Mittwoch, 9. Mai 2012

Russlands Hoteliers planen weitere Häuser

Kapazitätszuwächse in den Regionen zu gering / Projekte im Zwei- und Drei-Sterne-Segment bleiben Zukunftsmusik

Moskau (gtai) - Investitionen in Hotels können sich in Russland lohnen. Ausländische Investoren engagieren sich insbesondere im Segment der Vier- und Fünfsterne-Häuser. Hierfür werden anspruchsvolle architektonische Lösungen, erlesene Baumaterialien und Innenausstattungen benötigt, vorzugsweise aus dem Ausland. Regionaler Schwerpunkt ist und bleibt Moskau. Der größte Nachholbedarf besteht in den Regionen. Die Zeit für Economy-Hotels scheint dagegen noch nicht reif.

Im Jahr 2011 wurden landesweit 700 Mio. Euro in den Hotelbau investiert, stellt das Immobilienunternehmen Jones Lang LaSalle in der Studie "Hotel Investment Highlights" fest. Im Vergleich zum recht schwachen Vorjahr bedeutete das eine Steigerung um das Siebenfache. Auch der Wettbewerber Knight Frank war des Lobes voll und sprach von einer Rekordbeteiligung ausländischer Investoren. So soll etwa ein Drittel aller Abschlüsse auf ein internationales Engagement zurückzuführen gewesen sein.

Bei den Hotelprojekten liegt der Schwerpunkt bei Vier- und Fünf-Sterne-Häusern. Dass trotz der hohen Übernachtungspreise die Bettenauslastung befriedigend ausfällt, vor allem in den Regionen, liegt an mangelnden Alternativen aus der Economy-Klasse. Weiterhin ist der Anteil der Geschäftsreisenden an allen Hotelgästen extrem hoch. Diese checken - gelegentlich schon aus Gründen des Firmenimages - in Hotels der gehobenen Preisklasse ein.

Moskau ist und bleibt auf geraume Zeit das Zentrum des Baugeschehens. Anfang 2012 standen in der Metropole 20.800 Betten im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich (circa 400 US$ pro Übernachtung) zur Verfügung. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich noch einmal 1.500 Übernachtungsmöglichkeiten hinzu kommen. Die in Premium-Hotels erzielten Einnahmen haben 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 6% zugelegt. Der Zuwachs ist dabei vorrangig auf Kapazitätserweiterungen zurückzuführen. Im Segment der Drei-Sterne-Hotels, wo eine Übernachtung im Schnitt 200 US$ kostet, wurde im Gegenzug um 8% weniger eingenommen. Offensichtlich ist ein Teil der Gäste in das Hochpreissegment umgezogen.

Außerhalb Moskaus und Sankt Petersburgs konzentrieren sich die Bauvorhaben auf Großstädte wie Jekaterinburg oder Kasan. Der Bestand an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels ist in den Regionen 2011 um 1.900 Zimmer gestiegen, was angesichts der Größe des Landes recht wenig ist. Angeschoben wurden im gleichen Jahr 25 Projekte. Deren Fertigstellung wird in den kommen zwei bis fünf Jahren erwartet, mit einer projizierten Zimmerzahl von zusammen 6.000.

Vorerst reicht das Angebot an Hotels mit international vergleichbarem Standard in den Regionen nicht aus. In Städten wie Tjumen, Norilsk und Chabarowsk soll laut Cushman & Wakefield überhaupt noch kein Hotel einer ausländischen Kette anzutreffen sein. In diese Lücke könnten russische Investoren stoßen. Doch fehlen mancherorts Anreize in Form von Investitionszuschüssen oder Steuererleichterungen für Hotelprojekte, wie russische Developer beklagen. Auf Anfragen ausländischer Hotelketten reagieren Kommunen teilweise schneller und flexibler, wirkt doch ein international bekannter Name eher als Besuchermagnet.

Inzwischen müssen sich die Regionen, in denen 2018 die Fußball-WM ausgetragen wird, sputen, um den Standards der FIFA bei Übernachtungen gerecht zu werden. Gemäß Hotelkette Hilton sollen in diesem Zusammenhang in Kaliningrad 390, in Wolgograd 600, in Kasan 300, in Nischni Nowgorod 900, in Samara 400, in Jaroslawl 650, in Rostow am Don 1.150 und in Jekaterinburg 160 Zimmer fehlen.

Hotelbetreiber und vor allem potenzielle Investoren betrachten den schwankenden Auslastungsgrad der Häuser recht kritisch: In den Regionen finden Veranstaltungen saisonal, aber nicht das ganze Jahr über statt. Sportliche oder kulturelle Großereignisse konzentrieren sich auf nur wenige Tage oder Wochen, so auch die Olympischen Spiele von Sotschi, die Eishockey-WM oder die anschließende Fußball-WM. Messen, Kongresse und Industrieausstellungen werden fast pausenlos hauptsächlich in Moskau ausgetragen.

Kasan und Jekaterinburg stellen in diesem Zusammenhang eine positive Ausnahme dar, ist doch hier zumindest die Zahl der Geschäftsbesucher kontinuierlich hoch. Schlussendlich machen Dienstreisende in fast allen regionalen Zentren 95% der Hotelbesucher aus. Diese Art von Besucherstrom dürfte bei der derzeitigen Konjunkturlage pro Jahr um 3% anschwellen. Touristen aus dem eigenen Land bevorzugen dagegen internationale Destinationen. Für Reisen ins Ausland sind sowohl die Flugtickets preiswerter als auch das Preis-Leistungsverhältnis der Übernachtungen besser. 
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland