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Aktuelle Beiträge

Dienstag, 28. Juni 2011

Wirtschaftstrends Jahresmitte 2011 - Russland

Verfasser: Bernd Hones (Mai 2011) Moskau (gtai) - Russlands Wirtschaft nimmt Fahrt auf, ist aber noch weit entfernt von der Vorkrisendynamik. Heute wird klar: Die russische Regierung hat sich als umsichtig genug erwiesen, die schlimmsten Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs abzuwenden, hat einen Schutzschirm über ganze Industriebranchen und wichtige Firmen aufgespannt. Aber die langersehnte Transformation zum Hightech-Staat bleibt aus. Kleine und mittelständische Unternehmen plagen sich mit Bürokratie und Korruption.
Download PDF Kurzfassung:
https://www.gtai.de/DE/Content/__SharedDocs/Anlagen/PDF/wirtschaftstrends/russland-kurz,templateId=raw,property=publicationFile.pdf

Inhalt

1 Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Investitionen

Konsum

Außenhandel

2 Branchen im Überblick

Kfz-Industrie

Maschinenbau

Chemie

Elektrotechnik/Elektronik

Informations- und Kommunikationstechnik

Bauwirtschaft

Umwelttechnik

Medizintechnik

Lebensmittel- und Verpackungsindustrie

Rohstoffe

1 Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Russland erreichte 2010 zwar wieder ein solides Wirtschaftswachstum von 4,0%, entwickelte sich aber insbesondere im Vergleich zu den anderen BRIC-Staaten VR China Brasilien und Indien wesentlich langsamer. Insbesondere die Bauwirtschaft - einst Motor des rasanten Aufschwungs - wollte 2010 noch nicht wieder anspringen. Dagegen entwickelte sich die Nachfrage nach Konsumgütern wieder sehr gut. Bestes Beispiel ist der Automobilmarkt: Der Absatz stieg 2010 um 30%. Für 2011 wird ein ähnlich gutes Ergebnis erwartet.
Während das Bruttoinlandsprodukt 2009 noch um knapp 8% gesunken war, legte es 2010 um 4,0% zu und dürfte 2011 mit 4,2% noch dynamischer wachsen, glauben die Volkswirte im russischen Wirtschaftsministerium. Doch trotz milliardenschwerer Mehreinnahmen dank sprudelnder Petrodollars reichen die zusätzlichen Einnahmen für den Staat bestenfalls aus, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Auch andere makroökonomische Kennziffern stimmen: die Währungsreserven sind auf 524 Mrd. US$ gestiegen und die Krisenstimmung am Arbeitsmarkt ist vorbei.
Die Grafik wird im nachfolgenden Text erläutert. Noch sind die spärlichen Investitionen ins Anlagekapital Hemmschuh der russischen Wirtschaft: Einige Experten hatten für 2010 einen zweistelligen Zuwachs erwartet, rechneten mit ordentlichen Ersatzinvestitionen, die zu Hochzeiten der Krise nicht getätigt wurden. Doch noch glauben nicht alle Unternehmen an eine baldige Wiederbelebung der Märkte. Bankfachleute bekunden, dass zahlreiche Finanzinstitute wieder bereit sind, Kredite für Investitionsprojekte zu annehmbaren Zinsen herauszulegen. Aber die Nachfrage ist gering. Schuld daran hat zweifelsohne auch das schlechte Investitionsklima. Korruption und Bürokratie hemmen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Obwohl Präsident Medwedew Rechtsnihilismus und Korruption den Krieg erklärt hat, ist das Land 2010 im Korruptions-Ranking von Transparency International noch einmal um 8 Plätze abgerutscht und befindet sich in zweifelhafter Gesellschaft von Ländern wie Laos und Tadschikistan.
Vereinzelt kommt es zwar wieder zu neuen Meldungen über Investitionen - etwa in der Kfz-, Chemie-, Pharma-, Holz- und Baubranche. Aber einen derartigen Investitionsboom wie ihn derzeit Fleischerzeuger erleben, gibt es wahrlich nicht auf breiter Ebene. Daran trägt nicht zuletzt der Staat eine Teilschuld. Beispiel Energieindustrie: Weil die Regierung sich in die Strompreisgestaltung einmischt, werfen viele Projekte nicht mehr den gewünschten Profit ab. Laut Presseberichten dürften die Energiekonzerne 2011 rund 1,6 Mrd. Euro Umsatz aufgrund der staatlichen Intervention verlieren. Kein Wunder, dass die Investitionstätigkeit gehemmt wird. Außerdem bedient die Politik allzu häufig die Interessen einzelner oder einiger weniger Großkonzerne, während kleine und mittelständische Unternehmen auf dieser Ebene kaum eine Lobby besitzen.
Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2009 2010 Vergleichsdaten Deutschland 2010
BIP (nominal, Mrd. Euro) 885 1.105 2.498
BIP pro Kopf (Euro) 6.236 7.793 30.463
Bevölkerung (Mio.) 1) 143,0 142,9 82
Wechselkurs (1 Euro =) 2)(sofern notwendig) 44,3 40,2
1) jeweils zum Jahresende; 2) Jahresdurchschnitts des Russischen Rubel (Rbl)
Quellen: Föderaler Statistikdienst der Russischen Föderation, Deutsche Bundesbank

Investitionen

Die Bruttoanlageinvestitionen litten zu Krisenzeiten aufgrund der einbrechenden Nachfrage. Viele Konzerne verschoben anstehende Projekte auf einen späteren Zeitpunkt. Erschwerend kam hinzu, dass Kredite nur zu horrenden Zinssätzen zu bekommen waren. Mittlerweile bieten viele Banken wieder günstigere Kredite an - aber die Nachfrage ist im Vergleich zu 2007 nach wie vor sehr gering.
Die Investitionstätigkeit der Unternehmen liegt mit 6% im Jahr 2010 und prognostizierten 6% für 2011 ebenfalls weit hinter den zweistelligen Zuwachsraten der Jahre 2001 bis 2008. In der Chemieindustrie wurden zahlreiche der für 2008 bis 2010 geplanten Projekte vertagt. Aber erstaunlicherweise greifen viele Investoren ihre Pläne noch nicht wieder auf - trotz steigender Nachfrage und größtenteils stark veralteten Anlagen.
Derzeit verschaffen Projekte im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor deutschen Ausrüstern gute Absatzchancen. Auch in der Automobilindustrie sind Kapazitätserweiterungen geplant. Die Energiekonzerne hingegen haben sich bei der Privatisierung des staatlichen Stromkonzerns RAO EES zwar zu klar strukturierten Investments verpflichtet, doch derzeit reguliert der Staat die Strompreise und erschwert die Amortisierung solcher Investments. Ab 2012 dürfte auch die Bauindustrie wieder als Investitionsmotor anspringen.
Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Euro) Projektstand Anmerkung
Umsteigebahnhof am Komsomolplatz in Moskau 5.000 Mio. Fertigstellung 2016 geplant größter europäischer Verkehrsknotenpunkt für Bahnverkehr
Satellitenstadt "Juschnyi" in Sankt Petersburg 4.400 Mio. Baubeginn 2013; Fertigstellung 2028 Generalauftragnehmer: UK Start Development; 4,45 Mio. qm Wohnfläche auf 2.000 ha Grund
Rekonstruktion des Moskauer Petrochemiewerks 1.510 Mio. Fertigstellung 2020 Investor: Gasprom Neft; Ziel: Abgase um Faktor 2,5 verringern
Satellitenstadt Lesnaja Poljana in Kemerowo 1.300 Mio. Erst 10% des neuen Stadtviertels für 30.000 Menschen fertig gestellt Generalauftragnehmer: Assoziazija Stroitelnych Organisazii Promstroi
Rundumerneuerung der Papierfabrik OAO Segeschski ZBK 1.000 Mio. Baugenehmigung Ende April 2011 erteilt, Fertigstellung 2015 Bau einer neuen Zellulosefabrik in Karelien auf dem Gelände des bisherigen Werkes
Bau einer neuen Stadt neben dem Ust Luga-Hafen 980 Mio. Projektrealisation von 2010 bis 2025, zurzeit wird ein Wohnhaus gebaut Wohnungen für 34.500 Menschen, Infrastruktur, Industriezone, etc.
Eisenerzpallets-Werk im Gebiet Belgorod 960 Mio. Fertigstellung 2015 geplant Investor: NLMK, Kapazitäten: 6 Mio. t Eisenerzpallets p.a.
Reparatur des Wasserkraftwerks Sajanno-Schuschenskaja 900 Mio. Investitionen 2009 bis 2014 Investor: Rusgidro; Staudamm befindet sich in der Republik Chakassien am Jenissei
Werk zur Erzeugung von Plastikteilen für Computer 700 Mio. Partner haben Investitionsabsicht bekundet Gemeinschaftsprojekt Plastic Logic und Rosnano im Moskauer Gebiet
Geflügelfarm in der Stadt Elez im Gebiet Lipezk 500 Mio. Fertigstellung 2014 OAO Tscherkisowo plant Inkubatorstation, fünf Geflügelställe, Schlachtanlage, etc.
Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen
Potenzielle Investoren und Unternehmen, die nach Russland exportieren wollen, sollten bei Ihrer Entscheidung über den Markteintritt das Stärken-Schwächen-Profil des Standorts und die damit verbundenen Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) berücksichtigen:
Die Grafik wird im nachfolgenden Text erläutert.

Konsum

Der private Konsum litt beträchtlich unter der Wirtschaftskrise und legte erst 2010 wieder um 4,4% zu. Für 2011 und 2012 wird jeweils ein Wachstum um 4% erwartet. Für Russland sind das keine berauschenden Aussichten, schließlich stieg der private Verbrauch von 2000 bis 2008 Jahr für Jahr zweistellig. Doch damals entwickelten sich auch die Einkommen entsprechend dynamisch - daran ist heute nicht mehr zu denken. Im Jahr 2011 soll das Realeinkommen nur um 1,5% zulegen, von 2012 bis 2014 sollen es immerhin 4 bis 5% Wachstum pro Jahr sein.
Nichtsdestotrotz geht die Expansion großer Einzelhandelsketten weiter. Vor allem in entlegeneren Regionen liefern sich die dominierenden Retailer des Landes einen Wettbewerb um neue Kunden. Besonders gut entwickelt sich derweil der Markt für Luxusgüter: 2010 stieg das Marktvolumen um 9% auf 4,8 Mrd. Euro. Hinsichtlich der Größe des Marktes lag Russland damit an 9. Stelle weltweit, aber in punkto Dynamik entwickelten sich nur drei Staaten besser als die Russische Föderation: auf dem 1. Platz lag die Volksrepublik China, gefolgt von den Vereinigten Staaten von Amerika.
Derweil behindern Bürokratie und Korruption ein noch rasanteres Wachstum des Einzelhandelssektors. Von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Schmuck - Einzelhandelswaren könnten ohne diese Zusatzkosten um mindestens 15% günstiger sein, Telefongebühren um 10% und die Preise für Immobilien gar um 25 bis 30%, hat ein Forscherteam der Europa-Universität in Sankt Petersburg herausgefunden.

Außenhandel

Im 1. Quartal 2011 legten Russlands Importe um üppige 47,1% zu, die Exporte immerhin um 22,3% (im Vergleich zum 1. Quartal 2010). Im Jahr 2010 hat Russland Waren im Wert von 229 Mio. US$ importiert. Die deutschen Lieferungen beliefen sich dabei laut russischem Zolldienst 2010 auf 26,7 Mrd. US$. Deutschland ist der drittwichtigste Handelspartner für Russland - hinter den Niederlanden und der Volksrepublik China.
Außenhandel Russlands (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

2009 2010 Veränderung
Importe 167,2 229,0 36,8
Exporte 301,7 396,4 31,4
Handelsbilanzsaldo 134,5 167,4 24,5
Hinweis: Wegen methodischer Differenzen weichen die Zahlen des deutschen und des russischen Statistikamtes voneinander ab.
Quelle: Zolldienst der Russischen Föderation
Zu den wichtigsten Importgütern zählten Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge. Deren Importwert lag 2010 bei knapp 100 Mrd. US$. Russland greift in diesem Bereich besonders gern auf Waren aus Deutschland zurück. Desweiteren importiert Russland eine breite Palette chemischer Produkte. So wurden 2010 allein Medikamente für 10 Mrd. US$ eingeführt. Dazu kommen unter anderem hochwertige Additive, die in Russland nicht hergestellt werden, aber für die Weiterverarbeitung von Erdöl und Erdgas unbedingt notwendig sind.
Ein derzeit noch bedeutender Importbestandteil sind Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Von Milchprodukten über Fleisch bis hin zu alkoholischen Getränken - Russland ist zwar reich an Agrarflächen, aber nicht in der Lage, die Nachfrage im eigenen Land zu bedienen. Die ambitionierten Entwicklungsprogramme der russischen Föderation zur Entwicklung von Schweine- und Hühnerfarmen und zur Entwicklung der Milchwirtschaft dürften die Importabhängigkeit künftig verringern.
Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
SITC Warengruppe 2009 2010 Veränderung
0 Nahrungsmittel/lebende Tiere 22.384 26.732 +19
5 Chemische Erzeugnisse 22.475 29.455 +31
.51 Organische Chemikalien 1.425 2.038 +43
.54 Arzneimittel 8.714 11.375 +30
57 Kunststoffe in Primärformen 2.414 3.778 +56
6 Vorerzeugnisse 19.723 27.704 +40
.67 Eisen/Stahl 4.490 7.217 +60
7 Maschinen und Fahrzeuge 63.317 89.265 +41
.71 Kraftmaschinen 4.724 5.822 +23
.72 Arbeitsmaschinen 7.219 8.984 +24
.74 Spezialmaschinen 10.882 13.964 +28
.77 Elektrische Maschinen 9.129 12.623 +38
.78 Kraftfahrzeuge 14.004 22.453 +60
8 Fertigerzeugnisse 17.514 25.319 +45
87 Andere Meßinstrumente usw. 2.954 4.030 +36
Quelle: UN Comtrade

2 Branchen im Überblick

Das russische Industrieministerium schätzt das Wachstum der Industrieproduktion für 2011 auf 5,4%. In den ersten drei Monaten 2011 stieg diese ökonomische Kennzahl bereits um 5,9%. Russland ist also auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. In den Folgejahren soll die Dynamik leicht nachlassen und sich bei 4% in den Jahren 2012 bis 2014 einpendeln. Zu den Gewinnerbranchen der russischen Wirtschaft werden die Kfz-Industrie, die Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung sowie die Medizintechnik zählen. In diesen Sektoren gibt es eine Reihe von neuen Projekten. Gute Entwicklungschancen zeichnen sich auch für den IKT- und den Bausektor ab. Letzterer hat nach schweren Krisenjahren viel aufzuholen. Die verarbeitende Industrie legte in den ersten drei Monaten 2011 um 10,6% zu und gilt als Motor des Aufschwungs.

Kfz-Industrie:

Die Automobilindustrie gehört wieder zu den wachstumsstärksten Branchen in Russland. Im Jahr 2010 wurden 1,9 Mio. Fahrzeuge verkauft - 30% mehr als im Krisenjahr 2009. Und die Aufholjagd hält an. Für 2011 werden ebenfalls zweistellige Zuwachsraten erwartet. Das scheint auch sehr realistisch: Volkswagen etwa verdoppelte in den ersten vier Monaten 2011 seine Verkäufe gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, der russische AwtoWAZ-Konzern setzte 48% mehr Kfz ab. Experten prognostizieren für 2020 ein Marktvolumen von 4 Mio. Fahrzeugen. Die russische Regierung hat die Abwrackprämie für Pkw bis Ende 2011 verlängert und arbeitet an einem vergleichbaren Modell auch für Busse und Lastkraftwagen. Russische Konzerne retten sich in strategische Allianzen mit westlichen Partnern. Immer mehr ausländische Zulieferer eröffnen in Russland Produktionseinheiten.

Maschinenbau:

Die Produktion von Maschinen und Anlagen in Russland stieg 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 12,2%, das Wachstum im 1. Quartal 2011 lag bei 11,6%. Laut russischem Statistikdienst verdoppelte sich 2010 die Produktion von mit Wasserdampf betriebenen Turbinen, die Produktion von Kompressoren, Luft- und Vakuumpumpen stieg immerhin um über 42%. Werkzeugmaschinenbauer steigerten die Produktion um 40%, verzeichneten aber im 1. Quartal 2011 einen Produktionsrückgang um 28%. Die Herstellung von Abfüll- und Flaschenreinigungsanlagen sank 2010 um 39%; dieser Trend hielt auch in den ersten drei Monaten 2011 an. Auch Produzenten von Maschinen für die Land- und Forstwirtschaft hatten 2010 einen schweren Stand; ihr Ausstoß reduzierte sich um knapp ein Fünftel. Allerdings sieht es 2011 schon besser aus: im 1. Quartal verdoppelten die Traktorenhersteller ihren Output.

Chemie:

In der Petrochemie stehen Milliardenprojekte an, Kunststoffhersteller erhöhen die Kapazitäten und der Arzneimittelmarkt glänzt mit hervorragenden Wachstumsprognosen. Die Chemieindustrie Russlands gehört wieder zu den Hoffnungsträgern des Aufschwungs, schließlich ist die Produktion 2010 um 14,6% gewachsen. Auch 2011 dürfte ein gutes Jahr werden. Getragen wird die Wachstumsdynamik von einer hohen Nachfrage seitens der Automobil- und Verpackungsindustrie. Aber auch die Pharma- und die Haushaltschemikalienindustrie schreiben ein deutliches Plus. Dennoch könnten die Bruttoanlageinvestition noch höher sein, würden kleine und mittelständische Weiterverarbeiter einen günstigeren Zugang zur Rohstoffbasis erhalten, etwa zu Massen-Kunststoffen. Diese sind in Russland fast genauso teuer wie in Deutschland.

Bau:

Vom Sorgenkind zum Wirtschaftsmotor - die russische Bauwirtschaft dürfte erst ab der 2. Jahreshälfte 2011 oder 2012 wieder richtig anspringen. Im Jahr 2010 jedenfalls sind die Bauleistungen nochmals zurückgegangen. Für 2011 erwarten Branchenexperten bereits ein Plus beim Wohnungsbau von rund 8%. Bei Geschäftsräumen, Handelsgebäuden und Lagerhallen sieht die Lage dagegen etwas pessimistischer aus. Auch der Infrastrukturbau kommt nur sehr schleppend voran. Helfen soll ein Straßenbaufonds, der mit Einnahmen aus der Kraftstoffakzise und Budgetmitteln gespeist wird. Aufwind dürften die Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland bekommen. Zwischen den Austragungsorten sollen neue Bahnverbindungen entstehen, außerdem will die russische Regierung das Netz für den Hochgeschwindigkeitszug Sapsan erweitern.

Elektro/Elektronik:

Die Produktion von elektronischen Komponenten sowie Apparaturen für Radio, Fernsehen und Netze stieg im 1. Quartal 2011 um ein Drittel. Damit setzt sich der positive Trend aus dem Jahr 2010 fort, als die Erzeugung elektronischer Komponenten um knapp 13% zulegte. Auch die Nachfrage nach Elektromotoren stieg wieder. Dasselbe gilt für Bürotechnik und für medizinische Elektrogeräte. Weil flächendeckende Stromausfälle in Russland zur Winterzeit keine Seltenheit sind, finden portable Generatoren einen guten Absatz. Im Rahmen der Modernisierungsoffensive der russischen Regierung müssen Strom-, Gas- und Wasserzähler in allen Privathaushalten installiert sowie klassische Glühbirnen durch Sparlampen ersetzt werden. Derzeit entstehen eine Reihe von Produktionsanlagen für Leuchtdioden.

Informations- und Kommunikationstechnik (IKT):

Der russische IT-Markt ist wieder im Aufwind. Die Computerverkäufe an Privatpersonen stiegen 2010 um 60%, Unternehmen modernisieren ihre IT-Hardware. Im Zentrum stehen mobile Lösungen. Auch künftig stehen der Branche rosige Zeiten bevor, Experten prognostizieren ein jährliches Wachstum von 10 bis 15%. Das russische Wirtschaftsministerium hat eine Software-Plattform ins Leben gerufen und verspricht sich davon ein russisches Betriebssystem, neue Internet-Suchtechnologien und Virtualisierungslösungen. Russlands Telekommunikationsmarkt bietet hohes Wachstum. Deshalb investieren die wichtigsten Branchenunternehmen und der Staat in schnellere und dichtere Netze sowie modernste Technologien. Im gesamten IKT-Sektor gibt es international wettbewerbsfähige Firmen. Der Staat hält sich weitestgehend fern - zum Wohl der Branche.

Umwelttechnik:

Auf dem Territorium der Russischen Föderation sind momentan 82 Mrd. t Müll angehäuft, darunter 550 Mio. t radioaktiver Abfall. Jährlich kommen 3,5 Mrd. t Unrat hinzu. Es gibt 11.000 Müllhalden und -verbrennungsanlagen. Die meisten davon befinden sich auf miserablem Niveau und sind total überladen. In einigen größeren Städten werden moderne Anlagen gebaut. Die neue Mülldeponie in Sankt Petersburg soll 300 Mio. Euro kosten. Die in Russland verwendeten Filter zur Wasserreinigung müssen gerade einmal 300 verschiedene Schadstoffe aufnehmen - in den USA sind es 200.000. Sprich: Die Umweltstandards und -anforderungen sind noch auf einem erbärmlichen Niveau. Westliche Standards werden nur bei handverlesenen Projekten vorgeschrieben, wie etwa zur Vorbereitung der olympischen Spiele in Sotschi, für die Fußball-WM 2018 oder beim Hafenbau in Ust-Luga.

Medizintechnik:

Das russische Industrieministerium rechnet damit, dass sich das Marktvolumen für Medizintechnik bis 2020 auf 13,6 Mrd. US$ vervierfachen wird. Der Bedarf ist riesig: Vier von zehn Krankenhäusern müssen komplett überholt werden. Um das zu finanzieren, wurden die Krankenkassenbeiträge Anfang 2011 um zwei Prozent erhöht. Bei Diagnosegeräten, wie etwa Kernspintomographen, ist Russland auf Importe angewiesen. Deutsche Hersteller sind die wichtigsten Lieferanten, viele haben 2010 bereits wieder zweistellige Umsatzzuwächse verzeichnet. Aber Vorsicht: Künftig sollen Importe durch heimische Produkte ersetzt werden und der Anteil der Inlandshersteller an Medizintechnik-Lieferungen auf 50% steigen. Für Importprodukte, die Inlandsherstellern Konkurrenz machen, sollen Zollbarrieren aufgebaut werden.

Lebensmittel- und Verpackungsindustrie:

Russland ist das größte Land der Welt, kann aber seinen eigenen Verbrauch an vielen Lebensmitteln nicht decken - ob bei Käse, Fleisch oder Genussmitteln. Das könnte sich schon bald ändern. Derzeit entstehen Mastbetriebe für Schweine und Rinder, Geflügelfarmen und Molkereien in allen Teilen Russlands. Zur Finanzierung verspricht die Regierung vergünstigte Kredite, zur Sicherung der Absatzchancen einheimischer Hersteller dienen Quoten und Einfuhrzölle. Aber der Hauptgrund, weshalb in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie derzeit millionenschwere Investitionsprojekte verwirklicht werden, sind die steigende Nachfrage und das nach wie vor ungeheuere Potenzial. Ob bei Milchprodukten oder bei Fleisch - der Pro-Kopf-Verbrauch in Russland liegt meist noch weit unter westeuropäischem Niveau, nähert sich aber mit steigenden Einkommen an.

Rohstoffe:

Russland ist nicht nur das größte, sondern auch das rohstoffreichste Land der Welt. Egal ob Erdöl, Erdgas, Kohle oder Erze - die russische Regierung ist sehr daran interssiert, die Fördermengen auszuweiten, um die Staatskassen zu füllen. Bei der Erdölförderung erreichte die Russische Föderation 2010 ein Rekordergebnis. In der Region Magadan werden einige neue Silberminen erschlossen. Russlands größter Goldkonzern Poljus Soloto baut drei Lagerstätten gleichzeitig aus. Nirgendwo auf der Welt werden so viele Diamanten aus dem Boden geholt wie in Russland. Dafür werden Seltene Erden in Russland nur an einer Stelle abgebaut. Ab 2012 könnte jedoch eine neue Lagerstelle erkundet und werden. Etliche Berbauunternehmen steigern derzeit die Effizienz beim Abbau von Kohle - die russischen Vorräte dürften selbst bei steigender Fördermenge noch 300 Jahre reichen.
(H.B.)