Rund 500 Mio. Euro für Modernisierung der Produktionsanlagen / Kauf neuer Maschinen und Bearbeitungszentren / Von Edda Wolf
Moskau (gtai) - Die staatliche russische Maschinenbaufirma OAO NPK
Uralwagonsawod plant, ein Unternehmen zur Produktion von
Straßenbaumaschinen, Traktoren, Frontladern, Straßenbahnen und
Ersatzteilen auf Basis ihrer Tochterfirma Tscheljabinsker Traktorenwerk
"Uraltrak" zu schaffen. Dazu sind Investitionen von 18 Mrd. bis 20 Mrd.
Rubel vorgesehen. Die Ziele sind hoch gesteckt: Die neue
Unternehmenseinheit soll bis 2015 einen Umsatz von 40 Mrd. Rubel
erreichen.
Für die Verwirklichung des Vorhabens müssen die
Produktionsanlagen des Tscheljabinsker Traktorenwerks "Uraltrak"
umfassend modernisiert und erweitert werden. Zunächst sind das
Motorenwerk und die Fahrgestell-Fertigung dran (2011 bis 2013). Erstens
steht der Start der Serienproduktion einer neu entwickelten Baureihe von
Dieselmotoren (T-Serie) für Kettenfahrzeuge, Traktoren und Frontlader
an. Zweitens soll die Qualität der Fahrgestelle verbessert werden. Ab
2013 bis 2020 wird dann der Rest des Werks rekonstruiert. Auf dem
Gelände sollen "faktisch von Null auf neue Montagehallen" entstehen. Die
technische Umrüstung betrifft den gesamten Produktionsbereich:
Gießerei, Schmiede, mechanische Bearbeitung und Montage. Zudem ist
geplant, einen Teil der Herstellung von Traktoren und Raupenbaggern, die
derzeit bei Uralwagonsawod in Nishni Tagil erfolgt, nach Tscheljabinsk
zu verlagern. Für diese Maßnahmen ist der Löwenanteil des Geldes
vorgesehen: 13 Mrd. bis 15 Mrd. Rubel (rund 320 Mio. bis 370 Mio. Euro; 1
Euro = 40,387 Rubel; Wechselkurs vom 30.6.11).
Mit den
Investitionen soll im 4. Quartal 2011 angefangen werden. Die
Hauptarbeiten sollen 2013 beginnen und 2020 abgeschlossen sein. Die
Auswirkungen der aktuellen Krise in den USA auf die Finanzmärkte könnten
aber zu einer zeitlichen Verschiebung oder Verkleinerung des Vorhabens
führen. Allein für das Motorenwerk sollen 60 moderne Bearbeitungszentren
angeschafft werden. Ein Teil davon wurde bereits gekauft, darunter von
den Firmen WFL Millturn Technologies, Starrag Heckert und Naxos-Union
(Schleifmaschinen).
Derzeit stellt Uraltrak Traktoren mit Rad- und
Kettenantrieb, Bulldozer, Rohrverleger, Frontallader und Motoren dafür
her (Umsatz 2010: rund 10 Mrd. Rubel). Für die neue Produktion von
Straßenbaumaschinen und Ersatzteilen möchte man einen ausländischen
Partner als Lizenzgeber gewinnen. Mit Caterpillar sei eine prinzipielle
Übereinkunft erreicht worden. Vertreter des US-amerikanischen
Unternehmens äußerten sich bislang aber nicht dazu, deshalb ist davon
auszugehen, dass die Verhandlungen noch andauern.
Uralwagonsawod
besitzt die Aktienmehrheit an Uraltrak mit 80,1%, während der Regierung
des Tscheljabinsker Gebiets 19,8% gehören. "Wir führen Gespräche über
den Kauf dieses Anteils und hoffen ihn bis zum Ende des Jahres zu
konsolidieren", erklärte Semen Mlodik, seit 1. August 2011
Generaldirektor von Uraltrak. Er war vorher für das Werk "Promtraktor"
in Tscheboksary und den Konzern Traktornyje sawody tätig. Nach der
Übernahme des restlichen Anteils soll die GmbH (OOO) in eine offene
Aktiengesellschaft (OAO) umgewandelt werden. Außerdem ist geplant, das
Tscheljabinsker Traktorenwerk und den Technopark "Traktorosawodski", in
dem sich wichtige Aktiva des Werks befinden, zusammenzuführen.
Des
Weiteren strebt das Management von Uralwagonzawod bis Ende 2011 die
Übernahme eines Teils der Aktiva des staatlichen Unternehmens FGUP
Ust-Katawsker Waggonbauwerk namens "S.M. Kirow" (FGUP UKWS, Ust-Kataw,
Gebiet Tscheljabinsk) an. Dessen Management steht dem Vorhaben aber
ablehnend gegenüber. FGUP UKWS fertigt unter anderem Straßenbahnen und
hat kürzlich ein neues Niederflur-Modell vorgestellt. Darüber hinaus
will Uralwagonzawod die Produktion von Straßenbahnen im Werk
Uraltransmasch (Jekaterinburg), das schon zum Konzern gehört, weiter
entwickeln. Beide Betriebe sollen zukünftig zusammenarbeiten und Trams
der nächsten Generation herstellen - unter Beteiligung eines "großen
westlichen Produzenten von elektrischen Schienenfahrzeugen" (ein Name
wurde noch nicht bekannt gegeben). Das Projekt ist Teil der Bestrebungen
des Gouverneurs des Swerdlowsker Gebiets, einen Cluster zur Produktion
von Elektrofahrzeugen für den städtischen Personennahverkehr zu bilden.
Hintergrund: Auf föderaler Ebene wird derzeit an einem Programm zur
Entwicklung des kommunalen Transports gearbeitet. Von den in Aussicht
stehenden Subventionen möchte das Swerdlowsker Gebiet einen Teil zur
Modernisierung seiner lokalen Industrie abbekommen. Überdies ist der
Absatz bereits so gut wie gesichert. In der Hauptstadt des Gebiets
Swerdlowsk, Jekaterinburg, müssen in den nächsten sechs bis neun Jahren
90% der veralteten Straßenbahnen gegen neue ausgetauscht werden. Die
endgültige Entscheidung über die Einrichtung des Clusters wird auf Ebene
der russischen Regierung getroffen, denn Dachorganisation von FGUP UKWS
ist Roskosmos (Abnehmer von 70% der Produktion).
Das
Tscheljabinsker Traktorenwerk wird als Basis für die Entwicklung der
gesamten Division "Straßen-Baumaschinen und Kommunaltechnik" von
Uralwagonzawod dienen. In dieser Division werden alle Aktiva zur
Produktion von zivilen Fahrzeugen gebündelt. Dazu sollen der neuen
Unternehmenseinheit auch bestehende Werksteile von Uralwagonzawod
angeschlossen werden, darunter am Hauptsitz in Nishni Tagil, in der OAO
Maschinostroitelnaja kompanija "Witjas" (Ischimbaj, Republik
Baschkortostan, www.bolotohod.ru) und im Rubzowsker Maschinenbauwerk (www.rmz.ru).
In Ischimbaj und Rubzowsk werden spezielle Raupenfahrzeuge als
Transporter oder zur Waldbrandbekämpfung produziert. Für die Steuerung
des Unternehmens schwebt Mlodik eine Matrixorganisation vor, bei der
Uraltrak als Kompetenz- und Managementzentrum fungiert.
Die
Finanzierung des Großprojekts soll aus drei Quellen erfolgen: (1) Gelder
aus dem föderalen Zielprogramm "Entwicklung des
Rüstungs-Industrie-Komplexes der Russischen Föderation im Zeitraum 2011
bis 2020", (2) Eigenmittel des Unternehmens, (3) Fremdkapital (Ausgabe
von Aktien an ChTZ-Uraltrak, Kredite). Wenn der Investitionsplan wie
geplant umgesetzt wird, würde Uralwagonzawod bei einigen Typen von
Straßenbaumaschinen und Traktoren zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten
für den Konzern Traktornyje sawody heranwachsen.
Deutsche
Unternehmen, die sich für das Vorhaben interessieren, sollten rasch
persönliche Kontakte zu den Entscheidungsträgern knüpfen. Ein geeigneter
Mittler wäre dabei das Institut OAO Transmaschprojekt (Sankt
Petersburg, www.tmproj.ru),
das auf die Projektierung von Unternehmen des Transportmaschinenbaus
spezialisiert ist und den Plan für die Modernisierung des Motorenwerks
ausgearbeitet hat.
Kontaktanschriften:
OAO NPK Uralwagonsawod
Wostotschnoje schosse 28, 622007 Nishni Tagil, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 3435/34 50 16
Generaldirektor: Oleg Wiktorowitsch Sienko
OOO Tscheljabinski traktornyi sawod "Uraltrak"
Prospekt Lenina 3, 454007 Tscheljabinsk, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 351/775 17 60, Fax: -772 95 83
E-Mail: tractor@chtz.ru, Internet: www.chtz-uraltrac.ru
Generaldirektor: Semen Gennadjewitsch Mlodik
Stellvertreter des Generaldirektors für Entwicklung - technischer Direktor:
Mashit Achmetshanov (Tel.: -773 07 09, Fax: -778 43 03)
OAO Uralski sawod transportnogo maschinostroenija (Uraltransmasch)
ul. Swerdlowa 6, 620027 Jekaterinburg, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 343/336 71 11, Fax: 329 77 00
E-Mail: utranspost@etel.ru, Internet: www.uraltransmash.com
Generaldirektor: Jurij Sergejewitsch Komratov
FGUP Ust-Katawski wagonostroitelnyi sawod imeni "S.M. Kirowa"
ul. Sawodskaja 1, 456043 Ust-Kataw, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 35167/712 88, Fax: -265 41
E-Mail: info@ukvz.ru, Internet: www.ukvz.ru
Generaldirektor: Pawel Wiktorowitsch Abramov
(E.W.)