Dieselexporte steigen deutlich / Qualität der Treibstoffe nimmt zu / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Russland produziert immer mehr und immer hochwertigere Dieseltreibstoffe. Der Anteil von Diesel, der einer der Euronormen entspricht, ist in den vergangenen fünf Jahren von 20 auf 40% gestiegen. Der Inlandshandel dürfte sich in Zukunft maßgeblich ändern. Kleine, unabhängige Zwischenhändler werden voraussichtlich vom Markt verschwinden, der Handel über die Börse dagegen gewinnt an Bedeutung.
In Russland werden immer mehr hochwertige Dieseltreibstoffe, die modernen Euro-Schadstoffnormen entsprechen, nachgefragt. Der Inlandsabsatz stieg 2010 um über 11% auf 32,5 Mio. t. Wachstumstreiber ist die wieder angesprungene Konjunktur. Entsprechend entwickelt sich auch die Produktion. Der Trend geht eindeutig hin zu Diesel nach Euro 3-Norm und höher. Allerdings haben die großen Petrochemiewerke in Russland bereits vor Jahren immense Investitionspläne vorgestellt, von denen viele nach wie vor nicht umgesetzt wurden. Dennoch ist klar: In den kommenden Jahren wird massiv in den Ausbau neuer und die Modernisierung bestehender Kapazitäten investiert werden.
Russland exportiert über die Hälfte seiner Dieselproduktion ins Ausland. Die Ausfuhren sind in den vergangenen fünf Jahren um rund 10% auf 37,7 Mio. t gestiegen, haben aber 2010 im Vergleich zu 2009 leicht an Volumen eingebüßt. Ein Drittel des für Auslandsmärkte bestimmten Diesels geht nach Nordwesteuropa, 27% in den Mittelmeerraum und 19% ins Baltikum. Nur jeweils 7% werden nach Asien und in die anderen GUS-Staaten exportiert. Ausgeführt werden die Dieseltreibstoffe zu 62% über die baltischen Häfen und zu 32% über Russlands Schwarzmeerhäfen. Nur 6% der Treibstoffe verlassen Russland über den Fernen Osten. Exportiert wird Sommerdiesel, während der sogenannte Winterdiesel fast ausschließlich in Russland vertrieben wird.
Nur knapp die Hälfte des in Russland hergestellten Treibstoffs wird auch vor Ort verkauft. Der Inlandshandel wird in der Regel über langfristige Lieferverträge zwischen Tankstellenketten und Petrochemiekonzernen abgewickelt. Bis dato spielten auch kleine, unabhängige Zwischenhändler eine wichtige Rolle. Ihre Bedeutung schwindet aber in dem Maße wie die russische Regierung die Preise auf dem Inlandsmarkt reguliert. Nicht selten haben Zwischenhändler in den vergangenen Monaten teuren Treibstoff erstanden und mussten den Kraftstoff später zu einem niedrigeren Preis weiterverkaufen, weil die Regierung zwischenzeitlich Preisobergrenzen festgeschrieben hatte.
Dagegen nimmt der Handel mit dem begehrten Erdölprodukt an den russischen Börsen weiter zu und liegt je nach Jahreszeit bei 10 bis 15%. Doch obwohl Russland reich ist an Erdöl, ist der Treibstoff mittlerweile zu einem teuren Gut geworden. Der Inlandspreis orientiert sich längst am Exportpreis - und der liegt derzeit bekanntermaßen auf einem hohen Niveau.
| Kennzahl | 2006 | 2009 | 2010 | Veränderung 2010/09 in % |
| Produktion | 64,08 | 67,30 | 69,92 | 3,9 |
| Import | 0,00 | 0,24 | 0,51 | 115,4 |
| Export | 34,33 | 38,60 | 37,69 | -2,4 |
| Inlandsnachfrage | 29,77 | 29,18 | 32,48 | 11,3 |
Quellen: Marktforschungsinstitut IAZ Kortes ( www.kortes.com), Internationale Creon-Konferenz zum Thema Diesel in Moskau
Die Produktion von Diesel ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Dabei konnten fast alle Petrochemiekonzerne ihre Herstellung ausweiten. Der Trend geht eindeutig hin zu hochwertigen, schwefelarmen Kraftstoffen. Der Anteil von Diesel mit einer Schwefelkonzentration von über 1.000 mg pro kg des Treibstoffes lag 2006 noch bei 80%, heute sind es weniger als 60%. Dagegen legte der Anteil von hochwertigen Treibstoffen nach den Eurostandards 2 und höher (500 mg Schwefel pro kg Diesel und weniger) von 20 auf 40% zu.
| Diesel nach Schwefelgehalt | Euro-Standard | 2006 | Anteil in % | 2010 | Anteil in % |
| Mindestens 1.000 mg Schwefel/kg | Kein Standard | 51,2 | 80 | 42,0 | 60 |
| 500 mg Schwefel/kg | 2 | 2,7 | 4 | 12,3 | 17 |
| 50-350 mg Schwefel/kg | 3/4 | 9,1 | 14 | 6,8 | 10 |
| 10 mg Schwefel/kg | 5 | 1,1 | 2 | 8,9 | 13 |
Quellen: IAZ Kortes, Internationale Creon-Konferenz zum Thema Diesel in Moskau
| Unternehmen | Produktion 2010 in Mio. t | Anteil am Produktionsvolumen von ganz Russlands in % |
| Produktion in Russland, davon | 69,92 | 100 |
| Rosneft | 15,38 | 22,0 |
| Lukoil | 12,10 | 17,3 |
| Gasprom Neft | 9,09 | 13,0 |
| TNK-BP | 8,67 | 12,4 |
| Baschneft | 7,69 | 11,0 |
| Surgutneftegas | 5,17 | 7,4 |
| Russneft | 2,31 | 3,3 |
| SalawatNOS | 2,10 | 3,0 |
| Taif-NK | 1,89 | 2,7 |
| Gasprom | 1,40 | 2,0 |
| MNGK | 1,33 | 1,9 |
| Obedinjonnaja neftjannaja gruppa | 0,98 | 1,4 |
| Antipinski NPS | 0,69 | 1,0 |
| Tatneft | 0,56 | 0,8 |
| Aljans | 0,42 | 0,6 |
| andere | 0,21 | 0,3 |
Quellen: IAZ Kortes, zitiert von Filipp Nikonow, Konferenz der Chemieberaterfirma Creon
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