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Donnerstag, 23. August 2012

Russland kommt bei Energieeffizienz nur langsam voran

Strengere Gesetze sollen große Energieverbraucher zur Modernisierung zwingen / Energieaudits sind gefragt / Von Kristina Krauter und Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russland will weniger Energie verschwenden. Dazu hat das Energieministerium bereits 2010 einen Entwicklungsplan aufgelegt. Volumen: 17 Mrd. Euro allein an Staatsmitteln. Doch die Umsetzung stockt. Nur jeder vierte große Konzern hat bislang ein Energieaudit durchgeführt. Dabei sind alle dazu verpflichtet. Ein neues Gesetz soll schärfere Vorgaben bringen. Es gibt aber auch Vorzeigeprojekte: Die Regionen Murmansk und die Republik Altai gehen mit gutem Beispiel voran. 

Energiesparende Heizsysteme, Plattenbausanierung und Sparlampen - die russische Regierung hat 2010 ein Programm zur Energieersparnis und Steigerung der Energieeffizienz verabschiedet. Bis 2020 soll der Energieverbrauch um mindestens 40% fallen. Das entspricht dem kompletten Energieverbrauch Frankreichs. Dafür werden 70 Mrd. Rubel aus dem Staatsbudget fließen. Weitere 625 Mrd. Rubel sollen die regionalen Haushalte beisteuern. Geht es nach dem Willen der Regierung, so beteiligen sich private Investoren mit 8.837 Mrd. Rubel (222 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 16.7.2012: 1 Euro = 39,79 Rubel).

Allein für das Jahr 2012 fließen aus dem föderalen Haushalt rund 6,4 Mrd. Rubel (über 160 Mio. Euro) in die Modernisierung. Davon gehen 5,7 Mrd. Rubel als Subvention an die Föderationssubjekte, das heißt an die 83 Regionen der Russischen Föderation. Das restliche Geld ist für Weiterbildungsmaßnahmen vorgesehen.

In verschiedenen Teilen des riesigen Landes werden Maßnahmen und Projekte angestoßen. Die Regierung der Stadt Gorno-Altaisk, Hauptstadt der autonomen Republik Altai, hat bisher 355 Mio. Rubel in das Projekt "energieeffiziente Stadt" investiert, meldete der Nachrichtendienst Ria Nowosti. Das Projekt soll im Laufe von fünf bis sieben Jahren fertig gestellt werden. Mehrfamilienhäuser und sonstige Gebäude sollen Anschlüsse an ein automatisiertes Heizungssystem bekommen. Desweiteren wird die Verkleidung von Wohnhäusern saniert. Dafür ist die Firma OAO Altaienergosbyt verantwortlich. Für diese Maßnahmen werden 400 Mio. Rubel eingeplant. Weitere 80 Mio. sind für die Installation von automatisierten Heizungssystemen vorgesehen. Rund 100 Mio. stehen für die komplette Abschaffung von Kohleheizkesseln zur Verfügung.

Die Region Murmansk will zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2010 rund 40% weniger Energie verbrauchen - so wie vor drei Jahren vom damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew gefordert. Dazu wurde ein Gesetz verabschiedet. Die Heiznetze werden rekonstruiert, an den Bau von Heizkesseln werden völlig neue Anforderungen gestellt. Bei der Straßenbeleuchtung steigt die Region auf Sparlampen um, berichtet die Nachrichtenagentur Prime.

In Industrieunternehmen und privaten Haushalten spielen LED-Lampen eine immer wichtigere Rolle. Zwei von drei verkauften Lampen dürften 2012 LED-Leuchten sein, so Branchenexperten. Dies entspricht einem Volumen von 65 Mrd. Rubel. Langfristig könnte der russische Lampenmarkt, der dank staatlicher Regulierung Steigerungsraten zwischen 26 und 48% pro Jahr verzeichnet, auf bis zu 5% des Weltmarktes wachsen. Die Anforderungen an Lampen und Leuchten werden immer höher.

Auch private Unternehmen müssen mit härteren Vorschriften rechnen. Russische Experten prognostizieren schärfere Gesetze für die Konstruktion von Gebäuden. Energieeffiziente Technologien sollen Pflicht werden. Erste Ansätze gibt es seit einigen Jahren. Das Gesetz zur Energieersparnis und Steigung der Energieeffizienz von 2009 schreibt die Senkung des Energieverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz vor. Schon jetzt müssen Unternehmen, deren Energie-Gesamtausgaben 10 Mio. Rubel im Jahr überschreiten, einen Energiepass besitzen und den Energieverbrauch jährlich um 3% senken. Objekte mit hoher Energieeffizienz genießen Steuervergünstigungen. Alle Industriefirmen sind zu einem Energieaudit verpflichtet. Das erste Audit muss bis zum 31.12.12 stattgefunden haben und alle fünf Jahre wiederholt werden.

Einige Dienstleister haben sich auf Energieaudits spezialisiert. Einer dieser Dienstleister ist Msi Fdp-Aval. Die Firma bietet ein komplettes Energieeffizienz-Paket an. Dazu gehört ein Energie-Auditing, bei dem Schwächen und Stärken festgestellt werden. Danach erarbeitet Msi ein maßgeschneidertes Energieeffizienz-Programm. Außerdem legt Aval einen Investitionsplan vor mit einer Investitionsanalyse und einem Steuer-Audit. Als Nächstes folgt die Installation energieeffizienter Technologien sowie eine Schulung der Beschäftigten.
"Die Nachfrage nach einem Energie-Audit ist sehr hoch", sagt Gerhard Markow, Vizepräsident von Msi Fdp-Aval. Und trotzdem: Nur jede vierte Firma leiste sich bisher ein vergleichbares Audit. Markow glaubt, dass die Frist verlängert werden könnte. Da der russische Energieeffizienz-Markt gerade erst zu wachsen beginnt, wird nach Fachkräften und Technologien im Ausland gesucht. Deutsche Firmen sind auf Grund ihrer Erfahrung gern gesehen. Auch deutsche Technologien gelten als sehr zuverlässig. Technologie-Lieferanten, Installationsanbieter, Energie-Auditoren und Finanzierungsinstitute aus dem Ausland werden benötigt. Firmen wie Aval suchen Partner im Ausland, um Russlands Energieeffizienz voranzutreiben. "Bis 2020 um die 40% Energie sparen - das ist ein realistisches Zielt", so Branchenexperte Markow.

Diese optimistische Meinung teilt längst nicht jeder deutsche Experte in Russland. Insider bemängeln mehrere Schwachstellen. Erstens: Niemand prüft, ob auch tatsächlich alle Unternehmen Energieaudits durchgeführt haben. Zweitens: Es gibt keine Sanktionsmechanismen. Drittens: Bei den Fördermechanismen kommt das staatliche Geld nicht immer dort an, wofür es bestimmt ist. Und viertens: Das heutige Bezahlsystem von Wärmeenergie setzt keine Anreize zum Energiesparen. Abgerechnet wird nach Quadratmetern - ohne auf den tatsächlichen Verbrauch zu achten.

Desweiteren fehlten die gesetzlichen Grundlagen für ein ordentliches Energie-Contracting. Das Problem: Die Regierung ist nicht bereit, Garantien für größere Investments zu bieten. Dabei wären viele Firmen, darunter auch deutsche, gerne bereit, in entsprechende Projekte zu investieren, sagte ein deutscher Energiefachmann gegenüber GTAI. Darum würden auch nur sehr wenige Projekte angeschoben.

"Ich verkaufe keine einzige Maschine in Russland mit dem Argument Energieeffizienz", sagt ein deutscher Maschinenbauer im GTAI-Gespräch. Es gehe bei den Verhandlungen um die Kapazitäten, die Qualität des Produktes und um die Finanzierung. "Aber nur sehr selten stellt mir jemand die Frage, wie viel Strom sie verbraucht", so der Geschäftsführer eines deutschen Mittelständlers in Russland.

Wenn es Projekte gibt, dann beteiligen sich auch Fonds und Banken. So wird etwa der internationale Ökologie Fonds (GEF) 2012 rund 2,5 Mio. US$ in Pilotprojekte in Moskau und Sarow (Region Nischni Nowgorod) investieren. Dabei geht es um Energiesparen bei Schul- und Straßenbeleuchtung. Die passende Technologie soll in Sarow bald eingekauft werden. Mehrere Projekte laufen auch in Städten der Nordwest-Region. Es geht unter anderem um Energiespar-Technologien im Tiefbau.

Die Bank Zentr-Invest ist ein Partner des russischen Programmes zur Finanzierung nachhaltiger Energie geworden (Russian Sustainable Energy Financing Facility, Ruseff). Die Bank unterstützt ein Projekt zur Modernisierung des Energiesektors im Süden Russlands. Sie gewährt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung kleinen und mittelständischen Unternehmen Kredite, damit diese die Energieeffizienz steigern und die Energiekosten senken können. Im Rahmen des Projektes Ruseff vergibt die Bank Kredite in Höhe von bis zu 300 Mio. Rubel. Es gilt für Investitionen in energiesparende Ausstattung und Materialien.

Desweiteren soll bald eine Energie-Finanzagentur gegründet werden. Das haben der Aufsichtsrat der Wneschekonombank (WEB) und die Russische Energie Agentur (Rea) angekündigt. Diese Agentur wird russischen Energie-Serviceanbietern finanzielle und technische Unterstützung leisten. Auch wird sie Unternehmen dabei assistieren, energieeffiziente Technologien zu installieren, berichtet Ria Nowosti.

Kontaktanschriften

OAO Altaienergosbyt
Pr. Krasnoarmejski 75 B, 656049 Barnaul
Tel.: 007/8 800 350 5566
Msi Fdp-Aval
Uliza Malomoskovskaja 21/2, 129164 Moskau
Tel.: 007 495/223 23 38
E-Mail: aval@aval.ru, Internet: http://www.aval.ru
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland