Strengere Gesetze sollen große Energieverbraucher zur Modernisierung zwingen / Energieaudits sind gefragt / Von Kristina Krauter und Bernd Hones
Moskau (gtai) - Russland will weniger Energie verschwenden.
Dazu hat das Energieministerium bereits 2010 einen Entwicklungsplan
aufgelegt. Volumen: 17 Mrd. Euro allein an Staatsmitteln. Doch die
Umsetzung stockt. Nur jeder vierte große Konzern hat bislang ein
Energieaudit durchgeführt. Dabei sind alle dazu verpflichtet. Ein neues
Gesetz soll schärfere Vorgaben bringen. Es gibt aber auch
Vorzeigeprojekte: Die Regionen Murmansk und die Republik Altai gehen mit
gutem Beispiel voran.
Energiesparende Heizsysteme, Plattenbausanierung und Sparlampen -
die russische Regierung hat 2010 ein Programm zur Energieersparnis und
Steigerung der Energieeffizienz verabschiedet. Bis 2020 soll der
Energieverbrauch um mindestens 40% fallen. Das entspricht dem kompletten
Energieverbrauch Frankreichs. Dafür werden 70 Mrd. Rubel aus dem
Staatsbudget fließen. Weitere 625 Mrd. Rubel sollen die regionalen
Haushalte beisteuern. Geht es nach dem Willen der Regierung, so
beteiligen sich private Investoren mit 8.837 Mrd. Rubel (222 Mrd. Euro;
EZB-Wechselkurs vom 16.7.2012: 1 Euro = 39,79 Rubel).
Allein für
das Jahr 2012 fließen aus dem föderalen Haushalt rund 6,4 Mrd. Rubel
(über 160 Mio. Euro) in die Modernisierung. Davon gehen 5,7 Mrd. Rubel
als Subvention an die Föderationssubjekte, das heißt an die 83 Regionen
der Russischen Föderation. Das restliche Geld ist für
Weiterbildungsmaßnahmen vorgesehen.
In verschiedenen Teilen des
riesigen Landes werden Maßnahmen und Projekte angestoßen. Die Regierung
der Stadt Gorno-Altaisk, Hauptstadt der autonomen Republik Altai, hat
bisher 355 Mio. Rubel in das Projekt "energieeffiziente Stadt"
investiert, meldete der Nachrichtendienst Ria Nowosti. Das Projekt soll
im Laufe von fünf bis sieben Jahren fertig gestellt werden.
Mehrfamilienhäuser und sonstige Gebäude sollen Anschlüsse an ein
automatisiertes Heizungssystem bekommen. Desweiteren wird die
Verkleidung von Wohnhäusern saniert. Dafür ist die Firma OAO
Altaienergosbyt verantwortlich. Für diese Maßnahmen werden 400 Mio.
Rubel eingeplant. Weitere 80 Mio. sind für die Installation von
automatisierten Heizungssystemen vorgesehen. Rund 100 Mio. stehen für
die komplette Abschaffung von Kohleheizkesseln zur Verfügung.
Die
Region Murmansk will zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2010 rund 40% weniger
Energie verbrauchen - so wie vor drei Jahren vom damaligen Präsidenten
Dmitri Medwedew gefordert. Dazu wurde ein Gesetz verabschiedet. Die
Heiznetze werden rekonstruiert, an den Bau von Heizkesseln werden völlig
neue Anforderungen gestellt. Bei der Straßenbeleuchtung steigt die
Region auf Sparlampen um, berichtet die Nachrichtenagentur Prime.
In
Industrieunternehmen und privaten Haushalten spielen LED-Lampen eine
immer wichtigere Rolle. Zwei von drei verkauften Lampen dürften 2012
LED-Leuchten sein, so Branchenexperten. Dies entspricht einem Volumen
von 65 Mrd. Rubel. Langfristig könnte der russische Lampenmarkt, der
dank staatlicher Regulierung Steigerungsraten zwischen 26 und 48% pro
Jahr verzeichnet, auf bis zu 5% des Weltmarktes wachsen. Die
Anforderungen an Lampen und Leuchten werden immer höher.
Auch
private Unternehmen müssen mit härteren Vorschriften rechnen. Russische
Experten prognostizieren schärfere Gesetze für die Konstruktion von
Gebäuden. Energieeffiziente Technologien sollen Pflicht werden. Erste
Ansätze gibt es seit einigen Jahren. Das Gesetz zur Energieersparnis und
Steigung der Energieeffizienz von 2009 schreibt die Senkung des
Energieverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz vor. Schon
jetzt müssen Unternehmen, deren Energie-Gesamtausgaben 10 Mio. Rubel im
Jahr überschreiten, einen Energiepass besitzen und den Energieverbrauch
jährlich um 3% senken. Objekte mit hoher Energieeffizienz genießen
Steuervergünstigungen. Alle Industriefirmen sind zu einem Energieaudit
verpflichtet. Das erste Audit muss bis zum 31.12.12 stattgefunden haben
und alle fünf Jahre wiederholt werden.
Einige Dienstleister haben
sich auf Energieaudits spezialisiert. Einer dieser Dienstleister ist Msi
Fdp-Aval. Die Firma bietet ein komplettes Energieeffizienz-Paket an.
Dazu gehört ein Energie-Auditing, bei dem Schwächen und Stärken
festgestellt werden. Danach erarbeitet Msi ein maßgeschneidertes
Energieeffizienz-Programm. Außerdem legt Aval einen Investitionsplan vor
mit einer Investitionsanalyse und einem Steuer-Audit. Als Nächstes
folgt die Installation energieeffizienter Technologien sowie eine
Schulung der Beschäftigten.
"Die Nachfrage nach einem
Energie-Audit ist sehr hoch", sagt Gerhard Markow, Vizepräsident von Msi
Fdp-Aval. Und trotzdem: Nur jede vierte Firma leiste sich bisher ein
vergleichbares Audit. Markow glaubt, dass die Frist verlängert werden
könnte. Da der russische Energieeffizienz-Markt gerade erst zu wachsen
beginnt, wird nach Fachkräften und Technologien im Ausland gesucht.
Deutsche Firmen sind auf Grund ihrer Erfahrung gern gesehen. Auch
deutsche Technologien gelten als sehr zuverlässig.
Technologie-Lieferanten, Installationsanbieter, Energie-Auditoren und
Finanzierungsinstitute aus dem Ausland werden benötigt. Firmen wie Aval
suchen Partner im Ausland, um Russlands Energieeffizienz voranzutreiben.
"Bis 2020 um die 40% Energie sparen - das ist ein realistisches Zielt",
so Branchenexperte Markow.
Diese optimistische Meinung teilt
längst nicht jeder deutsche Experte in Russland. Insider bemängeln
mehrere Schwachstellen. Erstens: Niemand prüft, ob auch tatsächlich alle
Unternehmen Energieaudits durchgeführt haben. Zweitens: Es gibt keine
Sanktionsmechanismen. Drittens: Bei den Fördermechanismen kommt das
staatliche Geld nicht immer dort an, wofür es bestimmt ist. Und
viertens: Das heutige Bezahlsystem von Wärmeenergie setzt keine Anreize
zum Energiesparen. Abgerechnet wird nach Quadratmetern - ohne auf den
tatsächlichen Verbrauch zu achten.
Desweiteren fehlten die
gesetzlichen Grundlagen für ein ordentliches Energie-Contracting. Das
Problem: Die Regierung ist nicht bereit, Garantien für größere
Investments zu bieten. Dabei wären viele Firmen, darunter auch deutsche,
gerne bereit, in entsprechende Projekte zu investieren, sagte ein
deutscher Energiefachmann gegenüber GTAI. Darum würden auch nur sehr
wenige Projekte angeschoben.
"Ich verkaufe keine einzige Maschine
in Russland mit dem Argument Energieeffizienz", sagt ein deutscher
Maschinenbauer im GTAI-Gespräch. Es gehe bei den Verhandlungen um die
Kapazitäten, die Qualität des Produktes und um die Finanzierung. "Aber
nur sehr selten stellt mir jemand die Frage, wie viel Strom sie
verbraucht", so der Geschäftsführer eines deutschen Mittelständlers in
Russland.
Wenn es Projekte gibt, dann beteiligen sich auch Fonds
und Banken. So wird etwa der internationale Ökologie Fonds (GEF) 2012
rund 2,5 Mio. US$ in Pilotprojekte in Moskau und Sarow (Region Nischni
Nowgorod) investieren. Dabei geht es um Energiesparen bei Schul- und
Straßenbeleuchtung. Die passende Technologie soll in Sarow bald
eingekauft werden. Mehrere Projekte laufen auch in Städten der
Nordwest-Region. Es geht unter anderem um Energiespar-Technologien im
Tiefbau.
Die Bank Zentr-Invest ist ein Partner des russischen
Programmes zur Finanzierung nachhaltiger Energie geworden (Russian
Sustainable Energy Financing Facility, Ruseff). Die Bank unterstützt ein
Projekt zur Modernisierung des Energiesektors im Süden Russlands. Sie
gewährt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung kleinen und mittelständischen Unternehmen Kredite, damit
diese die Energieeffizienz steigern und die Energiekosten senken können.
Im Rahmen des Projektes Ruseff vergibt die Bank Kredite in Höhe von bis
zu 300 Mio. Rubel. Es gilt für Investitionen in energiesparende
Ausstattung und Materialien.
Desweiteren soll bald eine
Energie-Finanzagentur gegründet werden. Das haben der Aufsichtsrat der
Wneschekonombank (WEB) und die Russische Energie Agentur (Rea)
angekündigt. Diese Agentur wird russischen Energie-Serviceanbietern
finanzielle und technische Unterstützung leisten. Auch wird sie
Unternehmen dabei assistieren, energieeffiziente Technologien zu
installieren, berichtet Ria Nowosti.
Kontaktanschriften
OAO Altaienergosbyt
Pr. Krasnoarmejski 75 B, 656049 Barnaul
Tel.: 007/8 800 350 5566
Internet: http://www.altaiensb.com
Msi Fdp-Aval
Uliza Malomoskovskaja 21/2, 129164 Moskau
Tel.: 007 495/223 23 38
E-Mail: aval@aval.ru, Internet: http://www.aval.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland