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Mittwoch, 22. August 2012

Russland erschließt Erdgasfelder im hohen Norden

Novatek und Total entwickeln Projekt auf der Halbinsel Jamal / Staat baut Hafen zur LNG-Verschiffung / Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - In Russlands hohen Norden, auf der Halbinsel Jamal, kündigt sich ein massiver Ausbau der Förderung von Erdgas an. Der Energieträger soll anschließend zur Verschiffung in Flüssiggas LNG umgewandelt werden. Eigens hierfür werden bis 2016 am Standort Sabetta eine Anlage zur Gasverflüssigung sowie ein Hafen gebaut. Die Kosten für den Hafenbau übernimmt der Staat, die Finanzierung aller anderen Teilvorhaben liegt in privaten Händen.

Der Hafen in Sabetta soll eigens mit einem Exportterminal für LNG ausgestattet werden, jedoch nicht ausschließlich. Geplant ist darüber hinaus der Bau einer Tankerflotte für LNG, wobei es sich um spezielle Schiffe handeln muss, die auch in vereisten Gewässern fahren können. Die Kohlenwasserstoffe werden aus dem nahe gelegenen Erdgasfeld Süd-Tambejsk kommen, das aktuell erschlossen wird.

Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich voraussichtlich auf 20 Mrd. US$. Als Projektträger tritt die Aktiengesellschaft OAO Jamal SPG auf, an der Russlands zweitgrößter Erdgaskonzern Novatek 80% und die französische Total (Total E&P Yamal of France) 20% der Anteile halten. Jamal SPG besitzt seit mehreren Jahren die Förderlizenz für das Erdgasfeld Süd-Tambejsk, dessen Reserven auf 1,256 Bill. cbm Gas geschätzt werden.

Im April 2012 berichteten russische Medien, dass Novatek Gespräche mit großen internationalen Energiekonzernen über eine Beteiligung an Jamal SPG führt, wodurch unter anderem der Absatz des LNG auf dem Weltmarkt gesichert werden könnte, neben einer Kostenteilung für das anstehende Jamal-Projekt. Als ein möglicher Kandidat wurde Electricite de France (EdF) genannt. Als Zielmarkt käme neben Europa aber auch der asiatisch-pazifische Raum in Betracht, wodurch sich die Frage nach weiteren Beteiligungen bis Ende 2012 auch völlig anders stellen könnte, so ein Unternehmenssprecher von Jamal SPG.

Den Bau des Hafens in einer Entfernung von 5 km vom Standort Sabetta und 30 km vom Gasfeld Süd-Tambejsk wird der Staat schultern. In diesem Zusammenhang unterschrieb Ministerpräsident Medwedjew am 18.7.12 einen Regierungserlass, in dem sich der Staat zur Kostenübernahme und zur Baudurchführung verpflichtete. Zwar wird die LNG-Verschiffung vorerst wichtigstes Ziel des Hafenprojektes sein, aber nicht ausschließlich. Die Verladung von Erdöl und Gaskondensat, auch aus anderen Lagerstätten, kann künftig hinzukommen, neben der Anlandung von Gütern zur Versorgung der Bevölkerung. Letztendlich ordnet sich der Hafenbau in die Regierungsstrategie zur wirtschaftlichen Erschließung des hohen Nordens ein.

Laut Regierungserlass werden sich die Ministerien für wirtschaftliche Entwicklung sowie für Transport mit dem Projekt befassen. Eine entsprechende Ausschreibung der Bauleistungen hat die Föderale Behörde für Hochseehäfen, Rosmorport, bereits im Juni 2012 veröffentlicht. Der Tender bezieht sich auf den Bau eines 4 km langen Hafenkanals mit Wendebecken, eines weiteren Hafenbeckens für zusätzliche Anlegepiers, auf das Aufstellen von Navigationseinrichtungen entlang des Ufers sowie auf die Einrichtung von Überwachungsstationen (darunter Leitstationen für GPS und Glonass). Akzeptiert werden Angebote bis zu einer Kostenobergrenze von 7,24 Mrd. Rbl (circa 180 Mio. Euro). Bereits am 24.8.12 will Rosmorport über die Zuschlagserteilung entscheiden.

Der Bau der Infrastruktur zum Hafen und um den Hafen herum sowie zwischen dem Erdgasfeld und der Anlage zur Gasverflüssigung obliegt vollständig Jamal SPG. Das Unternehmen rechnet mit Ausgaben allein für Infrastrukturprojekte von bis zu 8 Mrd. US$. Für die endgültige Erschließung des Gasfeldes, den Bau der Verflüssigungsanlage und der Tankerflotte werden weitere 12 Mrd. US$ veranschlagt. Die Verflüssigungsanlage soll aus drei Linien bestehen, mit Kapazitäten von jeweils 5 Mio. jato LNG. Die ersten Tanker könnten den Plänen nach 2018 in Sabetta ablegen.

Vertreter der Banken schätzen das Vorhaben als äußerst interessant und ambitiös, jedoch nicht frei von Risiken ein. Letzte Aussage bezieht sich unter anderem auf die anscheinend in Teilen noch ungelöste Frage nach möglichen Absatzmärkten. Diese Problematik verschärft sich durch die Erschließung von Gasfeldern in Nordamerika, Asien und Teilen Europas durch die Anwendung neuer Fördermethoden, das sogenannte "Hydraulic Fracturing". Dadurch wandeln sich zum Beispiel die USA von einem Nettoimporteur zu einem Exporteur von Energieträgern. Im Ergebnis sättigt sich der Weltmarkt für Erdgas immer mehr und die Preise geben nach.

Die gesamte Region Jamal gehört generell zu den fünf Gebietskörperschaften der Russischen Föderation, in die auffällig hohe Investitionssummen fließen. Neben Erdgas gehört die Erdölförderung zu den kostenintensiven Anlageobjekten im hohen Norden. In diesem Zusammenhang wurde zum Beispiel 2011 die erste Ausbaustufe der Erdölleitung Polarkreis-Purpe-Samotlor des Betreiberkonzerns Transneft fertig gestellt. Mit der Fertigstellung der zweiten Stufe wird für 2015 gerechnet

Internetadressen:

OAO Jamal SPG: http://yamalspg.ru/
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland