Neue Kapazitäten in Nowy Urengoi und Nischnekamsk / PE-LLP entwickelt sich besonders dynamisch / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Die Nachfrage nach Polyethylen (PE) in Russland steigt und steigt - und mit ihr auch die benötigten Kapazitäten. Im Nordural sowie in der Republik Tatarstan entstehen derzeit zwei der größten Anlagen. Die Nachfrage vor allem nach linearem PE und PE niedriger Dichte hat in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Daraus werden Plastikrohre, Plastikbehältnisse und Folien hergestellt. Ein großes Problem bei Polyethylen hoher Dichte aus russischer Produktion sind veraltete Marken und schlechte Qualität.
In Russland wurden 2011 knapp 2,5 Mio. t Ethylen produziert; das sind knapp 7% mehr als 2007 und damit über dem Rekordniveau aus der Zeit vor der Wirtschaftskrise 2008/2009. Das Wachstum wurde getragen von drei großen Herstellern: Nischnekamskneftechim, Tomskneftechim und Kasanorgsintes. Rund zwei Drittel dieses Ethylens wird im Land zu Polyethylen weiterverarbeitet.
Kein Wunder: Denn die Nachfrage nach Polyethylen in Russland steigt weiter. Im Jahr 2011 legte der Verbrauch um 160.000 t auf 1,77 Mio. t zu. Das entspricht einem Wachstum von knapp 10%. Am dynamischsten hat sich in den vergangenen Jahren der Markt für lineares Polyethylen entwickelt. Von 2007 bis 2011 stieg die Nachfrage um den Faktor 2,3. Während die Verkäufe von Polyethylen hoher Dichte heute auf demselben Nivea wie von vor fünf Jahren lagen, ist die Nachfrage nach PE niedriger Dichte im Vergleich zu 2007 um ein Viertel gestiegen. Diese Zahlen wurden auf der "9. Internationalen Polyethylen-Konferenz" des Chemie-Beratungsunternehmens Creon Ende Februar 2012 in Moskau präsentiert.
Markt für Polyethylen in Russland (in 1.000 t)
| Kennzahlen | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 |
| Produktion | 1.272 | 1.411 | 1.525 | 1.551 |
| Export | 192 | 432 | 360 | 306 |
| Import | 417 | 334 | 448 | 526 |
| Gesamtmarkt | 1.497 | 1.313 | 1.613 | 1.771 |
Quelle: Creon
Russland ist bei der Versorgung mit Polyethylen nach wie vor auf Importe angewiesen. Trotz steigender Produktionskapazitäten hat die Importabhängigkeit in den vergangenen Jahren kaum abgenommen. In absoluten Zahlen stiegen die Importe zuletzt sogar. Im Jahr 2011 legten die Einfuhren von PE um 17% auf 526.000 t zu. Davon entfielen 91.000 t auf PE hoher Dichte, 303.000 t auf PE niedriger Dichte und 132.000 t auf lineares PE (PE-LLD). Die wichtigsten Herkunftsregionen von Polyethylen waren Westeuropa, Südostasien und der GUS-Raum.
PE-Kapazitäten in Russland 2011 (in 1.000 t beziehungsweise in %)
| Unternehmen | PE hoher Dichte | PE niedriger Dichte |
| Insgesamt (in 1.000 t), davon: | 683 | 1.160 |
| .Tomskneftechim | 35% | - |
| .Kasanorgsintes | 32% | 44% |
| .Ufaorgsintes | 13% | - |
| .Angarski SP | 11% | - |
| .Gasprom Neftechim Salawat | 7% | 10% |
| .Neftechim Sewilen | 2% | - |
| .Stawrolen | - | 26% |
| .Nischnekamskneftechim | -20% | - |
Quelle: Creon
Im Nord-Ural wird schon seit Jahrzehnten ein ganz neuer Komplex für Polyethylen hoher Dichte gebaut: das Nowourengoi Gaschemische Kombinat. Laut den Plänen von Gasprom, dem Betreiber des riesigen Werkes, sollen spätestens zum Jahr 2015 Anlagen für 400.000 t PE anlaufen. Dadurch könnten zum Jahr 2015 die russlandweiten Kapazitäten auf 1.083 t erweitert werden. Die Nachfrage nach diesen speziellen Kunststoff dürfte bis dahin von heute 567.000 auf 700.000 t steigen. Sprich: Russland wird zusätzliche Kapazitäten für den Export schaffen.
Wenn da nicht das Qualitätsproblem russischen Polyethylens wäre. Viele der heute existierenden Anlagen sind stark veraltet, auch die produzierten Marken entsprechen kaum modernen internationalen Anforderungen. Dafür halten sich die Preise für PE hoher Dichte am russischen Markt auf hohem Niveau - zwischen dem Level in Westeuropa und Asien.
Auch im Bereich PE niedriger Dichte ist Gasprom Neftechim Salawat voraussichtlich die einzige Firma, welche die bestehenden Kapazitäten ausbauen wird. Gasprom Neftechim Salawat dürfte spätestens ab 2015 in der Lage sein, 80.000 t PE niedriger Dichte zusätzlich zu produzieren. Außerdem will Nischnekamskneftechim Kapazitäten schaffen für bestimmte Polyethylen-Marken niedriger Dichte, die zur Produktion von Kunststoffrohren verwendet werden können.
Außerdem nahmen zwei Chemiefabriken in diesem Segment bereits in den vergangenen drei Jahren den Betrieb auf: Nischnekamskneftechim im Jahr 2009 und Gasprom Neftechim Salawat im Jahr 2010. Ebenfalls 2010 wurde die Rekonstruktion bei Kasanorgsintes abgeschlossen. Daher entspricht das Angebot an Marken und Qualität in Russland weitestgehend den Anforderungen der Weiterverarbeiter. Doch trotz dieser drei neuen Fabriken und selbst wenn die bestehenden Ausbaupläne bei Nischnekamskneftechim und Gasprom Seftechim Salawat zeitnah umgesetzt werden - die Importabhängigkeit wird lediglich etwas abnehmen, nicht aber beheben lassen.
Zusammensetzung der PE-Nachfrage nach Sorten (in 1.000 t)
| PE-Sorte | 2011 | Veränd. 2011/2007 (in %) |
| PE insgesamt, davon | 1.771 | 19,7 |
| .niedriger Dichte | 1.025 | 26,0 |
| .hoher Dichte | 567 | -3,5 |
| .lineares PE | 178 | Steigerung um den Faktor 2,3 |
Quelle: Kortes, auf der 8. Internationalen PE-Konferenz von Creon
Ein Drittel des Granulates niedriger Dichte wird zur Produktion von PE-Druckrohren verwendet. Rund 22% gehen in die Herstellung von Plastikfolien, 19% werden beim Blasformen eingesetzt und 10% bei der Gussformung. Das PE-LLD wird zu 87% zur Herstellung von Plastikfolien benutzt. Insgesamt werden in Russland jährlich 145.000 t Plasitkfolie verbraucht, 130.000 t werden vor Ort produziert, 15.000 t importiert.
Die wichtigsten Produzenten von PE-Plastikfolien in Russland
| Unternehmen | Produktionsanteil in % | Internetadresse |
| Polimer | 8 | http://www.polymersm.ru |
| Desnogorski Polimernyi sawod | 8 | http://www.dppsm.ru |
| Uralplastik | 8 | http://www.uralplastic.ru |
| Danafleks | 8 | http://www.danaflex.info |
| Rani Plast | 7 | http://www.raniplast.ru |
| Tiko-Plastik | 5 | http://www.tikoplastic.com |
| Grand Master | 5 | http://www.grand-master.com |
| Euromet-films | 5 | http://www.eurometfilms.ru |
| Multifleks | 4 | http://www.multiflex.ru |
| Andere | 42 | - |
Quelle: Sibur Holding
Der russische Chemiegigant Sibur plant eine Reihe von Projekten zur Produktion von Plastikfolien. Die Sibur-Tochter Biaksplen will von 2012 bis 2015 für ihre vier bestehenden Werke neue Extruder zur Folienproduktion erwerben.
Kontaktanschriften:
Creon
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Internet: http://www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: fk@creon-online.ru)
OAO Nischnekamskneftechim
423574 Nischnekamsk, Republik Tatarstan
Tel.: 007 8555/37 70 65, Fax: -37 93 09
E-Mail: nknh@nknh.ru, Internet: http://www.nknh.ru
OAO Kasanorgsintes
ul. Belomorskaja 101, 420051 Kasan
Tel.:/Fax: 007 843/533 99 52
Internet: http://www.kazanorgsintez.ru
OOO Nowourengoiski Gasochimitscheski Komplex
ul. Jushnaja 2, 629300 Nowyi Urengoi, Tjumenskaja oblast, Jamalo-Nenezki AO
Tel.: 007 34949/409 26, Fax: -403 61
Internet: http://www.gazprom.ru
OAO Ufaorgsintes
Ordshonikidsewskij rajon, 450037 Ufa, Republik Baschkortostan
Tel.: 007 347/235 88 37, Fax: -260 52 00
Internet: http://www.uos-rb.ru
OOO Stawrolen
ul. Rosy Luxemburg 1, 356800 Budjonnowsk, Stawropolski krai
Tel.: 007 86559/340 08
E-Mail: mail@stavrolen.lukoil.com, Internet: http://www.lukoil-neftekhim.ru/main/static.asp?art_id=792
OAO Lukoil
Sretenski bulwar 11, 101000 Moskau
Tel.: 007 485/627 16 96, Fax: -981 72 88
E-Mail: ir@lukoil.com, Internet: http://www.lukoi.lru
OAO Gaspromneftechim Salawat (früher: Salawatnefteorgsintes)
ul. Molodogwardejzew 30, 453256 Salawat, Republik Baschkortostan
Tel.: 007 34763/921 09, Fax: -539 17
E-Mail: snos@snos.ru, Internet: http://www.snos.ru
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