Neue Hafenterminal geplant / Erdgas, Erdöl und Kohle bleiben wichtigster Wirtschaftsmotor der Region / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Dank erfolgreicher Erdöl- und Gasprojekte auf und vor
der Insel Sachalin hat die Region reichlich Eigenkapital für
Investitionen. Dabei ist und bleibt der Rohstoffsektor das wichtigste
Zugpferd. Bis 2025 sollen vier neue Gas- und Ölvorkommen vor der Küste
erschlossen werden. Außerdem will die Regionalregierung noch mehr
Kohlelager ausbeuten. Daneben möchte Sachalin unabhängiger werden von
Lebensmittelimporten bei Fleisch und Milch.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die russische Insel Sachalin vor allem
wegen der küstennahen Erdöl- und Erdgaslagerstätten bekannt. Die
Exploration dieser Vorkommen trägt zu einem wesentlichen Teil zum
Bruttoregionalprodukt (2010: 455,2 Mrd. Rubel) der Insel bei. Das
Unternehmen Sachalin Energy schätzt die Vorräte der Kohlenwasserstoffe
im Schelf auf 45 Mrd. Barrel Erdöläquivalent. Damit entsprechen die
Reserven in etwa denen der Nordsee. Die Sachalin-Lagerstätten wurden in
sechs Projektabschnitte aufgeteilt.
Im Feld "Sachalin 1" werden 256 Mio. t Erdöl sowie 460 cbm Gas
vermutet; bisher wurden davon 39 Mio. t Öl und 34 Mrd. cbm Gas
gefördert. Das Feld "Sachalin 2" wird vom Unternehmen Sachalin Energy
betrieben - eine Kooperation zwischen Gasprom, Shell und den beiden
koreanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi. Dort lagern 170 Mio. t
Erdöl und 653 Mrd. cbm Gas. Seit Beginn der Exploration wurden 26,2 Mio t
Öl und 27,1 Mrd. cbm Gas gefördert. Ein Teil dieses Gases wird nur
wenige Kilometer südlich der Regionshauptstadt Juschno-Sachalinsk im
Komplex "Prigorodnoje" zu Flüssiggas verarbeitet. In dem Werk werden 5%
des weltweit produzierten Flüssiggases hergestellt.
| Rohstoff | Fördervolumen |
| Erdöl, in Mio. t | 14,8 |
| Erdgas, in Mrd. cbm | 24,3 |
| Kohle, in Mio. t | 3,7 |
Quelle: Wirtschaftsministerium der Region Sachalin
Allein der Ausbau des Projektes Sachalin 2 mit der LNG-Anlage, den
Tanks, den Häfen, Bohrtürmen und Erdgas- und Erdölleitungen dürfte 14
Mrd. bis 16 Mrd. Euro gekostet haben. Künftig sollen weitere
Investitionen fließen - in die Erschließung und Exploration von vier
weiteren Schelf-Projekten rund um die Insel: Sachalin 3, 5, 6 und 8. Bis
zum Jahr 2025 soll die Förderung auf 23 Mio. Barrel Erdöl und 75 Mrd.
cbm Erdgas jährlich gesteigert werden. Dazu sollen vier neue Blöcke
errichtet werden: Lagerstätten Sewero-Weninskoje, Nowo-Weninskoje und
Juschno-Kirinskoje (alle Sachalin 3) sowie Kaigansko-Wasjukanskoje-More
(Sachalin 5).
Von Sachalin aus sollen künftig weite Teile des Fernen Ostens direkt
mit Gas beliefert werden, die Exporte dürften steigen und damit auch die
Einnahmen. Davon soll möglichst bald eine Erdgas- und Petrochemiefabrik
nahe des Hafens Ilinski entstehen. Außerdem ist ein Trainings- und
Forschungszentrum geplant. Dort sollen fortschrittliche Technologien zur
Erschließung des Schelfs ausgearbeitet, Mitarbeiter geschult und
ökologische Risiken eingeschätzt werden.
Neben Erdöl und Erdgas ist Sachalin auch reich an Kohle. Deren
Förderung soll ebenfalls steigen - von 3,7 Mio. t im Jahr 2010 auf circa
4,5 Mio. t im Jahr 2014. Südlich von Uglegorsk soll der neue Tagebau
Solnzewskoje-2 entstehen; benachbarte Lagerstätten werden erweitert.
Dazu muss aber nicht nur in bessere Bergwerkstechnologien investiert
werden, sondern auch in die Verkehrsinfrastruktur und die
Stromversorgung. Ein erster Schritt ist die Modernisierung des Hafens
Uglegorsk; dort entsteht ein neues Kohleterminal. Dasselbe ist in den
Häfen Cholmsk und Korsakow geplant.
Zwischen den Städten Ilinsk und Uglegorsk baut die russische
Staatsbahn RZhD eine 143 lange Bahnstrecke. Die meisten Bahnstrecken im
südlichen Teil der Insel Sachalin wurden noch vor 1945 von Japan gebaut
und sind entsprechend renovierungsbedürftig. Dasselbe gilt für das
Elektrizitätssystem der Insel. Nicht selten fällt im Zehnminutentakt der
Strom aus. In Uglegorsk soll daher ein neues, regionales Kraftwerk
gebaut werden. Das Kraftwerk in der Hauptstadt Juschno-Sachalinsk wird
auf Gas umgestellt. Durch entsprechende Kapazitätsreserven sollen
Stromausfälle künftig vermieden werden.
Eine neue Aluminiumhütte, daneben ein völlig neues Kraftwerk, eine
zweite Flüssiggasanlage sowie ein Petrochemiewerk - rund um den Hafen
Poranaiski sind Milliardeninvestitionen geplant. Der Hafen selbst soll
künftig höchsten Standards genügen. Jahr für Jahr sollen von dort 2 Mio.
t Erdölprodukte, 2 Mio. t Kohle, 1 Mio. t Torf und 50.000 t
Fischprodukte umgeschlagen werden. Dazu muss der Hafen selbst
entsprechend ausgebaut werden. Auch aus der Luft soll die Insel im
Ochotskoje-Meer zukünftig besser erreichbar sein. Im
Transportministerium des Gebietes Sachalin bereiten die Mitarbeiter den
Bau eines zweiten, wesentlich größeren Passagierterminals vor - obwohl
auf der Insel weniger als 500.000 Menschen leben. Doch mit dem Ausbau
trägt Minister Wladimir Degtjarjow der steigenden wirtschaftlichen
Bedeutung der Region und der zunehmenden Zahl von Geschäftsreisen
Rechnung.
Auch die lokale Bevölkerung soll ein Stück vom Kuchen abbekommen.
Neben der Energieversorgung, besseren Straßen und Schienen soll sich
auch die Wohnqualität erhöhen und die Preise dabei erschwinglich
bleiben. Hierzu setzt die Regierung auf zusätzlichen Wohnraum: 250.000
qm Wohnfläche sollen im Jahr 2011 fertig gestellt werden, sagte
Wirtschaftsminister Karpenko. Das wäre ein Viertel mehr als noch im
Vorjahr. Damit nicht genug: In zwei oder drei Jahren sollten über
350.000 qm Wohnfläche pro Jahr entstehen, so Karpenko.
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 *) | |
| Fertig gestellte Wohnfläche, in 1.000 qm | 106 | 149 | 165 | 200 | 250 |
*) Prognose
Quelle: Wirtschaftsministerium der Region Sachalin
Während Sachalin Rohstoffe im Überfluss hat, ist es nach wie vor
stark auf Lebensmittelimporte angewiesen. Nur mit Eiern, Kartoffeln und
Gemüse kann sich das Gebiet selbst versorgen. Der Rest muss ins Land
gebracht werden. Das soll sich ändern: Geplant sind neue Geflügelfarmen
und Mastanlagen. Außerdem ist ein neues Werk für Fleisch- und
Gemüsekonserven vorgesehen. Bereits heute nutzen bestehende Firmen
deutsche Technik - von Erntegeräten bis hin zu
Fleischverarbeitungsanlagen. Das gilt etwa für die Firma Sachalinski
Bekon (Sachaliner Schinken). Das Unternehmen führt einen Mastbetrieb mit
7.000 Schweinen. Mästen, schlachten und zu Fleisch verarbeiten - das
Unternehmen hat eine enorme Verarbeitungstiefe und braucht daher jede
Menge Ausrüstung. Die würden Agrarbetriebe aus der Region Sachalin am
liebsten direkt bei deutschen Herstellern einkaufen.
Kontaktanschrift
Wirtschaftsministerium der Region Sachalin
Minister: Sergei Karpenko
Kommunistitscheski prospekt 39, 693011 Juschno-Sachalinsk
Tel.: 007 4242/46 92 96, Fax: -72 39 42
E-Mail:
s.karpenko@mail.ru, Internet:
http://mineconom.admsakhalin.ru
(H.B.)