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Mittwoch, 29. August 2012

Russland investiert in neue Lokomotiven und Waggons

Waggonbauer modernisieren Fabriken / Für Sportereignisse sucht Russland moderne Züge / Von Kristina Krauter und Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russland will sich zu den Olympischen Winterspielen 2014 und zur Fußball-WM 2018 ganz modern präsentieren. Dazu gehören auch neue Züge und Lokomotiven. Russlands Waggon- und Lokomotivenhersteller investieren in Produktionsanlagen. Und sie setzen auf ausländische Partner. Ob Siemens, Alstom oder Caterpillar - ohne internationale Expertise geht in Russland nichts mehr. Angesichts der Milliardeninvestitionen gibt es auch gute Geschäftschancen für deutsche Bahnzulieferer. 

Russland hat nicht nur das das zweitlängste Eisenbahnnetz der Welt, auch beim Fuhrpark liegt das Land auf einem Spitzenplatz. Die Eisenbahnunternehmen haben 2011 rund 90.000 Waggons gekauft - Tendenz sinkend. Zum Jahr 2015 dürften die Neukäufe auf 70.000 Stück fallen, prognostizieren Experten der Marktforschungsagentur InfoLine-Analitiki. In Vergleich zu Europa ist die Zahl immer noch groß.

Die Nachfrage wird getrieben durch Sportgroßereignisse wie die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und die Fußballweltmeisterschaft 2018. Alleine für die Olympiade wurden 54 Regionalzüge bestellt, um die Leistung des Bahnverkehrs vor Ort zu steigern. Desweiteren ist für den Ausbau der Verbindungen zu den Flughäfen ein Investitionsvolumen von 242 Mrd. Rubel (über 6 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 23.7.12: 1 Euro = 39,49 Rubel) eingeplant. Der größte Teil davon fließt nach Moskau. Zwischen der Innenstadt und den Flughäfen sollen täglich 109 S-Bahnen verkehren.

Auch Russlands Frachtkonzerne stocken den Fuhrpark auf, wie etwa die Unternehmen Rusgostrans, Perwaja Grusowaja Kompanija (PGK) und Wtoraja Grusowaja Kompanija (WGK). WGK plant 2012 rund 50 Mrd. Rubel zu investieren. Für 35 Mrd. Rubel werden etwa 15.300 neue Waggons gekauft. Für die restlichen 15 Mrd. Rubel modernisiert die Firma bestehende Schienenfahrzeuge. Insgesamt will WGK von 2012 bis 2014 bis zu 40.000 neue Waggons kaufen, darunter etwa 23.500 offene Waggons. Rund 89.000 Wagen werden modernisiert. Dafür wird ein Investitionsvolumen von mehr als 130 Mrd. Rubel eingeplant. Die Zeitung Kommersant schätzt WGK als größten Abnehmer von Waggons für das Jahr 2012. Neftetransserwis und Nesawisimaja Transportnaja Kompanija werden bis zu 40.000 neue halboffene Wagen erwerben.

Ein weiterer Abnehmer ist Gasprom. Der weltweit größte Erdgasförderer kündigte Anfang 2012 ein Entwicklungsprogramm zum Kauf von 6.000 Kesselwaggons an. Diese sollen für den Transport von Flüssiggas (LNG) verwendet werden. Das Projekt wird auf 24 Mrd. bis 25 Mrd. Rubel (rund 641 Mio. Euro) geschätzt.
Globaltrans, das größte russische private Bahnlogistikunternehmen, will 2012 zwischen 21 Mrd. und 22 Mrd. Rubel in den Einkauf von Schienenfahrzeugen (10.000 Waggons) investieren. Die Globaltrans-Tochter Nowaja Perewosotschnaja Kompanija (NPK) erhält von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) einen Kredit in Höhe von 2,5 Mrd. Rubel. Dieser soll der Firma den Kauf von Waggons und Lokomotiven ermöglichen.

Russische Maschinenbauer haben 2011 rund 75.000 Waggons produziert, davon 50.600 Güterwaggons, schreibt die Wirtschaftszeitung Kommersant. Uralwagonsawod ist der größte Waggonhersteller der Russischen Föderation. Jedes Jahr verlassen rund 25.000 Waggons das Werk in Nischni Tagil in der Region Swerdlowsk. Uralwagonsawod braucht Maschinen und Werkzeuge, ein neues EDV-System, eine verbesserte Logistik und eine Ressourcen schonende effiziente Produktion. Dazu investiert der Betrieb 2012 rund 1,5 Mrd. bis 2 Mrd. Rubel. Für 2013 ist dieselbe Summe vorgesehen. Anfang 2012 hat das Unternehmen verkündet, dass ein Gießwerk gebaut wird. An Stelle der veralteten Technik müssen neue Metall- und Gießproduktionstechnologien installiert werden. Die Arbeiten sollen 2012 starten. Die staatliche Finanzierung des Projektes dürfte sich auf 103 Mrd. Rubel belaufen, sagte der Swerdlowsker Industrieminister Aleksandr Petrow dem Nachrichtendienst Praim.

Desweiteren will das Unternehmen die Waggon-Produktion diversifizieren. Uralwagonsawod möchte künftig auch Bodentrichterwaggons herstellen. Es wird eine Kooperation mit Altaiwagonsawod und dem Rusajewski Werk für Chemiemaschinenbau in Erwägung gezogen. Die Produktion soll sich auf 30.000 Waggons pro Jahr belaufen. Uralwagonsawod plant auch Kooperationen mit europäischen Firmen, die im Bereich Eisenbahn-Engineering tätig sind.

Einen internationalen Partner hat auch der Transmaschholding-Konzern gefunden. Das Unternehmen schloss mit Alstrom Transport 2008 eine strategische Partnerschaft. Die beiden Unternehmen stellten 2011 das erste gemeinsame Produkt auf der größten russischen Eisenbahnmesse Expo 1520 in Moskau vor.
Der Waggonbaubetrieb Nowokusnezk aus der Kohleregion Kemerowo investiert zwischen 2012 und 2014 rund 2,5 Mrd. Rubel. Ein Gießwerk für den Bau von Waggons soll entstehen. Das neue Werk ermöglicht die Produktion von 7.500 Wagen pro Jahr.

Die russische RSchD und SAO Gruppa Sinara gehen gemeinsame Wege. Es geht um die Produktion von Lokomotiven mit Gasturbinenantrieb. Bis 2020 sollen 40 Stück produziert werden. Vorausgesetzt die Infrastruktur zur Versorgung der Züge mit Gas ist garantiert. Sinara hat mit Siemens mehrere Joint Ventures. Ein Gemeinschaftsunternehmen produziert elektrische Lokomotiven. Das jüngere Joint Venture von 2011 betreibt eine Fabrik zu Herstellung von Regionalzügen. Siemens liefert seinem russischen Partner das Fertigungs-Know-how und die elektrischen Bestandteile. Die russische Staatsbahn RSchD kaufte 2011 von Siemens acht weitere Hochgeschwindigkeitszüge. Die ersten davon sollen für die Olympischen Winterspiele 2014 in die Schwarzmeerregion geliefert werden.

RSchD hat auch im Rahmen des internationalen Eisenbahn-Business-Forums ein Abkommen mit Transmaschholding und der amerikanischen Firma Caterpillar unterzeichnet. Ziel: die Produktion effizienter gasbetriebener Lokomotiven, die den neuesten Umweltstandards entsprechen. Die Kosten zur Erarbeitung eines Mustermodells werden auf 40 Mio. Rubel geschätzt. Unter anderem sollen die Lokomotiven während der Olympischen Winterspiele 2014 eingesetzt werden. Das Tanken wird durch den Bau eines Werkes in der Region Tambowsk zur Gasverflüssigung ermöglicht. Kostenpunkt: 20,7 Mrd. Rubel. Das Werk dürfte 2016 seine vollen Produktionskapazitäten erreichen. Die Wneschekonombank will sich mit 18,7 Mrd. Rubel an der Finanzierung beteiligen.

Kontaktanschriften
Globaltrans Investment PLC
6 Karaiskakis Street, Limassol 3032 Zypern
Tel.: 00357/25 503-153, Fax: -155
OAO Gasprom
Ul. Nametkina 16, 117420 Moskau
Tel.: 007 495/719-30 01, Fax: -83 33
OAO Uralwagonsawod
Ul. B. Jakimanka 40, 119049 Moskau
Tel.: 007 495/737 00 80
E-Mail: web@uvz.ru, Internet: http://www.uvz.ru
OAO Wtoraja Grusowaja Kompanija (WGK)
Ul. Tscheljuskinzew 11, 620013 Jekaterinburg
Tel.: 007 499/262 17 77, Fax: -260 51 99
OAO Altaiwagonsawod
Ul. 22-ogo Partsesda 16, 658087 Nowoaltajsk
Tel./Fax: 007 385/324 74 33
OAO Perwaja Grusowaja Kompanija (PGK)
Ul. Staraja Basmannaja 12/1, 105064 Moskau
Tel.: 007 495/663 01 01, Fax: -262 96 18
SAO Neftetransserwis
Warschawskoje Schosse 19/1B, 117105 Moskau
Tel: 007 495/660 46-25, Fax: -27
OOO Nesawisimaja Transportnaja Kompanija
Ul. Leninskaja Sloboda 19, Bisnes Zentr Omega Plaza, 115280 Moskau
Tel.: 007 495/726 59-26, Fax: -25
Gruppa Sinara
Ul. Rosy Ljuksemburg 51, 620026 Jekaterinburg
Tel.: 007 343/310 33-00, Fax: -01
OAO RSchD
Ul. Nowaja Basmannaja 2, 107174 Moskau
Tel.: 007 499/262-99 01, Fax: -90 95
SAO Transmaschholding
Ul. Butirski Wal 26/1, 127055 Moskau
Tel.: 007 495/744 70-93, Fax: -94
OAO NWKS (Waggonbaubetrieb Nowokusnezk)
Proiswodstwennij proesd 22, 654000 Nowokusnezk
Tel.: 007 3843/79-24 21, Fax: -41 22
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland