Investitionen in Modernisierung und neue Projekte gehen weiter
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russlands Düngemittelkonzerne sind erfolgsverwöhnt. Sie
produzieren zu extrem niedrigen Herstellkosten - dank guter
Lagerstätten. Doch ein schwacher Rubelkurs und die gesunkene Nachfrage
haben die Reingewinne im 1. Halbjahr 2013 schmelzen lassen. Dazu kam das
Ausscheren von Uralkali aus dem gemeinsamen Vertrieb mit Belaruskali.
Auch wenn das die Preise erheblich unter Druck setzte, die
Investitionsrally in Lagerstätten und moderne Ausrüstung geht weiter.
Kalihersteller und Investoren waren schockiert: Der weltgrößte
Kaliproduzent, Uralkali, hat mit seiner Ankündigung für Furore gesorgt.
Generaldirektor Wladislaw Baumgertner gab Ende Juli 2013 bekannt, dass
Uralkali künftig seine Produkte auf den Weltmärkten eigenständig
vertreiben wolle und nicht mehr zusammen mit Belaruskali über den
gemeinsamen Distributor Belorusskaja Kalinaja Kompanija (BKK). Uralkali
wolle nicht länger auf hohe Preise setzen, sondern in erster Linie auf
höhere Volumina. Uralkali will 2014 das Maximum an Düngemitteln
verkaufen: 14 Mio. t. Im Jahr 2013 werden es voraussichtlich 10,5 Mio. t
sein.
Innerhalb kürzester Zeit sank die Marktkapitalisierung der
beiden größten Branchenunternehmen weltweit um 20 Mrd. US$. Mittlerweile
sitzt Baumgertner in Belarus in Haft. Das Land wirft dem Uralkali-Chef
vor, bei der Entscheidung Ende Juli sein Amt missbraucht zu haben.
Schließlich ist Baumgertner auch Vorsitzender des
Gemeinschaftsunternehmens BKK und hätte zugleich die Interessen des
Exportkonsortiums im Blick haben müssen.
Für Agrarbetriebe
hingegen bedeutet das: Sie werden künftig voraussichtlich wesentlich
günstiger Düngemittel kaufen können. Die russische Wettbewerbsbehörde
Föderaler Antimonopoldienst (FAS) begrüßt den gestiegenen Wettbewerb am
russischen Markt und vor allem, "dass Belaruskali und Uralkali jetzt
direkte Konkurrenten sind", sagt Sergei Werschinin. Werschinin ist der
stellvertretende Abteilungsleiter für die chemische Industrie und den
Agrarsektor bei FAS. Marktexperten wie Fares Kilzie von der
Chemieberater-Gesellschaft Creon Energy glauben: Die Kalipreise dürften
für lange Zeit unter den Durchschnittspreis der vergangenen Jahre
fallen.
Nicht nur die Kalipreise stehen unter Druck. Die
Hersteller von Düngemittel auf Phosphor- und Stickstoffbasis klagen über
den schlechten Wechselkurs des Rubel und die verhaltene Nachfrage. Doch
Besserung scheint in Sicht: Ewrochim-Marketingchef Dmitri Magasanik
rechnet bereits zum Jahresende 2013 mit einer Nachfragesteigerung. Das
sagte er auf der "6. Internationalen Düngemittelkonferenz" der
Chemieberaterfirma Creon Energy Mitte September 2013 in Moskau. Auch ein
Phosagro-Manager gab sich betont gelassen: In zwei, drei Monaten dürfte
sich die Lage wieder etwas entspannen - zumindest aus Sicht der
Düngemittelkonzerne.
Jetzt beginnt das Rätselraten: Welche
Lagerstätten können angesichts der gesunkenen Preise noch erschlossen
werden? Wo lohnen sich die immensen Investitionen nicht mehr? Klar ist:
Wenig rentable Lagerstätten kommen wohl auf den Prüfstand. Marktexperte
Fares Kilzie sagte dazu gegenüber Germany Trade and Invest: "Die
Projekte in Russland gehen weiter, sie sind auch zu den derzeitigen
Preisen rentabel."
Neue Lagerstätten, neue Ausrüstung, neue
Projekte - Russlands Düngemittelriesen haben tatsächlich gigantische
Pläne. Uralkali will zwischen 2013 und 2020 circa 2,3 Mrd. US$
investieren. Die Kapazitäten sollen auf 15 Mio. t Chlorkali pro Jahr
steigen. Im Jahr 2015 wollen die Verantwortlichen bei Uralkali
zusätzlich über die Lagerstätten Polowodowski und den zweiten Abschnitt
der Solikamsk-3-Lagerstätte entscheiden. Allein mit diesen beiden
Projekten ließen sich zusätzliche Kapazitäten von 4,2 Mio. t Kali
jährlich erschließen.
Die russische Chemie- und Düngemittelholding
Ewrochim (Eurochem) will ein Ammoniakwerk an ihrem Standort in
Kingisepp bauen. Bis Oktober 2013 soll ein Generalauftragnehmer für den
Bau ausgewählt werden. Die geplante Kapazität beträgt 700.000 t Ammoniak
pro Jahr. Damit könnte Ewrochim künftig den Bedarf seiner
Düngemittelwerke an Ammoniak eigenständig decken. Die Investitionssumme
wird bei etwa 1 Mrd. US$ liegen. Bis 2017 will Ewrochim 4 Mrd. US$
investieren: 3,5 Mrd. US$ in die Kalisparte und 500 Mio. US$ in die
Stickstoff- und Phosphorproduktion.
Der Düngemittelproduzent
Phosagro hat im 1. Halbjahr 2013 den Output um 13% gesteigert. Dieser
Expansionskurs soll fortgesetzt werden. Zusätzliche Kapazitäten, neue
Düngemittelmarken und eine flexible, an der Nachfrage orientierte
Produktion sollen den Geschäftserfolg des Unternehmens garantieren.
Phosagro will künftig stärker auf dem russischen Markt aktiv sein. Dazu
baut Phosagro in Tscherepowets im Gebiet Wologda eine neue
Ammoniakanlage für 785 Mio. US$. Die Projektierung übernehmen zwei
japanische Firmen: Mitshubishi Heavy Industries und Sijitz. Die
türkische Firma Renaissance Heavy Industries baut die Anlage inklusive
der dazu gehörenden Infrastruktur. Die Lizenz kommt von der dänischen
Firma Haldor Topsoe.
Die russische Chemieholding Uralchim
investiert im Laufe des Jahres 2013 knapp 90 Mio. Euro an zwei
Standorten in der Region Perm. Davon fließen 52 Mio. Euro in das Werk in
der Stadt Berezniki und 27 Mio. Euro an Mineralnyje Udobrenija in Perm.
Dort soll unter anderem eine Ammoniakanlage modernisiert werden, um die
Produktion von 25.000 auf 520.000 t zu steigern. Insgesamt investiert
Uralchim 2013 rund 300 Mio. US$, sagte Generaldirektor Dmitri Konjajew
in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Rbk daily.
Ein
weiterer russischer Düngemittelgigant, Akron, erschließt zurzeit die
Lagerstätte Werchnekamsk im Gebiet Perm in der Ural-Region. Das erste
Chlorkali soll ab 2016 aus dem Bergbau- und Aufbereitungskombinat
Talizki gewonnen werden. Die Kapazitäten betragen etwa 2 Mio. t. Akron
will 2013 und 2014 rund 600 Mio. US$ investieren.
Das Unternehmen
Kuibyschewasot, Russlands größter Kaprolaktam-Produzent, will die
Investitionen 2013 auf 6 Mrd. Rubel (rund 138 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs
vom 12.9.2013: 1 Euro = 43,54 Rubel) nahezu verdoppeln im Vergleich zum
Vorjahr. Das wichtigste Projekt bis 2016 ist der Bau einer
energieeffizienten Fabrik zur Herstellung von jährlich 140.000 t
Cyclohexan.
Im Jahr 2011 hat die Holding Sibirski Delowoi Sojus
die Kemerower Düngemittelfabrik Asot übernommen. Seither wird fleißig
modernisiert. Die Kosten waren und sind immens: von 800 Mio. Rubel im
Jahr 2011 stiegen die Investitionen im Folgejahr auf 1,6 Mrd. Rubel und
schließlich auf 3 Mrd. Rubel (rund 68,9 Mio. Euro) im Jahr 2013. Im Jahr
2014 werden sie voraussichtlich auf ähnlich hohem Niveau liegen. Dieser
finanzielle Kraftakt dürfte sich lohnen. Die Produktion von Ammoniak
wird wahrscheinlich 2014 auf ein Volumen von über 1 Mio. t steigen,
sagte der Generaldirektor des Werkes, Wiktor Smojago, gegenüber der
Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Das wäre ein Plus von 7%. Dasselbe
Wachstum prognostiziert er auch für die Produktion von Ammoniaksalpeter.
Russland
produziert jährlich 50 Mio. t Düngemittel. Davon gehen 43 Mio. t ins
Ausland. Nur 7 Mio. t verbrauchen heimische Landwirte selbst. Schuld
daran ist vor allem die Finanzierung. Nach den Dürrejahren 2010 und 2011
sind viele Bauern bankrott, erhalten keine Kredite. Russische
Düngemittelkonzerne stört das kaum: Sie verkaufen ihre Produkte ohnehin
lieber im Ausland, denn da lassen sich Weltmarktpreise erzielen. In
Russland drängen Regierung und Antimonopolbehörden die Chemiegiganten zu
Rabatten für die heimischen Landwirte.
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E-Mail: info@acron.ru, Internet: http://www.acron.ru
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Tel./Fax: 007 8482/56 11 02
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