Waggonbauer modernisieren Fabriken / Für Sportereignisse sucht Russland moderne Züge / Von Kristina Krauter und Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russland will sich zu den Olympischen Winterspielen 2014 und
zur Fußball-WM 2018 ganz modern präsentieren. Dazu gehören auch neue
Züge und Lokomotiven. Russlands Waggon- und Lokomotivenhersteller
investieren in Produktionsanlagen. Und sie setzen auf ausländische
Partner. Ob Siemens, Alstom oder Caterpillar - ohne internationale
Expertise geht in Russland nichts mehr. Angesichts der
Milliardeninvestitionen gibt es auch gute Geschäftschancen für deutsche
Bahnzulieferer.
Russland hat nicht nur das das zweitlängste Eisenbahnnetz der
Welt, auch beim Fuhrpark liegt das Land auf einem Spitzenplatz. Die
Eisenbahnunternehmen haben 2011 rund 90.000 Waggons gekauft - Tendenz
sinkend. Zum Jahr 2015 dürften die Neukäufe auf 70.000 Stück fallen,
prognostizieren Experten der Marktforschungsagentur InfoLine-Analitiki.
In Vergleich zu Europa ist die Zahl immer noch groß.
Die Nachfrage
wird getrieben durch Sportgroßereignisse wie die Olympischen
Winterspiele 2014 in Sotschi und die Fußballweltmeisterschaft 2018.
Alleine für die Olympiade wurden 54 Regionalzüge bestellt, um die
Leistung des Bahnverkehrs vor Ort zu steigern. Desweiteren ist für den
Ausbau der Verbindungen zu den Flughäfen ein Investitionsvolumen von 242
Mrd. Rubel (über 6 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 23.7.12: 1 Euro =
39,49 Rubel) eingeplant. Der größte Teil davon fließt nach Moskau.
Zwischen der Innenstadt und den Flughäfen sollen täglich 109 S-Bahnen
verkehren.
Auch Russlands Frachtkonzerne stocken den Fuhrpark auf,
wie etwa die Unternehmen Rusgostrans, Perwaja Grusowaja Kompanija (PGK)
und Wtoraja Grusowaja Kompanija (WGK). WGK plant 2012 rund 50 Mrd.
Rubel zu investieren. Für 35 Mrd. Rubel werden etwa 15.300 neue Waggons
gekauft. Für die restlichen 15 Mrd. Rubel modernisiert die Firma
bestehende Schienenfahrzeuge. Insgesamt will WGK von 2012 bis 2014 bis
zu 40.000 neue Waggons kaufen, darunter etwa 23.500 offene Waggons. Rund
89.000 Wagen werden modernisiert. Dafür wird ein Investitionsvolumen
von mehr als 130 Mrd. Rubel eingeplant. Die Zeitung Kommersant schätzt
WGK als größten Abnehmer von Waggons für das Jahr 2012. Neftetransserwis
und Nesawisimaja Transportnaja Kompanija werden bis zu 40.000 neue
halboffene Wagen erwerben.
Ein weiterer Abnehmer ist Gasprom. Der
weltweit größte Erdgasförderer kündigte Anfang 2012 ein
Entwicklungsprogramm zum Kauf von 6.000 Kesselwaggons an. Diese sollen
für den Transport von Flüssiggas (LNG) verwendet werden. Das Projekt
wird auf 24 Mrd. bis 25 Mrd. Rubel (rund 641 Mio. Euro) geschätzt.
Globaltrans,
das größte russische private Bahnlogistikunternehmen, will 2012
zwischen 21 Mrd. und 22 Mrd. Rubel in den Einkauf von Schienenfahrzeugen
(10.000 Waggons) investieren. Die Globaltrans-Tochter Nowaja
Perewosotschnaja Kompanija (NPK) erhält von der Europäischen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) einen Kredit in Höhe von 2,5 Mrd.
Rubel. Dieser soll der Firma den Kauf von Waggons und Lokomotiven
ermöglichen.
Russische Maschinenbauer haben 2011 rund 75.000
Waggons produziert, davon 50.600 Güterwaggons, schreibt die
Wirtschaftszeitung Kommersant. Uralwagonsawod ist der größte
Waggonhersteller der Russischen Föderation. Jedes Jahr verlassen rund
25.000 Waggons das Werk in Nischni Tagil in der Region Swerdlowsk.
Uralwagonsawod braucht Maschinen und Werkzeuge, ein neues EDV-System,
eine verbesserte Logistik und eine Ressourcen schonende effiziente
Produktion. Dazu investiert der Betrieb 2012 rund 1,5 Mrd. bis 2 Mrd.
Rubel. Für 2013 ist dieselbe Summe vorgesehen. Anfang 2012 hat das
Unternehmen verkündet, dass ein Gießwerk gebaut wird. An Stelle der
veralteten Technik müssen neue Metall- und Gießproduktionstechnologien
installiert werden. Die Arbeiten sollen 2012 starten. Die staatliche
Finanzierung des Projektes dürfte sich auf 103 Mrd. Rubel belaufen,
sagte der Swerdlowsker Industrieminister Aleksandr Petrow dem
Nachrichtendienst Praim.
Desweiteren will das Unternehmen die
Waggon-Produktion diversifizieren. Uralwagonsawod möchte künftig auch
Bodentrichterwaggons herstellen. Es wird eine Kooperation mit
Altaiwagonsawod und dem Rusajewski Werk für Chemiemaschinenbau in
Erwägung gezogen. Die Produktion soll sich auf 30.000 Waggons pro Jahr
belaufen. Uralwagonsawod plant auch Kooperationen mit europäischen
Firmen, die im Bereich Eisenbahn-Engineering tätig sind.
Einen
internationalen Partner hat auch der Transmaschholding-Konzern gefunden.
Das Unternehmen schloss mit Alstrom Transport 2008 eine strategische
Partnerschaft. Die beiden Unternehmen stellten 2011 das erste gemeinsame
Produkt auf der größten russischen Eisenbahnmesse Expo 1520 in Moskau
vor.
Der Waggonbaubetrieb Nowokusnezk aus der Kohleregion Kemerowo
investiert zwischen 2012 und 2014 rund 2,5 Mrd. Rubel. Ein Gießwerk für
den Bau von Waggons soll entstehen. Das neue Werk ermöglicht die
Produktion von 7.500 Wagen pro Jahr.
Die russische RSchD und SAO
Gruppa Sinara gehen gemeinsame Wege. Es geht um die Produktion von
Lokomotiven mit Gasturbinenantrieb. Bis 2020 sollen 40 Stück produziert
werden. Vorausgesetzt die Infrastruktur zur Versorgung der Züge mit Gas
ist garantiert. Sinara hat mit Siemens mehrere Joint Ventures. Ein
Gemeinschaftsunternehmen produziert elektrische Lokomotiven. Das jüngere
Joint Venture von 2011 betreibt eine Fabrik zu Herstellung von
Regionalzügen. Siemens liefert seinem russischen Partner das
Fertigungs-Know-how und die elektrischen Bestandteile. Die russische
Staatsbahn RSchD kaufte 2011 von Siemens acht weitere
Hochgeschwindigkeitszüge. Die ersten davon sollen für die Olympischen
Winterspiele 2014 in die Schwarzmeerregion geliefert werden.
RSchD
hat auch im Rahmen des internationalen Eisenbahn-Business-Forums ein
Abkommen mit Transmaschholding und der amerikanischen Firma Caterpillar
unterzeichnet. Ziel: die Produktion effizienter gasbetriebener
Lokomotiven, die den neuesten Umweltstandards entsprechen. Die Kosten
zur Erarbeitung eines Mustermodells werden auf 40 Mio. Rubel geschätzt.
Unter anderem sollen die Lokomotiven während der Olympischen
Winterspiele 2014 eingesetzt werden. Das Tanken wird durch den Bau eines
Werkes in der Region Tambowsk zur Gasverflüssigung ermöglicht.
Kostenpunkt: 20,7 Mrd. Rubel. Das Werk dürfte 2016 seine vollen
Produktionskapazitäten erreichen. Die Wneschekonombank will sich mit
18,7 Mrd. Rubel an der Finanzierung beteiligen.
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E-Mail: gazprom@gazprom.ru, Internet: http://www.gazprom.com
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OOO Nesawisimaja Transportnaja Kompanija
Ul. Leninskaja Sloboda 19, Bisnes Zentr Omega Plaza, 115280 Moskau
Tel.: 007 495/726 59-26, Fax: -25
E-Mail: info@ntcorp.ru, Internet: http://www.ntcorp.ru
Gruppa Sinara
Ul. Rosy Ljuksemburg 51, 620026 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/310 33-00, Fax: -01
E-Mail: office@sinara-group.com, Internet: http://www.sinara-group.com
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Internet: http://www.rzd.ru
SAO Transmaschholding
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Tel.: 007 495/744 70-93, Fax: -94
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Proiswodstwennij proesd 22, 654000 Nowokusnezk
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E-Mail: nkvz@nkvz-nk.ru, Internet: http://www.nkvz-nk.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland