Moskau (gtai) - Die russische Milchwirtschaft kommt nicht auf die Beine. Zwar wächst die Nachfrage nach Milchprodukten, aber die Angebotsseite schwächelt. Die Produktionsmethoden sind veraltet und ineffizient, finanzielle Hilfen der letzten Jahre haben fast keinen Fortschritt gebracht. Das neue Ideenpaket des Landwirtschaftsministeriums soll jetzt Veränderung bringen, Investitionen attraktiver machen und die Landwirte zum Erhalt ihrer Viehbestände ermutigen. (Kontaktanschriften)Staatlicher Maßnahmenkatalog soll Investitionen ankurbeln und der Produktion aus der Krise helfen / Von Edda Wolf und Stephanie Adam
Die Milchwirtschaft ist schon seit vielen Jahren ein Sorgenkind Russlands. Zwar sind die Milcherträge pro Kuh nach Angaben des Landwirtschaftsressorts 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 110 kg gestiegen, trotzdem liegen sie mit insgesamt 4.150 kg noch weit unterhalb des EU-Niveaus. In Deutschland beispielsweise hat die Milchleistung die Marke von 7.000 kg je Kuh im Jahr 2009 überschritten.
Trotz verschiedener Förderungsansätze will die russische Milchproduktion nicht so recht in Gang kommen. Der Bestand an Milchkühen nimmt ab, die Herstellungsmethoden sind überholt. Der Gesamtmilchausstoß sank 2010 um 2,1%. Nur bei verarbeiteter Trinkmilch produzierte das Land 2010 fast 11% mehr als 2009. Nach Ministeriumsangaben reicht die Produktion nicht aus, um die inländische Nachfrage zu befriedigen. Russland stelle jährlich 32 Mio. t Milch her, während das Marktvolumen bei 40 Mio. t läge.
Folglich ist das Land auf Importe angewiesen. Auf Grund der Wetterkapriolen verdoppelte sich 2010 die Einfuhr von Milch und Sahne, schreibt die Wirtschaftszeitung Rbc Daily. Auch die Importe von Käse und Quark stiegen um ein Viertel. Deutschland, wichtigster Lieferant von Quark und Käse nach Russland, konnte im Berichtsjahr seine Exporte von Milchprodukten sogar um 60% erhöhen.
Diese Importabhängigkeit will der russischen Regierung nicht so recht schmecken. Schon seit einiger Zeit versucht sie, die eigene Produktion wieder anzukurbeln und autark zu werden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat das russische Landwirtschaftsministerium jetzt einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der die Milchwirtschaft wettbewerbsfähig machen soll. Die wichtigsten Eckpunkte: Der Staat wird die Milchproduktion in Zukunft nicht mehr nach Herdengröße subventionieren. Stattdessen bezahlt er den Bauern eine Prämie in Abhängigkeit von der hergestellten Menge, also pro Liter.
Auch können Landwirte künftig finanzielle Unterstützungen für den Erhalt ihrer Viehbestände erhalten: Die Regierung bezuschusst die Ausgaben für den Unterhalt bestehender Rinderherden und den Erwerb neuer Zuchttiere. Die Zinssubventionen für Investitionskredite, mit deren Hilfe Bau- und Modernisierungsprojekte im Bereich Viehzucht finanziert werden, sollen erhalten bleiben. Für Investitionen in neue Kapazitäten für die Milchverarbeitung sei Ähnliches angedacht, erklärte Jelena Skrynnik. Die Landwirtschaftsministerin ist zudem überzeugt, dass saisonale Einfuhrzölle auf bestimmte Branchenerzeugnisse für den Erfolg der russischen Milchwirtschaft unumgänglich seien.
Um die genannten Maßnahmen finanzieren zu können, erhöhte der Staat das diesjährige Budget für die Förderung der Milchviehwirtschaft um 36% auf 27,9 Mrd. Rubel (Rbl; 700 Mio. Euro, Wechselkurs der russischen Zentralbank vom 27.8.11: 1 Euro = 41,67 Rbl). Ein Großteil davon, 18,5 Mrd. Rbl, fließt in die Subvention von Zinskosten. Das soll die Investitionstätigkeit anregen. Wie Landwirtschaftsministerin Skrynnik berichtete, befinden sich derzeit russlandweit 124 neue Milchviehzuchtkomplexe im Bau. Von diesen sollen 56 schon 2012 ihren Betrieb aufnehmen. Das schaffe Kapazitäten für die Erzeugung von 535.000 t Milch zusätzlich pro Jahr.
Quellen: Prime-Tass, Unternehmensmeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest
Allein das Gebiet Uljanowsk baut neue Milchviehbetriebe im Wert von 3,8 Mrd. Rbl mit Platz für 8.200 Kühe. Im Rahmen des Zielprogramms "Modernisierung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie des Gebietes Uljanowsk in den Jahren 2011 bis 2015" schafft die lokale Regierung in den Kreisen Nowomalyklinsk, Sursk, Kusowatowsk, Uljanowsk, Majnsk zusätzliche Kapazitäten für insgesamt bis zu 55.700 t Milch pro Jahr. Darüber hinaus sollen bestehende Betriebe saniert und mit moderner Technik ausgestattet werden.
Ähnlich viel Geld investiert die SAO Agrokompleks im Gebiet Iwanowsk. Sie baut einen Viehzuchtkomplex für 2,5 Mrd. Rbl, wie Ende August 2011 bekannt wurde. Dort sollen sowohl Milch als auch Fleisch und Futter erzeugt werden. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen öffentlichen Stellen und privaten Unternehmen. Es soll innerhalb der kommenden zwei Jahre realisiert werden.
In Tomsk investiert die Sibirskaja Agrarnaja Gruppa (SAG) 800 Mio. Rbl in eine Milchfarm. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe wird die SAG nach eigenen Angaben in Bauarbeiten stecken, 80 Mio. Rbl sind für Ausrüstung und Anlagen veranschlagt, nochmals 60 Mio. Rbl fließen in die Futtertechnik. Dazu kommen die Kosten für den Kauf der Tiere: etwa 200 Mio. bis 250 Mio. Rbl.
Auch das Gebiet Tula zieht nach. Anfang August 2011 wurde dort der Grundstein für einen der größten Viehzuchtkomplexe Zentralrusslands gelegt. Vor Ort sollen circa 10.500 Tiere gehalten und jährlich 45.000 t Milch produziert werden. Ausgerüstet mit modernster Stall- und Energiespartechnik wird dies nicht nur der größte, sondern auch einer der fortschrittlichsten Viehzuchtanlagen der Region.
Während die Regierung sich um die Angebotsseite bemüht, widmet sich einer der größten russischen Milchverarbeiter der Nachfrageseite. Das Unternehmen Danone-Unimilk will zusammen mit dem Nationalen Verband der Milcherzeuger Sojusmoloko durch geeignete Marketingmaßnahmen den Milchkonsum in Russland anregen und den Pro-Kopf-Verbrauch von derzeit knapp 260 kg auf 320 bis 340 kg erhöhen.
per. Kooperatiwny 4, 634009 Tomsk
Tel.: 007 3822/90 00 99, Fax: -90 02 34
Internet: www.sibagrogroup.ru
Kontakt: Andrej Petrowitsch Tjutjuschew, Generaldirektor
SAO Agrokompleks
ul. Stepnaja 1, 353100 Wyselki
Tel./Fax: 007 861/577 83 33
E-Mail: vslagro@mail.ru
Regierung des Gebietes Tula
ul. Lenina 2, 300600 Tula
Tel.: 007 4872/27 84 36, Fax: -20 63 26
E-Mail: admin@region.tula.ru, Internet: www.admportal.tula.ru
Regierung des Gebietes Uljanowsk
Ploschtschad Lenina 1, 432017 Uljanowsk
Tel.: 007 8422/41 37 26
E-Mail: mail@ulgov.ru, Internet: http://ulgov.ru
(E.W.)
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland
Die Milchwirtschaft ist schon seit vielen Jahren ein Sorgenkind Russlands. Zwar sind die Milcherträge pro Kuh nach Angaben des Landwirtschaftsressorts 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 110 kg gestiegen, trotzdem liegen sie mit insgesamt 4.150 kg noch weit unterhalb des EU-Niveaus. In Deutschland beispielsweise hat die Milchleistung die Marke von 7.000 kg je Kuh im Jahr 2009 überschritten.
Trotz verschiedener Förderungsansätze will die russische Milchproduktion nicht so recht in Gang kommen. Der Bestand an Milchkühen nimmt ab, die Herstellungsmethoden sind überholt. Der Gesamtmilchausstoß sank 2010 um 2,1%. Nur bei verarbeiteter Trinkmilch produzierte das Land 2010 fast 11% mehr als 2009. Nach Ministeriumsangaben reicht die Produktion nicht aus, um die inländische Nachfrage zu befriedigen. Russland stelle jährlich 32 Mio. t Milch her, während das Marktvolumen bei 40 Mio. t läge.
Folglich ist das Land auf Importe angewiesen. Auf Grund der Wetterkapriolen verdoppelte sich 2010 die Einfuhr von Milch und Sahne, schreibt die Wirtschaftszeitung Rbc Daily. Auch die Importe von Käse und Quark stiegen um ein Viertel. Deutschland, wichtigster Lieferant von Quark und Käse nach Russland, konnte im Berichtsjahr seine Exporte von Milchprodukten sogar um 60% erhöhen.
Diese Importabhängigkeit will der russischen Regierung nicht so recht schmecken. Schon seit einiger Zeit versucht sie, die eigene Produktion wieder anzukurbeln und autark zu werden. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat das russische Landwirtschaftsministerium jetzt einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der die Milchwirtschaft wettbewerbsfähig machen soll. Die wichtigsten Eckpunkte: Der Staat wird die Milchproduktion in Zukunft nicht mehr nach Herdengröße subventionieren. Stattdessen bezahlt er den Bauern eine Prämie in Abhängigkeit von der hergestellten Menge, also pro Liter.
Auch können Landwirte künftig finanzielle Unterstützungen für den Erhalt ihrer Viehbestände erhalten: Die Regierung bezuschusst die Ausgaben für den Unterhalt bestehender Rinderherden und den Erwerb neuer Zuchttiere. Die Zinssubventionen für Investitionskredite, mit deren Hilfe Bau- und Modernisierungsprojekte im Bereich Viehzucht finanziert werden, sollen erhalten bleiben. Für Investitionen in neue Kapazitäten für die Milchverarbeitung sei Ähnliches angedacht, erklärte Jelena Skrynnik. Die Landwirtschaftsministerin ist zudem überzeugt, dass saisonale Einfuhrzölle auf bestimmte Branchenerzeugnisse für den Erfolg der russischen Milchwirtschaft unumgänglich seien.
Um die genannten Maßnahmen finanzieren zu können, erhöhte der Staat das diesjährige Budget für die Förderung der Milchviehwirtschaft um 36% auf 27,9 Mrd. Rubel (Rbl; 700 Mio. Euro, Wechselkurs der russischen Zentralbank vom 27.8.11: 1 Euro = 41,67 Rbl). Ein Großteil davon, 18,5 Mrd. Rbl, fließt in die Subvention von Zinskosten. Das soll die Investitionstätigkeit anregen. Wie Landwirtschaftsministerin Skrynnik berichtete, befinden sich derzeit russlandweit 124 neue Milchviehzuchtkomplexe im Bau. Von diesen sollen 56 schon 2012 ihren Betrieb aufnehmen. Das schaffe Kapazitäten für die Erzeugung von 535.000 t Milch zusätzlich pro Jahr.
| Träger | Ort | Projekt | Kapazität in 1.000 t Milch pro Jahr | Investitionsvolumen in Mrd. Rbl |
| Regierung des Gebiets Uljanowsk | Gebiet Uljanowsk | diverse Viehzuchtkomplexe | 55,7 | k.A. |
| Regierung des Gebiets Tula und private Investoren | Gebiet Tula | Viehzuchtkomplex | 45,0 | 3,8 |
| Sibirskaja Agrarnaja Gruppa | Gebiet Tomsk | Milchfarm | 9,2 | 0,8 |
| SAO Agrokompleks | Gebiet Iwanowsk | Viehzuchtkomplex (Fleisch und Milch) | k.A. | 2,5 |
Allein das Gebiet Uljanowsk baut neue Milchviehbetriebe im Wert von 3,8 Mrd. Rbl mit Platz für 8.200 Kühe. Im Rahmen des Zielprogramms "Modernisierung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie des Gebietes Uljanowsk in den Jahren 2011 bis 2015" schafft die lokale Regierung in den Kreisen Nowomalyklinsk, Sursk, Kusowatowsk, Uljanowsk, Majnsk zusätzliche Kapazitäten für insgesamt bis zu 55.700 t Milch pro Jahr. Darüber hinaus sollen bestehende Betriebe saniert und mit moderner Technik ausgestattet werden.
Ähnlich viel Geld investiert die SAO Agrokompleks im Gebiet Iwanowsk. Sie baut einen Viehzuchtkomplex für 2,5 Mrd. Rbl, wie Ende August 2011 bekannt wurde. Dort sollen sowohl Milch als auch Fleisch und Futter erzeugt werden. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen öffentlichen Stellen und privaten Unternehmen. Es soll innerhalb der kommenden zwei Jahre realisiert werden.
In Tomsk investiert die Sibirskaja Agrarnaja Gruppa (SAG) 800 Mio. Rbl in eine Milchfarm. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe wird die SAG nach eigenen Angaben in Bauarbeiten stecken, 80 Mio. Rbl sind für Ausrüstung und Anlagen veranschlagt, nochmals 60 Mio. Rbl fließen in die Futtertechnik. Dazu kommen die Kosten für den Kauf der Tiere: etwa 200 Mio. bis 250 Mio. Rbl.
Auch das Gebiet Tula zieht nach. Anfang August 2011 wurde dort der Grundstein für einen der größten Viehzuchtkomplexe Zentralrusslands gelegt. Vor Ort sollen circa 10.500 Tiere gehalten und jährlich 45.000 t Milch produziert werden. Ausgerüstet mit modernster Stall- und Energiespartechnik wird dies nicht nur der größte, sondern auch einer der fortschrittlichsten Viehzuchtanlagen der Region.
Während die Regierung sich um die Angebotsseite bemüht, widmet sich einer der größten russischen Milchverarbeiter der Nachfrageseite. Das Unternehmen Danone-Unimilk will zusammen mit dem Nationalen Verband der Milcherzeuger Sojusmoloko durch geeignete Marketingmaßnahmen den Milchkonsum in Russland anregen und den Pro-Kopf-Verbrauch von derzeit knapp 260 kg auf 320 bis 340 kg erhöhen.
Kontaktanschriften
Sibirskaja Agrarnaja Gruppaper. Kooperatiwny 4, 634009 Tomsk
Tel.: 007 3822/90 00 99, Fax: -90 02 34
Internet: www.sibagrogroup.ru
Kontakt: Andrej Petrowitsch Tjutjuschew, Generaldirektor
SAO Agrokompleks
ul. Stepnaja 1, 353100 Wyselki
Tel./Fax: 007 861/577 83 33
E-Mail: vslagro@mail.ru
Regierung des Gebietes Tula
ul. Lenina 2, 300600 Tula
Tel.: 007 4872/27 84 36, Fax: -20 63 26
E-Mail: admin@region.tula.ru, Internet: www.admportal.tula.ru
Regierung des Gebietes Uljanowsk
Ploschtschad Lenina 1, 432017 Uljanowsk
Tel.: 007 8422/41 37 26
E-Mail: mail@ulgov.ru, Internet: http://ulgov.ru
(E.W.)
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland