Regionalisierung des Absatzes / Umdisponieren auf die Straße senkt Transportkosten
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Russlands Zellulose- und Papierindustrie durchläuft einen
neuen Investitionszyklus. Die Gruppe Ilim hat zum Beispiel im März 2013
eine Anlage zur Erzeugung von Hochglanzpapier für 270 Mio. US$ in
Betrieb genommen. Noch 2013 investiert wiederum das Zellulose- und
Papierkombinat Archangelsk 5 Mrd. Rbl (ca. 155 Mio. $). Dem schließen
sich 2014 bis 2017 Modernisierungsinvestitionen von 13 Mrd. Rbl (ca. 400
Mio. $) an.
Das Tochterunternehmen des Zellulose und Papierkombinats aus
Archangelsk, OAO Archbum, wird 2013 eine Anlage zur Kartonherstellung in
Istrinsk im Moskauer Gebiet in Betrieb nehmen. Diese wird eine
Kapazität von 200 Mio. qm haben. Daneben fährt Archbum im benachbarten
Gebiet Kaluga eine Anlage für Zellstofftücher hoch.
Die
Kartonhersteller in Istrinsk zählen die in der Region befindliche
Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu ihrer Kundschaft. Das
Archangelsker Stammwerk stellt dagegen die Erzeugung von Kartons ein und
spezialisiert sich auf die Produktion von Zellstoff als
Ausgangsmaterial zur Endverarbeitung in allen Tochterunternehmen.
Auf
mittlere Sicht erhöht sich dadurch die Qualität der Fertigerzeugnisse
aus Zellstoff, Papier und Karton. Erwartet werden auch Einspareffekte,
da sich die Transportkosten für Fertigware verringern, denn die
Endfertiger haben sich in der Nähe zu ihren Hauptkunden niedergelassen.
Neben den neuen Anlagen in Istrinsk und im Gebiet Kaluga verfügt Archbum
über ein drittes Werk in Podolsk.
Die Transportkosten sind in der
gesamten Zellulose- und Papierindustrie, insbesondere im größten
Flächenland der Welt, ein Thema höchster Priorität. Eine eng abgestimmte
Kooperation mit spezialisierten Logistikunternehmen ist faktisch zu
einer Lebensversicherung geworden, denn Lieferfristen und -kosten
entscheiden über Aufträge und beeinflussen letztendlich die Rentabilität
der Produktion.
In den ersten drei Monaten 2013 ist eine
Regionalisierung des Vertriebs zu beobachten gewesen. Durch den
Nachfrageeinbruch in Zeiten der Finanzmarktkrise von 2008/2009 hatten
sich die Hersteller von der Regionalisierung notgedrungen verabschiedet
und neue Kunden auch über große Distanzen hinweg gesucht, teilweise
sogar in Lateinamerika und Südostasien. Auf die Gewinnsituation hatte
das aber fatale Auswirkungen.
In der Branche gilt die Faustregel,
dass die Transportkosten bis zu 2.000 km noch rentabel seien. Über
Regionalisierungsstrategien ließ sich das in der Vergangenheit auch
einhalten. So belieferte das Zellulose und Papierkombinat Jenissej in
Krasnojarsk Kunden in Ost- und Westsibirien. Dorthin gingen 40% der
Produktion. Weitere 25% entfielen auf die Föderale Zentralregion, 14%
auf Abnehmer in der Wolgaregion und 10% auf den Ural.
Das
Selenginskij Zellulose- und Papierkombinat aus Burjatien verkaufte bis
zu 60% seiner Produktion nach Sibirien, 13% in den Fernen Osten, 8% in
die Uralregion und 9% in die Föderale Zentralregion. Die gegenwärtig zu
beobachtende neue Regionalisierungswelle läuft auf eine ähnlich geartete
Gebietserschließung hinaus.
Kosten verursacht insbesondere der
Schienentransport. Die russische Eisenbahngesellschaft RZD hebt ihre
Gebühren jährlich um 10% an. Diese Preiskorrektur begründet RZD mit den
umfangreichen Investitionen in Streckenausbau und Modernisierungen. Im
Ergebnis disponieren die Papierhersteller auf den Straßentransport um,
wo immer es möglich ist. Das Selenginskij Zellulose- und Papierkombinat
hat zum Beispiel den Anteil der Straße an seinem Gesamttransport von 13
auf 43% erhöht.
Der Papierindustrie kam die schwunghafte
Entwicklung bei den Lkw-Speditionen sehr gelegen. Die Spediteure bringen
die Papierwaren für weniger Geld dem Endkunden sogar bis vor die
Haustür - ein Service, den RZD nicht leistet. Preislich noch günstiger
fallen Beiladungen aus. Die Spediteure sind interessiert, Leerfahrten,
etwa auf dem Rückweg, mit Hilfe von Beiladungen zu vermeiden. Im
Ergebnis haben sich fein verästelte Transportsysteme herausgebildet.
Ähnlich
gehen Reedereien vor, die mit Papierwaren ähnlich geartete leere
Schiffsfahrten vermeiden wollen. Im Gegenzug stellen sie auch nur
moderate Frachtkosten in Rechnung. Da Russland vor allem Industriewaren
importiert und Energieträger und Rohstoffe ausführt, kommt es nicht
selten vor, dass Containerschiffe zwar russische Häfen vollbeladen
ansteuern, aber mit weitgehend ausgeräumten Frachträumen zurück fahren.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland