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Aktuelle Beiträge

Freitag, 18. Januar 2013

Investitionsschub in russischer Automobil- und Zulieferindustrie

Absatz steigt 2012 auf Rekordwert / Kfz-Hersteller und -Zulieferer investieren in neue Werke in Russland / Von Edda Wolf und Bernd Hones

Moskau (gtai) - Der Kfz-Markt zählt zu den Zugpferden der russischen Wirtschaft. Im Jahr 2012 hat der Absatz die neue Rekordmarke von rund 2,9 Mio. Pkw und leichten Nutzfahrzeugen erreicht. Im Rahmen des Beitritts der Russischen Föderation zur Welthandelsorganisation werden die Einfuhrzölle auf Kraftfahrzeuge zwar schrittweise auf 15% sinken. Aber künftig soll für importierte Pkw auch eine Abwrackgebühr erhoben werden. Das fördert den Trend zu Investitionen in Produktionskapazitäten innerhalb Russlands.
Absatzmarkt für Automobile

Der Verkauf von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ist im Zeitraum Januar bis November 2012 um 12% auf 2.681.985 Stück gestiegen. Jörg Schreiber, Vorsitzender des Komitees der Automobilproduzenten bei der Association of European Businesses (AEB), schätzt den Absatz im Gesamtjahr 2012 auf rund 2,9 Mio. Fahrzeuge. Im 2. Halbjahr fiel das Wachstum allerdings wesentlich schwächer aus als im 1. Halbjahr.
Entwicklung des russischen Pkw-Marktes (in 1.000 Stück)

2008 2009 2010 2011 Jan.-Nov. 2012 Veränderung Jan.-Nov. 2012 / Jan.-Nov. 2011 in %
Absatzzahlen 2.771 1.466 1.911 2.650 2.682 +12
Quelle: Association of European Businesses

Erstmals liegt die Volkswagen Gruppe mit den Marken Volkswagen, Audi, Skoda, Seat und Volkswagen Nutzfahrzeuge bei den Absatzzahlen auf dem 2. Platz hinter dem Spitzenreiter AwtoWAZ-Renault-Nissan. Von Januar bis November 2012 verkaufte die Volkswagen Gruppe in Russland 288.603 Fahrzeuge und erzielte damit ein Plus von 42%. Bis Ende des Jahres sollen es 300.000 bis 315.000 Fahrzeuge sein, rund 38% mehr als 2011. Besonders erfolgreich waren die Marken VW-Pkw und Skoda aus Tschechien im russischen Markt unterwegs: Ihre Verkäufe stiegen von Januar bis November 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45% auf 151.392 Fahrzeuge beziehungsweise um 37% auf 89.072 Fahrzeuge. Das ist ein neuer Absatzrekord für die ersten zehn Monate. Skoda wuchs dabei fast dreimal so stark wie der Gesamtmarkt. Damit setzt das Unternehmen die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre eindrucksvoll fort: Von 2005 bis 2011 konnte Skoda den Absatz in Russland nahezu verzehnfachen von 7.500 auf 74.100 Pkw pro Jahr.

Auch die deutschen Premiummarken konnten in den ersten elf Monaten 2012 stark zulegen. Porsche verkaufte mit 3.374 Stück um 61% mehr Pkw, BMW mit 35.571 um 32% mehr BMW und Mini, Mercedes-Benz mit 37.246 Stück um 29% mehr Pkw und Vans.
Russlands meistverkaufte Automarken im Zeitraum Januar bis November 2012 (in Stück)
Marke Jan.-Nov. 2012 Jan.-Nov. 2011 Veränderung Jan.-Nov. 2012 / Jan.-Nov. 2011 (in %)
Lada 494.271 535.215 -8
Chevrolet 189.227 157.064 20
Renault 172.610 139.993 23
Kia 172.578 142.196 21
Hyundai 161.441 146.981 10
Volkswagen 151.392 104.227 45
Nissan 142.070 122.425 16
Toyota 140.291 105.530 33
Ford 116.648 104.831 11
Skoda 89.072 65.187 37
Quelle: Association of European Businesses (AEB)

Der größte russische Automobilhersteller, AwtoWAZ, rechnet damit, dass sich 2013 für rund 3 Mio. Neuwagen ein Käufer in Russland findet. Laut PricewaterhouseCoopers liegt das Durchschnittsalter des russischen Fuhrparks bei 12 Jahren, ein Drittel ist älter als 15 Jahre. Das Potenzial für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren ist somit gegeben.

Im Rahmen des WTO-Beitritts von Russland werden die Einfuhrzölle auf neue Pkw schrittweise von zurzeit 25% auf 15% sinken. Aber künftig soll für importierte Pkw - neben dem im WTO-Verhandlungsmarathon festgezurrten Zollsatz - auch eine Abwrackgebühr von 24.000 bis 596.000 Rubel (615 bis 15.266 Euro) pro Fahrzeug fällig werden. Das dürfte die Abgabenlast auf Importfahrzeuge weitestgehend stabil halten und ist ein weiterer Anreiz für die Lokalisierung der Produktion in Russland. Allerdings hat sich die WTO vorbehalten, ein Verfahren gegen Russland wegen der Abwrackgebühr anzustrengen, sollte eine Prüfung ergeben, dass diese nicht mit WTO-Richtlinien vereinbar ist.

Russland wird zudem die Subventionen für die Automobilindustrie beibehalten. Bis 2020 erhöht sich die Finanzierung der Kfz-Industrie aus dem Staatsbudget sogar, betonte Denis Manturow, Minister für Industrie und Handel der Russischen Föderation. Allein die für die Unternehmen vorgesehene Kompensation der Einnahmeausfälle, die von höheren Importzöllen für Kfz-Teile verursacht werden, wird rund 7 Mrd. US$ für die Jahre 2018, 2019 und 2020 betragen. Außerdem werden alle Subventionen beibehalten, die als Kompensation für Zinsen auf Kredite, die zur technischen Umrüstung der Unternehmen aufgenommen wurden, gedacht sind.

Produktion von Kfz

Die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ist im Zeitraum Januar bis Oktober 2012 um 13,5% auf 1.621.600 Stück gestiegen. Dabei sank der Ausstoß von Modellen russischer Marken um 6,4% auf 527.800 Stück, während der Ausstoß von Modellen ausländischer Marken um 26,6% auf 1.093.800 Stück zulegte. Im Gesamtjahr 2012 hat der Ausstoß um circa 10% zugenommen, schätzt das Ministerium für Industrie und Handel.
Produktion von Kraftfahrzeugen in Russland von Januar bis Oktober 2012

Produzierte Stückzahl Veränderung Jan.-Okt. 2012 / Jan.-Okt. 2011 (in %)
Kraftfahrzeuge, insgesamt 1.826.500 +12,7
Pkw und leichte Nutzfahrzeuge 1.621.600 +13,5
Lastkraftwagen 170.000 +0,9
Autobusse 45.400 +39,2
Absatz im Zeitraum Januar bis Oktober 2012: +13% auf 2.441.663 Mio. Stück
Quelle: ASM-Holding

Die Allianz AwtoWAZ-Renault-Nissan investiert weiter in die Modernisierung ihrer Automobilwerke in Togliatti (60 Mrd. Rubel) und Ishewsk (10 Mrd. Rubel), um Qualität und Geschwindigkeit in der Produktion zu steigern. Beispielsweise wurden für die Montage des Lada "Granta" bei IshAwto neue Manipulatoren der italienischen Firma Dalmec angeschafft. Außerdem drängt AwtoWAZ gegenüber seinen Zulieferern auf eine bessere Qualität der Kfz-Teile. Zusammen mit seinen französischen und japanischen Partnern will AwtoWAZ bis zum Jahr 2017 die Produktionsvolumina auf 1,2 Mio. Fahrzeuge steigern. Gleichzeitig orientiert sich AwtoWAZ in Richtung Zukunft. Der Konzern begann im Dezember 2012 mit der Kleinserienproduktion des Elektroautos "El Lada". Die ersten 100 Elektromobile sollen bald als Taxis in der südrussischen Region Krasnodar fahren. Außerdem wird AwtoWAZ im Auftrag der russischen Regierung ein Hybrid-Automobil entwickeln (Auftragswert: 500 Mio. Rubel / 12,7 Mio. Euro). Die ersten Testfahrzeuge sollen 2014 vorgestellt werden.

Die Allianz Renault-Nissan, die bereits 25% der Aktien an AwtoWAZ besitzt, will am 12. Dezember 2012 die Übernahme der Mehrheit am größten russischen Pkw-Hersteller vertraglich besiegeln. Renault-Nissan will gemeinsam mit Rostechnologii ein Joint Venture gründen, das bis 2014 rund 74,5% der AwtoWAZ-Aktien konsolidieren soll. Renault und Nissan haben zugesagt, bis 2014 etappenweise 300 Mio. US$ beziehungsweise 450 Mio. US$ in das Joint Venture zu investieren. Im Juli 2012 erhielt die OAO AwtoWAZ einen Kredit in Höhe von 52,07 Mio. Euro (Laufzeit bis 1. Dezember 2023) von Renault.

GM-AwtoWAZ plant über seine Tochterfirma OOO JV Systems ein neues Werk für die Montage des Geländewagens Chevrolet Niva auf dem Territorium der Sonderwirtschaftszone Togliatti zu errichten. Bis Ende 2015 sollen ein Press- und Karosseriewerk, ein Engineeringlabor und ein Logistikzentrum entstehen. Das gesamte Investitionsvolumen des Projekts beläuft sich auf 6,2 Mrd. Rubel (153,6 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten 2012 hat GM-AwtoWAZ 46.076 Chevrolet Niva produziert, um 16,6% mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Volkswagen will bis 2018 unter die Top-3 Automobil-Produzenten in Russland aufsteigen. Dabei setzt es nicht nur auf sein Werk in Kaluga, sondern lässt Skoda-Modelle auch bei der GAZ Gruppe in Nishni Nowgorod fertigen. Die CKD-Montage des Skoda "Yeti" startete dort am 6. Dezember 2012. Im Frühjahr 2013 beginnt GAZ mit der Montage des VW-Modells "Jetta" und im Sommer 2013 mit dem Bau des neuen Skoda "Octavia". Im Werk Kaluga laufen zurzeit der aktuelle Skoda "Octavia" und der "Fabia" vom Band. Ab Frühjahr 2014 ist darüber hinaus die Fertigung des neuen Skoda "Rapid" für den russischen Markt geplant. In den kommenden drei Jahren plant Volkswagen Investitionen in Höhe von 840 Mio. Euro, davon fließen 250 Mio. Euro in das neue Motorenwerk.

Das Gemeinschaftsunternehmen PSMA Peugeot-Citroen und Mitsubishi hat im Juli 2012 in seinem Werk in Kaluga erstmals im vollen Produktionszyklus (CKD-Montage) gearbeitet. Das erste Modell war der Peugeot 408; im November 2012 folgte der Mitsubishi "Outlander"; im März 2013 soll der Citroën C4 L und im Juli 2013 der Mitsubishi "Pajero Sport" dazukommen. Bis 2015 soll das Werk auf eine Kapazität von 125.000 Fahrzeugen pro Jahr erweitert werden.

Ford Sollers will die im Werk Elabuga laufende SKD-Montage der Modelle Ford "Explorer" und "Kuga" ab 2013 auf CKD-Montage umstellen. Dies hat Ted Cannis, Präsident und CEO von Ford Sollers, der russischen Wirtschaftszeitung Wjedomosti gegenüber erklärt. In Elabuga werden die Modelle Transit (seit Anfang 2012) sowie Explorer, Kuga, S-Max und Galaxy (seit Sommer 2012) montiert. In den ersten neun Monaten 2012 wurden rund 12.000 Fahrzeuge zusammengebaut, davon mehr als die Hälfte vom Modell "Transit".

Nissan (Japan) will zusätzlich 167 Mio. Euro in sein Werk in Sankt Petersburg stecken und dessen Gesamtfläche um 71.000 qm erweitern. Die Produktionskapazitäten sollen bis Ende 2014 verdoppelt und künftig fünf Modelle in der Ostseemetropole gefertigt werden - zwei mehr als heute. Den Auftrag hat das Bauunternehmen SAO EtalonPromstroj (Tochterfirma des Developers Etalon Group) erhalten.

Bei der Finanzierung des geplanten Werks von Fiat-Chrysler in Sankt Petersburg kommt es zu Verzögerungen. Das liege allerdings nur an technischen Fragen, so Sberbank-Chef German Gref. Die Sberbank wird 20% an der Gemeinschaftsfirma halten, die Italiener die Mehrheit. In dem Werk sollen jährlich 120.000 Automobile vom Fließband laufen. Die Investitionskosten werden auf 32 Mrd. Rubel (über 800 Mio. Euro) beziffert.

Die russische OOO Awtotor Holding und Magna International Europe AG haben ein Abkommen über die Zusammenarbeit bei der Gründung eines Automobilclusters im Gebiet Kaliningrad unterzeichnet. Im Automobilcluster Kaliningrad sollen zunächst 250.000, später sogar 350.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden. Bis 2020 sollen sechs Automobilmontagewerke (CKD) und 15 Komponentenhersteller vor Ort angesiedelt werden. Das Großvorhaben umfasst auch den Bau von 50.000 Wohnungen für Mitarbeiter und eines Containerterminals in Kaliningrad. Um die Pläne zu realisieren, sind Investitionen von 2,5 Mrd. Euro für den industriellen Teil und 500 Mrd. Euro für den zivilen Teil notwendig. Rund 80% sollen die Automobilschmieden beisteuern, den Rest solle der russische Staat aufbringen, meint Wladimir Scherbakow, Leiter von Awtotor in Kaliningrad.

Einer der Auftraggeber von Awtotor ist BMW. Der deutsche Premiumhersteller möchte die Produktion in Russland ausbauen und erwägt eine CKD-Montage, sobald der Absatz 30.000 Fahrzeuge pro Jahr übersteigt. Künftig sollen 50.000 BMW (Zwei-Schicht-Betrieb) in Russland vom Band rollen. Der Anteil lokal gefertigter Komponenten soll 48% betragen. Die Investition wird auf 350 Mio. Euro beziffert.

Der chinesische Autokonzern Lifan sucht nach einem geeigneten Produktionsstandort in Russland. Im Gespräch sind die Regionen Jaroslawl und Kaluga. Geplant ist ein Werk für 50.000 Automobile pro Jahr. Die Investitionen sollen sich auf 200 Mio. US$ belaufen, heißt es in der Wirtschaftszeitung Rbk daily. Als Partner von Lifan könnte sich auch der chinesische Hersteller Haima am Projekt beteiligen. Bislang werden chinesische Automobile der Marken Lifan, Haima und Geely bei der OAO Awtomobilnaja Kompanija Derways in Tscherkessk montiert.

Mazda hat vor, in seinem russischen Joint Venture OOO Mazda Sollers Manufacturing Rus in Wladiwostok ein spezielles Automodell für den russischen Markt zu bauen. "Wir haben Pläne zur Produktion eines speziell auf Russland zugeschnittenen Modells oder einer Modellversion im Werk in Wladiwostok", sagte Takashi Yamanouchi, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Mazda, in einem Interview mit der russischen Zeitschrift Expert. Die besonders zukunftsträchtigen Segmente des russischen Marktes seien Stufenheckmodelle im C-Segment und Crossover-Modelle. Mazda Sollers hat 2012 die Serienmontage des Mazda CX-5 aufgenommen; 2013 wird der Mazda 6 hinzukommen.
Investitionspläne der Automobilhersteller in Russland
Konzern / Allianz Produktionsstätte(n) Geplante Kapazitäten Investitionssumme Zeitplan
Allianz AwtoWAZ / Renault-Nissan Togliatti, Ishewsk, Moskau über 1 Mio. Fahrzeuge rund 1,75 Mrd. Euro Investitionsprogramm bis 2020; Motorenmontage ab 2012
Ford / Sollers Sankt Petersburg 300.000 1,2 Mrd. US$ Investitionsprogramm 2011 bis 2015
Volkswagen / GAZ Kaluga, Nischni Nowgorod 300.000 bis 310.000 900 Mio. US$ Investitionsprogramm 2011 bis 2015, Bau eines Motorenwerks bei Kaluga
General Motors Sankt Petersburg, Togliatti 350.000 (bis 2015) 1,0 Mrd. US$ (2012 bis 2015) Investitionsprogramm 2011 bis 2015
Awtotor / Magna *) Kaliningrad 350.000 2,5 Mrd. Euro Bau eines Werks in Jaroslawl oder Kaluga
Fiat - Chrysler (Sberbank 20%) Sankt Petersburg (Puschkino) 120.000 850 Mio. Euro Neubau eines Montagewerks
Lifan (VR China)
50.000 200 Mio. US$ Bau eines Werks in Jaroslawl oder Kaluga
Nissan Sankt Petersburg
167 Mio. Euro Erweiterung des Werks, Verdopplung der Produktionskapazität
Toyota Sankt Petersburg
70 Mio. Euro Investitionsprogramm 2012 bis 2014, Karosseriepresse, Anlage für Kunststoffteile
*) Montage von BMW, Kia, Hyundai, Chevrolet, Cadillac, Opel, Land Rover, Subaru u.a.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Im Moskauer Autowerk ZIL wird im 1. Quartal 2013 die SKD-Montage von leichten Nutzfahrzeugen der Marke Hyundai beginnen. Im 1. Halbjahr 2015 soll zur CKD-Montage übergegangen werden. Die ersten Pilotfahrzeuge wurden bereits gefertigt. Die Moskauer Stadtregierung, der das Werk gehört, verhandelt auch mit Fiat und Renault über die Montage einiger ihrer Fahrzeugmodelle bei ZIL.

Die Gruppe GAZ eröffnete gemeinsam mit ihrem Partner Mersa Otomotiv Anfang Dezember 2012 eine Montage von leichten Nutzfahrzeugen (GAZel-Business und Sobol-Business) in der Provinz Sakarya der Türkei. Für den Anfang sollen 2.500 Kleinbusse pro Jahr produziert werden - eine Anzahl, die ab 2014 auf 3.700 pro Jahr gesteigert werden soll. Geplant ist, ab Ende 2013 auch den mittelschweren Stadt-Lkw "Waldai" zusammenzubauen.

Investitionsprojekte von Kfz-Zulieferern

Aleksei Rachmanow, Vize-Industrieminister und zuständig für den Automobilsektor, glaubt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 5 Mrd. US$ in den Aufbau von Kfz-Zulieferstrukturen fließen werden. Gemeint sind alle Bereiche der Kfz-Teileproduktion - von Motoren und Getrieben über Stahlteile bis hin zu Armaturen.

Zumindest bei der Motorenproduktion wird Rachmanow Recht behalten. Volkswagen beabsichtigt, ein Werk für 600 Motoren pro Tag im Gebiet Kaluga zu errichten. Diese Fabrik und ein großer Logistikkomplex dürften 230 Mio. Euro kosten, meldete die Nachrichtenagentur Prime.

Auch ContiTech siedelt sich im Gebiet Kaluga an. Das Unternehmen kündigte an, in ein Werk zur Herstellung von Leitungen für Autoklimaanlagen und für die Hydraulik des Lenksystems (Servolenkung) 13 Mio. Euro zu investieren. Mit der Errichtung der 4.800 qm großen Produktionshalle neben dem Reifenwerk von Continental soll im Februar 2013 begonnen werden, die Inbetriebnahme im Dezember 2013 erfolgen. Hauptabnehmer der Erzeugnisse wird die Allianz Renault-Nissan - AwtoWAZ sein.

Der Autozulieferer Mahle will in Obninsk im Norden des Gebiets Kaluga ein 10.000 qm großes Versandzentrum für den Ersatzteilhandel in Russland und Belarus errichten. Der Baubeginn ist für 2013, die Inbetriebnahme für Anfang 2014 vorgesehen. Zu einem späteren Zeitpunkt können dort auch Produktionseinheiten von Mahle angesiedelt werden, denn das Grundstück ist insgesamt 50.000 qm groß.

Die Bosch-Gruppe plant, einen weiteren Fertigungsstandort für Kraftfahrzeugtechnik in Samara aufzubauen (neben dem Betrieb in Engels). Bis 2015 will Bosch rund 40 Mio. Euro in das neue Werk investieren. Dort entstehen Gebäude mit einer Gesamtfläche von rund 15.000 qm für Produktion, Verwaltung, Logistik und Energieversorgung. Das gesamte Grundstück weist eine Fläche von rund 200.000 qm auf. Die Bauarbeiten sollen im 1. Halbjahr 2013 beginnen. Mehr als 500 Mitarbeiter will Bosch bis Ende 2017 in Samara beschäftigen. Das Unternehmen beabsichtigt, am neuen Standort die drei Geschäftsbereiche Starter Motors and Generators, Chassis Systems und Diesel Systems anzusiedeln. Es sollen hauptsächlich Antiblockiersysteme und Generatoren gefertigt werden, später auch Starter und Common Rail Injektoren für Nutzfahrzeuge. "Russland ist für Bosch ein wichtiger Wachstumsmarkt", sagte Gerhard Pfeifer, Generaldirektor der russischen Tochtergesellschaft von Bosch. "Zudem können wir von Samara aus unsere lokalen Kunden optimal bedienen."

Der deutsche Kfz-Zulieferer Saargummi beginnt, ein Werk zur Produktion von Dichtungsgummis im Gebiet Jaroslawl zu bauen. Die Investitionen werden 15 Mio. bis 17 Mio. Euro betragen. Der Ausbau erfolgt schrittweise und soll 2017 abgeschlossen sein. Das Unternehmen besitzt bereits einen Betrieb in Nishni Nowgorod.
In Lyskowo im Gebiet Nishni Nowgorod will das polnische Unternehmen Boryszew S.A. im 2. Quartal 2013 mit der Produktion von Komponenten beginnen. Die Teile sind für die OOO Volkswagen Group Rus bestimmt. Laut Piotr Szeliga, dem Vorstandsvorsitzenden von Boryszew, beträgt der aktuelle Wert der Aufträge von Volkswagen rund 20 Mio. Euro. Die russische Firma OOO Boryszw Plastic Rus gehört zu 100% der deutschen Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH, die wiederum eine Tochterfirma des polnischen Mutterunternehmens ist.

Der Herzogenauracher Automobilzulieferer Schaeffler wird seinen ersten Produktionsstandort in Russland auf dem Territorium des Industrieparks "Zawolshje" im Gebiet Uljanowsk errichten. Mit dem Bau des Werks soll Anfang 2013 begonnen werden. Der Produktionsstart ist für 2014 geplant. Für etwa 49 Mio. Euro werden in den nächsten fünf Jahren 450 Arbeitsplätze geschaffen. Neben Kfz-Teilen wie Nabenlagern für Pkw und Lkw, Kupplungen, Motorkomponenten und Teile für den Zahnriemenantrieb, soll das Werk auch Komponenten für die Bahnindustrie fertigen.

Flaig+Hommel (Deutschland) will sich im Industriepark des Zawolshsker Motorenwerks (ZMZ) im Gebiet Nishni Nowgorod ansiedeln. ZMZ, das von Sollers kontrolliert wird, räumt nicht mehr genutzte Flächen frei und bietet sie anderen Kfz-Teileherstellern zur Niederlassung an. Wadim Schwezow, Generaldirektor von Sollers, hat den weiteren Ausbau des Industrieparks auf dem Gelände von ZMZ angekündigt. "Wir wollen ausländische Firmen an unseren Standort locken, aber auch eigene Kompetenzen bei der Produktion von Aluminiumgussteilen und bei der mechanischen Bearbeitung entwickeln." ZMZ plant, seine Produktion von 80.700 (2011) auf 100.000 Motoren zu steigern. Aktuell sind auf dem ZMZ-Gelände Daido Metall Rus, Leoni und Trelleborg Automotive tätig. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Wedomosti will Schwezow in den kommenden zwei bis drei Jahren weitere 20 bis 25 Firmen im Industriepark ansiedeln.

Der Felgenhersteller OOO MW Evrodisk (Wsewoloshsk, Leningrader Gebiet) will seine Produktionskapazitäten auf 3,5 Mio. Stück pro Jahr verdoppeln. Zu diesem Zweck investiert das Unternehmen in eine zweite Presslinie für 5 Mio. Euro.
Das serbische Unternehmen Farmakom MB, zu dem der Batteriehersteller Fabrika Akumulatora Sombor A.D. gehört, plant den Bau eines Werks zur Produktion von Batterien im Industriepark Ljudinowo des Gebiets Kaluga (Investition: 80 Mio. Euro). Jährlich sollen 5 Millionen Batterien für Pkw und Lkw hergestellt werden.

Der türkische Zulieferer Teklas startete im November 2012 mit der Serienproduktion von Gummiteilen im neuen Werk in der Stadt Wolzhsk im Süden der Republik Mari El. Teklas wird in Wolzhsk Teile für Kühlsysteme, Bremsschläuche und Antivibrationselemente herstellen. Erste Kunden sind AwtoWAZ und GM-AwtoWAZ. Teklas hat sogar bereits einen Vertrag mit der japanischen Mitsuba Corporation über die Errichtung eines Teilewerks ebenfalls in Wolzhsk unterzeichnet. "Unsere Partner von Teklas haben uns nach Russland eingeladen", sagte Mitsuba-CEO Noboru Hino. Die Produktion soll 2014 beginnen.

Der russische Kfz-Teilehersteller Awtokomponent baut ein Werk in Togliatti. Dort sollen Kunststoffteile für die Innenausstattung der Pkw-Modelle Lada Priora, Niva, Kalina, Granta und Largus hergestellt werden. Die Investition beträgt 900 Mio. Rubel.
Drei weitere Kfz-Zulieferer wollen sich ebenfalls auf dem Gelände der Sonderwirtschaftszone Togliatti ansiedeln. Dabei handelt es sich um die türkische Orhan Holding, um Hi-Lex Rus (die russische Tochterfirma der japanischen Hi-Lex Corporation) und um OOO Atsumitec Toyota Tsusho Rus (Joint Venture von Toyota Tsusho und Atsumitec), berichtete die Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Diese Unternehmen haben angekündigt, zusammen rund 2,5 Mrd. Rubel zu investieren und 660 Arbeitsplätze zu schaffen. Damit ist die Zahl der Firmen, die sich in der Sonderwirtschaftszone Togliatti niedergelassen haben, auf elf gestiegen.

SAO WAZinterservice (Russland) und EXEDY Corporation (Japan) planen die Gründung eines Joint Venture zur Produktion von Kupplungen. Laut Michail Kutschinskij, Generaldirektor der Gruppe Objedinennyje Awtomobilnyje Technologii (OAT), soll die Produktion der Kupplungen für AwtoWAZ und den Ersatzteilmarkt ab 2013 beginnen.
AwtoWAZ will zukünftig bei adhäsiven und abrasiven Materialien für die Automobilproduktion stärker mit 3M zusammenarbeiten. Petr Korotkow, Direktor der Filiale Nord-West von 3M Russia, erklärte Anfang Dezember 2012, dass sein Unternehmen die Produktion im Werk Wolokolamsk (Moskauer Gebiet) für 235 Mio. Rubel ausgebaut hat und weitere 125 Mio. Rubel investieren wolle. Außerdem wurde entschieden, ein weiteres Werk in der Sonderwirtschaftszone Alabuga (Republik Tatarstan) zu errichten.

Die Coskunöz Holding (Türkei) beabsichtigt, ein Werk zur Produktion von Metallteilen in der Sonderwirtschaftszone Alabuga (Republik Tatarstan) zu bauen. Hauptabnehmer wird die OOO Ford Sollers Holding sein.
(E.W./H.B.)


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