Novatek und Total entwickeln Projekt auf der Halbinsel Jamal / Staat baut Hafen zur LNG-Verschiffung / Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - In Russlands hohen Norden, auf der Halbinsel Jamal, kündigt
sich ein massiver Ausbau der Förderung von Erdgas an. Der Energieträger
soll anschließend zur Verschiffung in Flüssiggas LNG umgewandelt werden.
Eigens hierfür werden bis 2016 am Standort Sabetta eine Anlage zur
Gasverflüssigung sowie ein Hafen gebaut. Die Kosten für den Hafenbau
übernimmt der Staat, die Finanzierung aller anderen Teilvorhaben liegt
in privaten Händen.
Der Hafen in Sabetta soll eigens mit einem Exportterminal für LNG
ausgestattet werden, jedoch nicht ausschließlich. Geplant ist darüber
hinaus der Bau einer Tankerflotte für LNG, wobei es sich um spezielle
Schiffe handeln muss, die auch in vereisten Gewässern fahren können. Die
Kohlenwasserstoffe werden aus dem nahe gelegenen Erdgasfeld
Süd-Tambejsk kommen, das aktuell erschlossen wird.
Die Kosten für
das Gesamtprojekt belaufen sich voraussichtlich auf 20 Mrd. US$. Als
Projektträger tritt die Aktiengesellschaft OAO Jamal SPG auf, an der
Russlands zweitgrößter Erdgaskonzern Novatek 80% und die französische
Total (Total E&P Yamal of France) 20% der Anteile halten. Jamal SPG
besitzt seit mehreren Jahren die Förderlizenz für das Erdgasfeld
Süd-Tambejsk, dessen Reserven auf 1,256 Bill. cbm Gas geschätzt werden.
Im
April 2012 berichteten russische Medien, dass Novatek Gespräche mit
großen internationalen Energiekonzernen über eine Beteiligung an Jamal
SPG führt, wodurch unter anderem der Absatz des LNG auf dem Weltmarkt
gesichert werden könnte, neben einer Kostenteilung für das anstehende
Jamal-Projekt. Als ein möglicher Kandidat wurde Electricite de France
(EdF) genannt. Als Zielmarkt käme neben Europa aber auch der
asiatisch-pazifische Raum in Betracht, wodurch sich die Frage nach
weiteren Beteiligungen bis Ende 2012 auch völlig anders stellen könnte,
so ein Unternehmenssprecher von Jamal SPG.
Den Bau des Hafens in
einer Entfernung von 5 km vom Standort Sabetta und 30 km vom Gasfeld
Süd-Tambejsk wird der Staat schultern. In diesem Zusammenhang
unterschrieb Ministerpräsident Medwedjew am 18.7.12 einen
Regierungserlass, in dem sich der Staat zur Kostenübernahme und zur
Baudurchführung verpflichtete. Zwar wird die LNG-Verschiffung vorerst
wichtigstes Ziel des Hafenprojektes sein, aber nicht ausschließlich. Die
Verladung von Erdöl und Gaskondensat, auch aus anderen Lagerstätten,
kann künftig hinzukommen, neben der Anlandung von Gütern zur Versorgung
der Bevölkerung. Letztendlich ordnet sich der Hafenbau in die
Regierungsstrategie zur wirtschaftlichen Erschließung des hohen Nordens
ein.
Laut Regierungserlass werden sich die Ministerien für
wirtschaftliche Entwicklung sowie für Transport mit dem Projekt
befassen. Eine entsprechende Ausschreibung der Bauleistungen hat die
Föderale Behörde für Hochseehäfen, Rosmorport, bereits im Juni 2012
veröffentlicht. Der Tender bezieht sich auf den Bau eines 4 km langen
Hafenkanals mit Wendebecken, eines weiteren Hafenbeckens für zusätzliche
Anlegepiers, auf das Aufstellen von Navigationseinrichtungen entlang
des Ufers sowie auf die Einrichtung von Überwachungsstationen (darunter
Leitstationen für GPS und Glonass). Akzeptiert werden Angebote bis zu
einer Kostenobergrenze von 7,24 Mrd. Rbl (circa 180 Mio. Euro). Bereits
am 24.8.12 will Rosmorport über die Zuschlagserteilung entscheiden.
Der
Bau der Infrastruktur zum Hafen und um den Hafen herum sowie zwischen
dem Erdgasfeld und der Anlage zur Gasverflüssigung obliegt vollständig
Jamal SPG. Das Unternehmen rechnet mit Ausgaben allein für
Infrastrukturprojekte von bis zu 8 Mrd. US$. Für die endgültige
Erschließung des Gasfeldes, den Bau der Verflüssigungsanlage und der
Tankerflotte werden weitere 12 Mrd. US$ veranschlagt. Die
Verflüssigungsanlage soll aus drei Linien bestehen, mit Kapazitäten von
jeweils 5 Mio. jato LNG. Die ersten Tanker könnten den Plänen nach 2018
in Sabetta ablegen.
Vertreter der Banken schätzen das Vorhaben als
äußerst interessant und ambitiös, jedoch nicht frei von Risiken ein.
Letzte Aussage bezieht sich unter anderem auf die anscheinend in Teilen
noch ungelöste Frage nach möglichen Absatzmärkten. Diese Problematik
verschärft sich durch die Erschließung von Gasfeldern in Nordamerika,
Asien und Teilen Europas durch die Anwendung neuer Fördermethoden, das
sogenannte "Hydraulic Fracturing". Dadurch wandeln sich zum Beispiel die
USA von einem Nettoimporteur zu einem Exporteur von Energieträgern. Im
Ergebnis sättigt sich der Weltmarkt für Erdgas immer mehr und die Preise
geben nach.
Die gesamte Region Jamal gehört generell zu den fünf
Gebietskörperschaften der Russischen Föderation, in die auffällig hohe
Investitionssummen fließen. Neben Erdgas gehört die Erdölförderung zu
den kostenintensiven Anlageobjekten im hohen Norden. In diesem
Zusammenhang wurde zum Beispiel 2011 die erste Ausbaustufe der
Erdölleitung Polarkreis-Purpe-Samotlor des Betreiberkonzerns Transneft
fertig gestellt. Mit der Fertigstellung der zweiten Stufe wird für 2015
gerechnet
Internetadressen:
OAO Jamal SPG: http://yamalspg.ru/
Novatek: http://www.novatek.ru
Total: http://www.total.com/en/home-page-940596.html,http://www.total.com/en/investors/press-releases/press-releases-922799.html&idActu=2656
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland