Gazprom hadert noch mit Erschließung gigantischer Felder in Ostsibirien
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russland bleibt vorerst die große Unbekannte am
internationalen Heliummarkt. Bis 2030 könnte das Defizit weltweit auf
166 Mio. cbm pro Jahr steigen. Nur Russland wäre in der Lage dies
auszugleichen. Und zwar über zwei Heliumfelder in Westsibirien. Allein
in der Lagerstätte Tschajandinsk schlummern 16% der weltweiten
Heliumreserven, die Erschließung könnte 2016 beginnen. Bis dato deckt
Russland seinen Heliumverbrauch über eine einzige Anlage im Südural.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sitzen auf riesigen
Heliumreserven. Doch allein in den vergangenen zehn Jahren schrumpften
gerade die staatlichen Vorräte um den Faktor 2,4. Bis 2020, glauben
Experten des russischen Unternehmens NIIgasekonomika, könnten diese
Reserven erschöpft sein. Das Ergebnis: Ein weltweites Heliumdefizit von
30 Mio. bis 50 Mio. cbm pro Jahr. Noch schlimmer: Bis zum Jahr 2030
könnte die Lücke sogar auf 166 Mio. chm pro Jahr wachsen. Schließlich
steigt die Nachfrage vor allem in Asien beträchtlich. NIIgasekonomika
rechne mit einem Nachfragezuwachs auf 246 Mio. bis 287 Mio. cbm
jährlich, verriet Olga Maslowa, Leiterin der Abteilung
Kohlenwasserstoffverarbeitung, auf der internationalen Heliumkonferenz
des Chemieberaterunternehmens Creonenergy Ende Oktober 2013 in Moskau.
NIIgasekonomika ist eine Tochterfirma der Staatsholding Gazprom.
Russland
selbst verbraucht jährlich weniger als 1 Prozent des weltweit
gehandelten Heliums. Dazu reicht dem größten Land der Welt eine einzige
Heliumquelle. Diese befindet sich in Orenburg und wird von Gazprom
betrieben. Insgesamt hat das Unternehmen 2012 über 2,6 Mio. cbm
Heliumgas erzeugt, sagte Dmitri Mironow, stellvertretender
Verkaufsdirektor der Aktiengesellschaft Gazprom Gasenergoset. Das waren
15% mehr als im Vorjahr. Für das Jahr 2013 rechnet er mit einer
Nachfragesteigerung von 4%. Auch 2014 dürfte sein Konzern mit dem
Vorjahresergebnis abschließen.
Die Gazprom-Tochter NII KM stellt
aus Heliumgas reines Helium her. Die Kapazitäten liegen bei 2.000 cbm
reinen Heliums pro Tag. Außerdem bietet NII KM 15 weitere Gase an. Im
Jahr 2012 hat NII KM in Russland über 100.000 cbm reines Helium
verkauft, 2015 dürften es knapp 130.000 cbm werden, sagte Oleg
Ganuschkin, Entwicklungsdirektor bei NII KM auf der Creon-Konferenz. Von
2010 bis 2015 rechnet sein Unternehmen mit einem Nachfragewachstum
zwischen 5 und 7%. Und zwar jährlich.
Laut Maslowa, Analystin bei
Gazprom, hat Russland spätestens 2030 leichtes Spiel bei den Abnehmern:
Allein in Asien würden jährlich 40 Mio. cbm russisches Helium gebraucht,
Europa würde wohl 15 Mio. cbm abnehmen und selbst der USA-Nachbar
Kanada wäre wohl auf 5 Mio. cbm aus der Russischen Föderation
angewiesen.
Vor diesem Hintergrund und im Rahmen des Baus der
Sila-Sibiri-Pipeline erwägt Gazprom die Ausbeutung der Gasfelder in
Tschajandinsk und in Kowykta - 450 km nordöstlich der Gebietshauptstadt
Irkutsk und nach russischen Maßstäben unweit des Baikalsees. Veredelt
werden soll das Heliumgas in der Gasverarbeitungsanlage in Belogorsk.
Über dieses Riesenwerk sollen laut Energieminister Aleksandr Nowak
künftig ein Großteil der Erdöl- und Chemieprodukte aus Sibirien in den
Asien-Pazifik-Raum weiterverkauft werden.
Angaben zu den Kosten
machte Olga Maslowa zwar nicht, aber das Projekt beinhalte den Ausbau
der Lagerstätte, den Bau von Membranblöcken, über die das Gas gespalten
werde, den Bau von Heliumkonzentratspeichern sowie den Bau des
Heliumwerkes. Und genau der Heliumspeicher ist zurzeit der Knackpunkt
bei der Investitionsentscheidung. Je mehr Helium eingelagert werden
muss, desto unrentabler das Projekt. Deshalb wird in Russland offen über
ein Gesetz diskutiert, wonach sich die Russische Föderation einen
staatlichen Heliumspeicher leisten könnte. Wird dies tatsächlich
umgesetzt und beteiligt sich der Staat an den Erschließungskosten, so
könnte Russland in Kürze zu einer wahrlichen Großmacht am weltweiten
Heliummarkt aufsteigen.
Die Membranblöcke zur Heliumgewinnung
könnten wohl im Jahr 2016 in der Erdöl- und Gaskondensatlagerstätte
Tschajandinskoje installiert werden, sagte Timofei Semikolow von Gazprom
Raswitije. Semikolow ist als stellvertretender Abteilungsleiter für
perspektivenreiche Technologien verantwortlich sowie für die
Forschungsarbeiten vor Investitionen. Die Lagerstätte wurde 1989
erschlossen, die Heliumvorräte belaufen sich der Internetplattform
neftegaz.ru zufolge auf 1.400 Mio. cbm.
Heliumvorräte in Russland nach Regionen (in Mio. cbm; in %)
| Region | Vorräte in Mio. cbm | Vorräte in % |
| Russland gesamt, davon | 9.200 | 100 |
| .Republik Sacha (Jakutien) | 3.864 | 42 |
| .Region Irkutsk | 3.496 | 38 |
| .Krasnojarski Krai | 920 | 10 |
| .andere Regionen | 920 | 10 |
Quelle: Zeitschrift Gasowaja Promyschlennost
Kontaktanschriften:
Creonenergy
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Internet: http://www.creonenergy.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: FaresKilzie@creonenergy.ru)
OAO Gazprom Gasenergoset
ul. Profsojusnaja 125, 117647 Moskau
Tel.: 007 495/777 77 97, Fax: -777 97 40
Internet: http://www.gazpromlpg.ru
OOO NII KM
Pl. Kurtschatowa1, 123182 Moskau
Tel.: 007 499/196 79 47
E-Mail: oganushkin@nfi.kiae.ru, Internet: http://www.niikm.ru
OOO NIIgasekonomika
ul. Staraja Basmannaja 20, str. 8, 105066 Moskau
Tel.: 007 499/265 24 20, Fax: -267 30 76
E-Mail: econmg@gazprom.ru, Internet: http://www.gazprom.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland