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Freitag, 16. September 2011

Uralwagonsawod plant Großprojekt zur Produktion von Straßenbaumaschinen und Straßenbahnen

Rund 500 Mio. Euro für Modernisierung der Produktionsanlagen / Kauf neuer Maschinen und Bearbeitungszentren / Von Edda Wolf

Moskau (gtai) - Die staatliche russische Maschinenbaufirma OAO NPK Uralwagonsawod plant, ein Unternehmen zur Produktion von Straßenbaumaschinen, Traktoren, Frontladern, Straßenbahnen und Ersatzteilen auf Basis ihrer Tochterfirma Tscheljabinsker Traktorenwerk "Uraltrak" zu schaffen. Dazu sind Investitionen von 18 Mrd. bis 20 Mrd. Rubel vorgesehen. Die Ziele sind hoch gesteckt: Die neue Unternehmenseinheit soll bis 2015 einen Umsatz von 40 Mrd. Rubel erreichen.

Für die Verwirklichung des Vorhabens müssen die Produktionsanlagen des Tscheljabinsker Traktorenwerks "Uraltrak" umfassend modernisiert und erweitert werden. Zunächst sind das Motorenwerk und die Fahrgestell-Fertigung dran (2011 bis 2013). Erstens steht der Start der Serienproduktion einer neu entwickelten Baureihe von Dieselmotoren (T-Serie) für Kettenfahrzeuge, Traktoren und Frontlader an. Zweitens soll die Qualität der Fahrgestelle verbessert werden. Ab 2013 bis 2020 wird dann der Rest des Werks rekonstruiert. Auf dem Gelände sollen "faktisch von Null auf neue Montagehallen" entstehen. Die technische Umrüstung betrifft den gesamten Produktionsbereich: Gießerei, Schmiede, mechanische Bearbeitung und Montage. Zudem ist geplant, einen Teil der Herstellung von Traktoren und Raupenbaggern, die derzeit bei Uralwagonsawod in Nishni Tagil erfolgt, nach Tscheljabinsk zu verlagern. Für diese Maßnahmen ist der Löwenanteil des Geldes vorgesehen: 13 Mrd. bis 15 Mrd. Rubel (rund 320 Mio. bis 370 Mio. Euro; 1 Euro = 40,387 Rubel; Wechselkurs vom 30.6.11).
Mit den Investitionen soll im 4. Quartal 2011 angefangen werden. Die Hauptarbeiten sollen 2013 beginnen und 2020 abgeschlossen sein. Die Auswirkungen der aktuellen Krise in den USA auf die Finanzmärkte könnten aber zu einer zeitlichen Verschiebung oder Verkleinerung des Vorhabens führen. Allein für das Motorenwerk sollen 60 moderne Bearbeitungszentren angeschafft werden. Ein Teil davon wurde bereits gekauft, darunter von den Firmen WFL Millturn Technologies, Starrag Heckert und Naxos-Union (Schleifmaschinen).
Derzeit stellt Uraltrak Traktoren mit Rad- und Kettenantrieb, Bulldozer, Rohrverleger, Frontallader und Motoren dafür her (Umsatz 2010: rund 10 Mrd. Rubel). Für die neue Produktion von Straßenbaumaschinen und Ersatzteilen möchte man einen ausländischen Partner als Lizenzgeber gewinnen. Mit Caterpillar sei eine prinzipielle Übereinkunft erreicht worden. Vertreter des US-amerikanischen Unternehmens äußerten sich bislang aber nicht dazu, deshalb ist davon auszugehen, dass die Verhandlungen noch andauern.
Uralwagonsawod besitzt die Aktienmehrheit an Uraltrak mit 80,1%, während der Regierung des Tscheljabinsker Gebiets 19,8% gehören. "Wir führen Gespräche über den Kauf dieses Anteils und hoffen ihn bis zum Ende des Jahres zu konsolidieren", erklärte Semen Mlodik, seit 1. August 2011 Generaldirektor von Uraltrak. Er war vorher für das Werk "Promtraktor" in Tscheboksary und den Konzern Traktornyje sawody tätig. Nach der Übernahme des restlichen Anteils soll die GmbH (OOO) in eine offene Aktiengesellschaft (OAO) umgewandelt werden. Außerdem ist geplant, das Tscheljabinsker Traktorenwerk und den Technopark "Traktorosawodski", in dem sich wichtige Aktiva des Werks befinden, zusammenzuführen.
Des Weiteren strebt das Management von Uralwagonzawod bis Ende 2011 die Übernahme eines Teils der Aktiva des staatlichen Unternehmens FGUP Ust-Katawsker Waggonbauwerk namens "S.M. Kirow" (FGUP UKWS, Ust-Kataw, Gebiet Tscheljabinsk) an. Dessen Management steht dem Vorhaben aber ablehnend gegenüber. FGUP UKWS fertigt unter anderem Straßenbahnen und hat kürzlich ein neues Niederflur-Modell vorgestellt. Darüber hinaus will Uralwagonzawod die Produktion von Straßenbahnen im Werk Uraltransmasch (Jekaterinburg), das schon zum Konzern gehört, weiter entwickeln. Beide Betriebe sollen zukünftig zusammenarbeiten und Trams der nächsten Generation herstellen - unter Beteiligung eines "großen westlichen Produzenten von elektrischen Schienenfahrzeugen" (ein Name wurde noch nicht bekannt gegeben). Das Projekt ist Teil der Bestrebungen des Gouverneurs des Swerdlowsker Gebiets, einen Cluster zur Produktion von Elektrofahrzeugen für den städtischen Personennahverkehr zu bilden. Hintergrund: Auf föderaler Ebene wird derzeit an einem Programm zur Entwicklung des kommunalen Transports gearbeitet. Von den in Aussicht stehenden Subventionen möchte das Swerdlowsker Gebiet einen Teil zur Modernisierung seiner lokalen Industrie abbekommen. Überdies ist der Absatz bereits so gut wie gesichert. In der Hauptstadt des Gebiets Swerdlowsk, Jekaterinburg, müssen in den nächsten sechs bis neun Jahren 90% der veralteten Straßenbahnen gegen neue ausgetauscht werden. Die endgültige Entscheidung über die Einrichtung des Clusters wird auf Ebene der russischen Regierung getroffen, denn Dachorganisation von FGUP UKWS ist Roskosmos (Abnehmer von 70% der Produktion).
Das Tscheljabinsker Traktorenwerk wird als Basis für die Entwicklung der gesamten Division "Straßen-Baumaschinen und Kommunaltechnik" von Uralwagonzawod dienen. In dieser Division werden alle Aktiva zur Produktion von zivilen Fahrzeugen gebündelt. Dazu sollen der neuen Unternehmenseinheit auch bestehende Werksteile von Uralwagonzawod angeschlossen werden, darunter am Hauptsitz in Nishni Tagil, in der OAO Maschinostroitelnaja kompanija "Witjas" (Ischimbaj, Republik Baschkortostan, www.bolotohod.ru) und im Rubzowsker Maschinenbauwerk (www.rmz.ru). In Ischimbaj und Rubzowsk werden spezielle Raupenfahrzeuge als Transporter oder zur Waldbrandbekämpfung produziert. Für die Steuerung des Unternehmens schwebt Mlodik eine Matrixorganisation vor, bei der Uraltrak als Kompetenz- und Managementzentrum fungiert.
Die Finanzierung des Großprojekts soll aus drei Quellen erfolgen: (1) Gelder aus dem föderalen Zielprogramm "Entwicklung des Rüstungs-Industrie-Komplexes der Russischen Föderation im Zeitraum 2011 bis 2020", (2) Eigenmittel des Unternehmens, (3) Fremdkapital (Ausgabe von Aktien an ChTZ-Uraltrak, Kredite). Wenn der Investitionsplan wie geplant umgesetzt wird, würde Uralwagonzawod bei einigen Typen von Straßenbaumaschinen und Traktoren zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Konzern Traktornyje sawody heranwachsen.
Deutsche Unternehmen, die sich für das Vorhaben interessieren, sollten rasch persönliche Kontakte zu den Entscheidungsträgern knüpfen. Ein geeigneter Mittler wäre dabei das Institut OAO Transmaschprojekt (Sankt Petersburg, www.tmproj.ru), das auf die Projektierung von Unternehmen des Transportmaschinenbaus spezialisiert ist und den Plan für die Modernisierung des Motorenwerks ausgearbeitet hat.

Kontaktanschriften:

OAO NPK Uralwagonsawod
Wostotschnoje schosse 28, 622007 Nishni Tagil, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 3435/34 50 16
Generaldirektor: Oleg Wiktorowitsch Sienko
OOO Tscheljabinski traktornyi sawod "Uraltrak"
Prospekt Lenina 3, 454007 Tscheljabinsk, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 351/775 17 60, Fax: -772 95 83
Generaldirektor: Semen Gennadjewitsch Mlodik
Stellvertreter des Generaldirektors für Entwicklung - technischer Direktor:
Mashit Achmetshanov (Tel.: -773 07 09, Fax: -778 43 03)
OAO Uralski sawod transportnogo maschinostroenija (Uraltransmasch)
ul. Swerdlowa 6, 620027 Jekaterinburg, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 343/336 71 11, Fax: 329 77 00
Generaldirektor: Jurij Sergejewitsch Komratov
FGUP Ust-Katawski wagonostroitelnyi sawod imeni "S.M. Kirowa"
ul. Sawodskaja 1, 456043 Ust-Kataw, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 35167/712 88, Fax: -265 41
E-Mail: , Internet: www.ukvz.ru
Generaldirektor: Pawel Wiktorowitsch Abramov
(E.W.)