Uraler Gebiet sucht nach Modernisierungspartnern / Gemeinsame Projekte mit sächsischen Firmen / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Die russische Region Swerdlowsk gehört zu den wichtigsten
Industrie- und Maschinenbaustandorten Russlands. Aus dem Gebiet um die
Hauptstadt Jekaterinburg herum kommen Turbinen, Waggons, Flugzeugteile,
Bagger und viele weitere metallurgische Erzeugnisse und Maschinen. Das
macht die Region interessant für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer.
Zumal eine Reihe von Firmen große Investitionspläne hegen. Swerdlowsk
arbeitet dabei eng mit dem Freistaat Sachsen zusammen.
Die Uralregion Swerdlowsk ist doppelt so groß wie Österreich, hat
mit 4,5 Mio. Einwohnern gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung. Mehr
als 4,3% der russischen Industrieprodukte kommen aus dem Swerdlowsker
Gebiet. Dort befinden sich 182 Maschinenbaubetriebe. Das ist Platz 3
unter allen Regionen. Ob Kupfer, Eisenerz oder Platin - es gibt kaum ein
Element im Periodensystem, das nicht in den Böden der hügeligen
Landschaft zu finden ist, sagt der stellvertretende
Regierungsvorsitzende Aleksandr Petrow von seiner Heimat. Kein Wunder
also, dass ein Viertel aller in Russland hergestellten Stahlrohre aus
der Swerdlowsker Oblast kommt. In der Region werden 38% des in Russland
erzeugten Kupfers raffiniert, 10% des Stahls hergestellt. Bei Titan sei
seine Region der wichtigste Produzent weltweit, sagt der
stellvertretende Industrie- und Wissenschaftsminister Waleri Turlajew.
Damit
das so bleibt, investiert VSMPO-Avisma in den Jahren 2007 bis 2015 über
1,5 Mrd. US$. Das Unternehmen produziert ein Fünftel aller
Titanerzeugnisse weltweit. Vor allem in der Flugzeugindustrie kommen
Titan-Fahrwerke oder Triebwerksteile aus Werchnjaja Salda zum Einsatz,
etwa beim Airbus A380 oder beim Boeing Dreamliner. Aber auch bei Motoren
von Rolls-Royce. Desweiteren fertigt der Swerdlowsker Vorzeigebetrieb,
an dem die Staatsholding Rostechnologii 70% Anteile hält, Titanbleche.
Avisma produziert die größten gestanzten Titanteile der Welt. Begonnen
hat Avisma als reiner Metallurgiekonzern, heute entwickelt sich das
Unternehmen hin zu einem Bearbeitungsunternehmen von Titanteilen.
Außerdem geht der Konzern internationale Partnerschaften ein - wie etwa
im Joint Venture mit Boeing.
Viele Modernisierungsvorhaben wurden
bereits realisiert, so stammt etwa moderne Werkzeug- und Hebetechnik aus
Deutschland, Tschechien und aus den Vereinigten Staaten von Amerika.
Doch einiges müsse noch gekauft werden, sagt Aleksandr Mitrofanow,
stellvertretender Technik- und Reparaturdirektor bei VSMPO-Avisma.
Business Development-Direktor Sergei Lednow konkretisiert: Als nächstes
würde eine Ringwalzlinie gekauft werden. Ausrüster soll ein deutsches
Unternehmen sein. In den Jahren 2013 bis 2014 steht der Kauf weiterer
Präzisionsmaschinen zur Bearbeitung dieser Titanringe an. Avisma
erweitert seine Schmelz- und Schmiedekapazitäten nach den Ansprüchen
seiner Kunden. "Wir wollen vor allem die Tiefenverarbeitung ausbauen",
so Mitrofanow. Und Zulieferer ansiedeln. Dazu entsteht wenige Kilometer
vom Avisma-Werk entfernt die Industriezone Titan Valley.
Die
Nachbarstadt von Werchnjaja Salda heißt Nischni Tagil. Dort werden
Eisenbahnwaggons und Traktoren produziert. Jedes Jahr verlassen 25.000
Waggons das Werk, täglich ist das ein kompletter Zug. Von der
Metallurgie bis hin zum fertigen Waggon - die Verarbeitungstiefe ist
enorm. Dasselbe gilt für den Modernisierungsbedarf: Uralwagonsawod
braucht neue Maschinen und Werkzeuge, ein neues EDV-System, eine
verbesserte Logistik und eine Ressourcen schonende effiziente
Produktion. Dazu investiert der Betrieb 2012 rund 1,5 Mrd. bis 2 Mrd.
Rubel. Für 2013 ist dieselbe Summe vorgesehen.
Der größte
Arbeitgeber in der Gebietshauptstadt Jekaterinburg ist Uralmaschsawod.
Das Werk wurde 1933 gebaut und fertigt heute Bohrtürme,
Zerkleinerungstechnik, Bagger, Brecher und Reduktoren sowie Teile für
Kraftwerksanlagen wie etwa Ringe oder Halterungen für Turbinenschaufeln.
Vor allem die Zahnradschleifmaschinen gehören zu den ältesten Geräten
in dem Werk. Sie sollen bald ersetzt werden, ebenso wie auch Dreh- und
Fräsmaschinen. "In den kommenden zwei Jahren wollen wir 200 Mio. US$
investieren", sagte Uralmaschsawod-Geschäftsführer Andrej Saltanow auf
GTAI-Anfrage Mitte Juli 2012. Das Ziel: Die technologischen Ketten neu
aufbauen mithilfe von CNC-Maschinen.
Deutsche Technik genießt bei
Saltanow einen ausgezeichneten Ruf, es gibt aber ebenfalls japanische
CNC-Fräsmaschinen sowie Maschinen von Skoda. Auch im Bereich
Schutzbeschichtungen und beim Schweißen sieht der Firmenchef großen
Nachholbedarf. Drei Viertel des Werksgeländes werden künftig anderweitig
verwendet. Auf den verbleibenden 25% des Firmengrundstückes sollen
schon in wenigen Jahren doppelt so viele Erzeugnisse hergestellt werden
wie zurzeit.
Auch beim Uraler Turbinenwerk wird kräftig
investiert, 2011 waren es 300 Mio. Rubel, 2012 dürften es 500 Mio. Rubel
sein, sagt Einkaufsleiter Wladimir Labutin. Für das Geld wurden im
April 2012 fünf Werkzeugmaschinen aus Deutschland in Betrieb genommen,
so Vizegeschäftsführer Denis Tschitschigin. Mit künftigen Investitionen
will der stellvertretende Generaldirektor den Maschinenpark weiter
modernisieren und die Schweißprozesse bei der Turbinenfertigung
verbessern - vom mechanischen Schweißen hin zum halbautomatischen und
vollautomatischen Schweißen.
Das Turbinenwerk produziert sowohl
Dampfanlagen, als auch Dampf-Gasanlagen. Die 2.000 Beschäftigten
lieferten zuletzt drei solcher Turbinen pro Jahr aus, für 2012 und 2013
arbeitet der Maschinenbaubetrieb 19 Verträge ab. Zu den Auftraggebern
gehören Energieerzeuger in ganz Russland.
Sächsische Firmen sollen
sich künftig noch stärker an der Modernisierung des Swerdlowsker
Maschinenbaus beteiligen. Dazu unterzeichneten Hartmut Fiedler,
Staatssekretär im sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit
und Verkehr, und Aleksandr Petrow, der stellvertretende
Regierungsvorsitzende der Swerdlowsker Oblast, Mitte Juli 2012 eine
Absichtserklärung für die Bildung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe.
Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen wollen an bestehende
Kontakte zu Swerdlowsker Unternehmen, Instituten und Universitäten
anknüpfen und mit Unterstützung der Staatsregierung und der
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH an gemeinsamen
Modernisierungsprojekten arbeiten.
Die Dresdner Firma Staxera ist
bereits einen Schritt weiter. Sie wird zusammen mit der Ural Industrial
Company Hochtemperatur-Brennstoffzellen im kleinen Leistungsbereich
fertigen, die den Strom für den Weitertransport von Erdgas in Pipelines
erzeugen sollen. Die innovativen Brennstoffzellen liefert das deutsche
Unternehmen, die Integration und die Steuerungselemente kommen aus
Jekaterinburg. "Unsere größte Herausforderung ist es, unsere Produkte
mit dem Lkw an den Endabnehmer zu transportieren", sagt Oliver
Posdziech, System- und Engineeringmanager bei Staxera. "Unser Produkt
wird deshalb sehr robust und wartungsarm sein."
Kennzahlen zum Gebiet Swerdlowsk (2011)
| Fläche | 194.300 qkm |
| Bevölkerung | 4.393.797 |
| Bevölkerungsdichte | 22,8 Einwohner/qkm |
| Hauptstadt / wichtige Städte | Jekaterinburg / Nischni Tagil, Kamensk-Uralski, Asbest, Serow, Irbit, Krasnoturinsk, Perwouralsk |
| Bruttoregionalprodukt (2010) | 1.033,7 Mrd. Rubel |
| Durchschnittsmonatseinkommen (im Dezember 2011) | 36.342,8 Rubel |
| Bruttoanlageinvestitionen | 371,9 Mrd. Rubel (+28,3% zu 2010) |
| Einzelhandelsumsatz | 193,8 Mrd. Rubel |
| Bauleistung | 110,3 Mrd. Rubel (+ 8,3% zu 2010) |
| Verkehrsinfrastruktur | Eisenbahn, Autobahnen |
| wichtige Branchen | Bergbau (NE-und seltene Metalle, Bauxite, Eisenerz, Gold, Edelsteine), Maschinenbau (vor allem Hütten- und Walzwerkeinrichtungen, Waggonbau), Metallurgie |
| Einfuhr | 3.283,4 Mio. US$ |
| Ausfuhr | 8.065,9 Mio. US$ |
| größte Außenhandelspartner | Niederlande, USA, Deutschland, Kasachstan, Indien, VR China |
Quellen: Statistischer Dienst vom Gebiet Swerdlowsk, Regierung vom Gebiet Swerdlowsk
Kontaktanschriften
VSMPO-Avisma
Ul. Parkowaja 1, 624760 Werchnjaja Salda
Tel.: 007 34345/626 85, Fax: -216 95
E-Mail: mitrofanow@vsmpo.ru, Internet: http://www.vsmpo.ru
Ausschreibungen für neue Öfen, Maschinen und Anlagen sind auf der Unternehmenshomepage zu finden.
Uralmaschsawod
Ploschad perwoi pjatiletki, 620012 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/336-68 38, Fax: -66 86
E-Mail: secretar_gd@uralmash.ru, Internet: http://www.uralmash.ru
Uralski Turbinnyi Sawod
Ul. Frontowych Brigad 18, 620017 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/326 48 11, Fax: -333 55 02
E-Mail: utpuznotd1@utz.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland