Einfuhrsteigerung bei Konsumgütern greift im 2. Halbjahr auf Investitionsgüter über
Moskau
(gtai) - Das russische Wirtschaftsministerium prognostiziert für 2012
eine Zunahme der Konsumgüterimporte. Ab dem 2. Halbjahr wird darüber
hinaus die Einfuhr von Investitionsgütern steigen, sagte Vizeminister
Andrej Klepatsch gegenüber der Presse. Die Wirtschaft würde ab dem
Sommer wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten. Für deutsche Exporteure
sind das positive Vorzeichen, nachdem der Winter teilweise von
Unwägbarkeiten durch die Wahlen gekennzeichnet war.
Der Anstieg des privaten Verbrauchs vollzieht sich über den
weiteren Abbau der Ersparnisse, zusätzlich gestützt durch
Konsumentenkredite. So hat der Einzelhandel 2011 laut
Wirtschaftsministerium im Vergleich zum Vorjahr um 7,3% zugelegt und
damit die Erwartungen sogar noch übertroffen; prognostiziert wurden
ursprünglich 6,5%.
Offensichtlich wurde die Kauflaune von
Wahlversprechen stimuliert, darunter von angekündigten Lohnerhöhungen in
den Streitkräften und in anderen Teilen des Staatssektors. Auch die
Aussicht auf eine stabile Wirtschaftsentwicklung in der nahen Zukunft,
sofern die inzwischen eingetretene Kontinuität in der Staatsführung nach
den Wahlen gewahrt bleibt, hat die Verbraucher dazu bewegt, verstärkt
Anschaffungen zu tätigen. An der Entwicklung der Reallöhne kann die
Verbrauchssteigerung jedenfalls nicht gelegen haben, stiegen diese doch
2011 lediglich um 0,8%.
Für das Gesamtjahr 2012 geht das
Wirtschaftsministerium von einer erneuten Zunahme des privaten
Verbrauchs um 5% und einer Zunahme der Konsumentenkredite um circa 20%
aus. Den Analysten des Wirtschaftsministeriums ist dabei vollkommen
klar, dass der antizipierte Nachfrageschub nur durch Einfuhrsteigerungen
befriedigt werden kann. Der für Sommer 2012 geplante Beitritt zur
Welthandelsorganisation (WTO) würde dieser Entwicklung sogar noch
Vorschub leisten.
Wie den vorläufigen Daten des Föderalen
Zolldienstes zu entnehmen ist, stieg der Wert der Wareneinfuhr im Januar
und Februar 2012 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bereits
um 20,5% an und lag bei 35,4 Mrd. US$. Allerdings entwickelten sich die
Ausfuhren noch dynamischer, wodurch Russland fortgesetzt
Außenhandelsüberschüsse erwirtschaftet.
Russland: Wareneinfuhr - ohne GUS (in Mrd. US$, Werte gerundet)
| Wareneinfuhr | Januar 2012 | Februar 2012 |
| Gesamt | 15,2 | 20,2 |
| .Nahrungsmittel und Ausgangsstoffe | 2,1 | 2,8 |
| .chemische Erzeugnisse | 2,3 | 3,3 |
| .Textilien, Bekleidung und Schuhe | 1,0 | 1,4 |
| .Industriegüter | 7,8 | 10,2 |
| ..Maschinenbauerzeugnisse | 2,8 | 3,8 |
| ..elektrotechnische Erzeugnisse | 2,0 | 2,4 |
| ..Schienenfahrzeuge | 0,03 | 0,04 |
| ..Straßenfahrzeuge | 2,4 | 3,0 |
| ..Flugzeuge | 0,1 | 0,3 |
| ..Schiffe | 0,03 | 0,02 |
| ..optische Instrumente und Ausrüstungen | 0,4 | 0,6 |
Quelle: Föderaler Zolldienst, Moskau, 2012
Der
anhaltend hohe Ölpreis auf dem Weltmarkt und die ungebrochen stabile
Nachfrage nach russischem Erdgas in Europa kommen der finanziellen
Stabilisierung der öffentlichen Haushalte und der Wirtschaft kurz- bis
mittelfristig sehr zu pass. Aufgestellt wurde der Haushaltsplan für 2012
unter der Annahme, dass sich der Ölpreis um die 100 US$ pro Barrel
herum bewegt. Tatsächlich lag der Preis Anfang März 2012 aber bei 120 $.
Mit den dadurch entstehenden Mehreinnahmen können alle geplanten
Investitionen in die Infrastruktur und in die weitere Modernisierung der
Wirtschaft getätigt werden, neben der Fortführung von Sozialausgaben.
Ausgehend
von der anhaltend angespannten Lage in den wichtigen Förderregionen für
Erdöl und -gas im Nahen Osten und im Persischen Golf dürfte der
Weltmarktpreis im Jahresverlauf eher hoch bleiben. Hinzu kommt der
steigende Bedarf nach diesen Energieträgern in Großabnehmerländern wie
der VR China, Indien und Japan, was die Nachfrage nach den beschränkten
Ressourcen auf dem Weltmarkt noch steigern dürfte. Die bedeutende
Zunahme der Erdgasförderung in den USA dürfte dagegen nur bedingt
kompensatorisch zu Buche schlagen.
Die russische Regierung hat
weiterhin Schwierigkeiten, die einseitige Abhängigkeit der Wirtschaft
des Landes von Rohstoffexporten abzubauen. Dahinter verbirgt sich eine
immer noch zu veraltete industrielle Substanz, das Ausbleiben von mehr
international konkurrenzfähigen Waren, Gütern und Dienstleistungen aus
russischer Herstellung sowie ein fortgesetzt hoher
Modernisierungsbedarf. Neben den als sicher anzunehmenden
Wertsteigerungen der Exporte sollen ab dem Sommer verstärkt
Investitionen und bis zu einem gewissen Punkt auch der Konsum das
Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stützen. Gleichwohl wird für
2012 eine im Vorjahresvergleich nach unten korrigierte Zuwachsrate des
BIP von 3,7% prognostiziert - trotz solider Einnahmen aus dem Export. Im
Jahr 2010 expandierte das BIP real um 4,3%.
Die gegenwärtige
wirtschaftspolitische Situation ist vom Personalwechsel im Präsidialamt,
einschließlich der damit zu erwartenden Regierungsumbildung geprägt.
Notwendige Reformen und Impulse werden damit kurzfristig vertagt,
zumindest bis zum Ende des 2. Quartals 2012. Das heißt, frühestens ab
Sommer sind neue Initiativen der frisch gewählten Minister zu erwarten.
Dazu zählt auch das Anschieben breiter Investitionen. (U.U)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der
Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für
Russland