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Dienstag, 4. Juni 2013

Russland revidiert Autobahnprojekte

Prioritäten und Finanzmittel umverteilt / Zugang für ausländische Konzessionäre erleichtert Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Die russische Regierung hat Änderungen der Pläne im Autobahnbau vorgenommen. Priorität erhielten die Strecken von Moskau nach Sankt Petersburg und nach Minsk. Alle anderen Vorhaben werden zeitlich zurück gestellt oder gestreckt; Finanzen werden umverteilt. Für ausländische Betreiber- und Baufirmen hat sich die Beteiligung an Autobahn- und Fernstraßenprojekten vereinfacht. Die Ausschreibungen von zwei Teilstrecken auf der M11 sind Ende April 2013 veröffentlicht worden.

Das Staatsunternehmen Awtodor (http://www.russianhighways.ru), in dessen Zuständigkeit der Bau und das Betreiben von Mautstrecken in Kooperation mit privaten Investoren fällt, hat von der Regierung im Mai 2013 neue Anweisungen erhalten. Demnach wird der Bau der Autobahnen von Moskau nach Sankt Petersburg (M11) sowie von Moskau nach Minsk (M1 "Belarus") beschleunigt an Konzessionäre vergeben. Anderen Bauvorhaben werden dagegen Finanzmittel vorerst entzogen. Deren Fertigstellung erfolgt entsprechend später. Hintergrund ist, dass die prioritären Autobahnen vor der Fußball-WM 2018 eröffnet werden sollen.

Ursprünglich war vorgesehen, die M1 und M11 erst 2019 fertig zu stellen. Im Fall der M11 spielt sicher eine Rolle, dass der geplante zweite Schienenstrang für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Moskau und Sankt Petersburg vor der Fußball-WM 2018 höchstwahrscheinlich nicht zur Verfügung steht. Es fehlt dafür an Haushaltsmitteln aus dem föderalen Budget; die Eisenbahngesellschaft OAO RZD ist dazu finanziell ebenfalls nicht der Lage.

Da der Staat weder eine zusätzliche Finanzierung für die Schienenverlegung noch für den Autobahnbau zur Verfügung stellen kann, soll Awtodor Mittel aus anderen Projekten abziehen und in prioritäre Autobahnvorhaben stecken. Im Ergebnis werden die inzwischen als zweitrangig eingestuften Projekte, zum Beispiel die Autobahnen Moskau-Nischni Nowgorod-Kazan sowie Krasnodar-Abinsk-Kabardinka, länger als ursprünglich geplant dauern. Zurück gestellt wurden ebenfalls der Verkehrsknoten Noworossijsk und die Zentrale Ringautobahn (ZKAD), eine Mautstrecke zur Dopplung des bereits bestehenden Autobahnrings um Moskau herum.

Lediglich das Moskauer Verbindungsstück zwischen der M1 "Belarus" und der M4 "Don" wird entlang der geplanten ZKAD-Strecke noch vor 2018 fertig gestellt, und nicht erst 2021. Dafür hatte sich Premierminister Medwedew eingesetzt. Vom Bau der ZKAD werden vorerst 3,2 Mrd. Rubel (rund 80 Mio. Euro) abgezogen und vorrangig in den Bau der M1 umgeleitet. Im Ergebnis wird die ZKAD nicht vor 2018 entstehen.

Im Fall der M4 "Don" war geplant, ihre acht Teilstücke zwischen 2013 bis 2015 zu sanieren. Dies wird nun auf die Periode 2017/2019 verschoben. Dadurch werden vorerst 31,4 Mrd. Rubel (rund 750 Mio. Euro) frei, die gleichfalls in die Projekte M1 und M11 fließen. Zusätzlich wird Awtodor Anleihen im Wert von 40 Mrd. Rubel (rund 1 Mrd. Euro) bereits 2016/2017 und nicht erst 2017/2019 emittieren.

Für die Autobahn M11 werden derzeit für zwei Teilstücke Konzessionäre gesucht. Dies unterstrich Transportminister Maxim Sokolow. Gemäß Awtodor soll das Interesse unter russischen und ausländischen Investoren groß sein. Für die Teilstrecken zwischen den Kilometern 543 und 646 (vierspurig) sowie 646 und 684 (sechsspurig) hat Premierminister Medwedew einen Erlass zur Tendervergabe am 14.4.2013 unterschrieben. Die entsprechende Ausschreibung ist am 30.4.2013 veröffentlicht worden und wird am 15.6.2013 geschlossen.

Laut Unterlagen darf die Bauzeit 36 Monate nicht überschreiten. Die Konzession läuft bis 2041. Dem Konzessionär wird zugesichert, dass er während der Laufzeit eine Nutzungsgebühr für Fahrzeuge erheben kann. Eigentümer bleibt jedoch der Staat, zumal er sich an der Baufinanzierung zu 75% beteiligt. Im Fall der zwei Teilstücke auf der M11 beteiligt sich der Staat mit 66,9 Mrd. Rubel (rund 1,7 Mrd. Euro).

Staatliche Finanzierung von Autobahnmautstrecken im Jahr 2013 (in Mrd. Rubel, Veränderungen in %)
Autobahn ursprüngliche Finanzierung aktuelle Finanzierung Veränderung
M11 Moskau-Sankt Petersburg 375,9 380,5 4,6
M1 "Belarus" 95,9 154,9 59,0
M4 "Don" 249,4 218,0 -31,4
M3 "Ukraina" 48,2 47,5 -0,7
Zentrale Ringautobahn (ZKAD) 168,1 164,9 -3,2
Quelle: "Vedomosti", 13.5.2013

Die erste Konzession auf der M11 wurde 2009 an die Sewero-Zapatnaja Konzessionaja Kompanija (SZKK, Nord-Westliche Konzessionsgesellschaft, gehört zur Gruppe Vinci aus Frankreich) vergeben. SZKK baut das Teilstück zwischen den Kilometern 15 und 58. Mit der Fertigstellung wird 2014 gerechnet. Zwischen den Kilometern 258 und 334 baut ein zweiter Konzessionär, OAO Mostotrest. Dieser Abschnitt soll 2015 fertig sein.
Auf der M1 "Belarus" soll bis 2018 nur die Strecke zwischen den Kilometern 33 und 132 noch vor 2018 übergeben werden, so die neueste Planung. Der Bau weiterer Mautstrecken ist demnach vor der Fußball-WM nicht finanzierbar. Erst nach 2019 sollen weitere Teilstücke folgen.

Kommentatoren schätzen die Projektneuordnung, die geänderten Zeiträume zur Fertigstellung der verschiedenen Einzelprojekte und das revidierte Finanzierungsmodell als durchaus realisierbar ein. Das bisher langwierige Verfahren zum Erwerb von Baugrundstücken unterhalb des Streckenverlaufs dürfte sich bald abkürzen lassen.
Zudem vereinfacht sich für ausländische Konzessionäre der Zugang zu Ausschreibungen von Autobahnen und Bundesstraßen. Dies wurde möglich, nachdem die eigentlichen Straßenbauarbeiten von den juristisch schwierig steuerbaren und zeitaufwändigen projektvorbereitenden Schritten (Erstellung von Gutachten und Umweltstudien, Änderung der Eigentumstitel an Grund und Boden, Rückbau von Immobilien, Ziehen von Schneisen durch bewaldete Flächen etc.) verfahrenstechnisch abgetrennt wurden und nun gesondert ausgeschrieben werden.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland