Kapazitätszuwächse in den Regionen zu gering / Projekte im Zwei- und Drei-Sterne-Segment bleiben Zukunftsmusik
Moskau
(gtai) - Investitionen in Hotels können sich in Russland lohnen.
Ausländische Investoren engagieren sich insbesondere im Segment der
Vier- und Fünfsterne-Häuser. Hierfür werden anspruchsvolle
architektonische Lösungen, erlesene Baumaterialien und
Innenausstattungen benötigt, vorzugsweise aus dem Ausland. Regionaler
Schwerpunkt ist und bleibt Moskau. Der größte Nachholbedarf besteht in
den Regionen. Die Zeit für Economy-Hotels scheint dagegen noch nicht
reif.
Im Jahr 2011 wurden landesweit 700 Mio. Euro in den Hotelbau
investiert, stellt das Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle in der
Studie "Hotel Investment Highlights" fest. Im Vergleich zum recht
schwachen Vorjahr bedeutete das eine Steigerung um das Siebenfache. Auch
der Wettbewerber Knight Frank war des Lobes voll und sprach von einer
Rekordbeteiligung ausländischer Investoren. So soll etwa ein Drittel
aller Abschlüsse auf ein internationales Engagement zurückzuführen
gewesen sein.
Bei den Hotelprojekten liegt der Schwerpunkt bei
Vier- und Fünf-Sterne-Häusern. Dass trotz der hohen Übernachtungspreise
die Bettenauslastung befriedigend ausfällt, vor allem in den Regionen,
liegt an mangelnden Alternativen aus der Economy-Klasse. Weiterhin ist
der Anteil der Geschäftsreisenden an allen Hotelgästen extrem hoch.
Diese checken - gelegentlich schon aus Gründen des Firmenimages - in
Hotels der gehobenen Preisklasse ein.
Moskau ist und bleibt auf
geraume Zeit das Zentrum des Baugeschehens. Anfang 2012 standen in der
Metropole 20.800 Betten im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich (circa 400 US$
pro Übernachtung) zur Verfügung. Bis Ende des Jahres werden
voraussichtlich noch einmal 1.500 Übernachtungsmöglichkeiten hinzu
kommen. Die in Premium-Hotels erzielten Einnahmen haben 2011 im
Vergleich zum Vorjahr um 6% zugelegt. Der Zuwachs ist dabei vorrangig
auf Kapazitätserweiterungen zurückzuführen. Im Segment der
Drei-Sterne-Hotels, wo eine Übernachtung im Schnitt 200 US$ kostet,
wurde im Gegenzug um 8% weniger eingenommen. Offensichtlich ist ein Teil
der Gäste in das Hochpreissegment umgezogen.
Außerhalb Moskaus
und Sankt Petersburgs konzentrieren sich die Bauvorhaben auf Großstädte
wie Jekaterinburg oder Kasan. Der Bestand an Vier- und
Fünf-Sterne-Hotels ist in den Regionen 2011 um 1.900 Zimmer gestiegen,
was angesichts der Größe des Landes recht wenig ist. Angeschoben wurden
im gleichen Jahr 25 Projekte. Deren Fertigstellung wird in den kommen
zwei bis fünf Jahren erwartet, mit einer projizierten Zimmerzahl von
zusammen 6.000.
Vorerst reicht das Angebot an Hotels mit
international vergleichbarem Standard in den Regionen nicht aus. In
Städten wie Tjumen, Norilsk und Chabarowsk soll laut Cushman &
Wakefield überhaupt noch kein Hotel einer ausländischen Kette
anzutreffen sein. In diese Lücke könnten russische Investoren stoßen.
Doch fehlen mancherorts Anreize in Form von Investitionszuschüssen oder
Steuererleichterungen für Hotelprojekte, wie russische Developer
beklagen. Auf Anfragen ausländischer Hotelketten reagieren Kommunen
teilweise schneller und flexibler, wirkt doch ein international
bekannter Name eher als Besuchermagnet.
Inzwischen müssen sich die
Regionen, in denen 2018 die Fußball-WM ausgetragen wird, sputen, um den
Standards der FIFA bei Übernachtungen gerecht zu werden. Gemäß
Hotelkette Hilton sollen in diesem Zusammenhang in Kaliningrad 390, in
Wolgograd 600, in Kasan 300, in Nischni Nowgorod 900, in Samara 400, in
Jaroslawl 650, in Rostow am Don 1.150 und in Jekaterinburg 160 Zimmer
fehlen.
Hotelbetreiber und vor allem potenzielle Investoren
betrachten den schwankenden Auslastungsgrad der Häuser recht kritisch:
In den Regionen finden Veranstaltungen saisonal, aber nicht das ganze
Jahr über statt. Sportliche oder kulturelle Großereignisse konzentrieren
sich auf nur wenige Tage oder Wochen, so auch die Olympischen Spiele
von Sotschi, die Eishockey-WM oder die anschließende Fußball-WM. Messen,
Kongresse und Industrieausstellungen werden fast pausenlos
hauptsächlich in Moskau ausgetragen.
Kasan und Jekaterinburg
stellen in diesem Zusammenhang eine positive Ausnahme dar, ist doch hier
zumindest die Zahl der Geschäftsbesucher kontinuierlich hoch.
Schlussendlich machen Dienstreisende in fast allen regionalen Zentren
95% der Hotelbesucher aus. Diese Art von Besucherstrom dürfte bei der
derzeitigen Konjunkturlage pro Jahr um 3% anschwellen. Touristen aus dem
eigenen Land bevorzugen dagegen internationale Destinationen. Für
Reisen ins Ausland sind sowohl die Flugtickets preiswerter als auch das
Preis-Leistungsverhältnis der Übernachtungen besser.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland