Deutsche Architekten als Unterauftragnehmer verpflichtet / Baustart soll meist 2014 sein Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - An nahezu allen Austragungsorten der Fußball-WM 2018 stehen
die Generalauftragnehmer zur Projektierung neuer Stadien oder zum Umbau
bestehender fest. Gleich dreimal erhielt das Büro Sport Engineering den
Zuschlag - in Wolgograd, Nischni Nowgorod und Rostow am Don. Auch an den
Wettbewerben in Kaliningrad und Jekaterinburg will sich das Büro
beteiligen.
Der Bau der Fußball-Arena "Pobeda" (dt.: Sieg) in Wolgograd soll
nach jüngsten Verlautbarungen im Februar 2014 beginnen. Mit der
Projektierung hat die zuständige Föderale Agentur Rossport das Büro
Sport Engineering beauftragt. Die Arena soll nach Fertigstellung mit
45.000 Sitzplätzen ausgestattet sein. Der Wert des Auftrags zur
Projektierung und zum Bau schwankt nach ersten Schätzungen zwischen 10
Mrd. und 12 Mrd. Rubel (250 Mio. und 300 Mio. Euro). Die Stadtverwaltung
hat davon 890 Mio. Rubel (22,25 Mio. Euro) für Gutachten ausgegeben.
Sport
Engineering setzte sich in Wolgograd dem Vernehmen nach gegen fünf
Wettbewerber durch. Laut Wirtschaftsjournal "Expert" handelte es sich
dabei um ZAO RosEngineering (Bieterpreis 849 Mio. Rubel), OOO E (1,082
Mrd. Rubel), OOO Inteks (988 Mio. Rubel), OAO Transstroj (928 Mio.
Rubel) und OOO Masterstrojgroup (983 Mio. Rubel).
Aktuell erstellt
Sport Engineering ein Gutachten zum bautechnischen Zustand des bereits
bestehenden Wolgograder Fußballstadions. Im Sommer 2013 sollen die
Schlussfolgerungen daraus vorliegen. Neben der Arena sollen bis 2018
weitere Sporteinrichtungen im Gesamtwert von 39 Mrd. Rubel (975 Mio.
Euro) entstehen, wie der Chef der Wolgograder Regionalregierung, Oleg
Kersanow, offiziell mitteilte.
Neben Wolgograd hat Sport
Engineering im Dezember 2012 einen Projektierungsauftrag im Wert von 890
Mio. Rubel (22,25 Mio. Euro) für das neue Stadion in Nischni Nowgorod
erhalten. Hierfür verpflichtete Sport Engineering eigens das deutsche
Architektenbüro GMP als Subauftragnehmer, wie die "Rossijskaja Gazeta"
am 19.12.2012 berichtete. In Nischni Nowgorod trat Sport Engineering bei
der Ausschreibung gegen die Wettbewerber Inteks, E, Rosscheldorprojekt,
Zentralny Nautschno-Issledowatelskij Institut Schilych i
Obschestwennych Zdanii und Homeland Architektura an.
Des Weiteren
projektiert Sport Engineering für 890 Mio. Rubel das Stadion in Rostow
am Don. Hier setzte sich Sport Engineering wiederum gegen die
Wettbewerber ZAO IBS, RosEngineering-Projekt, Strojinvest-Engineering
und Inteks durch. Der Bau soll im 2. Quartal 2014 beginnen. Neben dem
Neubau der Zentralarena sollen als Trainingsplätze die kleineren Stadien
"Junost Rossii", SKA, "Olymp-2", "Lokomotiv", "Torpedo" in Tanganrog,
"Lutsch" in Asow und "Ermak" in Nowotscherkassk renoviert werden.
Insgesamt will das Gebiet Rostow in den kommenden Jahren knapp 17 Mrd.
Rubel (425 Mio. Euro) in die Sportinfrastruktur investieren.
Interesse
hat Sport Engineering darüber hinaus an der Projektierung der Stadien
in Jekaterinburg und Kaliningrad bekundet. In Jekaterinburg soll das
bestehende Zentralstadion faktisch durch eine neue Fußballarena am
gleichen Platz ersetzt werden. Dem Stadtbaurat liegen zwei Varianten für
das rund 11 Mrd. Rubel teure Projekt vor. Beide sehen vor, die Zahl der
Sitzplätze auf 45.000 zu erhöhen und dafür die Laufbahnen für die
Leichtathleten zu opfern. Außerdem sollen 130 Parkplätze und zwei
unterirdische Parkhäuser mit 900 und 600 Stellplätzen entstehen.
Erschwerend wirkt sich allerdings aus, dass das alte Stadion 2007 unter
Denkmalschutz gestellt worden war. Für die Baumaßnahmen wird das
Zentralstadion 2014 geschlossen. Damit der lokale Fußballklub "Ural",
der gerade in die erste Liga aufgestiegen ist, trotzdem eine Spiel- und
Trainingsstätte hat, soll bis 2014 das Stadion "Uralmasch" (10.000
Plätze) rekonstruiert werden. Zusätzlich sollen Trainingscamps und
-plätze in Jekaterinburg, Sredneuralsk, Syserti, Werchnoe Dubrowo und
Werchnjaja Pyschma eingerichtet werden. Und weil zukünftig die
Laufbahnen für die Leichtathleten wegfallen, wird die Möglichkeit für
den Bau eines Leichtathletikstadions mit 5.000 Plätzen geprüft.
Den
Auftrag für die Projektierung des Fußballstadions in Samara erhielt die
lokale staatliche Firma GUP TerrNIIgrashdanprojekt (Wert: 835,5 Mio.
Rubel) im Januar 2013. Geplant ist eine moderne, kuppelförmige Arena mit
Facetten wie bei einem geschliffenen Edelstein und einer Höhe von 80
Metern. In der ursprünglichen Planung des Architekten Martin Krebes vom
Büro GMP (Subauftragnehmer) waren skyboxes (geschlossene Logen) für 650
Zuschauer vorgesehen, aber der Gouverneur des Gebiets Samara, Nikolaj
Merkuschkin, bevorzugt eine Variante für 1200 Zuschauer. Als
Besonderheit sollen die zwei-etagigen Tribünen eine Infrarotheizung
bekommen. Die Baukosten werden auf 13,5 Mrd. Rubel beziffert.
Ungewöhnlich
lange mussten die Behörden der Region Kaliningrad auf die Genehmigung
ihres WM-Stadions seitens des Sportministeriums warten. Immer wieder
tauchten Zweifel auf, ob das Stadion mit 45.000 Sitzplätzen am geplanten
Standort auf der Insel Lomse mit schwierigen geologischen Verhältnissen
überhaupt gebaut werden kann. Nun scheinen die technischen Probleme
gelöst und der Gouverneur von Kaliningrad, Nikolaj Zukanow, erhielt Ende
März 2013 das Einverständnis von Sportminister Vitalij Mutko. Den
Auftrag für die Projektierung im Wert von 849,8 Mio. Rubel hat die Firma
Mostowik aus Omsk gewonnen. Nach offiziellen Angaben belaufen sich die
Baukosten des Stadions auf 15,8 Mrd. Rubel (400 Mio. Euro). Hinzu kommen
drei Trainingscamps und vier Trainingsstadien, die zu renovieren sind:
Stadion "Lokomotiv" im Park "Jushny" (135,3 Mio. Rubel), Stadion
"Krasnaja swesda" am Moskowskij prospekt (245 Mio. Rubel), Stadion
"Trudowyje reserwy" (210 Mio. Rubel) und Stadion "Baltika" (580 Mio.
Rubel). Trainingscamps sind geplant in Orlowka neben dem Hotel des
Ministeriums für Tourismus (75 Mio. Rubel), in Swetlogorsk neben dem
Hotel "Falke" (88 Mio. Rubel) und in Rodniki (494 Mio. Rubel).
Der
kleinste Austragungsort der Fußball-WM, Saransk (Hauptstadt der
Republik Mordowien), will sein Stadion "Jubilejny" auf einem Grundstück
nahe dem Stadtzentrum bauen. Im gleichnamigen neuen Stadtbezirk sollen
die Hotels für die Fans entstehen.
Wie das Journal "Expert"
ausführt, wurde das Büro Sport Engineering 2006 gegründet. Laut
Wirtschaftszeitung "Wedomosti" handelte es sich damals um eine
Umfirmierung des ehemaligen Studios "Sportfilm", das über die Jahre zu
einem Filmarchiv ohne größere Öffentlichkeitswirksamkeit verkam. Im Jahr
2007 begann das umfirmierte Büro unter dem Namen Sport Engineering im
Auftrag der Föderalen Agentur Rossport den Bau von Sport- und
Freizeiteinrichtungen auszuschreiben. Einen seiner ersten eigenen
Großaufträge zog Sport Engineering 2009 an Land. Damals ging es um die
Projektierung eines Sport- und Freizeitzentrums im Wert von 1,65 Mrd.
Rubel (41,25 Mio. Euro). Auftraggeber war das Föderale Sportministerium.
Seither scheint die Erfolgsserie von Sport Engineering als Bieter bei
öffentlichen Ausschreibungen nicht mehr abzureißen.
Besonders gut
verdient das Büro mit Projekten zur Vorbereitung der Fußball-WM 2018,
obwohl Sport Engineering zuvor kein einziges Fußball-Stadion entworfen
hatte und demzufolge auch keine einschlägigen Erfahrungen besaß. Zudem
existiert bis heute kein eigener Internetauftritt, was für ein
Unternehmen, dass sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt und
über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen sollte, recht ungewöhnlich
erscheint. Vollständigkeitshalber muss aber hinzu gefügt werden, dass
kein einziger der gegenwärtig auftretenden russischen Wettbewerber
eigene Erfahrungen beim Bau moderner Stadien hatte.
Am Wettbewerb
um den Bau eines Stadions in Krasnodar beteiligte sich zum Beispiel das
in dieser Hinsicht erfahrene italienische Unternehmen Synthesis. Prompt
erhielten die Italiener den Zuschlag. Nur gehört Krasnodar nicht zu den
Austragungsorten der WM, obwohl sich die Stadt im Vorfeld große
Hoffnungen gemacht hatte. Auch ist der Stadionbau in Krasnodar dem
Vernehmen nach nicht öffentlich, sondern privat finanziert. Als Investor
tritt Oleg Mkrtschan auf, einer von zwei Inhabern der ukrainischen
Metallgesellschaft "Industrialnyj Sojus Donbass" und gleichzeitig
Eigentümer des Fußballklubs "Kuban". Die Bauarbeiten sollen am 15. Mai
2013 beginnen, kündigte der Generaldirektor des Klubs, Wladimir
Chaschig, an. Alle 34.000 bis 35.000 Sitzplätze sollen überdacht sein
und das ganze Stadion rund 200 Mio. Euro kosten.
Kontaktanschrift:
Sport Engineering
ul. Kazakowa 18, 105064 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/982 51 92, Fax: -982 51 90
(U.U.)
Zertifizierung
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