Absatz steigt 2012 auf Rekordwert / Kfz-Hersteller und -Zulieferer investieren in neue Werke in Russland / Von Edda Wolf und Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Der Kfz-Markt zählt zu den Zugpferden der russischen
Wirtschaft. Im Jahr 2012 hat der Absatz die neue Rekordmarke von rund
2,9 Mio. Pkw und leichten Nutzfahrzeugen erreicht. Im Rahmen des
Beitritts der Russischen Föderation zur Welthandelsorganisation werden
die Einfuhrzölle auf Kraftfahrzeuge zwar schrittweise auf 15% sinken.
Aber künftig soll für importierte Pkw auch eine Abwrackgebühr erhoben
werden. Das fördert den Trend zu Investitionen in Produktionskapazitäten
innerhalb Russlands.
Absatzmarkt für Automobile
Der Verkauf von neuen Pkw und
leichten Nutzfahrzeugen ist im Zeitraum Januar bis November 2012 um 12%
auf 2.681.985 Stück gestiegen. Jörg Schreiber, Vorsitzender des Komitees
der Automobilproduzenten bei der Association of European Businesses
(AEB), schätzt den Absatz im Gesamtjahr 2012 auf rund 2,9 Mio.
Fahrzeuge. Im 2. Halbjahr fiel das Wachstum allerdings wesentlich
schwächer aus als im 1. Halbjahr.
Entwicklung des russischen Pkw-Marktes (in 1.000 Stück)
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | Jan.-Nov. 2012 | Veränderung Jan.-Nov. 2012 / Jan.-Nov. 2011 in % | |
| Absatzzahlen | 2.771 | 1.466 | 1.911 | 2.650 | 2.682 | +12 |
Quelle: Association of European Businesses
Erstmals
liegt die Volkswagen Gruppe mit den Marken Volkswagen, Audi, Skoda,
Seat und Volkswagen Nutzfahrzeuge bei den Absatzzahlen auf dem 2. Platz
hinter dem Spitzenreiter AwtoWAZ-Renault-Nissan. Von Januar bis November
2012 verkaufte die Volkswagen Gruppe in Russland 288.603 Fahrzeuge und
erzielte damit ein Plus von 42%. Bis Ende des Jahres sollen es 300.000
bis 315.000 Fahrzeuge sein, rund 38% mehr als 2011. Besonders
erfolgreich waren die Marken VW-Pkw und Skoda aus Tschechien im
russischen Markt unterwegs: Ihre Verkäufe stiegen von Januar bis
November 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45% auf 151.392
Fahrzeuge beziehungsweise um 37% auf 89.072 Fahrzeuge. Das ist ein neuer
Absatzrekord für die ersten zehn Monate. Skoda wuchs dabei fast dreimal
so stark wie der Gesamtmarkt. Damit setzt das Unternehmen die
erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre eindrucksvoll fort: Von
2005 bis 2011 konnte Skoda den Absatz in Russland nahezu verzehnfachen
von 7.500 auf 74.100 Pkw pro Jahr.
Auch die deutschen
Premiummarken konnten in den ersten elf Monaten 2012 stark zulegen.
Porsche verkaufte mit 3.374 Stück um 61% mehr Pkw, BMW mit 35.571 um 32%
mehr BMW und Mini, Mercedes-Benz mit 37.246 Stück um 29% mehr Pkw und
Vans.
Russlands meistverkaufte Automarken im Zeitraum Januar bis November 2012 (in Stück)
| Marke | Jan.-Nov. 2012 | Jan.-Nov. 2011 | Veränderung Jan.-Nov. 2012 / Jan.-Nov. 2011 (in %) |
| Lada | 494.271 | 535.215 | -8 |
| Chevrolet | 189.227 | 157.064 | 20 |
| Renault | 172.610 | 139.993 | 23 |
| Kia | 172.578 | 142.196 | 21 |
| Hyundai | 161.441 | 146.981 | 10 |
| Volkswagen | 151.392 | 104.227 | 45 |
| Nissan | 142.070 | 122.425 | 16 |
| Toyota | 140.291 | 105.530 | 33 |
| Ford | 116.648 | 104.831 | 11 |
| Skoda | 89.072 | 65.187 | 37 |
Quelle: Association of European Businesses (AEB)
Der
größte russische Automobilhersteller, AwtoWAZ, rechnet damit, dass sich
2013 für rund 3 Mio. Neuwagen ein Käufer in Russland findet. Laut
PricewaterhouseCoopers liegt das Durchschnittsalter des russischen
Fuhrparks bei 12 Jahren, ein Drittel ist älter als 15 Jahre. Das
Potenzial für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren ist somit
gegeben.
Im Rahmen des WTO-Beitritts von Russland werden die
Einfuhrzölle auf neue Pkw schrittweise von zurzeit 25% auf 15% sinken.
Aber künftig soll für importierte Pkw - neben dem im
WTO-Verhandlungsmarathon festgezurrten Zollsatz - auch eine
Abwrackgebühr von 24.000 bis 596.000 Rubel (615 bis 15.266 Euro) pro
Fahrzeug fällig werden. Das dürfte die Abgabenlast auf Importfahrzeuge
weitestgehend stabil halten und ist ein weiterer Anreiz für die
Lokalisierung der Produktion in Russland. Allerdings hat sich die WTO
vorbehalten, ein Verfahren gegen Russland wegen der Abwrackgebühr
anzustrengen, sollte eine Prüfung ergeben, dass diese nicht mit
WTO-Richtlinien vereinbar ist.
Russland wird zudem die
Subventionen für die Automobilindustrie beibehalten. Bis 2020 erhöht
sich die Finanzierung der Kfz-Industrie aus dem Staatsbudget sogar,
betonte Denis Manturow, Minister für Industrie und Handel der Russischen
Föderation. Allein die für die Unternehmen vorgesehene Kompensation der
Einnahmeausfälle, die von höheren Importzöllen für Kfz-Teile verursacht
werden, wird rund 7 Mrd. US$ für die Jahre 2018, 2019 und 2020
betragen. Außerdem werden alle Subventionen beibehalten, die als
Kompensation für Zinsen auf Kredite, die zur technischen Umrüstung der
Unternehmen aufgenommen wurden, gedacht sind.
Produktion von Kfz
Die
Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ist im Zeitraum Januar
bis Oktober 2012 um 13,5% auf 1.621.600 Stück gestiegen. Dabei sank der
Ausstoß von Modellen russischer Marken um 6,4% auf 527.800 Stück,
während der Ausstoß von Modellen ausländischer Marken um 26,6% auf
1.093.800 Stück zulegte. Im Gesamtjahr 2012 hat der Ausstoß um circa 10%
zugenommen, schätzt das Ministerium für Industrie und Handel.
Produktion von Kraftfahrzeugen in Russland von Januar bis Oktober 2012
| Produzierte Stückzahl | Veränderung Jan.-Okt. 2012 / Jan.-Okt. 2011 (in %) | |
| Kraftfahrzeuge, insgesamt | 1.826.500 | +12,7 |
| Pkw und leichte Nutzfahrzeuge | 1.621.600 | +13,5 |
| Lastkraftwagen | 170.000 | +0,9 |
| Autobusse | 45.400 | +39,2 |
Absatz im Zeitraum Januar bis Oktober 2012: +13% auf 2.441.663 Mio. Stück
Quelle: ASM-Holding
Die
Allianz AwtoWAZ-Renault-Nissan investiert weiter in die Modernisierung
ihrer Automobilwerke in Togliatti (60 Mrd. Rubel) und Ishewsk (10 Mrd.
Rubel), um Qualität und Geschwindigkeit in der Produktion zu steigern.
Beispielsweise wurden für die Montage des Lada "Granta" bei IshAwto neue
Manipulatoren der italienischen Firma Dalmec angeschafft. Außerdem
drängt AwtoWAZ gegenüber seinen Zulieferern auf eine bessere Qualität
der Kfz-Teile. Zusammen mit seinen französischen und japanischen
Partnern will AwtoWAZ bis zum Jahr 2017 die Produktionsvolumina auf 1,2
Mio. Fahrzeuge steigern. Gleichzeitig orientiert sich AwtoWAZ in
Richtung Zukunft. Der Konzern begann im Dezember 2012 mit der
Kleinserienproduktion des Elektroautos "El Lada". Die ersten 100
Elektromobile sollen bald als Taxis in der südrussischen Region
Krasnodar fahren. Außerdem wird AwtoWAZ im Auftrag der russischen
Regierung ein Hybrid-Automobil entwickeln (Auftragswert: 500 Mio. Rubel /
12,7 Mio. Euro). Die ersten Testfahrzeuge sollen 2014 vorgestellt
werden.
Die Allianz Renault-Nissan, die bereits 25% der Aktien an
AwtoWAZ besitzt, will am 12. Dezember 2012 die Übernahme der Mehrheit am
größten russischen Pkw-Hersteller vertraglich besiegeln. Renault-Nissan
will gemeinsam mit Rostechnologii ein Joint Venture gründen, das bis
2014 rund 74,5% der AwtoWAZ-Aktien konsolidieren soll. Renault und
Nissan haben zugesagt, bis 2014 etappenweise 300 Mio. US$
beziehungsweise 450 Mio. US$ in das Joint Venture zu investieren. Im
Juli 2012 erhielt die OAO AwtoWAZ einen Kredit in Höhe von 52,07 Mio.
Euro (Laufzeit bis 1. Dezember 2023) von Renault.
GM-AwtoWAZ plant
über seine Tochterfirma OOO JV Systems ein neues Werk für die Montage
des Geländewagens Chevrolet Niva auf dem Territorium der
Sonderwirtschaftszone Togliatti zu errichten. Bis Ende 2015 sollen ein
Press- und Karosseriewerk, ein Engineeringlabor und ein Logistikzentrum
entstehen. Das gesamte Investitionsvolumen des Projekts beläuft sich auf
6,2 Mrd. Rubel (153,6 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten 2012 hat
GM-AwtoWAZ 46.076 Chevrolet Niva produziert, um 16,6% mehr als im
gleichen Vorjahreszeitraum.
Volkswagen will bis 2018 unter die
Top-3 Automobil-Produzenten in Russland aufsteigen. Dabei setzt es nicht
nur auf sein Werk in Kaluga, sondern lässt Skoda-Modelle auch bei der
GAZ Gruppe in Nishni Nowgorod fertigen. Die CKD-Montage des Skoda "Yeti"
startete dort am 6. Dezember 2012. Im Frühjahr 2013 beginnt GAZ mit der
Montage des VW-Modells "Jetta" und im Sommer 2013 mit dem Bau des neuen
Skoda "Octavia". Im Werk Kaluga laufen zurzeit der aktuelle Skoda
"Octavia" und der "Fabia" vom Band. Ab Frühjahr 2014 ist darüber hinaus
die Fertigung des neuen Skoda "Rapid" für den russischen Markt geplant.
In den kommenden drei Jahren plant Volkswagen Investitionen in Höhe von
840 Mio. Euro, davon fließen 250 Mio. Euro in das neue Motorenwerk.
Das
Gemeinschaftsunternehmen PSMA Peugeot-Citroen und Mitsubishi hat im
Juli 2012 in seinem Werk in Kaluga erstmals im vollen Produktionszyklus
(CKD-Montage) gearbeitet. Das erste Modell war der Peugeot 408; im
November 2012 folgte der Mitsubishi "Outlander"; im März 2013 soll der
Citroën C4 L und im Juli 2013 der Mitsubishi "Pajero Sport" dazukommen.
Bis 2015 soll das Werk auf eine Kapazität von 125.000 Fahrzeugen pro
Jahr erweitert werden.
Ford Sollers will die im Werk Elabuga
laufende SKD-Montage der Modelle Ford "Explorer" und "Kuga" ab 2013 auf
CKD-Montage umstellen. Dies hat Ted Cannis, Präsident und CEO von Ford
Sollers, der russischen Wirtschaftszeitung Wjedomosti gegenüber erklärt.
In Elabuga werden die Modelle Transit (seit Anfang 2012) sowie
Explorer, Kuga, S-Max und Galaxy (seit Sommer 2012) montiert. In den
ersten neun Monaten 2012 wurden rund 12.000 Fahrzeuge zusammengebaut,
davon mehr als die Hälfte vom Modell "Transit".
Nissan (Japan)
will zusätzlich 167 Mio. Euro in sein Werk in Sankt Petersburg stecken
und dessen Gesamtfläche um 71.000 qm erweitern. Die
Produktionskapazitäten sollen bis Ende 2014 verdoppelt und künftig fünf
Modelle in der Ostseemetropole gefertigt werden - zwei mehr als heute.
Den Auftrag hat das Bauunternehmen SAO EtalonPromstroj (Tochterfirma des
Developers Etalon Group) erhalten.
Bei der Finanzierung des
geplanten Werks von Fiat-Chrysler in Sankt Petersburg kommt es zu
Verzögerungen. Das liege allerdings nur an technischen Fragen, so
Sberbank-Chef German Gref. Die Sberbank wird 20% an der
Gemeinschaftsfirma halten, die Italiener die Mehrheit. In dem Werk
sollen jährlich 120.000 Automobile vom Fließband laufen. Die
Investitionskosten werden auf 32 Mrd. Rubel (über 800 Mio. Euro)
beziffert.
Die russische OOO Awtotor Holding und Magna
International Europe AG haben ein Abkommen über die Zusammenarbeit bei
der Gründung eines Automobilclusters im Gebiet Kaliningrad
unterzeichnet. Im Automobilcluster Kaliningrad sollen zunächst 250.000,
später sogar 350.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden. Bis 2020 sollen
sechs Automobilmontagewerke (CKD) und 15 Komponentenhersteller vor Ort
angesiedelt werden. Das Großvorhaben umfasst auch den Bau von 50.000
Wohnungen für Mitarbeiter und eines Containerterminals in Kaliningrad.
Um die Pläne zu realisieren, sind Investitionen von 2,5 Mrd. Euro für
den industriellen Teil und 500 Mrd. Euro für den zivilen Teil notwendig.
Rund 80% sollen die Automobilschmieden beisteuern, den Rest solle der
russische Staat aufbringen, meint Wladimir Scherbakow, Leiter von
Awtotor in Kaliningrad.
Einer der Auftraggeber von Awtotor ist
BMW. Der deutsche Premiumhersteller möchte die Produktion in Russland
ausbauen und erwägt eine CKD-Montage, sobald der Absatz 30.000 Fahrzeuge
pro Jahr übersteigt. Künftig sollen 50.000 BMW (Zwei-Schicht-Betrieb)
in Russland vom Band rollen. Der Anteil lokal gefertigter Komponenten
soll 48% betragen. Die Investition wird auf 350 Mio. Euro beziffert.
Der
chinesische Autokonzern Lifan sucht nach einem geeigneten
Produktionsstandort in Russland. Im Gespräch sind die Regionen Jaroslawl
und Kaluga. Geplant ist ein Werk für 50.000 Automobile pro Jahr. Die
Investitionen sollen sich auf 200 Mio. US$ belaufen, heißt es in der
Wirtschaftszeitung Rbk daily. Als Partner von Lifan könnte sich auch der
chinesische Hersteller Haima am Projekt beteiligen. Bislang werden
chinesische Automobile der Marken Lifan, Haima und Geely bei der OAO
Awtomobilnaja Kompanija Derways in Tscherkessk montiert.
Mazda hat
vor, in seinem russischen Joint Venture OOO Mazda Sollers Manufacturing
Rus in Wladiwostok ein spezielles Automodell für den russischen Markt
zu bauen. "Wir haben Pläne zur Produktion eines speziell auf Russland
zugeschnittenen Modells oder einer Modellversion im Werk in
Wladiwostok", sagte Takashi Yamanouchi, Präsident und
Vorstandsvorsitzender von Mazda, in einem Interview mit der russischen
Zeitschrift Expert. Die besonders zukunftsträchtigen Segmente des
russischen Marktes seien Stufenheckmodelle im C-Segment und
Crossover-Modelle. Mazda Sollers hat 2012 die Serienmontage des Mazda
CX-5 aufgenommen; 2013 wird der Mazda 6 hinzukommen.
Investitionspläne der Automobilhersteller in Russland
| Konzern / Allianz | Produktionsstätte(n) | Geplante Kapazitäten | Investitionssumme | Zeitplan |
| Allianz AwtoWAZ / Renault-Nissan | Togliatti, Ishewsk, Moskau | über 1 Mio. Fahrzeuge | rund 1,75 Mrd. Euro | Investitionsprogramm bis 2020; Motorenmontage ab 2012 |
| Ford / Sollers | Sankt Petersburg | 300.000 | 1,2 Mrd. US$ | Investitionsprogramm 2011 bis 2015 |
| Volkswagen / GAZ | Kaluga, Nischni Nowgorod | 300.000 bis 310.000 | 900 Mio. US$ | Investitionsprogramm 2011 bis 2015, Bau eines Motorenwerks bei Kaluga |
| General Motors | Sankt Petersburg, Togliatti | 350.000 (bis 2015) | 1,0 Mrd. US$ (2012 bis 2015) | Investitionsprogramm 2011 bis 2015 |
| Awtotor / Magna *) | Kaliningrad | 350.000 | 2,5 Mrd. Euro | Bau eines Werks in Jaroslawl oder Kaluga |
| Fiat - Chrysler (Sberbank 20%) | Sankt Petersburg (Puschkino) | 120.000 | 850 Mio. Euro | Neubau eines Montagewerks |
| Lifan (VR China) | 50.000 | 200 Mio. US$ | Bau eines Werks in Jaroslawl oder Kaluga | |
| Nissan | Sankt Petersburg | 167 Mio. Euro | Erweiterung des Werks, Verdopplung der Produktionskapazität | |
| Toyota | Sankt Petersburg | 70 Mio. Euro | Investitionsprogramm 2012 bis 2014, Karosseriepresse, Anlage für Kunststoffteile |
*) Montage von BMW, Kia, Hyundai, Chevrolet, Cadillac, Opel, Land Rover, Subaru u.a.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest
Im
Moskauer Autowerk ZIL wird im 1. Quartal 2013 die SKD-Montage von
leichten Nutzfahrzeugen der Marke Hyundai beginnen. Im 1. Halbjahr 2015
soll zur CKD-Montage übergegangen werden. Die ersten Pilotfahrzeuge
wurden bereits gefertigt. Die Moskauer Stadtregierung, der das Werk
gehört, verhandelt auch mit Fiat und Renault über die Montage einiger
ihrer Fahrzeugmodelle bei ZIL.
Die Gruppe GAZ eröffnete gemeinsam
mit ihrem Partner Mersa Otomotiv Anfang Dezember 2012 eine Montage von
leichten Nutzfahrzeugen (GAZel-Business und Sobol-Business) in der
Provinz Sakarya der Türkei. Für den Anfang sollen 2.500 Kleinbusse pro
Jahr produziert werden - eine Anzahl, die ab 2014 auf 3.700 pro Jahr
gesteigert werden soll. Geplant ist, ab Ende 2013 auch den
mittelschweren Stadt-Lkw "Waldai" zusammenzubauen.
Investitionsprojekte von Kfz-Zulieferern
Aleksei
Rachmanow, Vize-Industrieminister und zuständig für den
Automobilsektor, glaubt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 5 Mrd. US$ in
den Aufbau von Kfz-Zulieferstrukturen fließen werden. Gemeint sind alle
Bereiche der Kfz-Teileproduktion - von Motoren und Getrieben über
Stahlteile bis hin zu Armaturen.
Zumindest bei der
Motorenproduktion wird Rachmanow Recht behalten. Volkswagen
beabsichtigt, ein Werk für 600 Motoren pro Tag im Gebiet Kaluga zu
errichten. Diese Fabrik und ein großer Logistikkomplex dürften 230 Mio.
Euro kosten, meldete die Nachrichtenagentur Prime.
Auch ContiTech
siedelt sich im Gebiet Kaluga an. Das Unternehmen kündigte an, in ein
Werk zur Herstellung von Leitungen für Autoklimaanlagen und für die
Hydraulik des Lenksystems (Servolenkung) 13 Mio. Euro zu investieren.
Mit der Errichtung der 4.800 qm großen Produktionshalle neben dem
Reifenwerk von Continental soll im Februar 2013 begonnen werden, die
Inbetriebnahme im Dezember 2013 erfolgen. Hauptabnehmer der Erzeugnisse
wird die Allianz Renault-Nissan - AwtoWAZ sein.
Der Autozulieferer
Mahle will in Obninsk im Norden des Gebiets Kaluga ein 10.000 qm großes
Versandzentrum für den Ersatzteilhandel in Russland und Belarus
errichten. Der Baubeginn ist für 2013, die Inbetriebnahme für Anfang
2014 vorgesehen. Zu einem späteren Zeitpunkt können dort auch
Produktionseinheiten von Mahle angesiedelt werden, denn das Grundstück
ist insgesamt 50.000 qm groß.
Die Bosch-Gruppe plant, einen
weiteren Fertigungsstandort für Kraftfahrzeugtechnik in Samara
aufzubauen (neben dem Betrieb in Engels). Bis 2015 will Bosch rund 40
Mio. Euro in das neue Werk investieren. Dort entstehen Gebäude mit einer
Gesamtfläche von rund 15.000 qm für Produktion, Verwaltung, Logistik
und Energieversorgung. Das gesamte Grundstück weist eine Fläche von rund
200.000 qm auf. Die Bauarbeiten sollen im 1. Halbjahr 2013 beginnen.
Mehr als 500 Mitarbeiter will Bosch bis Ende 2017 in Samara
beschäftigen. Das Unternehmen beabsichtigt, am neuen Standort die drei
Geschäftsbereiche Starter Motors and Generators, Chassis Systems und
Diesel Systems anzusiedeln. Es sollen hauptsächlich Antiblockiersysteme
und Generatoren gefertigt werden, später auch Starter und Common Rail
Injektoren für Nutzfahrzeuge. "Russland ist für Bosch ein wichtiger
Wachstumsmarkt", sagte Gerhard Pfeifer, Generaldirektor der russischen
Tochtergesellschaft von Bosch. "Zudem können wir von Samara aus unsere
lokalen Kunden optimal bedienen."
Der deutsche Kfz-Zulieferer
Saargummi beginnt, ein Werk zur Produktion von Dichtungsgummis im Gebiet
Jaroslawl zu bauen. Die Investitionen werden 15 Mio. bis 17 Mio. Euro
betragen. Der Ausbau erfolgt schrittweise und soll 2017 abgeschlossen
sein. Das Unternehmen besitzt bereits einen Betrieb in Nishni Nowgorod.
In
Lyskowo im Gebiet Nishni Nowgorod will das polnische Unternehmen
Boryszew S.A. im 2. Quartal 2013 mit der Produktion von Komponenten
beginnen. Die Teile sind für die OOO Volkswagen Group Rus bestimmt. Laut
Piotr Szeliga, dem Vorstandsvorsitzenden von Boryszew, beträgt der
aktuelle Wert der Aufträge von Volkswagen rund 20 Mio. Euro. Die
russische Firma OOO Boryszw Plastic Rus gehört zu 100% der deutschen
Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH, die wiederum eine
Tochterfirma des polnischen Mutterunternehmens ist.
Der
Herzogenauracher Automobilzulieferer Schaeffler wird seinen ersten
Produktionsstandort in Russland auf dem Territorium des Industrieparks
"Zawolshje" im Gebiet Uljanowsk errichten. Mit dem Bau des Werks soll
Anfang 2013 begonnen werden. Der Produktionsstart ist für 2014 geplant.
Für etwa 49 Mio. Euro werden in den nächsten fünf Jahren 450
Arbeitsplätze geschaffen. Neben Kfz-Teilen wie Nabenlagern für Pkw und
Lkw, Kupplungen, Motorkomponenten und Teile für den Zahnriemenantrieb,
soll das Werk auch Komponenten für die Bahnindustrie fertigen.
Flaig+Hommel
(Deutschland) will sich im Industriepark des Zawolshsker Motorenwerks
(ZMZ) im Gebiet Nishni Nowgorod ansiedeln. ZMZ, das von Sollers
kontrolliert wird, räumt nicht mehr genutzte Flächen frei und bietet sie
anderen Kfz-Teileherstellern zur Niederlassung an. Wadim Schwezow,
Generaldirektor von Sollers, hat den weiteren Ausbau des Industrieparks
auf dem Gelände von ZMZ angekündigt. "Wir wollen ausländische Firmen an
unseren Standort locken, aber auch eigene Kompetenzen bei der Produktion
von Aluminiumgussteilen und bei der mechanischen Bearbeitung
entwickeln." ZMZ plant, seine Produktion von 80.700 (2011) auf 100.000
Motoren zu steigern. Aktuell sind auf dem ZMZ-Gelände Daido Metall Rus,
Leoni und Trelleborg Automotive tätig. Nach Angaben der
Wirtschaftszeitung Wedomosti will Schwezow in den kommenden zwei bis
drei Jahren weitere 20 bis 25 Firmen im Industriepark ansiedeln.
Der
Felgenhersteller OOO MW Evrodisk (Wsewoloshsk, Leningrader Gebiet) will
seine Produktionskapazitäten auf 3,5 Mio. Stück pro Jahr verdoppeln. Zu
diesem Zweck investiert das Unternehmen in eine zweite Presslinie für 5
Mio. Euro.
Das serbische Unternehmen Farmakom MB, zu dem der
Batteriehersteller Fabrika Akumulatora Sombor A.D. gehört, plant den Bau
eines Werks zur Produktion von Batterien im Industriepark Ljudinowo des
Gebiets Kaluga (Investition: 80 Mio. Euro). Jährlich sollen 5 Millionen
Batterien für Pkw und Lkw hergestellt werden.
Der türkische
Zulieferer Teklas startete im November 2012 mit der Serienproduktion von
Gummiteilen im neuen Werk in der Stadt Wolzhsk im Süden der Republik
Mari El. Teklas wird in Wolzhsk Teile für Kühlsysteme, Bremsschläuche
und Antivibrationselemente herstellen. Erste Kunden sind AwtoWAZ und
GM-AwtoWAZ. Teklas hat sogar bereits einen Vertrag mit der japanischen
Mitsuba Corporation über die Errichtung eines Teilewerks ebenfalls in
Wolzhsk unterzeichnet. "Unsere Partner von Teklas haben uns nach
Russland eingeladen", sagte Mitsuba-CEO Noboru Hino. Die Produktion soll
2014 beginnen.
Der russische Kfz-Teilehersteller Awtokomponent
baut ein Werk in Togliatti. Dort sollen Kunststoffteile für die
Innenausstattung der Pkw-Modelle Lada Priora, Niva, Kalina, Granta und
Largus hergestellt werden. Die Investition beträgt 900 Mio. Rubel.
Drei
weitere Kfz-Zulieferer wollen sich ebenfalls auf dem Gelände der
Sonderwirtschaftszone Togliatti ansiedeln. Dabei handelt es sich um die
türkische Orhan Holding, um Hi-Lex Rus (die russische Tochterfirma der
japanischen Hi-Lex Corporation) und um OOO Atsumitec Toyota Tsusho Rus
(Joint Venture von Toyota Tsusho und Atsumitec), berichtete die
Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Diese Unternehmen haben angekündigt,
zusammen rund 2,5 Mrd. Rubel zu investieren und 660 Arbeitsplätze zu
schaffen. Damit ist die Zahl der Firmen, die sich in der
Sonderwirtschaftszone Togliatti niedergelassen haben, auf elf gestiegen.
SAO
WAZinterservice (Russland) und EXEDY Corporation (Japan) planen die
Gründung eines Joint Venture zur Produktion von Kupplungen. Laut Michail
Kutschinskij, Generaldirektor der Gruppe Objedinennyje Awtomobilnyje
Technologii (OAT), soll die Produktion der Kupplungen für AwtoWAZ und
den Ersatzteilmarkt ab 2013 beginnen.
AwtoWAZ will zukünftig bei
adhäsiven und abrasiven Materialien für die Automobilproduktion stärker
mit 3M zusammenarbeiten. Petr Korotkow, Direktor der Filiale Nord-West
von 3M Russia, erklärte Anfang Dezember 2012, dass sein Unternehmen die
Produktion im Werk Wolokolamsk (Moskauer Gebiet) für 235 Mio. Rubel
ausgebaut hat und weitere 125 Mio. Rubel investieren wolle. Außerdem
wurde entschieden, ein weiteres Werk in der Sonderwirtschaftszone
Alabuga (Republik Tatarstan) zu errichten.
Die Coskunöz Holding
(Türkei) beabsichtigt, ein Werk zur Produktion von Metallteilen in der
Sonderwirtschaftszone Alabuga (Republik Tatarstan) zu bauen.
Hauptabnehmer wird die OOO Ford Sollers Holding sein.
(E.W./H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland