Markt für Kosmetika wächst zweistellig / Henkel-Konzern strebt 20% Marktanteil an / Douglas verlässt Russland / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Der russische Markt für Kosmetikprodukte ist 2010 um über 10% gewachsen und hat ein Volumen von 11 Mrd. US$ erreicht. Von diesem Wachstum hat auch der deutsche Henkel-Konzern profitiert. Das Unternehmen aus Düsseldorf konnte seinen Marktanteil sogar steigern. In den Segmenten, in denen der Konzern vertreten ist, erreichte er 2010 zum ersten Mal die Marktführerschaft in Russland. Die deutsche Parfümeriekette Douglas hingegen kehrt dem Land den Rücken.
Russische Frauen und Männer haben 2010 etwa 11 Mrd. US$ für Kosmetikprodukte ausgegeben. Schminkmittel und Duftwässer, Shampoos und Zahnpasta - der Verbrauch stieg um über 10% im Vergleich zum Jahr 2009. Das hat die Marktforschungsagentur Discovery Research Group im März 2011 herausgefunden. Rund ein Fünftel des Marktvolumens entfällt auf Parfüms. Das sind etwa 2,15 Mrd. US$. Im Vorjahr wurden noch Duftwässer im Wert von 2,0 Mrd. US$ verkauft. Damit belief sich das Marktwachstum in diesem Segment 2010 auf 7,5%.
Laut Discovery Research Group befinden sich unter den Top-Sieben der Kosmetika-Anbieter (wertmäßig) in Russland nur ausländische Konzerne. Die umsatzstärksten Unternehmen waren 2010 Procter & Gamble, L'Oreal und LVMH. Zu den beliebtesten russischen Kosmetika-Herstellern zählen Nowaja sarja ( www.novzar.ru), Kalina ( www.kalina.org), Faberlic ( www.mir-faberlic.ru) und Si El parfjum ( www.cielparfum.ru).
Für den deutschen Henkel-Konzern ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit. In den von Henkel belieferten Kosmetik-Segmenten stieg der Marktanteil 2010 laut einer Nielsen-Studie von 16,1 auf 17,7%. "Damit waren wir in den für uns relevanten Bereichen erstmals Marktführer in Russland", sagte Peter Günther, Geschäftsführer der Firma Henkel in Russland.
Und das Ende des Wachstumskurses ist noch lange nicht erreicht. Während der beziehungsweise die Durchschnittsdeutsche Jahr für Jahr rund 150 Euro für Kosmetika ausgibt, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Russland erst bei circa 30 Euro. Trotz des riesigen Potenzials glaubt Peter Günther nicht wieder an Wachstumsraten über 20% pro Jahr - diese Zeiten dürften vorbei sein. Und dennoch: "Russlands Konsumentinnen sind sehr innovationsbewusst", sagt der Marktexperte. Ein vor zwei Jahren als erstes am russischen Markt eingeführtes Haarpflegeprodukt ist auf Anhieb unter den Top-Fünf der erfolgreichsten Henkel-Brands in Russland gelandet. "Das war die erfolgreichste Markeneinführung seit 32 Jahren", sagt Günther.
Mit diesem Wachstumstempo rückt für Henkel das mittelfristige Ziel, bis 2012 ein Fünftel des russischen Kosmetik-Marktes - in den für das Unternehmen relevanten Segmenten - zu erreichen, in greifbare Nähe. Aber ein Selbstläufer wird dies nicht. "Die Logistikkosten in Russland sind sehr hoch", so der Marktexperte. Und seit die Wirtschaft wieder brumme, werde die Personalrekrutierung immer schwieriger, beschreibt Günther die derzeit größten Herausforderungen in Russland.
Explodierende Kosten haben zum Jahreswechsel die deutsche Parfümeriekette Douglas zum Verkauf ihrer 32 Douglas-Rivoli-Filialen im größten Flächenland der Welt bewogen. Riesige Investitionen wären notwendig gewesen, um die Marktführerschaft in Russland zu erlangen, schreibt die Wirtschaftszeitung Rbk daily unter Berufung auf eine Unternehmensmeldung. Außerdem seien die Ladenmieten zuletzt stark gestiegen. Darum hat Douglas sein Russlandgeschäft an die zweitgrößte russische Kette Rive Gauche (russisch: "Riw Gosch") verkauft, die damit ihre Position weiter gestärkt und Boden gut gemacht hat auf den führenden Kosmetikhändler des Landes, die L'Etoile-Kette (russisch: "L'Etual-Kette").
| Unternehmen | Umsatz 1. Hj. 2010 | Marktanteil in % | Internetadresse |
| L'Etoile | 372 | 33 | www.letoile.ru |
| Rive Gauche | 248 | 22 | www.rivegauche.ru |
| Ile de Beauté | 236 | 21 | www.etoya.ru |
| Douglas Rivoli | 56 | 5 | www.douglas.ru |
| andere | 214 | 19 |
Quellen: Discovery Research Group, zitiert aus Rbk daily, Recherchen von Germany Trade & Invest
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