Elektronische Ausschreibungen erhöhen Transparenz / Informationsbeschaffung insgesamt aber schwierig
Moskau (gtai) - Für den Kauf moderner Medizintechnik plant der staatliche Gesundheitssektor im Jahr 2012 Investitionen von 195 Mrd. Rubel (5 Mrd. Euro, Wechselkurs: 1 Euro = 39 Rubel). Die Marktteilnehmer sehen das als ein deutliches Zeichen für die Stabilisierung der Nachfrage. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Pharmexpert erholt sich die Marktlage seit zwei Jahren. Diese Entwicklung wird gemäß gleicher Quelle auch mittelfristig anhalten.
Das Geschäftspotenzial ist für deutsche Hersteller von Medizintechnik und medizinischen Verbrauchsgütern groß: Bis zu 70% des technischen Inventars sind in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen verschlissen oder entsprechen nicht mehr dem neuesten Stand der Technik. In der Vergangenheit konnten bei öffentlichen Ausschreibungen auch nicht in jedem Fall die qualitativ besten Ergebnisse erzielt werden. Die Vorschrift, jeweils das niedrigste Angebot zu akzeptieren, erwies sich vom medizinischen Standpunkt als suboptimal. Lediglich Billiganbieter sind damit gut gefahren.
Konkurrenten, die neben aufwändiger Technologie womöglich noch die Kosten zur Qualifizierung des medizinisch-technischen Personals sowie für notwendige Wartungsintervalle auf den Bieterpreis umlegen mussten, gerieten dabei leicht ins Hintertreffen. Auch wurden Fälle publik, wonach Ausschreibungen einem bestimmten Hersteller "auf den Leib geschnitten" wurden. Auf diese Weise wurde ein Wettbewerb um die optimale Lösung von vornherein unterlaufen.
Einige örtliche Hersteller, insbesondere von medizinischem Verbrauchsmaterial, haben aus der Not eine Tugend gemacht und sich komplett auf staatliche Beschaffungen eingestellt. Jahr für Jahr produzierten sie exakt die in den umliegenden Krankenhäusern und Kliniken erforderlichen Mengen; Wettbewerb war dabei nahezu ausgeschlossen. Auch fehlte jeglicher Stimulus für Qualitätsverbesserungen.
Doch Anfang 2011 traten Änderungen in Kraft: Seit dem 1.1.2011 werden nicht nur Ausschreibungen auf föderaler, sondern auch auf regionaler und kommunaler Ebene ausnahmslos in elektronischer Form durchgeführt. Sämtliche mit öffentlichen Geldern finanzierte Tender müssen seither auf der Internetseite http://zakupki.gov.ru publiziert und über das dahinter stehende elektronische System realisiert werden. Dies erhöhte schlagartig die Transparenz auf dem Markt. Die Auswahlverfahren wurden nachvollziehbarer.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Zuschlagserteilung gemäß niedrigstem Bieterpreis per Gesetz Nr. 93-FZ aufgehoben. Inzwischen gilt das Prinzip der "effektivsten Nutzung von Budgetmitteln". Dadurch wurde der Weg frei für eine begründbare Kombination aus Qualität und Preis. Erste technische Anlaufschwierigkeiten wurden zudem auf der Internetseite schnell überwunden und 2011 keine größeren Normenabweichungen bei Beschaffungen von Medizintechnik mehr festgestellt. Selbst unabhängige Experten erkennen diesen Sachverhalt an.
Weitere rechtliche Anpassungen sind in Vorbereitung: Ein Gesetz, das medizinische Erzeugnisse eindeutig definiert beziehungsweise klassifiziert, wird ausgearbeitet. Parallel wird der Normenkatalog für Medizintechnik modernisiert, einschließlich der Zulassungsbestimmungen zur Markteinführung von neuen Produkten. Für Zulassungen zuständig ist Roszdravnadzor, die Aufsichtsbehörde des Gesundheitsministeriums. Außerdem werden internationale Erfahrungswerte zur weiteren Optimierung von Ausschreibungen ausgewertet und auf dieser Grundlage technische Kriterien modifiziert.
Bislang ist es für Anbieter fast unmöglich, sich einen landesweiten Überblick über das technische Inventar in Gesundheitseinrichtungen und über den Bedarf an Ersatzteilen zu verschaffen. Selbst die staatliche Gesundheitsverwaltung soll über keine exakte Bestandsaufnahme verfügen. Umgekehrt ist es aber auch für medizinische Einrichtungen nicht einfach, vor allem in abgelegenen Regionen, sich mit dem neuesten Stand der Technik auf dem Weltmarkt vertraut zu machen. Der Informationsbedarf ist somit in beide Richtungen erheblich. Besser sieht die Situation in Großstädten wie Moskau oder Sankt Petersburg aus, wo internationale Symposien, Messen und Kongresse abgehalten werden und wo ausländische Hersteller typischerweise Firmenniederlassungen unterhalten.
Kontaktanschriften:
Pharmexpert
ul. Profsojuznaja 57, 117420 Moskau
Tel.: 007/495/786 25 40, Fax: -330 89 43
Roszdravnadzor - Föderaler Dienst für die Aufsicht im
Bereich Gesundheitsschutz und soziale Entwicklung
Slawjanskaja ploschtschad 4, str. 1, 109074 Moskau
Tel.: 007/495/698 45 38
Internationale Fachmesse für Gesundheitsschutz,
Medizintechnik und pharmazeutische Präparate
"Zdrawoochranenije" (3. bis 7.12.2012)
Veranstalter: Expocentr
Krasnopresnenskaja nabereshnja 14, 123100 Moskau
Tel.: 007/499/795 37 99
(U.U.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland