = 29 Rubel) in die Modernisierung und den Ausbau
der Produktion von Baumaterialien und Baustoffen fließen, so das
Ministerium.
Fenster/Fensterbänke/Türen
Der Markt für
Fensterrahmen und -bänke aus Kunststoff besitzt erstklassige
Wachstumsperspektiven. Im Jahr 2010 zog die Produktion um 25% an und
2011 um weitere 12,1% - mit einem Ausstoß von 20,5 Mio. qm. Der
Austauschbedarf in Gebäuden bleibt auf Jahre hinaus hoch, vor allem in
der Provinz. Vor diesem Hintergrund errechnete die Marktforschungsgruppe
O.K.N.A. für 2011 einen Gesamtbedarf von 44 Mio. qm. Bislang muss die
Hälfte davon importiert werden.
Mit der Nachfrage steigen die
Preise. Im Vergleich zum Juni 2011 verteuerten sich Kunststoff-Fenster
im Juli 2011 um 1,8% auf über 4.700 Rubel je qm. Im August gab es einen
weiteren Aufschlag von fast 4%. Der Preis inklusive Anlieferung und
Montage liegt bei 7.600 Rubel. Im Unterschied zu Kunststoff brach die
Herstellung von Fensterrahmen aus Holz im Jahr 2011 um 20,3% auf 0,97
Mio. qm ein.
Eine ähnliche Tendenz zeigte sich bei Türen,
wenngleich in anderen Mengenproportionen. Die Herstellung von Türen und
Rahmen aus Kunststoff nahm im Jahr 2011 um 25,6% auf 1,14 Mio. qm zu.
Die Produktion von Türen aus Holz war im selben Jahr mit 9,1 Mio. qm
rein mengenmäßig zwar um ein Vielfaches größer als die von
Kunststofftüren, doch fiel der Ausstoß von Holztüren um 6,4% im
Vergleich zum Vorjahr.
Grobspanplatten
Der Markt für
Grobspanplatten ist in Russland im Unterschied zu den USA oder
Deutschland noch sehr jung. Dementsprechend hoch ist das Risiko, das
Investoren in diesem Bereich eingehen. Dennoch häufen sich die Meldungen
über den Bau von Produktionsniederlassungen. Von der Rohstoffbasis und
den potenziellen Anwendungsmöglichkeiten her gesehen ist Russland ein
geeigneter Standort. Problematisch ist für derartige Produktionen das
dazu notwendige Harz. Im Gegensatz zu den Holzmaterialien muss dieser
Rohstoff importiert werden, wie der Zeitschrift "Ekspert" zu entnehmen
war.
Die Importe fertiger Grobspanplatten steigen kontinuierlich
an. Lagen die Einfuhren im Jahr 2010 bei 297.000 cbm, betrugen sie 2011
nach vorläufiger Schätzung 400.000 cbm. Wegen des hohen Bedarfs, der
Transportaufschläge und Einfuhrabgaben liegt der Preis pro Kubikmeter um
einiges höher als in Deutschland.
Zu den größten Importeuren
gehört Kronospan. Das Unternehmen erweist sich inzwischen auch bei der
Herstellung vor Ort als Pionier. Seit 2011 befindet sich in Jegoriewsk
im Moskauer Gebiet ein Werk für Grobspanplatten im Bau. Voraussichtlich
2012 wird der Betrieb aufgenommen. Der Ausstoß soll zunächst bei 250.000
cbm pro Jahr liegen. Bislang stellt Kronospan in Russland
Flachpressplatten und mitteldichte Holzfaserplatten her.
Ein
weiteres Werk für Grobspanplatten mit einer Kapazität von 300.000 cbm
entsteht in Petrosawodsk (Karelien). Der Investor und Betreiber ist die
OOO DOK Kalewala. Das Ministerium für Industrie und Handel hat das
Vorhaben als prioritär eingestuft. Dadurch erhält der Betreiber unter
Umgehung von Ausschreibungen Waldgebiete zugeteilt, um das zur
Produktion notwendige Holz fällen zu können. Mit der Produktionsaufnahme
wird ebenfalls 2012 gerechnet.
Insgesamt werden derzeit
Produktionskapazitäten für OSB von 2 Mio. cbm geplant beziehungsweise
errichtet, wie die Pöyry Management Consulting errechnet hat. Doch
dürfte diese Kapazitätsplanung weit über das eigentliche Ziel
hinausreichen. Die Unternehmensberater nehmen daher an, dass längst
nicht alle Pläne realisiert werden. Es ist damit zu rechnen, dass mit
der Aufnahme der Produktion an wenigen Standorten der Preis für OSB
sinken wird. Mit sinkenden Kosten steigt spätestens 2013/14 die
Nachfrage und damit auch das Marktvolumen.
Kunststoffrohre
Das
Wachstum auf dem Markt für Kunststoffrohre, Schläuche und Fittings
setzt sich fort. Angaben des russischen Statistikdienstes zufolge legte
die Produktion 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 46% auf 511.000 t zu
(2010: 344.000 t).
Plastikrohre werden unter anderem in folgenden
Bereichen eingesetzt: Wasser- und Gasversorgung (36% beziehungsweise 32%
der Nachfrage), Abwasserwirtschaft (20%) und Verlegung von Stromkabeln
(8,5%). Allein die landesweiten Sanierungsprojekte der Wasserwirtschaft
beflügeln den Markt. Mehr als 42 Mrd. Rubel (1,45 Mrd. US$) will die
Regierung bis 2015 in diesen Bereich investieren. Die alten Eisen- und
Asbestzementrohre befinden sich in einem denkbar schlechten Zustand.
Zwei Drittel der Wasserrohre sind abgenutzt und müssen dringend erneuert
werden.
Ein Vergleich mit Europa zeigt das Wachstumspotenzial des
Marktes: Während in Russland auf Rohre aus polymeren Werkstoffen
lediglich 10% der Nachfrage entfallen, liegen die entsprechenden Werte
in Europa bei 30% (PVC) beziehungsweise 25% (Polyethylen), schreibt die
Tageszeitung RBK Daily.
Im zeitlichen Vorfeld zu den Olympischen
Winterspielen in Sotschi ergeben sich temporäre Zusatzgeschäfte im
Bereich Wasserwirtschaft. Mitte August 2011 beantragten die lokalen
Behörden 22,7 Mrd. Rubel bei der Regierung für den Ausbau und die
Modernisierung der Kanalisation in Sotschi und 79 umliegenden Dörfern.
Ebenso müssen die neuen Sportstätten an das Abwassernetz angeschlossen
werden. Ende August 2011 begann das Unternehmen JugProjektStroiMontasch
mit den Arbeiten am dritten Abschnitt einer Abwasserleitung zwischen
Kudepst und der Imeretinskaja-Niederung. Das Projekt hat ein
Gesamtvolumen von 1,6 Mrd. Rubel (0,05 Mrd. US$). Durch die Rohre sollen
bis zu 40.000 cbm Abwasser pro Tag fließen.
Kabel
In
Russland existieren mehr als 30 Hersteller von Kabelprodukten. Zu den
wichtigsten gehören Kamkabel (Perm, Mittelspannungs-Leistungskabel),
Unkomtech (Irkutsk, Kirow; Leistungskabel, Kontrollkabel), Moskabelmet
(Moskau, kooperiert mit ABB, Leistungskabel), Elektrokabel (Gebiet
Wladimir, Niederspannungskabel), Samarakabel (Samara, Fernmeldekabel,
Lichtfaser) und Sevkabel (Sankt Petersburg, Niederspannungskabel und
Fernmeldekabel).
Nachdem die Kabelproduktion 2010 laut
Branchenvereinigung Elektrokabel um 24% gestiegen ist, setzte sich diese
Entwicklung im Folgejahr 2011 fort. Insbesondere der Ausbau der Strom-,
Mobilfunk- und Drahtnetze lässt darauf schließen. Die Unternehmen sind
auch für 2012 zuversichtlich.
Das US-Unternehmen Baker Hughes
plant eine Produktion von Ölkabeln für 1,5 Mrd. Rubel (50 Mio. US$) im
Gebiet Tjumen. Die Kapazität ist auf 8.000 km Ölkabel pro Jahr
ausgelegt. Mit der Betriebsaufnahme wird für 2013 gerechnet.
Rusnano
und das Allrussische Wissenschafts- und Forschungsinstitut für
Metrologie (VNIIM) haben sich geeinigt, künftig gemeinsam hochleitfähige
nanostrukturierte Kabel herzustellen. Rosnano bezifferte das geplante
Investitionsvolumen auf über 1 Mrd. Rubel. Davon übernimmt Rusnano 0,45
Mrd. und VNIIM trägt 0,57 Mrd. Rubel. Die Produktion soll jährlich bis
zu 50 t betragen.
Siemens hat im Sommer 2011 zusammen mit der
Russisch-Deutschen Energieagentur Rudea eine Absichtserklärung mit der
Stromnetz-Holding OAO MRSK unterzeichnet. Gemeinsam wollen die
Unternehmen Übertragungsleitungen modernisieren, was auch einen
zusätzlichen Bedarf an Stromkabeln erwarten lässt. Schwerpunkt sollen
die 0,4 kV-Leitungen sein, bei denen die Übertragungsverluste besonders
hoch sind.
Glas
Die Herstellung von thermisch poliertem
Flachglas und Flachglas mit geschliffener oder polierter Oberfläche ist
2011 im Vergleich zum Vorjahr um 4,1% auf 141 Mio. qm eingebrochen. Dies
geht aus den Daten des Föderalen Statistikdienstes Rosstat hervor.
Nachdem die Produktionszahlen noch 2010 um 13,8% auf insgesamt 189 Mio.
qm Flachglas angestiegen waren, bedeutet dies einen herben Rückschlag.
Die
führenden Glasproduzenten glauben dennoch an ihre Zukunft und
investieren. Das US-Unternehmen Guardian Industries hat im Mai 2011 mit
den Bauarbeiten an seinem Floatglas-Werk in Krasny Sulin (Gebiet Rostow
am Don) begonnen. Dort sollen energieeffiziente Produkte für den Einsatz
in Wohnhäusern, Bürogebäuden und Einkaufszentren produziert werden. Die
geplante Kapazität liegt bei 900 t pro Tag. Ende 2012 soll die erste
Linie des 260 Mio. US$ teuren Werks in Betrieb gehen. Eine zweite Linie
folgt im Frühjahr 2013.
Die japanische Ashai Glass Company (AGC,
unter andere Borski Stekolny Sawod) plant einen Kapazitätsausbau im Wert
von 250 Mio. US$. Ein geeigneter Standort steht jedoch noch nicht fest,
schreibt die Zeitung "Wedomosti". Neben Tomsk sind dafür Omsk und
Kasachstan im Gespräch.
In Saratow investiert Saratowstroisteklo
3,5 Mrd. Rubel (120 Mio. US$) in eine Floatglas-Produktion. Der
Wettbewerber OAO JugRosProdukt will seine Produktion um das 2,5-fache
auf mehr als 1.000 t Flachglas pro Tag erhöhen. Auch kündigte Rosnano
2011 an, in die Produktion von Energiesparglas und Floatglas einsteigen
zu wollen.
Dämm- und Isoliermaterialien
Der Markt für
Dämmstoffe hat die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen. Das
Marktvolumen liegt aktuell zwischen 20 Mio. und 25 Mio. cbm, berichtet
die Zeitung RBK Daily. Seit die Regierung anordnete, dass Immobilien
künftig einen Energiepass besitzen und ihren Energieverbrauch bis 2020
um 40% senken müssen, haben sich die Geschäftsaussichten verbessert.
Experten der Discovery Research Group rechnen in den kommenden Jahren
mit einem Jahreswachstum von 10%.
Der dänische Hersteller von
Mineralwolle, Rockwool, hat im Rahmen der Konjunkturaufhellung das Werk
Rockwool-Wolga in der tatarischen Sonderwirtschaftszone Alabuga mit
zweijähriger Verzögerung fertiggestellt. Der Betrieb wird die
Regionalmärkte in Tatarstan, in der Wolgaregion, im Ural und in Sibirien
beliefert. Teile der Produktion gehen nach Kasachstan. Laut Angaben des
Herstellers deckt die in Tatarstan hergestellte Mineralwolle 11% des
russischen Bedarfes ab. Die Produkte dienen der Wärmeisolierung von
Dächern, Fassaden und Fußböden, weiterhin finden sie eine Verwendung als
feuerfeste und schallisolierende Abdeckungen.
Ebenfalls in der
Sonderwirtschaftszone Alabuga will sich der US-Hersteller von
Bodenbelägen, Wand- und Deckenverkleidungen, Armstrong, mit einer
Produktion niederlassen. Die Projektkosten werden mit 2,3 Mrd. Rubel (80
Mio. US$) beziffert. Hauptsächliches Produkt sollen Deckplatten aus
Mineralfasern sein, die ab 2015 ausgeliefert werden.
Im Süden
Russlands, im Industriepark Krasnosulinsk, 130 km entfernt von Rostow am
Don, baut die Korporation TechnoNikol ein Werk für wärmeisolierende
Materialien aus Steinwolle. Die Projektkosten belaufen sich auf 45 Mio.
US$. Die Finanzierung erfolgt aus Eigenmitteln, wie TechnoNikol
mitteilte. Die Betriebsaufnahme erfolgt 2014 in der zweiten
Jahreshälfte.
Mit einer zweiten Linie für wärmedämmende Stoffe
will Uralasbest seine Produktion am Standort Asbest (Region Swerdlowsk)
vervollständigen. Gegenwärtig laufen die technischen Planungen. Mit
russischen Banken wird zudem über eine Finanzierung verhandelt, wie es
aus dem Unternehmen hieß. Der erste Spatenstich soll noch 2012 gesetzt
werden.
Zement und Gips
Die Zementproduktion legte 2010 um
15% und im Folgejahr um 11% auf 55,9 Mio. jato zu. Unabhängige Experten
rechnen für die kommenden zehn Jahre mit einem anhaltenden Anstieg auf
bis zu 90 Mio. jato. Damit liegen sie in etwa auf einer Linie mit den
Prognosen des Ministeriums für Regionalentwicklung. Laut Ministerium
wird die Zementproduktion bis 2020 um 50,6% zulegen, ausgehend vom
Niveau des Jahres 2010.
Im Zuge der Konjunkturbelebung in der
Bauwirtschaft haben die Zementpreise im Jahresverlauf 2011 angezogen. An
der Moskauer Warenbörse wurde die Tonne Zement zum Teil für 4.300 Rubel
(148 US$) gehandelt. In den ersten beiden Wintermonaten des Jahres 2012
beruhigten sich die Preise wieder, vor allem wegen des saisonalen
Rückgangs der Bautätigkeit aus klimatischen Gründen.
Einen
Grundstein zur Kapazitätserweiterung in der Branche legten Holcim und
HeidelbergCement im Juli 2011, als sie Werke mit einem Ausstoß von
zusammen 4 Mio. jato im Moskauer Gebiet in Betrieb nahmen.
Branchenprimus Ewrozement zieht nach und startete am Standort Spasskoje
(Gebiet Stawropol) den Bau eines Zementwerkes für 14,5 Mrd. Rubel (0,5
Mrd. US$). Um darüber hinausgehende Kapazitäten einrichten zu können,
muss in dem Gebiet das Angebot an Elektroenergie verbessert werden.
Ewrozement will sechs weitere Zementwerke errichten, wofür aber die
Standorte noch nicht benannt wurden.
Ein führender Vertreter der
in Russland äußerst erfolgreich operierenden Knauf-Gruppe bezeichnete
die französische Saint-Gobain als den stärksten Konkurrenten bei
Produkten aus Gips: Wie der Gouverneur der Region Nischni Nowgorod,
Valeri Schanzew, bekanntgab, richtet Saint-Gobain in Gomzowo eine
Produktion von 30 Mio. cbm/Jahr Gipskartonplatten ein. Mit der
Geschäftsaufnahme wird für Ende 2012 gerechnet. Die Investitionen dafür
belaufen sich auf 4 Mrd. Rubel (14o Mio. US$). Der für die Produktion
notwendige Karton wird vorerst aus der Ukraine eingeführt. Doch will die
regionale Administration nach eigenen Angaben das französische
Unternehmen bei der Einrichtung einer eigenen Kartonherstellung vor Ort
unterstützen.
Heizungs- und Klimatechnik
Die russische
Regierung hat zum 1.9.11 die Einfuhrzölle für Ölradiatoren auf
einheitlich 5 Euro je Einheit festgelegt. Damit soll die Produktion im
Inland stimuliert werden. Unter anderem baut der italienische Hersteller
DeLonghi eine Fertigung von Ölradiatoren in Elabuga (Republik
Tatarstan) auf.
Nach Angaben des Verbands der Händler und
Hersteller von Elektronikwaren (RATEK) werden in Russland jährlich 1
Mio. Radiatoren im Wert von 1,7 Mrd. Rubel (60 Mio. US$) verkauft. Etwa
55% des Marktes entfallen auf Geräte zu einem Einzelhandelspreis
zwischen 1.600 und 2.700 Rubel. Nur 5% aller verkauften Radiatoren
kosten mehr.
Bei Klimaanlagen beobachten russische Marktteilnehmer
seit der starken Hitzewelle vom Sommer 2010 eine überdurchschnittlich
stark steigende Nachfrage. Bei Anschaffungs- und Installationskosten von
umgerechnet rund 1.000 US$ je Zimmer hatten sich in der jüngsten
Vergangenheit viele Haushalte für die Anschaffung von Klimaanlagen
(statt neuer Thermofenster) entschieden.
Eine positive Entwicklung
verzeichnet der Markt für Fußbodenheizungen. Wie das
Marktforschungsinstitut NeoAnalytics ermittelte, ist das Verkaufsvolumen
2011 um etwa 20% auf über 130 Mio. US$ gestiegen.
Fußböden
Die
Hersteller von Fußböden und Fußbodenbelägen können wieder
optimistischer in die Zukunft blicken. Allein bei keramischen
Bodenfliesen wurde 2011 mit einer Produktion von 77,6 Mio. qm ein
Zuwachs auf Vorjahresbasis um 18,5% erwirtschaftet. Bei Wandkacheln lag
die Steigerung bei 7,3% (59,2 Mio. qm).
Noch höhere
Steigerungszahlen erzielten die Hersteller von Parkettfußböden. Hier
schnellte der Ausstoß um 39,2% auf 3,06 Mio. qm hoch. Im Vorjahr lag der
Zuwachs bei lediglich 2%. Auch beim Laminat ist die Situation
erfreulich. Der Markt besitzt nach Einschätzung der europäischen
Branchenvereinigung EPLF ein großes Potenzial. Die Mitgliedsunternehmen
der Vereinigung konnten bereits 2010 ihre Absätze um 40% auf 24 Mio. qm
erhöhen.
Daten zur Bauwirtschaft in Russland
| Kennziffer | 2010 | 2011 |
| Reales Wachstum der Bauwirtschaft, in % | -0,6 | 5,1 |
| Wert der erbrachten Bauleistungen, in Mrd. Rubel | 4.206,0 | 5.061,8 |
| Wert der erbrachten Bauleistungen, in Mrd. US$ | 138,5 | 174,6 |
| Zahl der im Bausektor tätigen Unternehmen | 197.507 | k.A. |
| Anzahl fertig gestellter Gebäude | 216.500 | 223.800 |
| ..darunter Wohngebäude | 200.500 | 210.900 |
| ..darunter Gewerbeimmobilien | 16.000 | 12.900 |
| Gesamtes Bauvolumen aller fertig gestellten Gebäude, in Mio. cbm | 379,4 | 407,7 |
| Neubau von Wohnungen, in Mio. qm | 58,1 | 62,3 |
| Produktion von Baumaterialien | ||
| ..Bodenfliesen aus Keramik, in Mio. qm | 70,0 | 77,6 |
| ..Fensterglas, in Mio. qm | 147 | 141 |
| ..Ziegelsteine, in Mrd. Stück | 5,0 | 6,1 |
| ..Zement, in Mio. t | 50,4 | 56,1 |
| ..Stahlbeton-Konstruktionen, in Mio. cbm | 20,3 | 22,9 |
| ..Baumörtel, in 1.000 cbm | 2.736 | 2.775 |
| ..Kunststoffrohre, -schläuche, -fittings und Teile, in 1.000 t | 350 | 511 |
| ..Stahlrohre, in Mio. t | 9,1 | 10,0 |
| ..Linoleum, in Mio. qm | 59,2 | k.A. |
| Bau von kommunalen Wasserleitungen, in km | 1.600 | 1.800 |
| Kanalisationsbau, in km | 353,0 | 295,7 |
| Straßen mit festem Belag, in km | 2.149,0 | 1674,4 |
Quelle: Föderaler Statistikdienst
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland