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Aktuelle Beiträge

Montag, 31. Oktober 2011

Russlands Kfz-Teilemarkt verdoppelt sich bis 2015

Verkäufe wachsen jährlich um 20 bis 30% / Jeder dritte Aussteller ein Chinese auf der "Automechanika-2011" / Von Edda Wolf

Moskau (gtai) - Das Volumen des russischen Marktes für Automobilteile wird für 2011 auf 37,5 Mrd. US$ geschätzt. Auf kurzfristige Sicht wächst dieser Markt um 20 bis 30% pro Jahr, prognostiziert die Marktforschungsagentur Autostat. Bis 2015 könnte sich das Volumen so auf 74,7 Mrd. $ verdoppeln. Triebkräfte sind die steigende Produktion und der rasch zunehmende Automobilbestand. Das haben auch die Kfz-Hersteller AwtoWAZ und GAZ erkannt und ändern ihre Strategie fürs Komponenten-Geschäft. Zudem drängen immer mehr chinesische Anbieter auf den Markt.

Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes mit Autoteilen in Russland wird auf dem Sekundärmarkt erzielt. Dessen Größe veranschlagt Autostat für das Jahr 2011 auf mehr als 20 Mrd. $. Allerdings nimmt seine Bedeutung ab und die des Primärmarktes zu. Während im Jahr 2007 noch 61,6% der Autoteile am Sekundärmarkt verkauft wurden, sind es 2011 nur noch 54,6%.
Markt für Autoteile in Russland (Komponenten und Ersatzteile, in Mrd. US$)

2008 2009 2010 Prognose 2011
Gesamtmarkt 27,78 19,72 29,21 37,55
Primärmarkt 10,99 4,35 11,44 17,03
Sekundärmarkt 16,79 15,37 17,77 20,52
Primärmarkt - Marktanteil 39,6% 22,0% 39,2% 45,4%
Sekundärmarkt - Marktanteil 60,4% 78,0% 60,8% 54,6%
Quelle: Autostat ( www.autostat.ru)
Lieferung von Autoteilen (Ersatzteilen) auf den Sekundärmarkt (in Mrd. US$)

2008 2009 2010 Prognose 2011
Insgesamt 16,79 15,37 17,77 20,52
Ausländische Marken 9,77 9,44 11,24 13,47
Russische Marken 6,92 5,93 6,53 7,05
Ausländische Marken - Marktanteil 58,2% 61,4% 63,3% 65,6%
Russische Marken - Marktanteil 41,8% 38,6% 36,7% 34,4%
Quelle: Autostat
Mit jedem Jahr steigt der Kraftfahrzeugbestand in Russland weiter und damit das Volumen des Ersatzteilmarktes. Allein in den letzten drei Jahren kamen 5 Mio. Fahrzeuge hinzu. Zu Jahresbeginn 2011 zählte der Fuhrpark 41,4 Mio. Kfz. Bis 2015/16 werden 50 Mio. Kfz auf Russlands Straßen fahren, prognostiziert Autostat.
Zum Ersatzteilbedarf tragen auch die große Zahl der Unfälle (2010: 199.431) und das hohe Durchschnittsalter der Automobile in Russland bei. Mehr als die Hälfte der Autos (53,3%) in Russland ist bereits älter als zehn Jahre. Dagegen beträgt der Anteil bis zu drei Jahre alter Autos nur 15% (5,8 Mio. Stück), erläuterte Sergej Zelikov, Direktor der Agentur Autostat. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter bei 13 Jahren. Autos ausländischer Marken sind dabei im Schnitt wesentlich jünger (9,4 Jahre) als Autos russischer Marken (15,7 Jahre).
Bestand an Kraftfahrzeugen in Russland (1. Januar 2011)

Bestand (in Stück) Veränderung des Bestands 1.1.2011/1.1.2010 (in %)
Kraftfahrzeuge, insgesamt 41,38 Mio. +3,8
Leichte Automobile 34,04 Mio. +4,1
Leichte Nutzfahrzeuge 3,54 Mio. +5,2
Lastkraftwagen 3,43 Mio. +0,3
Autobusse 374.000 +0,5
leichte Automobile: 220,8 Stück pro 1000 Einwohner in Russland (Jahr 2009)
Quelle: Autostat
Struktur des Bestands an leichten Automobilen nach Marken (Stand: 1. Januar 2011)
Marke Anteil in %
Marke Anteil in %
Lada 41,6
Mitsubishi 2,4
Toyota 8,4
Hyundai 2,2
GAZ 4,5
Volkswagen 2,1
Moskwisch 4,1
UAZ 2,0
Nissan 3,7
Honda 1,9
Ford 2,8
Opel 1,8
Chevrolet 2,6
Renault 1,6
ZAZ 2,5
Andere 15,8
Quelle: Autostat
Die Struktur der Nachfrage verschiebt sich zusehends weiter zu Gunsten von Teilen für Automobile ausländischer Marken. Auf diese entfällt bereits rund 65,5% des Sekundärmarktes. Allerdings wird der größte Teil der Komponenten für Autos ausländischer Marken nicht in Russland hergestellt, sondern importiert. Da die Preise für diese Teile hoch sind, gibt es in Russland einen schwunghaften Handel mit Nicht-Originalteilen und gefälschten Teilen.
Die umsatzstärksten Segmente am Sekundärmarkt sind Reifen, Komponenten für die Radaufhängung und Federung, Fette/Öle und Filter. Das Teile für die Radaufhängung und Federung bei der Nachfrage an zweiter Stelle stehen, verwundert nicht angesichts des schlechten Zustandes vieler Straßen in den russischen Regionen. So manches Schlagloch hat hier schon seinen Tribut gefordert. Die Härten, die ein Fahrwerk in Russland überstehen muss, sind eindrucksvoll mit Fotos auf Internetseiten wie Rosyama.ru und Dorogipskova.ru dokumentiert.
Struktur des Absatzes am Sekundärmarkt für das Jahr 2011 (Prognose)
Art des Ersatzteils Umsatz (Mio. US$)
Reifen 2.634,34
Radaufhängung, Federung 2.379,60
Fette/Öle 1.980,95
Bremssystem 1.157,22
Filter 1.106,79
Transmission 943,83
Lenkradsteuerung 814,42
Autoelektrik 716,78
Karosserieteile 698,95
Kupplung 677,17
Auto-Batterie 673,94
Zündsystem 471,55
Auspuffsystem 445,73
Kraftstoffsystem 363,58
Riemen 318,71
Teile für ESM 282,27
Kühlsystem 169,95
Motorenteile 151,26
Sonstige 4.530,00
Quelle: Autostat
Am liebsten greifen russische Autobesitzer auf Analogteile zu. Diese sind nicht so teuer wie Originalteile und versprechen dennoch eine gleichwertige Qualität. Insgesamt ist der russische Sekundärmarkt dadurch gekennzeichnet, dass die Anforderungen an die Qualität der Kfz-Teile steigen, es gleichzeitig aber nicht genügend Produzenten von qualitativ hochwertigen Komponenten im Land gibt.
Struktur der Produktion von Ersatzteilen in Russland

Anteil in %
Originalteile 20 bis 30
Analogteile 40 bis 60
Gefälschte Teile 20 bis 30
Quelle: Autostat
Beim Vertrieb von Autoteilen geht der Trend weg vom Kauf auf offenen Märkten hin zum regulären Ersatzteilhandel in spezialisierten Geschäften. Dabei spielt das Internet eine wichtige Rolle. Zu den größten Autoteile-Händlern in Russland gehören ABS-Auto ( www.abs-avto.ru), Berg ( www.berg.ru), Exist.ru ( www.exist.ru), Favorit ( www.favorit-auto.ru), Forum Auto (ATR Group, www.forum-auto.ru), TD Bilajt ( www.bilight.biz), TK ( www.tk-avto.ru) und Kolesny rjad (Felgen, www.kolrad.ru).
Verkaufskanäle für Ersatzteile in Russland

Anteil in %
Offizielle Händler und Service-Stationen 20 bis 30
Handelsketten und große Geschäfte für Autoteile 35 bis 45
Märkte (Basare) und Garagen-Geschäfte 30 bis 40
Quelle: Autostat
Weniger als ein Drittel der Automobile in Russland wird bei offiziellen Händlern gewartet. Während der Garantiezeit ist dieser Anteil noch relativ hoch. Kaum sind diese zwei bis drei Jahre jedoch um, wechselt die Hälfte der russischen Autobesitzer zu einer der billigeren freien Werkstätten. Hat der vierrädrige Untersatz erst fünf Jahre auf dem Blechbuckel, dann wird er von seinem Besitzer meist zu einer freien Servicestation oder Werkstatt gebracht. Noch ältere Autos mit mehr als acht bis zehn Jahren landen zur Reparatur in der Regel in einer Garagen-Werkstatt oder der Besitzer schraubt selbst daran herum.
Insgesamt gibt es über 10.000 offiziell registrierte Service- und Reparaturwerkstätten für Automobile in Russland. Der größte Teil sind unabhängige Werkstätten (einzeln oder als Ketten). Dahinter folgen die Garagen-Werkstätten, die meist in den Außenbezirken der Städte liegen und auf die Marken Schiguli und Moskwitsch spezialisiert sind. Die kleinste Gruppe bilden die Servicezentren bei den autorisierten Kfz-Händlern ( http://official-dealers.ru , www.auto-dealer.ru). Offizielle Händler von Autos ausländischer Marken haben inzwischen mehr als 1200 Servicestationen in Russland eröffnet.
Struktur des Marktes für Service- und Reparaturwerkstätten für Automobile

Offizielle Händler und ihre Servicezentren Unabhängige Service-Stationen und Werkstätten Garagen-Werkstätten und Do-it-yourself
Jahr 2007 10% 60% 30%
Jahr 2011 25 bis 35% 30 bis 40% 30 bis 40%
Quellen: NAPTO (Zahlen für 2007), Autostat (Zahlen für 2011)
Eine der größten unabhängigen Werkstattketten in Russland betreibt Bosch unter dem Namen "Bosch Avto Servis". Zurzeit gibt es 205 Bosch Auto Service-Stationen in 97 russischen Städten, davon 82 Stationen im Zentralen Föderalbezirk. Diese betreuen 650.000 Kunden. Bis Ende 2016 will Bosch sein Netz auf rund 750 Stationen ausbauen, sagte Nikolaj Jankowski, Leiter der Gruppe zur Entwicklung des Netzes von Bosch Auto Service auf dem II. Internationalen Forum "Entwicklung des Automobilbaus und des Marktes für Autokomponenten in Russland" am 25.8.2011 auf der Messe "Automechanika" in Moskau.
Die Unternehmensgruppe Rolf, zweitgrößter Automobilhändler in Russland, hat ihre Kette von Service- und Reparaturwerkstätten "Belyj Servis" ( http://beliyservice.ru) am 31.8.2011 verkauft. Das Geschäft wurde von Dmitri Potkin übernommen - dem Mann, der diese Kette als Projektleiter seit 2009 aufgebaut hat. Er ist jetzt Inhaber des Markennamens "Belyj Servis" und der firmeneigenen Servicestation an der Dmitrowski schosse in Moskau sowie verantwortlich für die Zusammenarbeit mit den existierenden Franchise-Partnern. Das sind derzeit 50 Werkstätten in 36 Städten Russlands. Zukünftig sollen die Zahl der firmeneigenen Werkstätten erhöht und neue Partner russlandweit hinzugewonnen werden.
Auch die russischen Automobilhersteller beginnen, dem Ersatzteilgeschäft mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Der größte Produzent, AwtoWAZ, hat erstmals eine eigenständige Marketing-Konzeption für den Sekundärmarkt entwickelt. Diese sieht eine russlandweite Kampagne für Lada-Originalteile, eine einheitliche Gestaltung der Firmengeschäfte und eine moderne Verpackung der Komponenten in den Firmenfarben vor ( www.lada-image.ru). Derzeit gehören zum Vertriebsnetz von AwtoWAZ 40 Händler in 20 Städten Russlands. Für 2012 strebt das Unternehmen eine Ausweitung auf 2500 Einzelhandelsgeschäfte in 350 Städten an, erläuterte Ilja Semenov, Vize-Direktor für den Verkauf von Ersatzteilen bei SAO Lada Image. Die Preisbildung wird auf Marktpreise umgestellt. Außerdem wird ein Logistiksystem für Ersatzteillieferungen aufgebaut. Dazu wurde die Lagerkapazität in Togliatti durch den Bau eines brandneuen Logistikkomplexes verdoppelt und die Barcodierung der Teile eingeführt. Früher konnte es sich AwtoWAZ leisten, die Händler zu sich kommen zu lassen - sie mussten alle Teile selbst am Werk abholen. Heute bekommen sie diese geliefert. Für AwtoWAZ ist das revolutionär. Der Autoriese erwacht aus seinem Schlaf und wird serviceorientierter.
Auch die Unternehmensgruppe GAZ mit Hauptsitz in Nishni Nowgorod hat eine neue Strategie für ihr Autoteilegeschäft ausgearbeitet. Für das laufende Jahr 2011 ist ein Umsatz von 22 Mrd. Rubel geplant. Das entspricht ungefähr 20% des Gesamtumsatzes von GAZ. Bis zum Jahr 2015 strebt der Kfz-Hersteller eine Verdopplung des Erlöses aus dem Komponenten-Geschäft an. Außerdem soll es effektiver organisiert werden. Dazu unterteilt GAZ alle Komponenten in drei Gruppen:
1. Teile wie Brücken, Eisenguss und dergleichen (erbringen derzeit 40% des Umsatzes) - die Produktion dieser Teile will GAZ selbst weiterentwickeln;
2. Teile wie Räder, Auspuffanlagen und dergleichen (erbringen derzeit 50% des Umsatzes) - die Produktion dieser Teile will GAZ zusammen mit Partnern entwickeln;
3. Verbleibende Teile wie Kupplungen, Brems- und Kraftstoffsystem (erbringen derzeit 10% des Umsatzes) - die Produktion dieser Teile will GAZ verkaufen, wenn Investoren entsprechende Angebote machen.
Kleinere Stationen für den technischen Service von Automobilen haben in Russland mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Das größte sei der fehlende freie Zugang zu technischen Dokumentationen und Reparaturanleitungen, berichtete Alexandr Zebrevy, Chef der Service-Werkstatt "Avtomatik" in Komsomolsk-am-Amur. Avtomatik hat sich auf die Reparatur von Automatikgetrieben spezialisiert und ist jedes Mal damit konfrontiert, als freie Werkstatt nicht an die offiziellen Handbücher heran zu kommen. Außerdem gebe es nicht genügend Fachpersonal. Durch diese Mängel fehlten verlässliche Standards bei der Reparatur und es komme zu Konflikten mit unzufriedenen Kunden.
Das Auffälligste an der Autoteile-Messe "Automechanika-2011" ( www.mims.ru) in Moskau war die erdrückende Präsens chinesischer Unternehmen. Sie hatten einen von vier Pavillons komplett für sich gemietet. Von den rund 900 Austellern (aus 45 Ländern) kamen 300 aus der VR China - jeder dritte Aussteller war ein Chinese. Hinzu kamen 70 Unternehmen aus Taiwan. Aus Russland zeigten rund 250 Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen (inklusive Fachjournale), aus Belarus und der Ukraine 20 bis 30 Unternehmen. Daneben gab es Gemeinschaftsstände aus Deutschland (21 Firmen), Italien, Frankreich, Großbritannien, Polen, Serbien, Korea (Rep.), Thailand, Singapur und Australien.
Die russischen Fachmedien stellten unisono eine Frage: Wie wird es wohl in fünf Jahren auf der "Automechanika" aussehen? Wie viele einheimische Unternehmen werden dann übrig geblieben sein? Erfolgreiche russische Autoteile-Produzenten wie das Borsker Glaswerk (Autoscheiben) oder SKAD (Felgen) hatten große Einzelstände gemietet, andere traditionelle russische Hersteller sind weniger finanzkräftig und mussten sich mit einem kleinen Reihenstand begnügen. Ihre Zukunft erscheint angesichts der billigen und qualitativ besser werdenden Konkurrenz aus Asien ungewiss. Der Managing Direktor von Autostat, Sergej Udalov, skizzierte den Ausblick so: Ein großer Teil der Komponenten am russischen Sekundärmarkt werde künftig ausländischer, vor allem chinesischer Herkunft sein. Am Handel und Service werden aber vor allem russische Unternehmen verdienen.

Hinweise

Marktstudien und Statistiken über den russischen Automobilmarkt und den Autoteilemarkt bietet die Marktforschungsagentur Autostat an (auch in englischer Sprache, www.autostat.ru).
Adressen der rund 10.000 Service- und Reparaturwerkstätten für Automobile in Russland mit Namen des Geschäftsführers und Umsatzangabe sind erhältlich bei der AHK Moskau, Herr Dr. Spaak oder Herr Nikitenko ( http://russland.ahk.de).

Kontaktanschrift

Nazionalnaja Assoziazija Predprijatij technitscheskogo obslushiwanija i remonta avtomototransportmych sredstw (NAPTO)
(Nationale Assoziation der Unternehmen für technischen Service und Reparatur von Kraftfahrzeugen)
111402 Moskau, uliza Ketscherskaja 9
Tel.: 007 (495) 742 65 92, -370 50 00; Fax: -370 31 03
E-Mail: , Internet: www.napto.ru
Geschäftsführender Direktor: Boris Laskin
(E.W.)

Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland