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Montag, 27. August 2012

Russland investiert 125 Mrd. Euro in den Schienenverkehr

Schienennetze, Bahnhöfe, Ticketautomaten und Sicherheitssysteme stehen in den Plänen der Staatsbahn ganz oben / Von Kristina Krauter

Moskau (gtai) - Russlands Fracht- und Passagiertransport wächst Jahr für Jahr. Die russische Staatsbahn RSchD erweitert und modernisiert Eisenbahnlinien in vielen Regionen. Schnellzüge sollen demnächst auf mehreren Strecken verkehren, weitere Städte an das Netz angebunden werden. RSchD plant den Um- und Neubau von Bahnhöfen, Gleisen und Bahnsteigen. Es kommen neue Sicherheitssysteme und Brandmelder. 

Russlands Eisenbahnnetz und die Züge sind weit entfernt von westeuropäischen Standards für einen modernen Personen- und Frachtverkehr. Darüber hinaus rechnet der staatliche Bahnmonopolist RSchD bis 2020 mit einem steigenden Passagieraufkommen. Die Rede ist von 17% Zuwachs in den kommenden acht Jahren. Um Engpässe zu vermeiden, will RSchD weitere Hochgeschwindigkeitszüge anschaffen.

Auch der Frachtverkehr soll stark steigen. Einige Quellen rechnen mit der Zunahme um ein Vielfaches in den kommenden Jahrzehnten. Allein bis 2014 dürften auf Russlands Schienen rund 15% mehr Waren umgeschlagen werden als in den Jahren zuvor, prognostizierte der damalige Premierminister und heute Präsident, Wladimir Putin, im April 2012. Seiner Meinung nach müssen bis 2020 rund 5 Bill. Rubel (127 Mrd. Euro; EZB-Kurs vom 19.7.12: 1 Euro = 39,3 Rubel) in die Bahninfrastruktur fließen.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew kündigte im Mai 2012 den Bau von mehr als 1.000 km neuer Bahnlinien bis 2014 an. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden 64 km gebaut und 148,4 km elektrifiziert. Das Investitionsvolumen dafür solle bei 1 Bill. Rubel liegen. Insgesamt sind bis 2014 mehr als 2 Bill. Rubel für die Entwicklung des Transportsektors vorgesehen.

Das russische Verkehrsministerium legte der Regierung im Frühling 2012 ein Programm zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsbahnlinien vor. Die primäre Aufgabe ist der Aufbau der Schieneninfrastruktur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Auf Grund dessen sind die Strecken Moskau-St. Petersburg und Moskau-Nischne Nowgorod-Kasan-Jekaterinburg priorisierte Projekte. Die Schnellzüge zwischen Moskau und St. Petersburg wird, so der Plan, bereits 2017, in Betrieb gehen, die Strecke in 2,5 Stunden zurücklegt werden. Heute braucht der Schnellzug Sapsan für die rund 650 km lange Strecke rund vier Stunden.

Das Projekt soll von einer privaten Firma realisiert werden. Deshalb wird es im Sommer 2012 eine internationale Ausschreibung dafür geben. Die Kosten werden auf 1,124 Bill. Rubel veranschlagt. Davon sind 76 Mrd. Rubel für die Vorbereitung der Flächen eingeplant. Weitere 26 Mrd. Rubel werden für den Entwurf benötigt. Der Rest fließt in den Bau und die Projektleitung, berichtet die Nachrichtenagentur Praim. RSchD geht davon aus, dass gut zwei Drittel der Kosten durch die Regierung finanziert werden.
Für die Strecke von Moskau über Wladimir, Nischne Nowgorod und Kasan bis Jekaterinburg sind Investitionen in Höhe von 1,5 Bill. Rubel vorgesehen. Die Wneschekonombank soll den größten Teil finanzieren.

Desweiteren wird der Schnellzugverkehr (160 bis 200 km/h) bis 2020 auf folgenden Strecken ausgebaut werden: Moskau-Charkow-Adler, Moskau-Minsk, Moskau-Kiew, Moskau-Jaroslawl und Omsk-Nowosibirsk. Für die darauf folgenden zehn Jahre (bis 2030) steht der Personenverkehr zwischen Moskau und Minsk weiter bis Warschau und Berlin im Fokus. In diesem Zeitraum sollen auch die Strecken Moskau-Kiew und Kasan-Samara auf einen Schnellbetrieb (350 bis 400 km/h) umgestellt werden.

Weitere Hochgeschwindigkeitsbahnlinien sind bis 2030 geplant: Nowosibirsk-Krasnojarsk-Barnaul-Kemerowo-Nowokusnezk, Jekaterinburg-Tscheljabinsk, Moskau-Saratow, Samara-Saransk-Pensa, Saratow-Samara-Wolgograd und Chabarowsk-Wladiwostok. Insgesamt sollen bis 2030 rund 6,3 Bill. Rubel in den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur fließen.

Für den Bau der Strecke Kysil-Kuragino hat das Unternehmen Jenisseiskaja Promyschlennaja Kompanija (JePK) die Baufirma NPO Mostowik beauftragt. Die 400 km lange Bahnlinie dürfte 136 Mrd. Rubel kosten. Mostowik ist eine der größten Fachfirmen im Bereich Transportbau und Projektierung. Unter anderem arbeitet das Unternehmen an Projekten für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi. Über die Strecke soll die Kohle aus dem Kraftwerk Jelegest (Region Tuwa) befördert werden. Die Eisenbahnlinie schafft eine Verbindung zur transsibirischen Eisenbahnlinie und zur sogenannten Magistrale Baikalo-Armurskaja (BAM).

Gleichzeitig soll die BAM-Linie modernisiert und erweitert werden. Sie ist die nördliche Parallelstrecke zur Transsibirischen Eisenbahnlinie. Auch sie verläuft von Sibirien bis in den Fernen Osten. In diesen bevölkerungsarmen aber rohstoffreichen Gebieten muss vor allem der Frachtverkehr ausgebaut werden. Die Verbindung zu den Häfen Wostotschnyi und Wanino ist besonders wichtig. Investitionsvolumen: 737 Mrd. Rubel.

RSchD investiert auch in Bahnhöfe. Viele russische Städte modernisieren gerade in diesem Sektor. In Moskau werden zurzeit vier Bahnhöfe umgebaut: der Leningradski, der Pawelezki, der Sawjolowski und der Rischski Woksal. Weitere Modernisierungsarbeiten stehen 2012 in Samara, Saransk, Rybinsk, Atkarsk und Padunskije Porogy an.

Für die Bahnhofsprojekte sind insgesamt 7 Mrd. Rubel eingeplant. Davon fließen 6,49 Mrd. Rubel in den Umbau der Bahnhöfe. Weitere 470 Mio. investieren die Betreiber in integrierte Sicherheitssysteme. Der Löwenanteil kommt den Moskauer Bahnhöfen zugute: 4,34 Mrd. Rubel. Für den Umbau der regionalen Bahnhöfe werden 1,76 Mrd. Rubel ausgegeben. In die Modernisierung der Bahnsteige in Jaroslawl-Glawnyi, Sewerobaikalsk, Rostow-Jaroslawski und Moskau werden 112 Mio. Rubel investiert. Rund 183 Mio. Rubel sind für die Installation von Brandschutzmeldern und automatisierten Feuerlöschsystemen vorgesehen.

Eine der wichtigsten Regionen überhaupt ist Krasnodar. In dem Gebiet finden Anfang 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Im Frühling 2012 hat die russische Staatsbahn ein Abkommen mit der Region unterschrieben. RSchD wird zwischen 2012 und 2014 weitere 112,6 Mrd. Rubel in die Bahninfrastruktur investieren. Besonders wichtig: Während andere Investitionspläne oft gestreckt, verschoben oder komplett ausgesetzt werden, steht Russland im Krasnodarski Krai unter Zugzwang. Für Olympia will sich das Land von seiner Schokoladenseite präsentieren. Zu dem Projekt gehört der Umbau der Strecke Kotelnikowo-Tichorezkaja-Krymskaja. Ferner wird der Zugang zum Hafen Tamanski rekonstruiert. Außerdem kauft RSchD moderne Züge.

Ein individuelles Abkommen unterzeichnete RSchD mit dem Energieunternehmen Nowatek. Dieses stellt der russischen Staatsbahn von 2012 bis 2014 eine Summe von 30,5 Mrd. Rubel zur Verfügung. Mit den Mitteln soll die Strecke Tobolsk-Surgut-Kurottschajewo erweitert werden. Sie dient dem Transport von Flüssiggas und Gaskondensat.

Die Moskauer RSchD-Filiale MSchD kündigte in Mai 2012 ein Investitionsprogramm von 7,5 Mrd. Rubel an, davon sind 324 Mio. Rubel für den Umbau von Regionalbahnhöfen vorgesehen. Der Rest fließt in die Modernisierung der S-Bahn (Elektritschka), der Bahnsteige und in die Installation von Ticketautomaten. Es geht um die Bahnhöfe Woskresensk, Nachabino, Kubinka-1, Dolgoprudnaja, Nara und Frjasino. Außerdem sollen 190 neue Ticketautomaten aufgestellt werden; damit wären insgesamt 1.090 Automaten im Einsatz. Für 2012 ist die Reparatur von 412 elektrischen Zügen vorgesehen. MSchD will zudem 14 Züge und sechs Schienenbusse kaufen. Auch die Installation neuer Beleuchtungssysteme, Klimaanlagen und Toiletten ist geplant.

Kontaktanschriften

OAO RSchD
Ul. Nowaja Basmannaja 2, 107174 Moskau
Tel.: 007 499/262-99 01; Fax: -90 95
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Tel.: 007 3812/65 88 37; Fax: -69 66 86
OAO MSchD
Ul. Krasnoprudnaja 20, 107996 Moskau
Tel.: 007 499/266 20 50
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Tel.: 007 34997/249 51; Fax: -244 79
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland