Viele deutsche mittelständische Unternehmen (KMU) sind angesichts ihrer hohen Exportabhängigkeit permanent auf der Suche nach neuen Auslandsmärkten. Dies hat Germany Trade & Invest zum Anlass genommen, Anfang 2011 in 68 Ländern bei ihren Auslandsmitarbeitern eine Umfrage zu den Top-Exportmärkten 2011 zu starten.
Die dabei ermittelten Länder Australien, Finnland, Kasachstan, Katar, Kolumbien, Korea (Rep.) und Südafrika stehen bisher weniger im Fokus der Berichterstattung. Auch können die Top-Exportmärkte 2011 in ihrer Bedeutung für deutsche Unternehmen traditionelle Märkte in Europa oder die BRIC-Staaten nicht verdrängen, aber sie versprechen interessante Neugeschäfte.
| Land | BIP-Wachstum 2011 1) | Deutsche Exporte 2) |
|---|---|---|
| Australien | 2,7 | 7.188 |
| Finnland | 3,0 | 7.171 |
| Kasachstan | 4,5 | 1.254 |
| Katar | 15,8 | 1.393 |
| Kolumbien | 4,0 | 1.093 |
| Korea (Rep.) | 4,5 | 9.313 |
| Südafrika | 3,7 | 7.080 |
1) Prognose, in %, real
2) Januar bis November 2010, in Mio. Euro
Quellen: Destatis, Germany Trade & Invest
Für deutsche Exporteure ist Australien trotz der jüngsten Naturkatastrophen ein zukunftsträchtiger Absatzmarkt. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 55.000 US$, was deutlich über den Werten Deutschlands oder den USA liegt, bleibt das Land trotz der großen Entfernung ein lohnender Handelspartner. Die deutschen Exporte nach „Down Under“ stiegen in den ersten elf Monaten 2010 bereits um beachtliche 24% auf 7,2 Mrd. Euro.
Auch die Warenausfuhren nach Finnland entwickeln sich sehr positiv. Das skandinavische Land ist ein bedeutender Absatzmarkt für deutsche Qualitätsprodukte. Das deutlich über dem EU-Durchschnitt liegende Wirtschaftswachstum sowie hohe Ausrüstungsinvestitionen stützen die rege Nachfrage nach Maschinen „Made in Germany“.
Die zentralasiatische Republik Kasachstan verdient unter deutschen Exportmanagern mehr Beachtung. Zwar ist das bilaterale Handelsvolumen noch relativ klein und in der Geschäftsanbahnung manche Klippe zu umschiffen, doch rechtfertigen die riesigen Rohstoffvorkommen, der immense technologische Nachholbedarf und das stetige Wirtschaftswachstum ein zunehmendes Engagement.
Im kleinen Wüstenstaat Katar ist durch den Zuschlag für die Fußball-WM 2022 mit einer wahren Flut von Großaufträgen zu rechnen. Dank seiner Petro-Dollar werden nicht nur neue Stadien aus dem Boden gestampft, sondern zahlreiche weitere ehrgeizige Infrastrukturprojekte vorangebracht. Da deutsche Unternehmen und Investoren hochwillkommen sind, locken zahlreiche Neuaufträge. In den ersten elf Monaten 2010 stiegen die deutschen Lieferungen um satte 46% auf knapp 1,4 Mrd. Euro.
Auch die Geschäftschancen in Kolumbien sind für deutsche Mittelständler überaus vielversprechend. Solide BIP-Wachstumsraten von 4%, ein großer Binnenmarkt sowie hohe Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen geben positive Signale für Neugeschäfte. Der Aufwärtstrend bei den deutschen Lieferungen, die bis November 2010 bereits ein Plus von 36% erreichten, dürfte angesichts der zahlreichen Großprojekte anhalten.
Die weltweite Finanzkrise konnte Korea (Rep.) wenig anhaben. Schon 2010 wurden 6% BIP-Zuwachs erzielt. Der systematische Ausbau von Zukunftstechnologien und das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU im Juli 2011 lassen weiterhin auf erfolgreiche Geschäfte hoffen. Die deutschen Exporte nach Korea (Rep.) stiegen bis November 2010 um über 30% auf 9,3 Mrd. Euro.
Südafrikas Wirtschaft ist weiter auf Expansionskurs. Zuwachsraten von bis zu 4% scheinen realisierbar. Das Land investiert vor allem im Infrastruktur-, Energie-, Gesundheits- und Umweltsektor. Dabei ist die Kap-Republik bei High-Tech-Produkten fast ausschließlich auf Importe angewiesen. Eine wachsende schwarze Mittelschicht sorgt für Nachfrage nach höherwertigen Konsumgütern. Die deutschen Exporte nach Südafrika haben in den ersten elf Monaten 2010 bereits um 35% auf über 7 Mrd. Euro zugelegt, der Aufwärtstrend bleibt ungebrochen.
Die „Top-Exportmärkte 2011“ wurden unter Berücksichtigung folgender Kriterien ermittelt
- Überdurchschnittliche Wachstumsraten bei realem BIP bzw. Pro-Kopf-Einkommen
- Positive Entwicklung in den acht für deutsche KMU relevanten Kernbranchen
- Importvolumen des Landes über 10 Mrd. US$
- Deutsche Exporte über 1 Mrd. Euro
- Stabiles Geschäftsumfeld (gemäß "Doing Business Report" der Weltbank)
Informationen zur weltweiten Entwicklung in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie, Chemische Industrie, Bauwirtschaft, Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, Informations- und Kommunikationswirtschaft, Umwelttechnik sowie Medizintechnik bietet das Anfang 2011 aktualisierte GTAI-Special "Branchen International" unter www.gtai.de/branchen-international.