Firmenübernahmen stehen auf der Tagesordnung / Deutsche Zulieferer wickeln wieder große Geschäfte ab / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Russland ist das Land mit der größten Waldfläche
weltweit. Doch bisher wird dort vornehmlich Rundholz geerntet und
unverarbeitet ins Ausland verkauft. Oft passiert das illegal am Zoll
vorbei. Das soll sich jetzt ändern. Bis 2017 erwartet die russische
Regierung knapp 100 Projekte zur Verarbeitung von Holz. Kostenpunkt: 10
Mrd. Euro. Außerdem hofft das Industrie- und Handelsministerium auf
Investoren für zwölf Papierfabriken. Deutsche Ausrüster von Sägewerken
und Holzfabriken melden wieder ordentliche Auftragseingänge.
In ganz Russland entstehen neue Holzverarbeitungsanlagen. Alte
Fabriken werden modernisiert, die Produktionsabläufe effizienter
gestaltet. Das bringt deutschen Sägewerksausrüstern,
Sortieranlagenbauern und Holzbearbeitungsmaschinen-Herstellern
ausgezeichnete Absatzchancen. Oft kommen die Investoren in Russland aus
dem Ausland und legen Wert auf höchste Qualitätsstandards. Aber auch bei
rein-russischen Projekten stehen deutsche Anlagen hoch im Kurs. Das
russische Industrie- und Handelsministerium hat in den nächsten sechs
Jahren hehre Ziele: Bis 2017 wollen die Beamten in Russland 95
Holzprojekte für über 10 Mrd. Euro verwirklicht sehen sowie zwölf
Papierfabriken für rund 11 Mrd. Euro ansiedeln, sagte
Vize-Premierminister Wiktor Subkow Anfang Mai 2011 in Moskau.
Eines der größten Projekte in Sibirien plant das Unternehmen
Jeniseiplitprom. Zum Jahr 2015 will der Konzern für 200 Mio. US$ ein
Pressplattenwerk in Sosnowoborsk bauen. Das liegt im Krasnojarski Krai.
Die Kapazitäten liegen bei 500.000 t Pressplatten pro Jahr.
In unmittelbarer Nachbarschaft soll ein Holz-Chemie-Komplex für 1,3
Mrd. US$ entstehen, das Jeniseiski LCHK. Dazu wurde eigens die OAO
Angara Peipa gegründet, die noch 2011 mit den Bauarbeiten beginnen soll.
Die Fertigstellung ist für 2015 geplant. Coinvestor wird der
schwedische Konzern Sodra Group sein. Das Jeniseiski LCHK gehört zu den
prioritären Projekten des Industrie- und Handelsministeriums der
Russischen Föderation. Die Kapazitäten des neuen Werkes im Jeniseiski
raijon belaufen sich auf 380.000 cbm Schnittholz pro Jahr sowie 900.000 t
gebleichte Zellulose aus Nadelholz und 300.000 t lösliche Zellulose.
Darüber hinaus erwägt die Firmenleitung eine Linie für Textilzellulose.
In der Oblast Wologda plant die Holding Inwestlesprom zum Jahr 2013
eine Produktionserweiterung in der Fabrik Sokolski derewoorabatywajuschi
kombinat. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die erste Projektetappe fertig
gestellt. In der zweiten Etappe sollen Kapazitäten zur Produktion von
100.000 cbm geklebter Holzerzeugnisse, Balken und Kanthölzer geschaffen
und die Holzhausherstellung erweitert werden. Die geplanten
Investitionen belaufen sich auf 1,2 Mrd. Rbl (circa 30 Mio. Euro;
EZB-Wechselkurs vom 1 Euro = 39,74 Rbl).
Im Dezember 2010 hat die geschlossene Aktiengesellschaft
Partner-Tomsk ein Werk für mitteldichte Faserplatten eröffnet. Für 180
Mio. Euro wurde dort - 30 Minuten außerhalb der Gebietshauptstadt Tomsk -
in den vergangenen Jahren eine Anlage mit Kapazitäten zur Verarbeitung
von 260.000 cbm Holz pro Jahr fertig gestellt. Die Anlage kommt zu
großen Teilen vom deutschen Holzmaschinenhersteller Dieffenbacher. "Die
Produktionslinie ist ausgezeichnet angelaufen", erzählt Projektleiter
Jewgeni Walter. Die Nachfrage nach den mitteldichten Holzfaserplatten
(MDF) sei gewaltig: "Wir könnten viel mehr verkaufen, als wir
produzieren", so der Manager.
Von den in Tomsk gefertigten Holzplatten geht der Großteil an
Möbelfirmen und Großhändler in Sibirien. Aber SAO Partner hat auch
Lieferverträge mit Abnehmern in Usbekistan, Tadschikistan und
Kasachstan. "Nach Kasachstan können wir dank der Zollunion sogar
zollfrei liefern", sagt Jewgeni Walter. Und obwohl die MDF-Linie erst im
Dezember angelaufen ist, denkt man bei Partner-Tomsk schon über die
nächsten Projekte nach: Eine Linie zur Herstellung von Grobspanplatten
(OSB) und eine zur Produktion von Parkett-Holz. Die Rohstoffversorgung
im Gebiet Tomsk ist gesichert, die Region ist fast so groß wie die
Bundesrepublik Deutschland und besteht zu 60% aus Waldgebieten. Die
Holzvorräte belaufen sich auf 2,8 Mrd. cbm. Zum Vergleich: In
Deutschland sind es 3,4 Mrd. cbm.
Am russischen Markt für Holzverarbeitung ist nach der langen
Krisenperiode endlich wieder Bewegung. Das zeigt sich auch an der
Vielzahl von Fusionen und Firmenübernahmen. So hat das holländische
Unternehmen International Paper Russia Holding B.V. im April 2011 die
geschlossene Aktiengesellschaft Tichwinski kompleksnyi lespromchos im
Gebiet Leningrad übernommen. Die Tiroler Egger Gruppe erwarb einen
Monate später den russischen Spanplattenhersteller Gagarinski Fanernyi
Sawod. In Gagarin. Egger produziert bereits seit 2005 in Russland
beschichtete Spanplatten. Das erste Werk steht in Schuja im Gebiet
Iwanowo. Der schwedische Konzern Rusforest hat im vierten Quartal 2010
86% der Aktien des Forstindustrieunternehmens Archangelski LDK-3
gekauft. Kostenpunkt: 12,6 Mio. US$.
| Holzbearbeitungsmaschinen (nach HS) | 2009 | 2010 | Veränderung 2010/2009 in % |
| Werkzeugmaschinen, die unterschiedliche Bearbeitungen ohne Werkzeugwechsel zwischen den Vorgängen durchführen können (846510) | 44,47 | 66,67 | 50 |
| .davon aus Deutschland | 22,07 | 25,43 | 15 |
| Sägemaschinen (846591) | 67,13 | 93,15 | 39 |
| .davon aus Deutschland | 16,77 | 29,20 | 74 |
| Hobel-, Fräs- und Kehlmaschinen (84659200) | 42,03 | 49,98 | 19 |
| .davon aus Deutschland | 16,32 | 11,00 | -33 |
| Schleif- und Poliermaschinen (84659300) | 5,48 | 13,75 | 151 |
| .davon aus Deutschland | 0,67 | 5,20 | 676 |
| Biege- und Zusammenfügemaschinen (84659400) | 41,83 | 49,80 | 19 |
| .davon aus Deutschland | 22,47 | 28,60 | 27 |
| Bohr- und Stemmmaschinen (84659500) | 8,11 | 13,74 | 69 |
| .davon aus Deutschland | 3,12 | 2,56 | -18 |
| Spalt-, Hack- und Schälmaschinen (846596) | 23,82 | 24,38 | 2 |
| .davon aus Deutschland | 3,76 | 3,96 | 5 |
Quelle: Comtrade UN
Deutsche Ausrüster sind in Russland endlich wieder gut im Geschäft.
"Wir sind zwar noch nicht auf dem Niveau von 2008, aber die Nachfrage
nach unseren Maschinen steigt deutlich", erzählt etwa Erna Fuhr,
Gebietsverkaufsleiterin des Maschinenbauers Altendorf. So hätte ein
russischer Unternehmer aus Wladiwostok und Chabarowsk im Fernen Osten
Russlands auf der letzten Holzmesse Ligna in Hannover einen Vertrag
unterzeichnet. Fuhr: "Zentralrussland ist und bleibt interessant, aber
wir spüren eine steigende Nachfrage aus dem Fernen Osten", so die
Managerin.
Gute Aufträge verzeichnet auch das Unternehmen Homag aus Schopfloch
in Russland: Für den russischen Möbelhersteller Mekran errichtet Homag
eine komplette Fabrikanlage zur Fertigung von Büro- und Wohnmöblen. Die
Anlage entsteht im sibirischen Krasnojarsk.
Für russische Verhältnisse quasi in der Nachbarschaft, und zwar am
sibirischen Strom Angara in Boguchany, baut die deutsche Firma Holtec
für das Staatsunternehmen Kraslesinwest einen Rundholzplatz und eine
Sägenzuführen. Das Nadelholz-Großsägewerk soll im Frühjahr 2012 fertig
gestellt werden. Das ist aber nicht der einzige Großauftrag der Firma
Holtec in Russland. Für ILIM PULP liefert der deutsche
Holzbearbeitungsspezialist eine Anlage zur Langholzaufbereitung nach
Bratsk im Rahmen eines Zellstoffprojekts. Die Gesamtkosten des Projekts:
700 Mio. US$. Auch bei Holtec zeigt sich, dass technisch anspruchsvolle
Lösungen in der Säge- und Holzwerkstoffindustrie östlich des Urals
gefragt sind.
Kontaktanschrift
SAO Partner-Tomsk (Holverarbeitungskombinat)
Kusowlewski trakt 4 str. 2, 634067 Tomsk
Tel.: 007 3822/70 47 11, Fax: -70 21 84
E-Mail:
partner_tomsk@inbox.ru, Internet:
www.partner-tomsk.ru
OAO Gruppa Ilim (Ilim Pulp)
Ul. Marata 17, 191025 Sankt-Peterburg
Tel.: 007 812/718 60 50, Fax: -718 60 06
E-Mail:
office@ilimgroup.ru, Internet:
www.ilimgroup.ru
SAO Investlesprom
Brodnikow per. 4, 119180 Moskau
Tel.: 007 495/500 30 51
Internet:
www.investlesprom.ru
OAO Angara Peipa
Warschawskoje schosse 46, ofis 612, 115230 Moskau
Tel./Fax: 007 495/665 73 27
E-Mail:
info@angarapaper.ru, Internet:
www.angarapaper.ru
Jenisejprom
Ul. 60-letija Oktjabrja 168, 660079 Krasnojarsk
Tel.: 007 391/237 37 37
E-Mail:
rp@eniseyprom.ru, Internet:
www.eniseyprom.ru
(H.B.)