Bauwirtschaft schwächelt weiterhin / Einzelhandel profitiert von steigenden Einkommen / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Erdöl, Kunststoffe und Düngemittel - die wirtschaftliche
Entwicklung der Region Perm steht und fällt mit der chemischen
Industrie. Die Industrieproduktion in diesem Sektor zieht stark an und
befand sich bereits 2010 wieder auf Vorkrisenniveau. Tendenz: weiter
steigend. Die Einkommen legen zu und damit auch die Umsätze im
Einzelhandel. Dagegen präsentiert sich die Bauwirtschaft nach wie vor
schwach. In Sachen Infrastrukturbau gibt es in der Stadt und Umland von
Perm noch viel zu tun.
Die Wirtschaft in der Region Perm (Permski krai) hat sich im Jahr
2010 nur langsam vom Schock der Krise erholt. Erst seit 2011 befinden
sich die meisten Branchen wieder auf Wachstumskurs. Die
Industrieproduktion stieg in den ersten zehn Monaten 2010 um 7,3%. Der
Wert der umgesetzten Waren und Dienstleistungen im Verarbeitenden
Gewerbe belief sich auf 524 Mrd. Rubel (13 Mrd. Euro; Jahreswechselkurs
2010 laut Deutsche Bundesbank: 1 Euro = 40,26 Rubel), davon entfielen
über 300 Mrd. Rbl auf chemische Produkte, Erdöl und Kokskohle.
Klar
ist: Die Wirtschaft der Region Perm steht und fällt mir der Entwicklung
im Chemiesektor. Eine führende Rolle spielen die Konzerne Mineralnye
Udobrenie, Sibur und Lukoil. Alle drei Firmenkomplexe liegen auf dem
Stadtgebiet Perms - entlang einer einzigen Straße, der Uliza
Promyschlennaja. Die Konzerne entlang dieser Straße haben zwei
erfolgreiche Jahre hinter sich. Bereits 2010 ist die Chemieproduktion
der Region um ein Drittel gestiegen, die Erzeugung von Kunststoffen
legte sogar um 40% zu.
Und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Das
zeigt sich am Bespiel eines der größten Unternehmen der Region Perm: OAO
Mineralnye Udobrenija. Der Düngemittel-Hersteller hat 2010 einen Umsatz
von 6,25 Mrd. Rubel (knapp 150 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom
7.12.2011: 1 Euro = 41,82 Rubel) erzielt; in den ersten drei Quartalen
2011 waren es bereits 6,4 Mrd. Rbl - knapp 30% mehr als im
vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Ein Großteil der Produktion von
Karbamid und Ammoniak wird exportiert - nach Europa oder Lateinamerika.
Auch deutsche Unternehmen kaufen Ammoniak aus Perm.
Das zeigt:
2011 ist ein gutes Jahr für die Chemiebranche. Und nicht nur in dieser
Branche. Die Agrarbetriebe verzeichneten von Januar bis Oktober 2011 ein
Produktionswachstum um 15,3%. Im gleichen Zeitraum stiegen die
Einzelhandelsumsätze stiegen um 5,1% im Vergleich zu den ersten zehn
Monaten 2010. Kein Wunder: Schließlich lag das Durchschnittseinkommen in
der Region Perm im Oktober 2011 bei 19.600 Rubel und damit gut 2.000
Rubel über dem Niveau vor einem Jahr. Die Menschen haben mehr Geld für
Konsum in der Tasche und geben es aus. Restaurants, Kinos,
Freizeitzentren und Kaufhäuser sind selbst an oder nach Werktagen gut
besucht.
Der Regionalhaushalt des Permski krai in Zahlen (in Mrd. Rubel)
| Jan bis Okt. 2010 | Jan. bis Okt. 2011 | |
| Einnahmen | 70,6 | 78,2 |
| Ausgaben | 69,5 | 70,3 |
| Haushaltsüberschuss | 1,1 | 7,9 |
Quellen: Investment Assistance Agency Perm region, Statistikamt
Doch
der Aufwärtstrend ist noch nicht in allen Sektoren angekommen: Die
Bauwirtschaft ist und bleibt das Sorgenkind in der Region westlich des
Uralgebirges. Die Bauleistungen sanken von Januar bis Oktober 2011 im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,1%, wie das Statistikamt Permstat
ermittelt hat. In den ersten zehn Monaten 2011 wurden gerade einmal
460.000 qm Wohnfläche fertig gestellt - um 20.000 qm weniger als vor
einem Jahr.
Region Perm - wirtschaftliche Kennziffern
| 2008 | 2009 | 2010 | |
| Bruttoinlandsprodukt(Veränderung in % zum Vorjahr) | 4,9 | -8,4 | k.A. |
| Industrieproduktion (Veränderung in % zum Vorjahr) | 0,3 | -14,5 | 18,2 |
| Einzelhandelsumsatz (Veränderung in % zum Vorjahr) | 7,9 | -6,2 | 1,6 |
| Bruttoanlageinvestitionen (Veränderung in % zum Vorjahr) | 1,1 | -16,3 | -4,8 |
| Zufluss von Investitionen (in Mio. US$) | 475 | 346 | 486 |
| .davon Direktinvestitionen (in Mio. US$) | 131 | 43 | 68 |
| Bevölkerung (Mio. Einwohner) | 2,7 | 2,7 | 2,6 |
| Durchschnittslöhne (in Rubel) | 14.774 | 15.227 | 17.437 |
Quellen: Investment Assistance Agency Perm region, Statistikamt
Die
Bruttoanlageinvestitionen sind im Jahr 2010 um 4,8% gesunken und
beliefen sich auf 130 Mrd. Rubel (circa 3 Mrd. Euro). Dafür haben sich
die ausländischen Investitionen in der Region Perm gut entwickelt. Die
Zuflüsse von 486 Mio. US$ lagen um 41% über denen des Vorjahres. Die
ausländischen Direktinvestitionen stiegen sogar um den Faktor 1,6 auf 68
Mio. $.
In Perm sind bereits einige deutsche Unternehmen mit
Produktionsstätten vertreten. Dazu zählt auch Siemens. Zusammen mit dem
russischen Partner SAO Iskra-Avigaz gründete der deutsche Konzern die
Maschinenbaufirma OOO RusTurboMasch. Die Investitionen beliefen sich auf
60 Mio. Euro. Im Chemiesektor ist Degussa als Aktionär und Investor an
dem Unternehmen Moskau-Stockhausen-Perm beteiligt. Seit zehn Jahren
besitzt der deutsche Haushaltschemikalien-, Körperpflege- und
Kleberhersteller Henkel den Waschmittelhersteller OAO Pemos in Perm. Der
deutsche Gipsplattenproduzent Knauf stellt in der Region Baumaterialien
für den russischen Markt her. Desweiteren sind vor Ort Transport- und
Logistikfirmen sowie die Metro Cash and Carry Group vertreten.
Auch
in den Bereichen Hightech und Nanotechnologie will die Region Perm Gas
geben. Doch da mangelt es - wie in ganz Russland - oft an den
rechtlichen Rahmenbedingungen. Wie etwa beim geistigen Eigentum und
Patenten. "Unsere Wissenschaftler sind kluge Köpfe, doch ihre
Erfindungen liegen oft jahrelang ungenutzt in der Schublade - aus Angst
sie könnten geklaut werden", so Darja Terentewa im Interview mit Germany
Trade & Invest. Frau Terentewa ist Geschäftsführerin der
Gesellschaft International Exchange for Commercialization of Innovation
(IECI). Das Unternehmen wurde erst im September 2011 auf Betreiben der
Industrie- und Handelskammer Perm gegründet und hat als Ziel: Es soll
Unternehmern und Forschern helfen beim Schutz geistigen Eigentums, beim
Anmelden von Patenten und bei der Kommerzialisierung von
wissenschaftlichen Ergebnissen.
Kontaktanschriften
Investment Assistance Agency Perm Region
uliza Oronikidze 12a, ofis 305, 614000 Perm
Tel.: 007 342/237 57 60, Fax: -235 00 40
Internet: http://www.investperm.ru
Ansprechpartner: Oleg Schatow (Tel.: 007 902/804 13 05, E-Mail: shatov@investperm.ru)
OOO Lukoil-Perm
ul. Lenina 62, 614990 Perm
Tel.: 007 342/235 66 48, Fax: -235 68 07
E-Mail: lp@lp.lukoil.com, Internet: http://www.lukoil-perm.ru
OAO Mineralnyje udobrenija
ul. Promyschlennaja 96, 614055 Perm
Tel.: 007 342/220 73 11, -220 73 99
E-Mail: office@zmuperm.ru, Internet: http://www.zmuperm.ru
SAO Sibur-Chimprom
ul. Promyschlennaja 98, 614055 Perm
Tel.: 007 342/290 82 16, Fax: -290 86 60
E-Mail: mail@siburperm.ru, Internet: http://www.sibur.ru
International Exchange for Commercialization of Innovation (IECI)
ul. Petropawlowskaja 41, Büro 216, 614000 Perm
Tel.: 007 342/259 44 15, Fax: -259 44 18
Internet: http://www.ieci.ru
(H.B.)
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland