Beste Geschäftsaussichten für ausländische Hersteller von Turbinen, Generatoren und Transformatoren / Von Ullrich Umann
Moskau (gtai) - Die Nachfrage nach elektrotechnischen Erzeugnissen zur Erzeugung und Übertragung elektrischen Stroms wird in Russland auf Jahre hoch bleiben. Es drängen Hersteller aus Deutschland, der Schweiz, Schweden, Frankreich, Japan, den USA und der VR China auf dem Markt. Ausländische Anbieter bauen kontinuierlich lokale Fertigungen auf und nehmen örtliche Zulieferer unter Vertrag, um die Fertigungskosten zu senken und lokale Ausschreibungen leichter zu gewinnen.
Russische Hersteller von Turbinen, Generatoren und Transformatoren befinden sich trotz politischer und finanzieller Unterstützung seitens des Ministeriums für Industrie und Handel in der Defensive. Das Ministerium entwickelte im Jahr 2011 eigens ein Programm unter dem Arbeitstitel "Entwicklungsstrategie des russischen Maschinenbaus für die Belange der Energiewirtschaft bis 2030". Demnach wird das Ministerium, vorerst bis 2020, zur Stärkung der nationalen Industrie 22,33 Mrd. Rubel (circa 0,57 Mrd. Euro) für Stützungsmaßnahmen ausgeben. Ziel ist es, den Anteil ausländischer Erzeugnisse auf dem russischen Markt bei 20% zu konservieren, vor allem mittels Importsubstitution. Experten bezweifeln jedoch, dass dies gelingt. Zwar werden nach einer jahrelangen Pause inzwischen wieder neue Erzeugnisse der Elektrotechnik in russischen Unternehmen entwickelt. Doch erweisen sich diese als nicht immer erfolgreich, teilweise sind sie mit erheblichen "Geburtsfehlern" behaftet.
Produktion elektrotechnischer Erzeugnisse (Auswahl, Jahr 2011)
| Produkt | Produktion (in MW) | Veränderung 20011/2010 (in %) |
| Dampfturbinen | 4.274 | 1,5 |
| Gasturbinen | 2.491 | 20,8 |
| Wasserturbinen und Wasserräder | 3.460 | 15,5 |
| Wechselspannungsgeneratoren | 11.007 | 11,1 |
| Dieselgeneratoren | 303,9 | -2,0 |
| Transformatoren | 51.364 | 35,3 |
Quelle: Ministerium für Industrie und Handel, Moskau, 2012
Für Negativschlagzeilen sorgte zum Beispiel die neu entworfene Gasturbine GTA-110 (110 MW) des russischen Herstellers "NPO Saturn". Die Gazprom Energoholding, die 2010 eine GTD-110 im Wärmekraftwerk Rjasan installieren ließ, lässt diese inzwischen wieder demontieren und durch eine Turbine aus dem Ausland ersetzen - zu viele Havarien und Stillstandszeiten gab es zu beklagen. Weitere vier GTD-110 stehen im Gaskraftwerk Iwanowsk, das Inter RAO betreibt. Aber auch aus Iwanowsk wird über häufige Ausfälle berichtet. Inter RAO hat nach eigenen Angaben zwar nicht vor, die Turbinen auszuwechseln, wird aber bei künftigen Projekten nach anderen Technologien suchen.
Auch bei der Herstellung von Transformatoren sind ausländische Technologielieferanten auf dem Vormarsch, darunter die deutsche Siemens AG. In Woronesh hat der Konzern aus Erlangen erst kürzlich eine Montagelinie für 220-kV-Turbinen eröffnet. Zwar werden noch 80% der Komponenten für die Endmontage aus dem Ausland importiert, etwa von ABB und Messko, doch steigt der Anteil russischer Zulieferer. Verträge mit Woroneshstalmost (für Metallbehälter) und Woroneshtelekabel (Kabel) hat Siemens bereits unterschrieben.
Markt für Transformatoren (in Megavoltampere/MVA)
| 2012 | 2013 | |
| prognostizierte Nachfrage | 82.500 | 93.000 |
| Produktionskapazität | 124.000 | 127.000 |
Quelle: Journal "Ekspert", Nr. 9, 2012
Obwohl es auf dem russischen Transformatorenmarkt ein Überangebot gibt, ist sich Siemens des Geschäftserfolgs seiner Produktionslinie sicher. Bei dieser Einschätzung lässt sich der Konzern davon leiten, dass die russischen Wettbewerber, etwa der Hersteller Toljatinski Transformator (Togliatti, gehört zur Industrieholding Elektrosawod), die technischen Anforderungsprofile der Betreiber landesweiter und regionaler Stromnetze kaum erfüllen können. Erste Transformatoren aus dem Siemenswerk in Woronesh wurden bereits bestellt, unter anderem vom Netzbetreiber "MRSK Wolga" und von der Stromsparte des Ölkonzerns Lukoil.
"Elektrosawod" erweitert derzeit sein Angebot um 770-kV- sowie 500-kV-Transformatoren. Zu diesem Zweck wird in Moskau eine Produktion eingerichtet, eine weitere für 500-kV-Transformatoren im ukrainischen Saporoschje. Darüber hinaus baut der russische Wettbewerber "Silowoje Maschiny" zusammen mit dem japanischen Konzern Toshiba bei Sankt Petersburg eine Produktionslinie für Transformatoren von 110 bis 750 kV. Die ersten Erzeugnisse sollen 2013 vom Band laufen. An diesem Werk ist der russische Partner zu 50,01% beteiligt, den Rest hält Toshiba.
Investitionsabsichten in den Transformatorenbau äußerten auch die französische Alstom sowie die chinesische TWEA. Alstom engagiert sich unter anderem beim Bau und der Modernisierung von Wasserkraftwerken. Zu diesem Zweck hat der französische Konzern 2010 eine Kooperationsvereinbarung mit der Wasserkraftwerks-Gesellschaft RusHydro unterschrieben. In einem ersten Schritt erfolgt die Modernisierung des Wasserkraftwerkes Kubanski in Südrussland. In diesem Zusammenhang verpflichtete sich Alstom zur Errichtung von Montagelinien in der Republik Baschkortostan.
Alstom ging auch ein Joint Venture mit dem Netzbetreiber KER ein. In Sankt Petersburg errichteten beide Anbieter zusammen ein Entwicklungszentrum für Gleichstromtechnik. Das Gemeinschaftsunternehmen modernisiert gleichfalls die Hochspannungsgleichstromübertragung zwischen Russland und Finnland. Weitere Joint-Ventures bestehen zwischen Alstom und jeweils der Transmashholding, Rosatom, Rusal und Inter RAO. (U.U.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland