Markt wird immer importlastiger / Mit Megaprojekten bauen russische Chemieunternehmen ihre Produktion aus / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Der russische Markt für Polyvinylchlorid (PVC) hat 2011
mengenmäßig um rund 7% zugelegt. Auch in den kommenden Jahren dürfte er
um bis zu 8% wachsen. Diese Prognose haben Firmenvertreter und
Marktforscher auf der "9. Internationalen PVC-Konferenz" des
Chemie-Beratungsunternehmens Creon in Moskau geteilt. Russische
Branchenplayer wollen ihre Kapazitäten in den kommenden vier Jahren mehr
als verdoppeln. Bei PVC-Emulsion dominieren deutsche Importe den Markt.
Die Nachfrage nach PVC ist in den ersten neun Monaten 2011 im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17% auf 852.000 t gewachsen. Im 4.
Quartal dürften die PVC-Verarbeiter ihre Einkäufe aufgrund der großen
Lagerbestände von 60.000 bis 70.000 t (September 2011) aber leicht
drosseln, glauben russische Experten. Mit anderen Worten: Es wurden in
den ersten drei Quartalen 2011 um bis zu 70.000 t mehr PVC importiert
als tatsächlich verkauft wurden.
Den Jahresverbrauch schätzt das
Marktforschungsunternehmen Kortes auf 1,05 Mio. bis 1,06 Mio. t PVC. Die
Verkäufe von Suspensions-PVC (S-PVC) dürften 2011 bei 920.000 bis
930.000 t liegen, die von Emulsions-PVC (E-PVC) bei 125.000 bis 130.000
t. Ein Marktvolumen von 1,05 Mio. t - das wäre rund 7% mehr als im
Vorjahr. Tendenz: weiter steigend. Das Marktvolumen dürfte auch in den
kommenden Jahren um 7 bis 8% wachsen.
Russlands Markt für PVC in Zahlen (in 1.000 t, Veränderung in %)
| Kennzahl | 2006 | 2010 | Jan.-Sept. 2011 | Veränderung Jan.-Sept. 2011 / Jan.-Sept. 2010 (in %) |
| Nachfrage | 740,0 | 976,9 | 852,5 | +17 |
| Produktion | 591,5 | 547,6 | 411,0 | -2 |
| Import | 167,9 | 432,8 | 443,3 | +41 |
| Export | 19,5 | 3,5 | 1,8 | -41 |
Quelle: Kortes ("9. Internationale PVC-Konferenz" in Moskau)
Russlands
PVC-Hersteller machen sich große Sorgen. Zum einen ist die inländische
Produktion in den vergangenen fünf Jahren ständig gesunken. Das liegt
vor allem am Abschalten der veralteten Anlagen bei den Unternehmen AK
Asot und Usolechimprom. Zum anderen sind die Importe von Suspensions-PVC
aus den Vereinigten Staaten von Amerika in den ersten drei Quartalen
2011 um den Faktor 2,2 auf 187.000 t gestiegen. Das liege in erster
Linie an Schiefergas, das dort in rauen Mengen abgebaut werde, sagte
Kirill Popow von OAO Lukoil. "Je günstiger dort Gas wird, desto stärker
sinkt unser Wettbewerbsvorteil", so Popow. Der Verkaufsexperte sprach in
diesem Zusammenhang sogar von Dumpingpreisen, mit denen US-Firmen
Marktanteile in Russland erobern würden.
Tatsächlich konkurriert
Suspensions-PVC aus den Vereinigten Staaten mit russischen Erzeugnissen,
denn Russland stellt fast ausschließlich solch suspensives
Polyvinylchlorid her. Von den 458.000 t Kunststoffharz, die 2010 in
Russland produziert wurden, waren 435.700 t Suspensions-PVC und nur
22.300 t Emulsions-PVC (53% weniger als 2006, Tendenz: weiter sinkend).
Lukoil hat mit dem Unternehmen Karpatneftechim sein Werk zwar auf
ukrainischem Boden stehen, verkauft die PVC-Suspensionen aber zollfrei
nach Russland und ist vor allem in West-Russland ein ernstzunehmender
Anbieter. Händler von Lukoil-Polymeren sind Zentropolimer und Plastsnab.
Auch neue Projekte, die in der Pipeline sind, dienen in erster Linie
der Erzeugung von suspensivem PVC.
Bis 2015 sollen Kapazitäten für
850.000 t PVC in Russland entstehen. Die wichtigsten Investoren sind
Kaustik, RusVinyl, Sajanskchimplast, Chimprom und Plastkard. Damit
wollen die russischen PVC-Hersteller der Importzunahme entgegen wirken
und ihre Marktanteile sichern.
Erwartete Kapazitätserweiterungen für PVC in Russland (in 1.000 t)
| Unternehmen | Kapazitäten 2010 | Geplante Kapazitäten 2015 |
| Kapazitäten insgesamt, davon | 642 | 1.489 |
| .Sibur-Neftechim | 42 | 42 |
| .Kaustik | 200 | 400 |
| .Plastkard | 90 | 120 |
| .Sajanskchimplast | 280 | 400 |
| .Chimprom | 30 | 197 |
| .RusVinyl | - | 330 |
Quelle: Kortes ("9. Internationale PVC-Konferenz" in Moskau)
Russland
dürfte - werden all diese Projekte tatsächlich umgesetzt - wesentlich
weniger abhängig sein von Importen. Aber das Land wird dennoch nicht in
der Lage sein, sich gänzlich eigenständig mit dem begehrten Kunststoff
zu versorgen.
Bei Emulsions-PVC ist Russland massiv abhängig von
Importen. Traditionell sind Firmen aus Deutschland die wichtigsten
Lieferanten für den russischen Markt. Das Ismaninger Unternehmen
Vinnolit hat in den ersten neun Monaten 2011 rund 34.300 t PVC nach
Russland geliefert - das war mehr als doppelt so viel wie die gesamte
Produktion in Russland. Der Anteil von Vinnolit an den russischen
Importen von E-PVC beläuft sich auf 46%. Weitere 48% teilen sich die
Unternehmen Vestolit, Solvin und Ineos. Die Importe aus Deutschland
stiegen in den ersten drei Quartalen 2011 auf knapp 50.000 t - um 14%
mehr als im Vorjahreszeitraum. "Russland ist für uns ein wichtiger
Absatzmarkt, unsere Produkte werden vor allem als Beschichtung in der
Automobilindustrie oder für Bodenbeläge stark nachgefragt", sagte
Jewgeni Iwanow, Repräsentant von Vestolit im Gespräch mit Germany Trade
& Invest.
Kein Wunder also, dass Deutschland einen Marktanteil
von 55% bei E-PVC hält. Danach kommt Russland mit einem Anteil von 17%;
führender Anbieter ist das Unternehmen Chimprom. Aber auch schwedische
und französische Betriebe sind wichtige Lieferanten.
Verwendung von PVC in Russland (Anteile in %)
| Verwendungsart - Produktgruppe | Anteil in % |
| Profile | 54 |
| Plastikate | 14 |
| Bodenbeläge | 11 |
| Rohre | 8 |
| Folien | 5 |
| Andere | 6 |
Quelle: Kortes ("9. Internationale PVC-Konferenz" in Moskau)
Das
Gros des in Russland konsumierten Polyvinylchlorids (circa 54%) wird in
der Bauindustrie verwendet. Daraus werden Fenster- oder Türprofile
hergestellt, aber auch Plastikate und Bodenbeläge. Rund 8% des PVCs geht
an Rohrhersteller und 5% an Produzenten von PVC-Folien.
Ein
bekannter Verarbeiter ist das Wladimirski Chimsawod, 180 km östlich von
Moskau. Das Unternehmen stellt PVC-Plastikate und -Folien, plastikfreie
Abdeckfolien sowie Granulate, Polyether und Glasfasermaterialien. Die
Waren werden in der Automobil-, Lebensmittel- und Bauindustrie
verwendet. Einige Produkte exportiert das Unternehmen sogar nach
Deutschland. Das Unternehmen will auch mit einem Partner aus Deutschland
in die Zukunft gehen. Geschäftsführer Pawel Markelow sucht für den
Technopark, auf dem sich auch das Chemiewerk befindet, nach einer
deutschen Partnerfirma für die Entwicklung und Produktion gemeinsamer
Erzeugnisse.
Kontaktanschriften
Creon
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Internet: http://www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: fk@creon-online.ru)
OAO Chimprom
ul. Promyschlennaja 101, 429952 Nowotscheboksarsk, Republik Tschuwaschien
Tel./Fax: 007 8352/740 27 3
E-Mail: himprom@chtts.ru, Internet: http://www.himprom.com
OOO Kaustik
ul. 40 let WLKSM 57, 400097 Wolgograd
Tel.: 007 8442/406 99 0, Fax: -406 15 5
E-Mail: ves@kaustik.ru, Internet: http://www.kaustik.ru
OAO Plastkard
ul. 40 let WLKSM, 400097 Wolgograd
Tel.: 007 8442/406 73 7, Fax: -406 23 5
E-Mail: plastkard@plastkard.ru, Internet: http://www.plastkard.ru
OOO RusVinyl
ul. Malaja Pokrowskaja 6/1, 603000 Nischni Nowgorod
Tel: 007 831/431 77 88, Fax: -430 77 22
E-Mail: rusvinyl@rusvinyl.ru, Internet: http://www.rusvinyl.ru
\x{041e}A\x{041e} Sajanskchimplast
a/ja 17, 667301 Sajansk, Gebiet Irkutsk
Tel.: 007 39553/455 40, Fax: -39553/450 06
E-Mail: mail@sibvinyl.ru, Internet: http://www.sibvinyl.ru
Wladimirski Chimsawod
ul. Bolschaja Nischegorodskaja 81, 600000 Wladimir
Tel.: 007 4922/32 52 42, Fax: -53 10 39
E-Mail: markelovvhz.elcom.ru, Internet: http://www.vhz.su
Ansprechpartner: Geschäftsführer Pawel Markelow
(H.B.)
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