Atomredmedsoloto will Uranproduktion bis 2015 verdreifachen / Von Stephanie Adam und Bernd Hones
Moskau (gtai) - Auch nach der Katastrophe von Fukushima hält Russland
an der Atomenergie fest. Die OAO Atomredmedsoloto, eine Tochter der
Atomenergoprom, will ihre Uranproduktion weltweit verdreifachen. Die
Entwicklung der Ressourcenbasis innerhalb Russlands, insbesondere in der
Republik Sacha-Jakutien, spielt dabei eine wichtige Rolle.
Um den
steigenden Energiebedarf des Landes zu decken, plant die russische
Regierung mehrere neue Kernkraftwerke. (Kontaktanschriften)
Russland ist einer der wichtigsten Uranproduzenten. Mit 3.563 t Uran
entfielen 2010 auf das Land 7% der weltweiten Produktion. Die staatlich
registrierten Uranvorräte betragen 535.000 t, die Menge der geschätzten
Ressourcen beläuft sich russischen Medienberichten zufolge auf 800.000
t. Seit 1944 wurden mehr als 100 Lagerstätten in 14 Regionen entdeckt.
Die wichtigsten Abbaugebiete befinden sich momentan in Strelzowsk in der
Region Transbaikalien. Dort liegt etwa ein Fünftel der Uranreserven.
Die Zukunft gehört jedoch der Republik Sacha-Jakutien mit mehr als der
Hälfte der nachgewiesenen russischen Uranvorkommen. Dort gibt es mehr
als 319.000 t Uran.
| 2008 | 2009 | 2010 | Veränderung 10/09 in % | |
| Uranproduktion in t | 3.521 | 3.564 | 3.563 | 0 |
| Import natürl. Urans und -Verbindungen | ||||
| .in t | 5.946 | 7.458 | 8.202 | 10 |
| .in Mio. US$ | 346,6 | 379,0 | 433,0 | 14 |
| Export natürl. Urans und -Verbindungen | ||||
| .in t | 1.017 | 1.731 | 386 | -77 |
| .in Mio. US$ | 31,6 | 160,4 | 59,5 | -63 |
| ..darunter Export nach Deutschland | ||||
| ..in t | 147,9 | 147,9 | 148,1 | 0 |
| ..in Mio. US$ | 3,3 | 3,4 | 3,4 | 0 |
| Nachgefragtes Uran, in t | 3.365 | 3.537 | 4.235 | 19,7 |
| Energiegewinnung aus Atomkraftwerken in Mrd. kWh/Jahr | 163 | 164 | 170 | 3,6 |
Quelle: UN Comtrade, Jahresbericht ARMS, Rosstat, World Nuclear
Produziert wird das russische Uran von dem staatlichen Unternehmen
OAO Atomenergoprom beziehungsweise dessen Tochter OAO Atomredmedsoloto
(ARMS). Die OAO TWEL, ebenfalls ein Unternehmen der
Atomenergoprom-Gruppe, ist für die Urankonversion und -anreicherung
sowie die Erzeugung nuklearen Brennstoffes verantwortlich. Das alles
geschieht unter der Aufsicht der föderalen Agentur für Atomenergie
Russlands (Rosatom).
Die OAO ARMS ist der wichtigste Uranzulieferer der russischen
Atomindustrie. In Russland sind ihre Töchter OAO PPGHO, SAO Dalur und
OAO Chiagda aktiv, in Zukunft werden die geschlossenen
Aktiengesellschaften Elkonski GMK, UDK Gornoje, OGCHK, und Lunnoje dazu
stoßen.
Insgesamt besitzt die ARMS Lagerstätten mit Uranvorräten in Höhe von
726.500 t, davon 511.300 t auf russischem Boden. Damit liegt sie
weltweit auf Platz 2. Auch gemessen am Produktionsvolumen spielt das
Unternehmen ganz vorne mit: In den vergangenen Jahren gehörte es stets
zu den fünf wichtigsten Uranproduzenten der Welt. Nach der Übernahme von
Uranium One (51,4%) Ende 2010 und von Mantra Resources 2011, sind die
Kapazitäten des Unternehmens nochmals beträchtlich gewachsen.
Entsprechend ambitioniert sind auch die Produktionspläne: Wie die
Nachrichtenagentur Prime Tass schreibt, will ARMS bis 2015 zum größten
globalen Uranförderer werden und seine Produktion an den Standorten in
aller Welt von 5.174 t auf 15.100 t nahezu verdreifachen. Schon 2011
wird die Produktion auf 7.600 t ausgedehnt, 2012 auf 8.100 t. Allein in
Russland sollen bis 2020 etwa 6.400 t Uran pro Jahr gefördert.
| Tochterunternehmen | Vorräte in t | Ressourcen Kategorie P1 in t | Gesamt in t | Uranproduktion in t |
| OAO PPGHO | 115.379 | 0 | 11.379 | 2.920,0 |
| SAO Dalur | 11.660 | 6.836 | 18.496 | 507,8 |
| OAO Chiagda | 26.514 | 14.978 | 41.492 | 135,1 |
| OAO Elkonski GMK | 319.186 | 0 | 319.186 | 0 |
| SAO OGCHK | 11.726 | 0 | 11.726 | 0 |
| SAO UDK Gornoe | 4.613 | 0 | 4.613 | 0 |
| SAO Lunnoe | 408 | 0 | 408 | 0 |
| Russland insgesamt | 489.486 | 21.814 | 511.300 | 3.562,9 |
| Weltweit | 572.478 | 154.023 | 726.502 | 5.173,4 |
Quelle: Jahresbericht ARMS für das Jahr 2010
Ein saftiges Investitionsprogramm soll helfen, diese Ziele zu
erreichen. Bis 2015 sind Ausgaben in Höhe von 113 Mrd. Rubel (Rbl, 2,94
Mrd. Euro; Wechselkurs nach russischer Zentralbank vom 3.8.11: 1 Euro =
39,52 Rbl) geplant, etwa zwei Drittel davon sollen in Entwicklung und
Ausbau der russischen Uranlager fließen. Für die Entwicklung der
Uranlager von Dalur und Chiagda stehen jährlich zwischen 13 Mrd. bis 15
Mrd. Rbl bereit, für Explorationsarbeiten insgesamt 1,2 Mrd. Rbl (30
Mio. Euro). Ein Großteil davon geht an die riesigen Uranfelder in der
Region Elkonsk. Dort soll nach Plänen von ARMS ein Bergbaukombinat mit
einer Kapazität von bis zu 5.000 t Uran im Jahr entstehen. Das Projekt
ist Teil eines umfassenden Entwicklungsprogramms für das südliche
Jakutien. Gesamtinvestitionen der SAO Elkonski GMK im Jahr 2011: 1,9
Mrd. Rbl (48 Mio. Euro).
Fast die gesamte Uranproduktion Russlands wird genutzt, um nuklearen
Brennstoff zu erzeugen. Diese Aufgabe übernimmt die OAO Twel mit ihren
Tochterunternehmen. Nach eigenen Angaben versorgt Twel 76 Atomreaktoren
in Russland mit Brennelementen, dazu kommen 15 Reaktoren in Europa und
Asien. Das entspricht einem Weltmarktanteil von 17% beziehungsweise
Brennelementen im Wert von knapp 55 Mrd. Rbl (Stand: 2009). Mehr als die
Hälfte davon wird von der OAO Techsnabeksport ins Ausland exportiert.
| Name | Betreiber | Kapazität in Mio. UTA/Jahr *) |
| Nowouralsk | JSC Urals Electrochemical Combine | 10,0 |
| Selengorsk | PA ElcetroChemical Plant | 5,8 |
| Sewersk | JSC Siberian Chemical Combine | 3,0 |
| Angarsk | JSC Angarsk Electrolysis & Chemical Combine | 2,6 |
| Gesamt | 21,4 |
*) Urantrennarbeit
Quelle: World Nuclear
Für die Wiederverwertung des Atommülls gibt es in Russland die
Aufbereitungsanlage Majak in Osersk im Gebiet Tscheljabinsk. Sie verfügt
über eine Kapazität von 400 t pro Jahr. Ziel des Landes ist es, auch
das bei der Kernreaktion entstandene Plutonium als Sekundärbrennstoff zu
verwerten. Damit ist Russland eines der wenigen Länder der Welt, das am
geschlossenen Brennstoffkreislauf festhält.
Plutonium dient in Russland auch militärischen Zwecken. Allerdings
bestehen mit den USA Abkommen, den Bestand an waffenfähigem Plutonium zu
verringern und die Zahl der strategischen nuklearen Sprengköpfe auf
1.550 zu verringern. Der letzte Reaktor, in dem Russland waffenfähiges
Plutonium produzierte, wurde 2010 abgeschaltet.
Insgesamt sind die Atomprojekte Russlands sehr ambitioniert: In der
Uranproduktion sind riesige Förderzuwächse geplant, bis 2020 soll fast
ein Viertel der benötigten Energie aus Kernkraft gewonnen werden.
Momentan sind es 16,4%. Um auch in Zukunft den ständig steigenden
Energiebedarf des Landes sättigen zu können, sind weitere 20 bis 40
Kernkraftwerke geplant.
Ob sich die Projekte realisieren lassen, ist fragwürdig. Einerseits
steht die russische Regierung voll hinter dem Atomprogramm - sowohl
finanziell als auch ideologisch. Insofern muss die Industrie von Seiten
der Politik keinerlei Hindernisse befürchten. Andererseits ist die
Atomkatastrophe von Fukushima auch an Russland nicht spurlos
vorbeigegangen. Die alte Diskussion um die Sicherheit der veralteten
russischen Reaktoren wurde wieder angeheizt, die Atomindustrie verliert
potenzielle Aufträge und muss mit Gewinneinbußen rechnen.
Kontaktanschrift
Uranowyi holding Atomredmetsoloto (OAO ARMS)
Drowjanoi per. 22, 109004 Moskau
Tel.: 007 495/508 88 08, Fax: -508 88 10
E-Mail:
info@armz.ru, Internet;
www.armz.ru
Russische Agentur für Atomanergie (Rosatom)
Ul. B. Ordynka 24, 119017 Moskau
Tel.: 007 499/949 45 35, Fax: -949 46 79
E-Mail:
info@rosatom.ru, Internet:
www.rosatom.ru
OAO Atomenergoprom
ul. B. Ordynka 24, 119017 Moskau
Tel.: 007 495/969 29 39, Fax: -969 29 36
Internet:
www.atomenergoprom.ru
OAO Twel
Kaschirskoje schosse 49, Moskau 115409
Tel.: 007 495/988 82 82, Fax: -988 83 83
E-Mail:
info@tvel.ru, Internet:
www.tvel.ru
(H.B.)