Deutsche Automobile sind die meistgesuchten Premiummarken im Internet / Luxusmarkt nimmt weiter deutlich zu / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Teurer Schmuck, edle Uhren, Designermode - Russen lieben
Luxus. Und sie geben dafür immer mehr Geld aus. Die Umsätze mit
hochpreisigen Produkten dürften künftig um 7% pro Jahr wachsen.
Allerdings fällt dieser Zuwachs geringer aus als in der Zeit von 2000
bis 2008. Denn in dieser Periode stieg das Marktvolumen jedes Jahr um
ein Viertel. Die Dynamik hat sich auch deshalb abgeschwächt, weil immer
mehr Russinnen und Russen zum Shoppen ins Ausland fliegen.
Russland gehört zu den größten und zu den am schnellsten
wachsenden Märkten für Luxusgüter. Für Kleidung, Accessoires, Schuhe,
Uhren und Schmuck aus dem Hochpreissegment geben russische Verbraucher
2012 rund 5,5 Mrd. Euro aus. Das sind 7,2% mehr als noch im Vorjahr.
Diese Prognose haben die Marktforscher von Bain & Co abgegeben.
Damit fällt das Wachstum bedeutend geringer aus als noch vor der
Wirtschaftskrise 2009. Dieses rabenschwarze Jahr für Russland, in dem
das Bruttoinlandsprodukt um 7,9% einbrach, war auch das Ende einer bis
dato unvergleichbaren Luxus-Ralley. Von 2000 bis 2008 legte der
Luxusartikelmarkt jährlich um durchschnittlich 26% zu, im Jahr 2009
brach er um 5% ein.
Seither geht es wieder bergauf. Aber nicht
mehr in dem Tempo wie früher. Zu demselben Ergebnis kommt auch die
Fashion Consulting Group, die sich auf die Distribution von
Premiummarken konzentriert hat. Die Experten rechnen in den kommenden
Jahren mit einem Wachstum von 5 bis 7% im Bereich Luxuskleidung und
-accessoires, zitiert die Wirtschaftszeitung Wedomosti. Im
internationalen Vergleich bleibt das eine gute Entwicklung, denn in
Westeuropa dürfte dieses Segment in den kommenden Jahren lediglich um 4%
zulegen, heißt es in dem Blatt weiter.
Der zentrale Grund für die
Zunahme liegt allerdings nicht etwa darin, dass das Markenbewusstsein
oder die Kauffreude nachgelassen hat. Vielmehr verreisen russische
Bürgerinnen und Bürger immer häufiger. Und auf ihren Reisen gehen Russen
mit Vorliebe shoppen. Zu diesem Ergebnis kommen die Analysten von Bain
& Co. Bei Salvatore Ferragamo wird davon ausgegangen, dass russische
Konsumenten im Ausland genauso viel Geld ausgeben wie in ihrer Heimat.
Insgesamt kaufen russische Bürgerinnen und Bürger jedes Jahr Luxuswaren
im Wert von 11 Mrd. Euro. Und der Blick auf das weltweite Marktvolumen
von rund 200 Mrd. Euro für diese Produktgruppe zeigt die Bedeutung
russischer Konsumenten weltweit.
Acht von zehn der beliebtesten
Luxusmarken Russlands sind Automobile. Das ergaben Recherchen der
Digital Luxury Group, die das Suchverhalten der Russen auf der
Internet-Suchmaschine Yandex analysierten. Ausgewertet wurden 150 Mio.
Suchanfragen im World Wide Web, bei denen nach Luxusgütern Ausschau
gehalten wurde. Das ist weltweit einzigartig. In den Vereinigten Staaten
von Amerika landen bei vergleichbaren Abfragen sechs Automobilmarken
unter den zehn beliebtesten Brands, in der VR China sind es gerade
einmal fünf. Auf Platz eins landet die Marke BMW, gefolgt von Audi,
Volvo und Mercedes-Benz.
Was BMW für Russen unter den Luxusautos
ist, ist Louis Vuitton im Kleidungs- und Accessoire-Segment. Die bei der
Digital Luxury Group-Auswertung meistgesuchte Kosmetikmarke war
Channel, Hilton lag unter der Rubrik Hotels weit vorn, Rado bei den
Uhren und im Bereich Schmuck hatte Swarowski die meisten Klicks.
Erstaunlich ist, dass in Sachen Mode Chinesen und Russen exakt denselben
Geschmack hatten. So landeten in beiden Ländern die Marken Chanel,
Louis Vuitton, Dior, Hermes und Gucci unter den Top-5-Marken.
Dagegen
unterscheidet sich die Wertschätzung von Luxusartikeln im Vergleich zu
westlichen Ländern. Kein Wunder, glauben die Branchenfachleute des
Consulting-Unternehmens Kontakt-Ekspert. Was im Westen in Jahrzehnten
gewachsen sei, hat sich in Russland erst mit dem Zusammenbruch der
ehemaligen Sowjetunion entwickelt. Zu einer von vielen Absurditäten
zählt, dass Tausende Russen Wert auf ein 100.000 Euro teures Auto mit
300 oder 400 PS legen, aber in einer Plattenbauwohnung aus
Chruschtschow-Zeiten leben.
Eine weitere Eigenheit ist, dass Luxus
aus dem besteht, was glänzt und schillert. Unscheinbare,
vergleichsweise blasse Güter bleiben tendenziell eher Ladenhüter. Auch
wenn einige Russen mittlerweile diskrete Luxusgüter schätzen, gibt das
Gros der Konsumenten etwa bei Schmuck und Uhren dennoch solchen Marken
den Vorzug, die durch glitzernde Materialien wie etwa Gold und
Edelsteine auffallen. Ein dezenter Look ist kaum gefragt.
Laut
einer Studie der Consultingfirma McKinsey, die im Oktober 2012 in einer
Beilage der Wirtschaftszeitung Wedomosti veröffentlicht wurde, geben
Russen ungewöhnlich viel Geld (45%) für teure Spirituosen aus. Rund 36%
der Ausgaben für Luxusgüter kommen der Bekleidungsindustrie zu Gute und
nur 3% Uhren und Schmuck. Einzig die Wodkabranche hat in den 20 Jahren
seit Ende der Sowjetunion etliche weltweit bekannte russische Marken
hervorgebracht. In Russland fehlt die Kultur des Kunstsammelns, für
teure Jachten fehlt manchen die Bedingungen, aber zum Trinken gibt es
weder infrastrukturelle noch kulturelle Hürden, erklärt der Direktor des
Alkoholimporteurs Simple, Anatoli Kornejew, den Hang russischer
Verbraucher zu teuren Spirituosen.
Im Rahmen der Yandex-Erhebung
wurden auch zwei Käuferschichten unterschieden, die Oberklasse und die
gehobene Mittelklasse. Zu ersten gehören Konsumenten, die für 5.000 US$
Abendessen gehen oder einzelne, nicht unbedingt notwendige Produkte ab
100.000 US$ kaufen. Zu dieser Gruppe zählen - so die Autoren - oft
Beamte, Oligarchenkinder und Vertreter des Showbusiness. Sie würden zwar
im Internet nach Luxusgütern suchen, aber dort nichts bestellen. Anders
die zweite Gruppe - überwiegend Manager oder Unternehmer. Sie nutzen
Internetangebote, wägen das Preisleistungsverhältnis ab, gründen
Netzwerke oder nehmen je nach Interessenslage an solchen teil. Und die
Oligarchen selbst? Laut Kontakt-Ekspert hinterlassen sie im Internet
kaum Spuren. Die Reichsten der Reichen finden sich im Ranking der
beliebtesten Marken im Internet also nicht wieder.
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland