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Mittwoch, 20. November 2013

Russland bleibt die große Unbekannte am weltweiten Heliummarkt

Gazprom hadert noch mit Erschließung gigantischer Felder in Ostsibirien
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russland bleibt vorerst die große Unbekannte am internationalen Heliummarkt. Bis 2030 könnte das Defizit weltweit auf 166 Mio. cbm pro Jahr steigen. Nur Russland wäre in der Lage dies auszugleichen. Und zwar über zwei Heliumfelder in Westsibirien. Allein in der Lagerstätte Tschajandinsk schlummern 16% der weltweiten Heliumreserven, die Erschließung könnte 2016 beginnen. Bis dato deckt Russland seinen Heliumverbrauch über eine einzige Anlage im Südural.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sitzen auf riesigen Heliumreserven. Doch allein in den vergangenen zehn Jahren schrumpften gerade die staatlichen Vorräte um den Faktor 2,4. Bis 2020, glauben Experten des russischen Unternehmens NIIgasekonomika, könnten diese Reserven erschöpft sein. Das Ergebnis: Ein weltweites Heliumdefizit von 30 Mio. bis 50 Mio. cbm pro Jahr. Noch schlimmer: Bis zum Jahr 2030 könnte die Lücke sogar auf 166 Mio. chm pro Jahr wachsen. Schließlich steigt die Nachfrage vor allem in Asien beträchtlich. NIIgasekonomika rechne mit einem Nachfragezuwachs auf 246 Mio. bis 287 Mio. cbm jährlich, verriet Olga Maslowa, Leiterin der Abteilung Kohlenwasserstoffverarbeitung, auf der internationalen Heliumkonferenz des Chemieberaterunternehmens Creonenergy Ende Oktober 2013 in Moskau. NIIgasekonomika ist eine Tochterfirma der Staatsholding Gazprom.

Russland selbst verbraucht jährlich weniger als 1 Prozent des weltweit gehandelten Heliums. Dazu reicht dem größten Land der Welt eine einzige Heliumquelle. Diese befindet sich in Orenburg und wird von Gazprom betrieben. Insgesamt hat das Unternehmen 2012 über 2,6 Mio. cbm Heliumgas erzeugt, sagte Dmitri Mironow, stellvertretender Verkaufsdirektor der Aktiengesellschaft Gazprom Gasenergoset. Das waren 15% mehr als im Vorjahr. Für das Jahr 2013 rechnet er mit einer Nachfragesteigerung von 4%. Auch 2014 dürfte sein Konzern mit dem Vorjahresergebnis abschließen.

Die Gazprom-Tochter NII KM stellt aus Heliumgas reines Helium her. Die Kapazitäten liegen bei 2.000 cbm reinen Heliums pro Tag. Außerdem bietet NII KM 15 weitere Gase an. Im Jahr 2012 hat NII KM in Russland über 100.000 cbm reines Helium verkauft, 2015 dürften es knapp 130.000 cbm werden, sagte Oleg Ganuschkin, Entwicklungsdirektor bei NII KM auf der Creon-Konferenz. Von 2010 bis 2015 rechnet sein Unternehmen mit einem Nachfragewachstum zwischen 5 und 7%. Und zwar jährlich.

Laut Maslowa, Analystin bei Gazprom, hat Russland spätestens 2030 leichtes Spiel bei den Abnehmern: Allein in Asien würden jährlich 40 Mio. cbm russisches Helium gebraucht, Europa würde wohl 15 Mio. cbm abnehmen und selbst der USA-Nachbar Kanada wäre wohl auf 5 Mio. cbm aus der Russischen Föderation angewiesen.
Vor diesem Hintergrund und im Rahmen des Baus der Sila-Sibiri-Pipeline erwägt Gazprom die Ausbeutung der Gasfelder in Tschajandinsk und in Kowykta - 450 km nordöstlich der Gebietshauptstadt Irkutsk und nach russischen Maßstäben unweit des Baikalsees. Veredelt werden soll das Heliumgas in der Gasverarbeitungsanlage in Belogorsk. Über dieses Riesenwerk sollen laut Energieminister Aleksandr Nowak künftig ein Großteil der Erdöl- und Chemieprodukte aus Sibirien in den Asien-Pazifik-Raum weiterverkauft werden.

Angaben zu den Kosten machte Olga Maslowa zwar nicht, aber das Projekt beinhalte den Ausbau der Lagerstätte, den Bau von Membranblöcken, über die das Gas gespalten werde, den Bau von Heliumkonzentratspeichern sowie den Bau des Heliumwerkes. Und genau der Heliumspeicher ist zurzeit der Knackpunkt bei der Investitionsentscheidung. Je mehr Helium eingelagert werden muss, desto unrentabler das Projekt. Deshalb wird in Russland offen über ein Gesetz diskutiert, wonach sich die Russische Föderation einen staatlichen Heliumspeicher leisten könnte. Wird dies tatsächlich umgesetzt und beteiligt sich der Staat an den Erschließungskosten, so könnte Russland in Kürze zu einer wahrlichen Großmacht am weltweiten Heliummarkt aufsteigen.

Die Membranblöcke zur Heliumgewinnung könnten wohl im Jahr 2016 in der Erdöl- und Gaskondensatlagerstätte Tschajandinskoje installiert werden, sagte Timofei Semikolow von Gazprom Raswitije. Semikolow ist als stellvertretender Abteilungsleiter für perspektivenreiche Technologien verantwortlich sowie für die Forschungsarbeiten vor Investitionen. Die Lagerstätte wurde 1989 erschlossen, die Heliumvorräte belaufen sich der Internetplattform neftegaz.ru zufolge auf 1.400 Mio. cbm.
Heliumvorräte in Russland nach Regionen (in Mio. cbm; in %)
Region Vorräte in Mio. cbm Vorräte in %
Russland gesamt, davon 9.200 100
.Republik Sacha (Jakutien) 3.864 42
.Region Irkutsk 3.496 38
.Krasnojarski Krai 920 10
.andere Regionen 920 10
Quelle: Zeitschrift Gasowaja Promyschlennost

Kontaktanschriften:

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(H.B.)


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