Kooperationsabkommen in Schloss Bellevue unterzeichnet / Russen wichtigste Touristengruppe im Bäderort / Von Gerit Schulze
Moskau (gtai) - Sotschi bekommt eine deutsche Partnerstadt. Anfang April 2011 haben Oberbürgermeister Anatoli Pachomow und sein Baden-Badener Amtskollege Wolfgang Gerstner im Berliner Schloss Bellevue ein gegenseitiges Kooperationsabkommen unterzeichnet. In spätestens drei Jahren soll eine offizielle Städtepartnerschaft folgen. Bis dahin muss das Projekt mit Leben gefüllt werden.
Die Initiative dazu kam vom ehemaligen Bundesminister Lothar de Maizière, der heute den Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs leitet. Noch 2008 hatte der Ältestenrat von Baden-Baden eine Städtepartnerschaft mit Sotschi abgelehnt - aus Kostengründen und weil die Stadt bereits fünf Partnerkommunen hatte.
Doch einige Bürger, die bereits das Gebiet Krasnodar bereist hatten und begeistert waren, machten sich weiter für den russischen Schwarzmeer-Kurort stark. Dazu gehörte auch der Baden-Badener Hotelier Richard Schmitz. Bei einem Investitionsforum in Sotschi hat er selbst Wladimir Putin von der Idee erzählen können und sofort einen Unterstützer gefunden, sagt Schmitz auf telefonische Nachfrage. Er glaubt, dass sich Sotschi und Baden-Baden als beliebte Urlaubsziele bestens ergänzen.
Auch das Thema Olympia verbindet die Städte. Seit 1997 ist der süddeutsche Bäderort Olympische Stadt. Den Titel hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) verliehen, weil drei Nominierungskongresse für die Vergabe von Olympischen Spielen in Baden-Baden stattfanden.
Sotschis Rathauschef Pachomow sieht Baden-Baden ebenfalls als idealen Partner für seine Stadt. Beide Gemeinden seien bekannte Kurorte, die für Erholung und Genesung stehen, sagte er bei seinem Besuch Anfang April. Sotschi wolle von den Erfahrungen Baden-Badens bei der Entwicklung des Tourismus und bei der Stadtgestaltung profitieren. Besonders beeindruckt war Pachomow während seines Aufenthalts in Süddeutschland von der üppigen Vegetation.
Für beide Städte wäre es nicht die erste Partnerschaft mit ausländischen Kommunen. Beide sind mit dem französischen Menton an der Côte d'Azur freundschaftlich verbunden. Im ehemaligen Sowjetraum pflegt Baden-Baden allerdings nur mit Jalta auf der Krim seit 2000 eine Städtepartnerschaft. Sotschi ist weltweit mit einem Dutzend Städte verbunden. Auch bei der Einwohnerzahl hat Baden-Baden mit rund 55.000 klar das Nachsehen gegenüber Sotschi mit 350.000.
Russische Touristen spielen heute nach Angaben von Richard Schmitz eine außerordentlich wichtige Rolle für Baden-Baden. Der Vizechef des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbandes geht davon aus, dass ein Viertel der Übernachtungen im Ort auf russische Besucher entfällt. Sie buchen gern zusätzliche Spa- und Gesundheitspakete, was zu hohen Umsätzen der Hotels führt. "Auch die Einzelhändler in der Innenstadt, die Handwerker und die Zahnärzte der Stadt profitieren stark von russischen Gästen und Immobilienbesitzern", so Schmitz.
Es ist geplant, dass Baden-Badens Oberbürgermeister Gerstner bis zum Sommer zu einem Gegenbesuch nach Sotschi fährt. Zudem laufen bereits Schüleraustausch-Programme. Die Städtepartnerschaft gebe beiden Städten die Chancen, sich im jeweils anderen Land noch bekannter zu machen und so neue Besuchergruppen anzulocken, sagt Tourismus-Experte Schmitz. Er hofft außerdem, dass mehr Unternehmen aus dem Großraum Baden-Baden bei den anstehenden Großprojekten in Sotschi zu Aufträgen kommen. Erste Erfolgsbeispiele gäbe es bereits. (S.Z.)
Tipp
Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 bietet folgende Internetseite: