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Montag, 19. September 2011

Russland hält weiter an Kernenergie fest

Atomredmedsoloto will Uranproduktion bis 2015 verdreifachen / Von Stephanie Adam und Bernd Hones

Moskau (gtai) - Auch nach der Katastrophe von Fukushima hält Russland an der Atomenergie fest. Die OAO Atomredmedsoloto, eine Tochter der Atomenergoprom, will ihre Uranproduktion weltweit verdreifachen. Die Entwicklung der Ressourcenbasis innerhalb Russlands, insbesondere in der Republik Sacha-Jakutien, spielt dabei eine wichtige Rolle.
Um den steigenden Energiebedarf des Landes zu decken, plant die russische Regierung mehrere neue Kernkraftwerke. (Kontaktanschriften)
Russland ist einer der wichtigsten Uranproduzenten. Mit 3.563 t Uran entfielen 2010 auf das Land 7% der weltweiten Produktion. Die staatlich registrierten Uranvorräte betragen 535.000 t, die Menge der geschätzten Ressourcen beläuft sich russischen Medienberichten zufolge auf 800.000 t. Seit 1944 wurden mehr als 100 Lagerstätten in 14 Regionen entdeckt. Die wichtigsten Abbaugebiete befinden sich momentan in Strelzowsk in der Region Transbaikalien. Dort liegt etwa ein Fünftel der Uranreserven. Die Zukunft gehört jedoch der Republik Sacha-Jakutien mit mehr als der Hälfte der nachgewiesenen russischen Uranvorkommen. Dort gibt es mehr als 319.000 t Uran.
Uran in Russland in Zahlen

2008 2009 2010 Veränderung 10/09 in %
Uranproduktion in t 3.521 3.564 3.563 0
Import natürl. Urans und -Verbindungen



.in t 5.946 7.458 8.202 10
.in Mio. US$ 346,6 379,0 433,0 14
Export natürl. Urans und -Verbindungen



.in t 1.017 1.731 386 -77
.in Mio. US$ 31,6 160,4 59,5 -63
..darunter Export nach Deutschland



..in t 147,9 147,9 148,1 0
..in Mio. US$ 3,3 3,4 3,4 0
Nachgefragtes Uran, in t 3.365 3.537 4.235 19,7
Energiegewinnung aus Atomkraftwerken in Mrd. kWh/Jahr 163 164 170 3,6
Quelle: UN Comtrade, Jahresbericht ARMS, Rosstat, World Nuclear
Produziert wird das russische Uran von dem staatlichen Unternehmen OAO Atomenergoprom beziehungsweise dessen Tochter OAO Atomredmedsoloto (ARMS). Die OAO TWEL, ebenfalls ein Unternehmen der Atomenergoprom-Gruppe, ist für die Urankonversion und -anreicherung sowie die Erzeugung nuklearen Brennstoffes verantwortlich. Das alles geschieht unter der Aufsicht der föderalen Agentur für Atomenergie Russlands (Rosatom).
Die OAO ARMS ist der wichtigste Uranzulieferer der russischen Atomindustrie. In Russland sind ihre Töchter OAO PPGHO, SAO Dalur und OAO Chiagda aktiv, in Zukunft werden die geschlossenen Aktiengesellschaften Elkonski GMK, UDK Gornoje, OGCHK, und Lunnoje dazu stoßen.
Insgesamt besitzt die ARMS Lagerstätten mit Uranvorräten in Höhe von 726.500 t, davon 511.300 t auf russischem Boden. Damit liegt sie weltweit auf Platz 2. Auch gemessen am Produktionsvolumen spielt das Unternehmen ganz vorne mit: In den vergangenen Jahren gehörte es stets zu den fünf wichtigsten Uranproduzenten der Welt. Nach der Übernahme von Uranium One (51,4%) Ende 2010 und von Mantra Resources 2011, sind die Kapazitäten des Unternehmens nochmals beträchtlich gewachsen.
Entsprechend ambitioniert sind auch die Produktionspläne: Wie die Nachrichtenagentur Prime Tass schreibt, will ARMS bis 2015 zum größten globalen Uranförderer werden und seine Produktion an den Standorten in aller Welt von 5.174 t auf 15.100 t nahezu verdreifachen. Schon 2011 wird die Produktion auf 7.600 t ausgedehnt, 2012 auf 8.100 t. Allein in Russland sollen bis 2020 etwa 6.400 t Uran pro Jahr gefördert.
Produktion, Uranvorräte und -Ressourcen des Unternehmens ARMS (2010)
Tochterunternehmen Vorräte in t Ressourcen Kategorie P1 in t Gesamt in t Uranproduktion in t
OAO PPGHO 115.379 0 11.379 2.920,0
SAO Dalur 11.660 6.836 18.496 507,8
OAO Chiagda 26.514 14.978 41.492 135,1
OAO Elkonski GMK 319.186 0 319.186 0
SAO OGCHK 11.726 0 11.726 0
SAO UDK Gornoe 4.613 0 4.613 0
SAO Lunnoe 408 0 408 0
Russland insgesamt 489.486 21.814 511.300 3.562,9
Weltweit 572.478 154.023 726.502 5.173,4
Quelle: Jahresbericht ARMS für das Jahr 2010
Ein saftiges Investitionsprogramm soll helfen, diese Ziele zu erreichen. Bis 2015 sind Ausgaben in Höhe von 113 Mrd. Rubel (Rbl, 2,94 Mrd. Euro; Wechselkurs nach russischer Zentralbank vom 3.8.11: 1 Euro = 39,52 Rbl) geplant, etwa zwei Drittel davon sollen in Entwicklung und Ausbau der russischen Uranlager fließen. Für die Entwicklung der Uranlager von Dalur und Chiagda stehen jährlich zwischen 13 Mrd. bis 15 Mrd. Rbl bereit, für Explorationsarbeiten insgesamt 1,2 Mrd. Rbl (30 Mio. Euro). Ein Großteil davon geht an die riesigen Uranfelder in der Region Elkonsk. Dort soll nach Plänen von ARMS ein Bergbaukombinat mit einer Kapazität von bis zu 5.000 t Uran im Jahr entstehen. Das Projekt ist Teil eines umfassenden Entwicklungsprogramms für das südliche Jakutien. Gesamtinvestitionen der SAO Elkonski GMK im Jahr 2011: 1,9 Mrd. Rbl (48 Mio. Euro).
Fast die gesamte Uranproduktion Russlands wird genutzt, um nuklearen Brennstoff zu erzeugen. Diese Aufgabe übernimmt die OAO Twel mit ihren Tochterunternehmen. Nach eigenen Angaben versorgt Twel 76 Atomreaktoren in Russland mit Brennelementen, dazu kommen 15 Reaktoren in Europa und Asien. Das entspricht einem Weltmarktanteil von 17% beziehungsweise Brennelementen im Wert von knapp 55 Mrd. Rbl (Stand: 2009). Mehr als die Hälfte davon wird von der OAO Techsnabeksport ins Ausland exportiert.
Urananreicherungsfabriken in Russland
Name Betreiber Kapazität in Mio. UTA/Jahr *)
Nowouralsk JSC Urals Electrochemical Combine 10,0
Selengorsk PA ElcetroChemical Plant 5,8
Sewersk JSC Siberian Chemical Combine 3,0
Angarsk JSC Angarsk Electrolysis & Chemical Combine 2,6
Gesamt
21,4
*) Urantrennarbeit
Quelle: World Nuclear
Für die Wiederverwertung des Atommülls gibt es in Russland die Aufbereitungsanlage Majak in Osersk im Gebiet Tscheljabinsk. Sie verfügt über eine Kapazität von 400 t pro Jahr. Ziel des Landes ist es, auch das bei der Kernreaktion entstandene Plutonium als Sekundärbrennstoff zu verwerten. Damit ist Russland eines der wenigen Länder der Welt, das am geschlossenen Brennstoffkreislauf festhält.
Plutonium dient in Russland auch militärischen Zwecken. Allerdings bestehen mit den USA Abkommen, den Bestand an waffenfähigem Plutonium zu verringern und die Zahl der strategischen nuklearen Sprengköpfe auf 1.550 zu verringern. Der letzte Reaktor, in dem Russland waffenfähiges Plutonium produzierte, wurde 2010 abgeschaltet.
Insgesamt sind die Atomprojekte Russlands sehr ambitioniert: In der Uranproduktion sind riesige Förderzuwächse geplant, bis 2020 soll fast ein Viertel der benötigten Energie aus Kernkraft gewonnen werden. Momentan sind es 16,4%. Um auch in Zukunft den ständig steigenden Energiebedarf des Landes sättigen zu können, sind weitere 20 bis 40 Kernkraftwerke geplant.
Ob sich die Projekte realisieren lassen, ist fragwürdig. Einerseits steht die russische Regierung voll hinter dem Atomprogramm - sowohl finanziell als auch ideologisch. Insofern muss die Industrie von Seiten der Politik keinerlei Hindernisse befürchten. Andererseits ist die Atomkatastrophe von Fukushima auch an Russland nicht spurlos vorbeigegangen. Die alte Diskussion um die Sicherheit der veralteten russischen Reaktoren wurde wieder angeheizt, die Atomindustrie verliert potenzielle Aufträge und muss mit Gewinneinbußen rechnen.

Kontaktanschrift

Uranowyi holding Atomredmetsoloto (OAO ARMS)
Drowjanoi per. 22, 109004 Moskau
Tel.: 007 495/508 88 08, Fax: -508 88 10
E-Mail: , Internet; www.armz.ru
Russische Agentur für Atomanergie (Rosatom)
Ul. B. Ordynka 24, 119017 Moskau
Tel.: 007 499/949 45 35, Fax: -949 46 79
E-Mail: , Internet: www.rosatom.ru
OAO Atomenergoprom
ul. B. Ordynka 24, 119017 Moskau
Tel.: 007 495/969 29 39, Fax: -969 29 36
OAO Twel
Kaschirskoje schosse 49, Moskau 115409
Tel.: 007 495/988 82 82, Fax: -988 83 83
E-Mail: , Internet: www.tvel.ru
(H.B.)