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Mittwoch, 8. Mai 2013

Russlands Papierindustrie investiert

Regionalisierung des Absatzes / Umdisponieren auf die Straße senkt Transportkosten
Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Russlands Zellulose- und Papierindustrie durchläuft einen neuen Investitionszyklus. Die Gruppe Ilim hat zum Beispiel im März 2013 eine Anlage zur Erzeugung von Hochglanzpapier für 270 Mio. US$ in Betrieb genommen. Noch 2013 investiert wiederum das Zellulose- und Papierkombinat Archangelsk 5 Mrd. Rbl (ca. 155 Mio. $). Dem schließen sich 2014 bis 2017 Modernisierungsinvestitionen von 13 Mrd. Rbl (ca. 400 Mio. $) an.

Das Tochterunternehmen des Zellulose und Papierkombinats aus Archangelsk, OAO Archbum, wird 2013 eine Anlage zur Kartonherstellung in Istrinsk im Moskauer Gebiet in Betrieb nehmen. Diese wird eine Kapazität von 200 Mio. qm haben. Daneben fährt Archbum im benachbarten Gebiet Kaluga eine Anlage für Zellstofftücher hoch.

Die Kartonhersteller in Istrinsk zählen die in der Region befindliche Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu ihrer Kundschaft. Das Archangelsker Stammwerk stellt dagegen die Erzeugung von Kartons ein und spezialisiert sich auf die Produktion von Zellstoff als Ausgangsmaterial zur Endverarbeitung in allen Tochterunternehmen.

Auf mittlere Sicht erhöht sich dadurch die Qualität der Fertigerzeugnisse aus Zellstoff, Papier und Karton. Erwartet werden auch Einspareffekte, da sich die Transportkosten für Fertigware verringern, denn die Endfertiger haben sich in der Nähe zu ihren Hauptkunden niedergelassen. Neben den neuen Anlagen in Istrinsk und im Gebiet Kaluga verfügt Archbum über ein drittes Werk in Podolsk.

Die Transportkosten sind in der gesamten Zellulose- und Papierindustrie, insbesondere im größten Flächenland der Welt, ein Thema höchster Priorität. Eine eng abgestimmte Kooperation mit spezialisierten Logistikunternehmen ist faktisch zu einer Lebensversicherung geworden, denn Lieferfristen und -kosten entscheiden über Aufträge und beeinflussen letztendlich die Rentabilität der Produktion.

In den ersten drei Monaten 2013 ist eine Regionalisierung des Vertriebs zu beobachten gewesen. Durch den Nachfrageeinbruch in Zeiten der Finanzmarktkrise von 2008/2009 hatten sich die Hersteller von der Regionalisierung notgedrungen verabschiedet und neue Kunden auch über große Distanzen hinweg gesucht, teilweise sogar in Lateinamerika und Südostasien. Auf die Gewinnsituation hatte das aber fatale Auswirkungen.

In der Branche gilt die Faustregel, dass die Transportkosten bis zu 2.000 km noch rentabel seien. Über Regionalisierungsstrategien ließ sich das in der Vergangenheit auch einhalten. So belieferte das Zellulose und Papierkombinat Jenissej in Krasnojarsk Kunden in Ost- und Westsibirien. Dorthin gingen 40% der Produktion. Weitere 25% entfielen auf die Föderale Zentralregion, 14% auf Abnehmer in der Wolgaregion und 10% auf den Ural.

Das Selenginskij Zellulose- und Papierkombinat aus Burjatien verkaufte bis zu 60% seiner Produktion nach Sibirien, 13% in den Fernen Osten, 8% in die Uralregion und 9% in die Föderale Zentralregion. Die gegenwärtig zu beobachtende neue Regionalisierungswelle läuft auf eine ähnlich geartete Gebietserschließung hinaus.

Kosten verursacht insbesondere der Schienentransport. Die russische Eisenbahngesellschaft RZD hebt ihre Gebühren jährlich um 10% an. Diese Preiskorrektur begründet RZD mit den umfangreichen Investitionen in Streckenausbau und Modernisierungen. Im Ergebnis disponieren die Papierhersteller auf den Straßentransport um, wo immer es möglich ist. Das Selenginskij Zellulose- und Papierkombinat hat zum Beispiel den Anteil der Straße an seinem Gesamttransport von 13 auf 43% erhöht.

Der Papierindustrie kam die schwunghafte Entwicklung bei den Lkw-Speditionen sehr gelegen. Die Spediteure bringen die Papierwaren für weniger Geld dem Endkunden sogar bis vor die Haustür - ein Service, den RZD nicht leistet. Preislich noch günstiger fallen Beiladungen aus. Die Spediteure sind interessiert, Leerfahrten, etwa auf dem Rückweg, mit Hilfe von Beiladungen zu vermeiden. Im Ergebnis haben sich fein verästelte Transportsysteme herausgebildet.

Ähnlich gehen Reedereien vor, die mit Papierwaren ähnlich geartete leere Schiffsfahrten vermeiden wollen. Im Gegenzug stellen sie auch nur moderate Frachtkosten in Rechnung. Da Russland vor allem Industriewaren importiert und Energieträger und Rohstoffe ausführt, kommt es nicht selten vor, dass Containerschiffe zwar russische Häfen vollbeladen ansteuern, aber mit weitgehend ausgeräumten Frachträumen zurück fahren.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland