Wohnungsbau stabilisiert sich / Ausländische Kapitalanleger investieren im Einzelhandel / Von Gerit Schulze
Moskau
(gtai) - Russlands Bauwirtschaft hat Tritt gefasst. Nach langen
Anlaufschwierigkeiten scheint die Krise überwunden. Im Jahr 2011 ist das
Bauvolumen kräftig gewachsen. Neben dem Infrastruktur- und Gewerbebau
kommt nun auch der Wohnungsbau in Schwung. Mit der geplanten Ausdehnung
des Moskauer Stadtgebiets, den Vorbereitungen auf die
Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und dem anstehenden Boom beim Straßenbau
dürfte die Konjunktur der Bauwirtschaft länger tragen.
Dank zahlreicher neuer Investitionsprojekte im ganzen Land und
dank des dynamischeren Wohnungsbaus lässt die russische Bauwirtschaft
die Krise langsam hinter sich. In den beiden Sommermonaten Juli und
August 2011 lag der Wert der ausgeführten Bauleistungen real um 18
beziehungsweise 12% über dem Vorjahreswert. Im Herbst setzte sich das
Wachstum fort. Insgesamt erreichte der Bausektor von Januar bis November
2011 ein Plus von knapp 5%.
Die Stimmung in der Branche hat sich
deutlich verbessert; die Auftragslage der Unternehmen verbessert sich.
Wie die Statistikbehörde Rosstat ermittelt hat, wurden im 1. Halbjahr
2011 Bauverträge im Umfang von 2,2 Billionen Rubel (76,9 Mrd. US$,
durchschnittlicher Wechselkurs Januar bis Juni 2011: 1 US$ = 28,62
Rubel) abgeschlossen. Ein Jahr zuvor lag das Volumen bei 1,9 Billionen
Rubel (63,2 Mrd. US$). Insgesamt wurden im 1. Halbjahr 2011 in Russland
87.100 Neubauten in Betrieb genommen. Das waren 100 Bauwerke mehr als im
Vorjahreszeitraum. Das Bauvolumen dieser Gebäude betrug 133,2 Mio. cbm
(Vorjahr: 132,9 Mio. cbm).
Für das positivere Geschäftsklima im
Bausektor spricht auch die Lage der Immobilien-Entwickler. Nach
deutlichen Verlusten im Vorjahreszeitraum haben die sieben großen
börsennotierten Developer im 1. Halbjahr 2011 wieder gute Gewinne
gemacht (Ausnahme: RGI Development). Ihre Umsätze steigen kräftig und
damit auch die Pläne für neue Bauvorhaben. Allein das führende
Unternehmen PIK hat derzeit Projekte über 14 Mio. Quadratmeter in der
Pipeline.
Die regionalen Wachstumszentren der russischen
Bauwirtschaft liegen aktuell vor allem in Süd-Russland mit der
Olympiaregion Krasnodar und den Kaukasusrepubliken, wo ein staatliches
Entwicklungsprogramm angeschoben wurde. Russlands Regierung hat für die
politisch instabile Kaukasus-Region bis 2025 einen Sonderfonds über 130
Mrd. US$ zur Verfügung gestellt. Daneben laufen große Bauprojekte in der
Region Primorje mit der Gebietshauptstadt Wladiwostok, wo 2012 die
Asien-Pazifik-Konferenz (APEC-Gipfel) stattfindet.
Starke
Rückgänge von 12% beim Bauvolumen gab es dagegen in den ersten sieben
Monaten 2011 auf Russlands größtem Regionalmarkt Moskau. Die
Stadtverwaltung um den neuen Bürgermeister Sergej Sobjanin hatte
zunächst einen Baustopp für Neubauprojekte in der Innenstadt verhängt.
Nach russischen Pressemeldungen sind etwa 200 Bauprojekte mit einer
Gesamtfläche von 7 Mio. Quadratmetern und einem Auftragswert von 35 Mrd.
US$ betroffen. Dennoch wird Moskau in den nächsten Jahren wieder in den
Blickpunkt rücken. Denn Präsident Dmitri Medwedjew hatte im Juni 2011
entschieden, das Stadtgebiet um 160.000 Hektar mehr als zu verdoppeln
und große Teile der Verwaltung in das Umland zu verlegen. Innerhalb
eines Jahres soll nun ein Generalplan für die Bebauung dieser neuen
Megaregion ausgearbeitet werden.
Außerdem steht in Moskau ein Boom
beim Infrastrukturbau bevor, um das Verkehrschaos zu bändigen. In den
Ausbau der Transportwege sollen allein 2012 etwa 330 Mrd. Rubel fließen
(11 Mrd. US$). Die Summe wird in den Folgejahren kontinuierlich
angehoben. Schwerpunkte sind der Ausbau der U-Bahn, des Straßennetzes
sowie der Bau von großen Umsteigeknoten und Park-and-Ride-Systemen an
160 Standorten. Sogar 73 Kilometer Radwege bekommt die Stadt bis 2016.
Daneben
wurde in Moskau wieder einmal ein Sonderprogramm zum Bau von
Parkplätzen gestartet. Bis 2016 sollen in der Stadt 3 Mio. neue
Pkw-Stellflächen entstehen. Interessante Geschäftschancen ergeben sich
auch durch das Vorhaben, innerhalb der nächsten drei Jahre die kommunale
Beleuchtung zu modernisieren (zuständig: Mosgorsvet). Dafür stehen
umgerechnet 200 Mio. US$ zur Verfügung.
Wie sehr personelle
Änderungen in der politischen Landschaft Einfluss auf das Baugeschehen
einer Region haben können, zeigt nicht nur der Bürgermeisterwechsel in
Moskau. Auch in Sankt Petersburg wurde im Spätsommer 2011 ein neuer
Gouverneur installiert. Gleich nach seinem Amtsantritt hat die neue
Verwaltung der Millionen-Metropole einige bedeutende Bauvorhaben in
Frage gestellt. So soll die gerade erst geschlossene
Konzessionsvereinbarung für die Errichtung des Orlow-Tunnels unter dem
Newa-Fluss wieder aufgelöst werden, berichteten russische Zeitungen.
Grund seien die zu hohen Kosten, die auf das kommunale Budget zukommen,
falls das prognostizierte Verkehrsaufkommen nicht erreicht werde. Für
das Bauvorhaben war unter anderem der deutsche Hersteller Herrenknecht
als Lieferant für die Vortriebsmaschinen im Gespräch.
Wohnungsbau
Nach
zwei Jahren deutlichen Rückganges scheint sich der russische
Wohnungsbau 2011 wieder zu stabilisieren. Im dritten Quartal lag der
Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 15%. Für das Gesamtjahr ist
ein Plus von etwa 5% zu erwarten. Die dynamische Entwicklung bei der
Vergabe von Hypothekenkrediten zeigt, dass die Aussichten für den Sektor
sehr gut sind. Damit könnte Russland 2011 erstmals seit drei Jahren
wieder ein Wohnungsbauvolumen von mehr als 60 Mio. Quadratmetern
erreichen. Bis zum Jahr 2015 erhofft sich die Regierung sogar ein
jährliches Fertigstellungsvolumen von 90 Mio. Quadratmetern.
Besonders
dynamisch entwickelte sich der Wohnungsbau in den ersten sieben Monaten
2011 in den Regionen Brjansk (+56%), Orjol (+48%), Nowgorod (+50%),
Irkutsk (54%) sowie im Fernen Osten. Dort findet 2012 in Wladiwostok die
Asien-Pazifik-Konferenz statt. Entsprechend viel Geld pumpt die
russische Regierung im Vorfeld des Gipfels in den Ausbau der Stadt. Der
Wohnungsbau in der dazugehörigen Primorje-Region stieg von Januar bis
Juli 2011 um 65%. Noch stärkere Zuwächse mit 131% gab es in der
Amur-Region. Eine sehr positive Entwicklung zeigten auch die
zweitwichtigste Region des russischen Wohnungsbaus Sankt Petersburg
(+9%) und die viertwichtigste Region Tatarstan (+29%). Dagegen musste
Russlands größter Wohnungsbaumarkt - das Moskauer Gebiet - Federn
lassen. Das Fertigstellungsvolumen ging in den ersten sieben Monaten
2011 um ein Fünftel zurück. Noch stärkere Einbrüche verzeichneten die
Gebiete Tula (-32%), Murmansk (-56%) und Astrachan (-24%).
Die
Stadt Moskau will ihren Rückstand zu den führenden Wohnungsbau-Regionen
des Landes wieder aufholen. Zum einen bekommt sie durch die geplante
Erweiterung des Stadtgebietes zusätzliches Bauland für neue Projekte.
Zum anderen hat die Verwaltung im Sommer 2011 ein Wohnungsbauprogramm
verabschiedet, das bis 2016 ein Neubauvolumen von 12,7 Mio.
Quadratmetern Wohnraum vorsieht. Etwa ein Drittel davon soll durch
Mittel aus dem kommunalen Haushalt errichtet werden. Nach den Plänen der
Verwaltung müssten in Moskau jährlich 2,6 Mio. Quadratmeter Wohnraum
entstehen (2010: 1,8 Mio. Quadratmeter). Je Einwohner sollen bis 2016
etwa 24 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen (derzeit 22,5
Quadratmeter).
Um die Sanierung des Gebäudebestands in Russland
endlich in Schwung zu bringen, wird der Fonds für Wohnungswirtschaft ab
Ende 2012 in regionale Fonds für die Grundsanierung von Wohngebäuden
umgewandelt. Die Eigentümer der Wohnungen sollen verpflichtet werden,
monatlich in eine Instandhaltungsrücklage einzuzahlen, aus der die
Modernisierung der Immobilien finanziert wird. Nach Angaben des Fonds
für Wohnungswirtschaft sind in Russland derzeit Wohngebäude mit einer
Gesamtfläche von 16 Mio. Quadratmetern Wohnfläche in völlig marodem,
baufälligem Zustand.
Hypothekenfinanzierung
Das
Hypothekengeschäft der russischen Banken boomt. Die 20 größten
Kreditinstitute konnten im 1. Halbjahr 2011 ihr Hypothekenportfolio um
120% auf 217 Mrd. Rubel ausweiten. Die Ratingagentur Moody's erwartet
für 2011 und 2012 Zuwächse von jeweils 30% bei der Vergabe von
Hypothekenkrediten. Nach einem Neugeschäft von 437 Mrd. Rubel im Jahr
2010 dürfte 2011 ein Volumen von 570 Mrd. Rubel erreicht werden.
Ein
Grund für den Höhenflug sind die günstigen Konditionen. Mit einem
durchschnittlichen Zinssatz von 12,2% (für Rubel-Hypothekenkredite) hat
die russische Zentralbank in den ersten sechs Monaten 2011 den bisher
niedrigsten Stand registriert. Mittelfristig strebt die Regierung
Zinssätze von maximal 5 bis 6% an. Wegen der hohen Inflationsrate und
des wieder steigenden Refinanzierungssatzes der Zentralbank ist dieser
Zielkorridor derzeit jedoch wenig realistisch.
Dennoch könnte sich
die Zahl der Hypothekenkredite nach Schätzungen der staatlichen Agentur
für Hypothekenkredite AIZhK bis 2020 nahezu verdreifachen. Die Behörde
erwartet einen Anstieg der Kreditverträge auf 870.000. Während sich
aktuell höchstens jede fünfte russische Familie einen Hypothekenkredit
zur Finanzierung der eigenen vier Wände leisten kann, soll es bis 2020
jeder zweite Haushalt sein. Das Hypothekengeschäft würde damit eine
größere Rolle bei der Finanzierung des Wohnungserwerbs in Russland
bekommen. Laut AIZhK lag der Anteil 2010 bei 15% aller Kaufverträge. Bis
2020 soll er auf 40% steigen.
Wirtschaftsbau
Im 1. Halbjahr
2011 wurden in Russland nach Schätzungen von CBRE 2,5 Mrd. US$ in
Geschäftsimmobilien investiert, davon 85% in der Hauptstadt Moskau. Wie
die Marktexperten weiter mitteilen, haben sich die Geschäfte im 2.
Quartal 2011 deutlich belebt und das höchste Volumen der letzten fünf
Jahre erreicht. Jones Lang LaSalle ermittelte ein Investitionsvolumen
von 3,6 Mrd. US$. Für das Gesamtjahr 2011 werden Kaufverträge im Umfang
von 6,4 Mrd. bis 7 Mrd. US$ erwartet.
Die Mehrzahl der
Immobilienkäufer kommt derzeit aus Russland, ausländische Käufer sind
vor allem bei Office-Objekten noch zurückhaltend. Etwa 42% der
Investitionen sind im 1. Halbjahr 2011 in Bürogebäude geflossen, 31% in
Handelsimmobilien, so CBRE. Trotz der unsicheren Aussichten (Parlaments-
und Präsidentschaftswahlen 2011/2012 in Russland und internationale
Finanzkrise) erwarten die Analysten für 2011 und 2012 neue Rekordstände
beim Umsatz mit Geschäftsimmobilien in Russland. Bei steigender
Nachfrage sinkt zugleich die Leerstandsquote, so dass es in einigen
Regionen bereits wieder zu Engpässen beim Angebot an Büro- oder
Lagerflächen kommt. Das dürfte dem Neubau von Büros, Hotels, Einkaufs-
und Logistikzentren neuen Auftrieb verleihen.
Handelsbauten
Obwohl
das Verbrauchervertrauen derzeit relativ niedrig ist, sind Russlands
Einzelhandelsumsätze im Zeitraum Januar bis August 2011 real um fast 6%
gestiegen. Offenbar haben die russischen Konsumenten angesichts der
Verwerfungen im Eurorraum ebenfalls Angst um ihre Ersparnisse und
stecken das Geld lieber in Sachwerte. Auch für die kommenden drei Jahre
rechnet das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung mit Zuwächsen
von jeweils über 5%. Die Dynamik soll vor allem aus dem Konsum
langlebiger Non-Food-Güter kommen.
Für internationale
Kapitalanleger scheint der russische Handelssektor wieder äußerst
attraktiv für ein Engagement. Im 1. Halbjahr 2011 haben sich die
ausländischen Investitionen in den Einzelhandel auf 3,5 Mrd. US$ mehr
als verdoppelt. Viele ausländische Markenhersteller aber auch russische
Handelsketten haben Expansionspläne. Der Spielzeughändler Detski Mir
(Kinderwelt) zum Beispiel will 50 neue Geschäfte im Land eröffnen. Der
deutsche Handelskonzern Globus baut bis 2017 zehn neue Hypermärkte im
Moskauer Gebiet. Die Investitionen dafür belaufen sich auf über 1 Mrd.
US$, teilte die Gebietsverwaltung mit.
In den beiden wichtigsten
Handelszentren Russlands - Moskau und Sankt Petersburg - liegt die
Leerstandsrate derzeit laut Jones Lang LaSalle bei etwa 7%. Neu
eröffnete Shopping-Flächen werden derzeit schnell wieder vermietet. Bis
Jahresende könnte der Leerstand auf 5% sinken. In Moskau wird die
weitere Entwicklung stark von politischen Vorgaben abhängen. Große
Einkaufstempel dürften im Stadtgebiet kaum noch entstehen, um das
Verkehrschaos nicht weiter ausufern zu lassen. Durch die Erweiterung der
Stadtgrenzen könnte sich die Investitionstätigkeit in die Gebiete
außerhalb des äußeren Autobahnringes verlagern.
In Sankt
Petersburg hat sich das Fertigstellungsvolumen bei Handelsimmobilien
nach dem schwachen Vorjahreswert im 1. Halbjahr 2011 nahezu
verfünffacht. Laut Agentur ARIN wurden 145.000 Quadratmeter
Einkaufszentren übergeben. Wachstumstreiber sind aber die
Millionenstädte und andere Gebietszentren im russischen Hinterland. Dort
sollen bis Ende 2012 laut Berechnungen von Jones Lang LaSalle etwa 2,5
Mio. Quadratmeter neuer Handelsflächen entstehen.
Bestand und Entwicklung von Einkaufszentren in Russland (Stand: 2. Quartal 2011)
| Kennziffer | Russland insgesamt | Moskau | Sankt Petersburg | Sonstige Millionenstädte | Andere Städte |
| Bestand an Einkaufszentren, in 1.000 qm | 10.518 | 3.152 | 1.508 | 2.880 | 2.978 |
| Neubaupläne bis Ende 2012, in 1.000 qm | 3.258 | 448 | 257 | 858 | 1.695 |
| Fläche in Einkaufszentren pro 1.000 Einwohner, in qm | k.A. | 273 | 311 | 229 | k.A. |
| Anzahl der Einkaufszentren | 330 | 79 | 44 | 83 | 124 |
Quelle: Jones Lang LaSalle
Büroflächen
Auch
das Geschäft mit Büroimmobilien hat sich im 1. Halbjahr 2011 weiter
belebt. Nach Informationen von Knight Frank ist die Zahl der neu
vermieteten oder verkauften Objekte (A-Kategorie) in Moskau um 15% auf
210.000 Quadratmeter gestiegen. Gleichzeitig ist der Leerstand um drei
Prozentpunkte auf 14,5% gesunken. Bei B-Objekten lag der Zuwachs sogar
bei einem Drittel. Mit 300.000 Quadratmetern haben die Makler mehr Büros
vermietet oder verkauft als neu errichtet wurden. Laut Knight Frank ist
das Fertigstellungsvolumen im Office-Segment derzeit auf einem
Sieben-Jahres-Tief. Niedriger Leerstand, wachsende Nachfrage und
sinkendes Angebot sowie eine verbesserte Kreditvergabe sprechen dafür,
dass die Bautätigkeit kurzfristig wieder ansteigt. Experten erwarten bis
Jahresende eine Welle von Projektmeldungen für den Bau von Bürogebäuden
in Moskau und anderen Wirtschaftszentren.
In Sankt Petersburg
wurden im 1. Halbjahr 2011 laut Jones Lang LaSalle über 70.000
Quadratmeter Büroflächen der A- und B-Kategorie neu in Betrieb genommen.
Die Leerstandquote sinkt auch in der nördlichen Metropole und lag Mitte
2011 bei rund 13%. Analysten von Colliers International erwarten für
das Gesamtjahr 2012 in Sankt Petersburg ein Fertigstellungsvolumen von
lediglich 100.000 Quadratmetern. Die Leerstandquote werde sich daher
Richtung 10% bewegen, die Mietpreise steigen.
Lager- und Logistikflächen
Der
Leerstand in den Logistikzentren des Großraums Moskaus hat sich
deutlich verringert. Wie Jones Lang LaSalle errechnet hat, ist die Quote
von 14,8% (Anfang 2010) auf 3,7% im 1. Quartal 2011 gesunken. Grund ist
der rekordverdächtige Verkauf beziehungsweise die Vermietung von 1,5
Mio. Quadratmetern Lagerfläche im Jahr 2010 und die geringe
Neubau-Aktivität. So dürften 2011 nur 0,5 Mio. Quadratmeter neu auf den
Markt kommen. Daher rechnen Analysten mit einer weiter sinkenden
Leerstandquote auf 2% bis zum Jahresende. Da im Zuge der Verknappung von
Logistikimmobilien auch die Miet- und Kaufpreise steigen, zeigen sich
Investoren wieder verstärkt interessiert an Projekten in diesem
Geschäftsfeld. Jones Lang LaSalle erwartet, dass die Mietpreise für
Lagerhallen im Moskauer Umland bis Ende 2011 wieder den Rekordstand von
vor der Krise erreichen könnten (etwa 140 US$ je Quadratmeter und Jahr).
Auch
im Großraum Sankt Petersburg belebt sich das Geschäft mit
Logistikflächen. Im 1. Halbjahr 2011 wurden nach Berechnungen von
Colliers International 135.000 Quadratmeter neu vermietet. Das war
deutlich weniger als fertig gestellt wurde. Der Leerstand lag zur
Jahresmitte im Nordwesten Russlands bei 12%, könnte bis Ende 2011 aber
auf unter 100.000 Quadratmeter sinken (7 bis 9% des Angebots). Colliers
International rechnet damit, dass die Bautätigkeit wieder zunimmt und in
den Jahren 2012 und 2013 etwa 226.000 Quadratmeter Lager- und
Logistikflächen in der Region Sankt Petersburg errichtet werden.
Auch
in anderen Regionen gibt es wieder neue Vorhaben. Am Ostseehafen
Ust-Luga beginnen 2012 die Bauarbeiten für ein großes Logistikzentrum.
Bei Smolensk entsteht bis 2017 ein neuer Logistikpark mit 400.000
Quadratmetern Waren-Stellfläche. Investor des 200 Mio. US$ teuren
Vorhabens ist Alfa Trans Invest.
Große Logistikzentren für
Lagerung und Umschlag von Obst und Gemüse entstehen nach Plänen der
Gebietsverwaltung in der südrussischen Region Stawropol. Dafür sind 30
Mio. US$ Investitionen vorgesehen. Ähnliche Projekte plant die
Nachbarregion Astrachan, um die eigenen landwirtschaftlichen Produkte
besser russlandweit verteilen und vermarkten zu können. In der
Kaukasusregion Dagestan kündigte die Agrarholding Agriko für 400 Mio.
US$ den Bau eines Logistikzentrums an.
Hotels
Hotelbetreiber
und -investoren in Russland haben wieder Grund zum Optimismus. Durch
die Wirtschaftsbelebung steigt die Zahl der Geschäftsreisenden und
Touristen. Am wichtigsten Standort Moskau ist die Auslastung der
Herbergen im Drei- bis Fünf-Sterne-Bereich im 1. Halbjahr 2011 um 1,7
Prozentpunkte auf 65,4% gestiegen. Der durchschnittliche Zimmerpreis
kletterte um 6%. Gleichzeitig kamen laut Colliers International 650 neue
Hotelzimmer auf den Markt. Nur ein Drittel der Neueröffnungen entfiel
dabei auf das besonders nachgefragte Segment der Drei-Sterne-Hotels. Für
2012 erwartet die Moskauer Stadtregierung, dass 20 neue Hotels mit
6.000 Betten an den Start gehen. Insgesamt werden nach Auskunft der
Verwaltung in Moskau langfristig 180 weitere Herbergen mit 50.000 Betten
benötigt.
Die russische Regierung hat ein neues Programm zur
Entwicklung des Inlandstourismus aufgelegt. Dabei stehen bis 2018
umgerechnet 11 Mrd. US$ zum Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur
zur Verfügung. Ein Teil der Mittel wird auch in den Hotelsektor fließen.
Die Regierung rechnet damit, dass bis 2018 rund 45 Mio. Russen und 23
Mio. ausländische Gäste Hotelübernachtungen im Land buchen werden (2011:
32 Mio. Russen und 4 Mio. Ausländer). Ein Sonderprogramm läuft im
Nordkaukasus, wo die russische Regierung auf den Tourismus als wichtigen
Wirtschaftszweig der Zukunft setzt. Südkoreanische und französische
Investoren haben angekündigt, dort Projekte starten zu wollen.
Bekannte
internationale Hotelketten drängen weiter auf den russischen Markt. Die
InterContinental Hotels Group will im gesamten GUS-Raum stark
expandieren und bis 2020 rund 100 neue Häuser in Betrieb nehmen. Davon
entstehen allein in Russland in den kommenden drei Jahren neun Hotels
mit über 2.600 Zimmern, teilte das Unternehmen mit. Hilton hat
angekündigt, bis 2014 in Sankt Petersburg zwei Luxushotels zu eröffnen.
Rechtliche Änderungen
Mehr
Klarheit bei der Erteilung von Baugenehmigungen soll das Gesetz Nr. 224
FS vom 18.7.11 bringen. Darin ist genau festgelegt, welche Behörde in
welchem Fall eine Baugenehmigung erteilen darf. Ausnahmen gibt es, wenn
sich das geplante Bauobjekt auf dem Gelände einer Sonderwirtschaftszone
befindet; auf Grundstücken, die zur Gewinnung von Bodenschätzen zur
Verfügung gestellt wurden, in Naturschutzgebieten oder wenn es sich um
schützenswerte Denkmäler handelt.
Außerdem wurde die Frage
geklärt, ob Baugenehmigungen an Dritte weitergegeben werden dürfen.
Natürliche oder juristische Personen, die Rechte an einem Grundstück
erwerben, haben nun auch das Recht, den Neubau oder Umbau von Objekten
auf diesem Grundstück nach derjenigen Baugenehmigung vorzunehmen, die
dem vorherigen Eigentümer des Grundstücks erteilt wurde.
Abgeordnete
der russischen Staatsduma haben ein Gesetzesprojekt entworfen, nachdem
in Russland Gebäude nicht nur nach russischen technischen Reglements
errichtet werden dürfen, sondern auch nach EU-Normen. Die Initiatoren
erhoffen sich dadurch, dass erfolgreiche Bauprojekte aus dem Westen
schneller auch in Russland verwirklicht und so mehr Investoren angelockt
werden können.
Nachdem bislang vor allem ausländische Architekten
und Planungsbüros das Thema Green Building in Russland bearbeiteten,
zieht nun auch die russische Architektenunion nach. Der Verband hat eine
eigene Sektion für nachhaltiges ökologisches Bauen gegründet und will
an der Ausarbeitung von "grünen" Gebäudezertifikaten mitarbeiten. Als
Pilotprojekt sollen in möglichst vielen Regionen des Landes ökologische
Musterhäuser entstehen. Als erstes Projekt wurde im Herbst 2011 ein
Ökohaus in Naro-Fominsk bei Moskau eingeweiht. Das 230 Quadratmeter
Wohnfläche umfassende Gebäude hat fast 1 Mio. US$ gekostet und soll nur
ein Fünftel der Energie verbrauchen, die russische Standards bisher
vorsehen.
Ausgewählte Großprojekte in Russland
| Vorhaben / Region | Investitionen in Mio. US$ (Schätzung) | Projektstand | Anmerkungen |
| Satellitenstadt Juschny / Sankt Petersburg | 6.000 | Baubeginn 2013 geplant | Bis 2028 Neubau von 4,5 Mio. qm Nutzfläche geplant, Investor: OOO UK Start Development |
| Neue Zellstofffabrik in Segescha / Karelien | 1.300 | Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden im Frühjahr 2011 erhalten | Investor: OAO Segeschski ZBK |
| Aluminium-Fabrik Tajschet/Gebiet Irkutsk | 1.200 | neue Kreditlinie der Vneschekonombank genehmigt, Bau soll 2013 abgeschlossen sein | Investor Rusal will an dem Standort eine Jahreskapazität von 750.000 t aufbauen. Fast 600 Mio, US$ wurden bereits investiert. |
| Lachta-Zentr / Sankt Petersburg | 1.000 | Städtebaukomitee hat Überschreiten der zulässigen Maximalhöhe für den Wolkenkratzer genehmigt | Ministadt mit 500 Meter hohem Hauptquartier von Gasprom Neft am Stadtrand von Sankt Petersburg. Ersatz für das zuvor geplante, aber wieder abgesagte Ochta-Zentr |
| Aufbau eines Silizium-Clusters im Nordkaukasus | 1.000 | Konzeption im August 2011 vorgestellt | Zulieferer für Photovoltaik-Industrie, Teil des nationalen Programms zur Entwicklung der Nordkaukasus-Region |
| Wohnpark Skolkowo / Moskauer Gebiet | 800 | Projektierungsphase | In Russlands neuem Innovationszentrum sollen bis 2014 rund 850.000 qm Wohnraum entstehen |
| Einkaufs- und Logistikzentrum Scheremetjewo / Moskauer Gebiet | 700 | Vorprojektierungsphase | als Logistik-, Handels- und Bürozentrum für russisch-türkischen Warenaustausch geplant |
| Cargo Village/Domodedowo, Moskauer Gebiet | 300 | Bauarbeiten sollen noch 2011 beginnen, Abschluss 2015 | neues Frachtterminal, Bürogebäude, Hangars am Flughafen Moskau-Domodedowo |
| Hafen Taman/Gebiet Krasnodar | 6.700 | Vorplanung, Baustart 2013, Hafen soll bis 2018 in Betrieb gehen | Beteiligung privater Investoren aus dem Rohstoffsektor (Uralkali, SUEK, Metalloinvest) |
Quellen: Presseauswertungen, Recherchen von Germany Trade and Invest
(S.Z.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der
Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für
Russland