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Donnerstag, 20. Dezember 2012

Interesse ausländischer Firmen an Russland ist gestiegen

Aufnahmefähiger Inlandsmarkt als stärkstes Investitionsargument / Bürokratie und mangelnde Innovation sind Negativfaktoren

Moskau (gtai) - Das Interesse ausländischer Investoren an Russland hat nach der Finanzmarktkrise von 2008/09 stark zugenommen. Die enorme Größe und hohe Einwohnerzahl des Landes, der große Modernisierungsbedarf der Wirtschaft sowie die Aufnahme- und Wachstumsfähigkeit des Marktes sind in der Regel die ausschlaggebenden Argumente, warum international tätige Unternehmen sich in Russland mit Produktion und Vertrieb niederlassen. Dies geht aus einer kürzlich durchgeführten Untersuchung von Ernst & Young hervor.

Nach der Aufnahme- und Wachstumsfähigkeit des Inlandsmarktes folgen im Ranking der positiv beurteilten Faktoren die soziale Stabilität im Land, die im internationalen Vergleich moderaten Personalkosten und das durchschnittlich gute Bildungsniveau der Arbeitskräfte sowie das ausgebaute Telekommunikationssystem. Innenpolitische Entwicklungen, rechtliche und administrative Barrieren, die Qualität der Transport- und Logistiknetze sowie die Innovationsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen betrachten Investoren dagegen eher kritisch, wie Ernst & Young zusammenfasst.

Niederlassungen ausländischer Unternehmen, die seit längerem vor Ort Geschäfte realisieren, sind mehrheitlich von ihren Entwicklungsperspektiven in Russland überzeugt. Darüber hinaus hätten sie es gelernt, Barrieren zu überwinden. Mit 142 Mio. Einwohnern gehört Russland zu den neun bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Im europäischen Kontext handelt es sich sogar um den einwohnerstärksten Staat - dieses Argument zieht bei vielen Firmenvorständen.

Wie Ernst & Young in diesem Zusammenhang betont, ist der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung auf 25% gestiegen. Gemäß Projektionen des russischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung wird dieser Anteil bis 2020 auf 37% und bis 2030 auf 48% steigen. Aufgrund der äußerst interessanten Verbraucherzahl und des aktiven Konsumverhaltens der Bevölkerung rückte Russland innerhalb Europas bei einigen Waren als Markt bereits auf den ersten Platz vor.

Dazu gehören sowohl moderne Geschäftsfelder wie Internetdienstleistungen als auch klassische Branchen wie die Ernährungswirtschaft, zum Beispiel der Absatz von Milchprodukten. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Russland im Jahr 2018 - gemessen am Wert- und Mengenumfang - den größten europäischen Verbrauchermarkt darstellen wird.

Der allgemeine Ausbildungsstand der Bevölkerung zählt unter den ausländischen Investoren zu den wichtigen Positivkriterien. Bis zu 75% der Schulabgänger setzen ihre Ausbildung an einer Fach- oder Hochschule fort. Russische Hochschulen sind anerkanntermaßen stark bei den Grundlagen- und Ingenieurwissenschaften. Die Bildungsausgaben haben sich mit 14,5 Mrd. US$ im Jahr 2011 sogar verdreifacht seit 2005, doch blieb das Land damit immer noch unterhalb des OECD-Durchschnitts.

Die befragten Unternehmen betrachteten zu 56% die Verfügbarkeit von ausgebildeten Fachkräften als einen positiven Faktor. Zwar liegt das monatliche Durchschnittseinkommen mit 806 US$ über dem Vergleichswert aus der VR China, Indien oder Mexiko, aber immer noch unterhalb des Niveaus in Brasilien, ganz zu schweigen von den entwickelten Industriestaaten. Allerdings treten teilweise erhebliche Qualifikationsprobleme in ganz bestimmten innovativen Bereichen auf. Hier muss das Land nachlegen.

Was das Telekommunikationssystem angeht, hat Russland in den Augen ausländischer Investoren große Fortschritte erzielt. Bei der Zahl und Verfügbarkeit von stationären und mobilen Anschlüssen liegt Russland auf Platz vier in Europa. Bei der Zahl der Internetnutzer hat Russland seit dem Jahr 2011 sogar Deutschland überrundet.

Zu den eindeutig negativen Faktoren werden die Belastbarkeit, das Arbeitstempo und die Verlässlichkeit der Wirtschaftsverwaltung sowie der kommunalen Behörden gerechnet. Nicht von ungefähr befand sich Russland im Rahmen der Weltbankstudie "Doing Business" 2012 auf Platz 120 von 183 untersuchten Ländern. Brasilien lag auf Platz 126 und Indien auf Platz 132.

Insbesondere die Kosten, die Komplexität und die Zeiträume zum Erhalt einer Baugenehmigung inklusive aller Anschlüsse und der sich anschließenden Bauabnahme ließen Russland in dieser Einzelwertung auf Platz 178 abrutschen. Zu den weiteren Negativfaktoren werden selbst in den staatsnahen russischen Medien ganz offen mangelnde Eigentumsrechte, Bürokratie und auch Korruption genannt.

Durch die Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) am 23.8.2012 hat sich die Verlässlichkeit der Rechtslage erhöht. An die Ankündigung der Regierung, in absehbarer Zeit eine weitere Privatisierungsoffensive zu starten - darunter sollen sich Teile der Finanz- und Energiewirtschaft befinden - knüpfen ausländische Investoren zusätzliche Erwartungen. Reformen zur Stärkung der Eigentumsrechte sind ebenfalls auf den Weg gebracht worden.

Zur Transportinfrastruktur hatten die befragten Unternehmen zu 45% eine äußerst kritische und zu 44% eine gemäßigt positive Haltung. Zu den Fakten zählt, dass 60% der Straßen den Mindestanforderungen der OECD nicht entsprechen. Unter den 142 durch die Weltbank im Rahmen des "Global Competitiveness Report 2011 - 2012" verglichenen Ländern landeten Russlands Straßen auf Platz 130. Positiv heben sich allerdings die Transportsysteme Moskaus und Sankt Petersburgs hervor. Das russische Schienennetz ist das zweitlängste der Welt. Prompt nahm die Schiene im Global Competitiveness Report bei diesem Unterpunkt Platz 29 ein.

Ausgesprochen schwache Positionen belegt Russland in Fragen unternehmensrelevanter Forschung und Entwicklung. Als Ursache hierfür wird vor allem die schlecht ausgebaute, teilweise regional sehr isolierte Forschungsinfrastruktur im zivilen Bereich gesehen. Innovative Ansätze in kleinen und mittleren Unternehmen erhalten dadurch weder eine Unterstützung seitens Hochschulen und Forschungseinrichtungen noch eine ausreichende Finanzierung.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland