Schienennetze, Bahnhöfe, Ticketautomaten und Sicherheitssysteme stehen in den Plänen der Staatsbahn ganz oben / Von Kristina Krauter
Moskau
(gtai) - Russlands Fracht- und Passagiertransport wächst Jahr für Jahr.
Die russische Staatsbahn RSchD erweitert und modernisiert
Eisenbahnlinien in vielen Regionen. Schnellzüge sollen demnächst auf
mehreren Strecken verkehren, weitere Städte an das Netz angebunden
werden. RSchD plant den Um- und Neubau von Bahnhöfen, Gleisen und
Bahnsteigen. Es kommen neue Sicherheitssysteme und Brandmelder.
Russlands Eisenbahnnetz und die Züge sind weit entfernt von
westeuropäischen Standards für einen modernen Personen- und
Frachtverkehr. Darüber hinaus rechnet der staatliche Bahnmonopolist
RSchD bis 2020 mit einem steigenden Passagieraufkommen. Die Rede ist von
17% Zuwachs in den kommenden acht Jahren. Um Engpässe zu vermeiden,
will RSchD weitere Hochgeschwindigkeitszüge anschaffen.
Auch der
Frachtverkehr soll stark steigen. Einige Quellen rechnen mit der Zunahme
um ein Vielfaches in den kommenden Jahrzehnten. Allein bis 2014 dürften
auf Russlands Schienen rund 15% mehr Waren umgeschlagen werden als in
den Jahren zuvor, prognostizierte der damalige Premierminister und heute
Präsident, Wladimir Putin, im April 2012. Seiner Meinung nach müssen
bis 2020 rund 5 Bill. Rubel (127 Mrd. Euro; EZB-Kurs vom 19.7.12: 1 Euro
= 39,3 Rubel) in die Bahninfrastruktur fließen.
Ministerpräsident
Dmitri Medwedew kündigte im Mai 2012 den Bau von mehr als 1.000 km
neuer Bahnlinien bis 2014 an. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden 64 km
gebaut und 148,4 km elektrifiziert. Das Investitionsvolumen dafür solle
bei 1 Bill. Rubel liegen. Insgesamt sind bis 2014 mehr als 2 Bill. Rubel
für die Entwicklung des Transportsektors vorgesehen.
Das
russische Verkehrsministerium legte der Regierung im Frühling 2012 ein
Programm zur Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsbahnlinien vor. Die
primäre Aufgabe ist der Aufbau der Schieneninfrastruktur für die
Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Auf Grund dessen sind die Strecken
Moskau-St. Petersburg und Moskau-Nischne Nowgorod-Kasan-Jekaterinburg
priorisierte Projekte. Die Schnellzüge zwischen Moskau und St.
Petersburg wird, so der Plan, bereits 2017, in Betrieb gehen, die
Strecke in 2,5 Stunden zurücklegt werden. Heute braucht der Schnellzug
Sapsan für die rund 650 km lange Strecke rund vier Stunden.
Das
Projekt soll von einer privaten Firma realisiert werden. Deshalb wird es
im Sommer 2012 eine internationale Ausschreibung dafür geben. Die
Kosten werden auf 1,124 Bill. Rubel veranschlagt. Davon sind 76 Mrd.
Rubel für die Vorbereitung der Flächen eingeplant. Weitere 26 Mrd. Rubel
werden für den Entwurf benötigt. Der Rest fließt in den Bau und die
Projektleitung, berichtet die Nachrichtenagentur Praim. RSchD geht davon
aus, dass gut zwei Drittel der Kosten durch die Regierung finanziert
werden.
Für die Strecke von Moskau über Wladimir, Nischne Nowgorod
und Kasan bis Jekaterinburg sind Investitionen in Höhe von 1,5 Bill.
Rubel vorgesehen. Die Wneschekonombank soll den größten Teil
finanzieren.
Desweiteren wird der Schnellzugverkehr (160 bis 200
km/h) bis 2020 auf folgenden Strecken ausgebaut werden:
Moskau-Charkow-Adler, Moskau-Minsk, Moskau-Kiew, Moskau-Jaroslawl und
Omsk-Nowosibirsk. Für die darauf folgenden zehn Jahre (bis 2030) steht
der Personenverkehr zwischen Moskau und Minsk weiter bis Warschau und
Berlin im Fokus. In diesem Zeitraum sollen auch die Strecken Moskau-Kiew
und Kasan-Samara auf einen Schnellbetrieb (350 bis 400 km/h) umgestellt
werden.
Weitere Hochgeschwindigkeitsbahnlinien sind bis 2030
geplant: Nowosibirsk-Krasnojarsk-Barnaul-Kemerowo-Nowokusnezk,
Jekaterinburg-Tscheljabinsk, Moskau-Saratow, Samara-Saransk-Pensa,
Saratow-Samara-Wolgograd und Chabarowsk-Wladiwostok. Insgesamt sollen
bis 2030 rund 6,3 Bill. Rubel in den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur
fließen.
Für den Bau der Strecke Kysil-Kuragino hat das
Unternehmen Jenisseiskaja Promyschlennaja Kompanija (JePK) die Baufirma
NPO Mostowik beauftragt. Die 400 km lange Bahnlinie dürfte 136 Mrd.
Rubel kosten. Mostowik ist eine der größten Fachfirmen im Bereich
Transportbau und Projektierung. Unter anderem arbeitet das Unternehmen
an Projekten für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi. Über die
Strecke soll die Kohle aus dem Kraftwerk Jelegest (Region Tuwa)
befördert werden. Die Eisenbahnlinie schafft eine Verbindung zur
transsibirischen Eisenbahnlinie und zur sogenannten Magistrale
Baikalo-Armurskaja (BAM).
Gleichzeitig soll die BAM-Linie
modernisiert und erweitert werden. Sie ist die nördliche Parallelstrecke
zur Transsibirischen Eisenbahnlinie. Auch sie verläuft von Sibirien bis
in den Fernen Osten. In diesen bevölkerungsarmen aber rohstoffreichen
Gebieten muss vor allem der Frachtverkehr ausgebaut werden. Die
Verbindung zu den Häfen Wostotschnyi und Wanino ist besonders wichtig.
Investitionsvolumen: 737 Mrd. Rubel.
RSchD investiert auch in
Bahnhöfe. Viele russische Städte modernisieren gerade in diesem Sektor.
In Moskau werden zurzeit vier Bahnhöfe umgebaut: der Leningradski, der
Pawelezki, der Sawjolowski und der Rischski Woksal. Weitere
Modernisierungsarbeiten stehen 2012 in Samara, Saransk, Rybinsk, Atkarsk
und Padunskije Porogy an.
Für die Bahnhofsprojekte sind insgesamt
7 Mrd. Rubel eingeplant. Davon fließen 6,49 Mrd. Rubel in den Umbau der
Bahnhöfe. Weitere 470 Mio. investieren die Betreiber in integrierte
Sicherheitssysteme. Der Löwenanteil kommt den Moskauer Bahnhöfen zugute:
4,34 Mrd. Rubel. Für den Umbau der regionalen Bahnhöfe werden 1,76 Mrd.
Rubel ausgegeben. In die Modernisierung der Bahnsteige in
Jaroslawl-Glawnyi, Sewerobaikalsk, Rostow-Jaroslawski und Moskau werden
112 Mio. Rubel investiert. Rund 183 Mio. Rubel sind für die Installation
von Brandschutzmeldern und automatisierten Feuerlöschsystemen
vorgesehen.
Eine der wichtigsten Regionen überhaupt ist Krasnodar.
In dem Gebiet finden Anfang 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Im
Frühling 2012 hat die russische Staatsbahn ein Abkommen mit der Region
unterschrieben. RSchD wird zwischen 2012 und 2014 weitere 112,6 Mrd.
Rubel in die Bahninfrastruktur investieren. Besonders wichtig: Während
andere Investitionspläne oft gestreckt, verschoben oder komplett
ausgesetzt werden, steht Russland im Krasnodarski Krai unter Zugzwang.
Für Olympia will sich das Land von seiner Schokoladenseite präsentieren.
Zu dem Projekt gehört der Umbau der Strecke
Kotelnikowo-Tichorezkaja-Krymskaja. Ferner wird der Zugang zum Hafen
Tamanski rekonstruiert. Außerdem kauft RSchD moderne Züge.
Ein
individuelles Abkommen unterzeichnete RSchD mit dem Energieunternehmen
Nowatek. Dieses stellt der russischen Staatsbahn von 2012 bis 2014 eine
Summe von 30,5 Mrd. Rubel zur Verfügung. Mit den Mitteln soll die
Strecke Tobolsk-Surgut-Kurottschajewo erweitert werden. Sie dient dem
Transport von Flüssiggas und Gaskondensat.
Die Moskauer
RSchD-Filiale MSchD kündigte in Mai 2012 ein Investitionsprogramm von
7,5 Mrd. Rubel an, davon sind 324 Mio. Rubel für den Umbau von
Regionalbahnhöfen vorgesehen. Der Rest fließt in die Modernisierung der
S-Bahn (Elektritschka), der Bahnsteige und in die Installation von
Ticketautomaten. Es geht um die Bahnhöfe Woskresensk, Nachabino,
Kubinka-1, Dolgoprudnaja, Nara und Frjasino. Außerdem sollen 190 neue
Ticketautomaten aufgestellt werden; damit wären insgesamt 1.090
Automaten im Einsatz. Für 2012 ist die Reparatur von 412 elektrischen
Zügen vorgesehen. MSchD will zudem 14 Züge und sechs Schienenbusse
kaufen. Auch die Installation neuer Beleuchtungssysteme, Klimaanlagen
und Toiletten ist geplant.
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E-Mail: info@mostovik.ru; Internet: http://www.mostovik.ru
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E-Mail: novatek@novatek.ru; Internet: http://www.novatek.ru
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