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Dienstag, 21. August 2012

Industrieregion Swerdlowsk investiert in Ausrüstungen

Uraler Gebiet sucht nach Modernisierungspartnern / Gemeinsame Projekte mit sächsischen Firmen / Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Die russische Region Swerdlowsk gehört zu den wichtigsten Industrie- und Maschinenbaustandorten Russlands. Aus dem Gebiet um die Hauptstadt Jekaterinburg herum kommen Turbinen, Waggons, Flugzeugteile, Bagger und viele weitere metallurgische Erzeugnisse und Maschinen. Das macht die Region interessant für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer. Zumal eine Reihe von Firmen große Investitionspläne hegen. Swerdlowsk arbeitet dabei eng mit dem Freistaat Sachsen zusammen.

Die Uralregion Swerdlowsk ist doppelt so groß wie Österreich, hat mit 4,5 Mio. Einwohnern gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung. Mehr als 4,3% der russischen Industrieprodukte kommen aus dem Swerdlowsker Gebiet. Dort befinden sich 182 Maschinenbaubetriebe. Das ist Platz 3 unter allen Regionen. Ob Kupfer, Eisenerz oder Platin - es gibt kaum ein Element im Periodensystem, das nicht in den Böden der hügeligen Landschaft zu finden ist, sagt der stellvertretende Regierungsvorsitzende Aleksandr Petrow von seiner Heimat. Kein Wunder also, dass ein Viertel aller in Russland hergestellten Stahlrohre aus der Swerdlowsker Oblast kommt. In der Region werden 38% des in Russland erzeugten Kupfers raffiniert, 10% des Stahls hergestellt. Bei Titan sei seine Region der wichtigste Produzent weltweit, sagt der stellvertretende Industrie- und Wissenschaftsminister Waleri Turlajew.

Damit das so bleibt, investiert VSMPO-Avisma in den Jahren 2007 bis 2015 über 1,5 Mrd. US$. Das Unternehmen produziert ein Fünftel aller Titanerzeugnisse weltweit. Vor allem in der Flugzeugindustrie kommen Titan-Fahrwerke oder Triebwerksteile aus Werchnjaja Salda zum Einsatz, etwa beim Airbus A380 oder beim Boeing Dreamliner. Aber auch bei Motoren von Rolls-Royce. Desweiteren fertigt der Swerdlowsker Vorzeigebetrieb, an dem die Staatsholding Rostechnologii 70% Anteile hält, Titanbleche. Avisma produziert die größten gestanzten Titanteile der Welt. Begonnen hat Avisma als reiner Metallurgiekonzern, heute entwickelt sich das Unternehmen hin zu einem Bearbeitungsunternehmen von Titanteilen. Außerdem geht der Konzern internationale Partnerschaften ein - wie etwa im Joint Venture mit Boeing.

Viele Modernisierungsvorhaben wurden bereits realisiert, so stammt etwa moderne Werkzeug- und Hebetechnik aus Deutschland, Tschechien und aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Doch einiges müsse noch gekauft werden, sagt Aleksandr Mitrofanow, stellvertretender Technik- und Reparaturdirektor bei VSMPO-Avisma. Business Development-Direktor Sergei Lednow konkretisiert: Als nächstes würde eine Ringwalzlinie gekauft werden. Ausrüster soll ein deutsches Unternehmen sein. In den Jahren 2013 bis 2014 steht der Kauf weiterer Präzisionsmaschinen zur Bearbeitung dieser Titanringe an. Avisma erweitert seine Schmelz- und Schmiedekapazitäten nach den Ansprüchen seiner Kunden. "Wir wollen vor allem die Tiefenverarbeitung ausbauen", so Mitrofanow. Und Zulieferer ansiedeln. Dazu entsteht wenige Kilometer vom Avisma-Werk entfernt die Industriezone Titan Valley.

Die Nachbarstadt von Werchnjaja Salda heißt Nischni Tagil. Dort werden Eisenbahnwaggons und Traktoren produziert. Jedes Jahr verlassen 25.000 Waggons das Werk, täglich ist das ein kompletter Zug. Von der Metallurgie bis hin zum fertigen Waggon - die Verarbeitungstiefe ist enorm. Dasselbe gilt für den Modernisierungsbedarf: Uralwagonsawod braucht neue Maschinen und Werkzeuge, ein neues EDV-System, eine verbesserte Logistik und eine Ressourcen schonende effiziente Produktion. Dazu investiert der Betrieb 2012 rund 1,5 Mrd. bis 2 Mrd. Rubel. Für 2013 ist dieselbe Summe vorgesehen.

Der größte Arbeitgeber in der Gebietshauptstadt Jekaterinburg ist Uralmaschsawod. Das Werk wurde 1933 gebaut und fertigt heute Bohrtürme, Zerkleinerungstechnik, Bagger, Brecher und Reduktoren sowie Teile für Kraftwerksanlagen wie etwa Ringe oder Halterungen für Turbinenschaufeln. Vor allem die Zahnradschleifmaschinen gehören zu den ältesten Geräten in dem Werk. Sie sollen bald ersetzt werden, ebenso wie auch Dreh- und Fräsmaschinen. "In den kommenden zwei Jahren wollen wir 200 Mio. US$ investieren", sagte Uralmaschsawod-Geschäftsführer Andrej Saltanow auf GTAI-Anfrage Mitte Juli 2012. Das Ziel: Die technologischen Ketten neu aufbauen mithilfe von CNC-Maschinen.

Deutsche Technik genießt bei Saltanow einen ausgezeichneten Ruf, es gibt aber ebenfalls japanische CNC-Fräsmaschinen sowie Maschinen von Skoda. Auch im Bereich Schutzbeschichtungen und beim Schweißen sieht der Firmenchef großen Nachholbedarf. Drei Viertel des Werksgeländes werden künftig anderweitig verwendet. Auf den verbleibenden 25% des Firmengrundstückes sollen schon in wenigen Jahren doppelt so viele Erzeugnisse hergestellt werden wie zurzeit.

Auch beim Uraler Turbinenwerk wird kräftig investiert, 2011 waren es 300 Mio. Rubel, 2012 dürften es 500 Mio. Rubel sein, sagt Einkaufsleiter Wladimir Labutin. Für das Geld wurden im April 2012 fünf Werkzeugmaschinen aus Deutschland in Betrieb genommen, so Vizegeschäftsführer Denis Tschitschigin. Mit künftigen Investitionen will der stellvertretende Generaldirektor den Maschinenpark weiter modernisieren und die Schweißprozesse bei der Turbinenfertigung verbessern - vom mechanischen Schweißen hin zum halbautomatischen und vollautomatischen Schweißen.

Das Turbinenwerk produziert sowohl Dampfanlagen, als auch Dampf-Gasanlagen. Die 2.000 Beschäftigten lieferten zuletzt drei solcher Turbinen pro Jahr aus, für 2012 und 2013 arbeitet der Maschinenbaubetrieb 19 Verträge ab. Zu den Auftraggebern gehören Energieerzeuger in ganz Russland.

Sächsische Firmen sollen sich künftig noch stärker an der Modernisierung des Swerdlowsker Maschinenbaus beteiligen. Dazu unterzeichneten Hartmut Fiedler, Staatssekretär im sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, und Aleksandr Petrow, der stellvertretende Regierungsvorsitzende der Swerdlowsker Oblast, Mitte Juli 2012 eine Absichtserklärung für die Bildung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe. Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Sachsen wollen an bestehende Kontakte zu Swerdlowsker Unternehmen, Instituten und Universitäten anknüpfen und mit Unterstützung der Staatsregierung und der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH an gemeinsamen Modernisierungsprojekten arbeiten.

Die Dresdner Firma Staxera ist bereits einen Schritt weiter. Sie wird zusammen mit der Ural Industrial Company Hochtemperatur-Brennstoffzellen im kleinen Leistungsbereich fertigen, die den Strom für den Weitertransport von Erdgas in Pipelines erzeugen sollen. Die innovativen Brennstoffzellen liefert das deutsche Unternehmen, die Integration und die Steuerungselemente kommen aus Jekaterinburg. "Unsere größte Herausforderung ist es, unsere Produkte mit dem Lkw an den Endabnehmer zu transportieren", sagt Oliver Posdziech, System- und Engineeringmanager bei Staxera. "Unser Produkt wird deshalb sehr robust und wartungsarm sein."

Kennzahlen zum Gebiet Swerdlowsk (2011)
Fläche 194.300 qkm
Bevölkerung 4.393.797
Bevölkerungsdichte 22,8 Einwohner/qkm
Hauptstadt / wichtige Städte Jekaterinburg / Nischni Tagil, Kamensk-Uralski, Asbest, Serow, Irbit, Krasnoturinsk, Perwouralsk
Bruttoregionalprodukt (2010) 1.033,7 Mrd. Rubel
Durchschnittsmonatseinkommen (im Dezember 2011) 36.342,8 Rubel
Bruttoanlageinvestitionen 371,9 Mrd. Rubel (+28,3% zu 2010)
Einzelhandelsumsatz 193,8 Mrd. Rubel
Bauleistung 110,3 Mrd. Rubel (+ 8,3% zu 2010)
Verkehrsinfrastruktur Eisenbahn, Autobahnen
wichtige Branchen Bergbau (NE-und seltene Metalle, Bauxite, Eisenerz, Gold, Edelsteine), Maschinenbau (vor allem Hütten- und Walzwerkeinrichtungen, Waggonbau), Metallurgie
Einfuhr 3.283,4 Mio. US$
Ausfuhr 8.065,9 Mio. US$
größte Außenhandelspartner Niederlande, USA, Deutschland, Kasachstan, Indien, VR China
Quellen: Statistischer Dienst vom Gebiet Swerdlowsk, Regierung vom Gebiet Swerdlowsk

Kontaktanschriften

VSMPO-Avisma
Ul. Parkowaja 1, 624760 Werchnjaja Salda
Tel.: 007 34345/626 85, Fax: -216 95
Ausschreibungen für neue Öfen, Maschinen und Anlagen sind auf der Unternehmenshomepage zu finden.
Uralmaschsawod
Ploschad perwoi pjatiletki, 620012 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/336-68 38, Fax: -66 86
Uralski Turbinnyi Sawod
Ul. Frontowych Brigad 18, 620017 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/326 48 11, Fax: -333 55 02
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland