Einheimische Hersteller verlieren Marktanteile / Investitionen in neue Produktlinien und Verpackungen / Von Gerit Schulze
Moskau
(gtai) - Russlands Seifenhersteller sehen den bevorstehenden
WTO-Beitritt ihres Landes mit Sorge. Ihre Produktionszahlen sinken und
die Konkurrenz durch ausländische Anbieter steigt. Deshalb müssen sie
reagieren und in neue Produktlinien, Verpackungen und Duftstoffe
investieren. Denn auch das Konsumentenverhalten der russischen
Verbraucher ändert sich schnell. Sie kaufen heute ähnliche Seifensorten
wie die Verbraucher im Westen. Flüssigseife ist auf dem Vormarsch.
Während in Westeuropa das traditionelle Seifenstück immer
seltener über den Ladentisch geht, nutzen noch 70% aller Russen diesen
Seifen-Klassiker. Doch die Vorlieben ändern sich allmählich. In den
letzten Jahren ist die Inlandsproduktion von Seifenstücken stetig
gesunken, allein in den ersten acht Monaten 2011 um 11%.
Ohnehin
haben die russischen Seifenhersteller mit der ausländischen Konkurrenz
zu kämpfen. Ob Haushaltsseife oder Feinseife - zumindest bei den festen
Varianten müssen sie ihre Produktion drosseln. Lediglich bei flüssiger
Haushaltsseife gab es 2011 noch ein leichtes Wachstum.
Ansonsten
dominieren westliche Konzerne wie Colgate-Palmolive, Linda, Schwarzkopf
& Henkel sowie Unilever das Geschehen. Durch den bevorstehenden
Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO werden sie ihre
Marktposition weiter verbessern können, denn die Regierung muss die
Einfuhrzölle für Seifen senken. Derzeit liegt der Satz für Feinseife bei
15%, aber nicht weniger als 0,135 Euro je Kilogramm.
Die
russischen Seifenhersteller wappnen sich jedoch bereits für den
zunehmenden Wettbewerb. Sie erhöhen ihr Innovationstempo, bringen neue
Produkte auf den Markt und investieren in markantere Verpackungen und
Duftstoffe. Die großen russischen Branchenunternehmen wie die Sankt
Petersburger Newskaja kosmetika erwarten daher keine großen
Geschäftseinbußen durch den WTO-Beitritt. Zwar werden die Einfuhrzölle
für Seifen sinken. Doch da die renommierten ausländischen Hersteller
längst in Russland vertreten sind, dürfte sich die Konkurrenz kaum
verschärfen, schreibt das Unternehmen in seinem letzten Jahresbericht.
Entwicklung der russischen Seifenproduktion (in Tonnen)
| Produkt / Schwerpunktregion | 2009 | 2010 | Januar bis August 2011 | Veränderung zur Vorjahresperiode (in %) |
| Haushaltsseife, fest | 101.160 | 89.959 | 51.089 | -11 |
| .davon im Gebiet Saratow | 21.405 | 21.845 | 11.698 | -15 |
| .Sankt Petersburg | 11.666 | 13.046 | 7.954 | -5 |
| .Gebiet Nowosibirsk | 15.033 | 13.106 | 7.702 | -10 |
| Haushaltsseife, flüssig | 933 | 1.083 | 710 | 2 |
| .davon in Sankt Petersburg | 933 | 1.083 | 710 | 2 |
| Feinseife (Toilettenseife), fest | 71.910 | 69.089 | 43.538 | -12 |
| .davon in Sankt Petersburg | 15.875 | 15.979 | 11.225 | 7 |
| .Gebiet Samara | 9.373 | 9.885 | 8.152 | 16 |
| .Republik Tatarstan | 13.591 | 11.097 | 5.486 | -25 |
| Feinseife (Toilettenseife), flüssig | 10.382 | 13.491 | 9.071 | -11 |
| .davon im Gebiet Samara | 4.643 | 5.034 | 3.348 | -7 |
| .Gebiet Swerdlowsk | 3.296 | 4.036 | 2.728 | -25 |
| .Stadt Moskau | 900 | 1.794 | 1.178 | -2 |
Quelle: Branchenverband Masloschirowoi sojus Rossii
Schwerpunktregionen
der russischen Seifenproduktion sind Sankt Petersburg, Samara und
Saratow, Nowosibirsk, Tatarstan und das Swerdlowsker Gebiet. Größter
einheimischer Hersteller von fester Seife ist nach Angaben des
Branchenverbands Masloschirowoi sojus Rossii das Unternehmen PKK Wesna (http://www.vesna.ru)
aus der Wolgametropole Samara. Sein Marktanteil bei Seifenstücken soll
rund 19% betragen. Dahinter folgen die Kasaner Nefis-Kosmetiks (http://www.nefco.ru) und die Moskauer Swoboda (http://www.svobodako.ru) mit jeweils 16%. Außerdem haben die Sankt Petersburger Newskaja kosmetika (15%, http://www.nevcos.ru) und das Öl- und Fettkombinat NMZhK (12%, http://www.nmgk.ru) aus Nischni Nowgorod zweistellige Marktanteile.
Wegen
der sich schnell ändernden Konsumvorlieben der Russen bieten diese
Hersteller inzwischen auch Flüssigseife an. Weitere wichtige Produzenten
von Flüssigseife sind Kalina (Jekaterinburg, http://www.kalina.org), Krasnaja linija (Moskauer Oblast, http://www.krasnaya.ru) und Magraw (Moskauer Oblast, http://magrav.ru).
Noch
kaum verbreitet ist Naturseife aus natürlichen Bestandteilen. Sie hatte
nach Untersuchungen von Nielsen 2010 einen Marktanteil von 5% in
Russland. Im Einzelhandel kostet einheimische Naturseife zwischen 100
und 400 Rbl je 100 Gramm (2,40 bis 9,60 Euro, Wechselkurs am 22.12.11: 1
Euro = 41,67 Rbl). Für Importprodukte müssen die Verbraucher zwischen
600 und 700 Rbl zahlen.
Allerdings gewinnt dieses Nischenprodukt
nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Ekonomika i schisn immer mehr
an Bedeutung. Da auch russische Verbraucher bei ihrer
Einkaufsentscheidung auf ökologische Aspekte Wert legen und mehr
individuelle Produkte verlangen, steigen die Verkäufe von Naturseife
überdurchschnittlich an. Etwa 80% des Marktvolumens werden in den beiden
Metropolen Moskau und Sankt Petersburg verkauft. Litauen und Bulgarien
sind die wichtigsten Lieferanten. Einer der einheimischen Hersteller von
Naturseife ist das Sankt Petersburger Unternehmen OOO Blansch (http://www.blanche-k.narod.ru). Die Zusatzstoffe werden überwiegend im Ausland eingekauft.
Ein
wichtiges Geschäftsfeld für die großen Hersteller ist inzwischen die
Auftragsproduktion von Hausmarken für russische Einzelhandelsketten.
Allerdings drängen auch die westlichen Wettbewerber stark in dieses
Segment. Mit eigenen Produktionsstätten vor Ort oder durch Übernahmen
russischer Hersteller (zuletzt Kalina durch Unilever) versuchen sie,
ihre Position im Land zu stärken.
Vertriebskanäle für Seifenprodukte in Russland (2010)
| Vertriebskanal | Anteil in % |
| Super- und Hypermärkte | 47 |
| Apotheken | 14 |
| Haushaltswaren-Geschäfte | 14 |
| Markengeschäfte einzelner Hersteller | 12 |
| Märkte | 12 |
| Kleine Einzelhandelsgeschäfte | 10 |
Quelle: Wirtschaftszeitung Ekonomika i schisn (43/2011)
Kontaktanschrift
Masloschirowoi sojus Rossii
(Verband der Öl- und Fettehersteller)
Uliza Nowokusnezkaja 24/4a, 119017 Moskau
Tel.: 007 495/953-66 32, Fax: -68 63
E-Mail: mgsr@mail.ru, Internet: http://www.msros.ru
(S.Z.)
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