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Montag, 5. Dezember 2011

Investitionen in russische Wintersportgebiete steigen auf Rekordhöhe

Großprojekte im Kaukasus angekündigt / Ausländische Unternehmen bekunden Interesse / Von Lukas Jakob und Gerit Schulze

Moskau (gtai) - Die krisengeschüttelten russischen Regionen im Nordkaukasus sehen den Tourismus als Chance für eine nachhaltige Entwicklung. Schon in einigen Jahren soll das Gebiet mit den großen Wintersport-Regionen der Welt konkurrieren können. Ausländische Investoren haben bereits Interesse an den geplanten Projekten signalisiert. Die russische Regierung hat zum Beginn der Wintersaison alle Antiterror- Maßnahmen im Kaukasus für beendet erklärt.

Die in Russland anstehenden Sportereignisse Olympische Winterspiele 2014 und Fußball-WM 2018 bieten ausländischen Unternehmen gute Geschäftschancen. Neben Stadien und Liftanlagen werden Hotels, Einkaufs- oder Erholungszentren entstehen. Bei Investitionen in die Infrastruktur schätzen Auftraggeber europäische Tugenden wie Qualität, Sicherheit und Fachkompetenz der Unternehmen, erklärt Johannes Ausserer, Verwaltungsdirektor der OOO Pichler Rus, den Erfolg seines Unternehmens in Russland. Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, importiert das Unternehmen mit Sitz im Südtiroler Bozen fertige Teile aus Italien. Diese werden vor Ort von italienischen Fachleuten zusammengesetzt. Nur für kleinere Arbeiten greift Pichler auf lokale Partner zurück.
Zwischen 8 und 10% des Umsatzes erwirtschaftet Stahlbau Pichler mittlerweile in Russland. Dieser Anteil werde weiter steigen, so Ausserer. Das Unternehmen plante die Curlinghalle und die kleine Eishockeyhalle für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Das Besondere daran: Beide Gebäude sind montier- und demontierbar und können somit nach den Wettkämpfen an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.
Die Olympischen Spiele sind bei weitem nicht das einzige Großvorhaben im Kaukasus. Im März 2011 hat die neugegründete OJSC Northern Caucasus Resorts in Cannes das Projekt "Northern Caucasus Resorts" vorgestellt. Nach Angaben von Direktor Alexej Newski sollen bis 2020 insgesamt etwa 14 Mrd. US-Dollar US$ in den Bau von fünf neuen Skigebieten fließen. Davon hat der russische Staat 2 Mrd. $ zugesichert, um das Schienen- und Straßennetz auszubessern und zu erweitern. Das schließt auch den Neubau oder die Erweiterung von Bahnhöfen und Flughäfen ein. Die restlichen 12 Mrd. $ Finanzmittel sollen private Investoren beitragen. Sie sollen vollständig ausgestattete Bauplätze mit Strom-, Wasser- und Gasanschluss zur Verfügung gestellt bekommen. Die Koordinierung des Entwicklungs- und Baukonzepts übernimmt eine von OJSC Northern Caucasus Resorts und der französischen Bank "Caisse des dépôts et consignations" neu gegründete russisch-französische Gesellschaft.
Auch Korea (Rep.) will von der Entwicklung des Kaukasus profitieren. Wie auf einem Treffen der beiden Staatspräsidenten Dmitri Medwedew und Lee Myung-Bak im November 2011 bekannt gegeben wurde, gründen die OJSC Northern Caucasus Resorts und die koreanischen Unternehmen Korea Western Power und CHT Korea eine gemeinsame Tochterfirma. Die Asiaten planen 1 Mrd. US$ Investitionen in den Bau von fünf Kraftwerken zur Energieversorgung des Tourismus-Cluster im Nordkaukasus.
Im Westen des Kaukasus soll unweit von Sotschi das ganzjährige Resort Lagonaki gebaut werden. Neben Alpin- und Langlaufski möchte Northern Caucasus Resorts besonders mit Extremsport wie Rafting und Klettern Gäste anlocken. Der internationale Flughafen in Krasnodar liegt nur etwa 190 Kilometer entfernt.
In der Republik Karatschai-Tscherkessien sehen die Planungen große Investitionen in den Ferienort Archys vor. Neben Wintersport und Sommertourismus werden die in Russland bekannten Mineralwasserquellen des Ortes für den Kurtourismus erschlossen. In der Ortschaft Selentschugskaja ist der Bau eines neuen Inlandsflughafens vorgesehen.
In der Nähe des mit 5.642 Meter hohen Elbrus wird der Urlaubsort Elbrus-Besengi entstehen. Wintersportler sollen in der Lage sein, bis auf 4.164 Meter Höhe zu fahren, um das Bergpanorama zu genießen. Die umliegende Hochgebirgslandschaft des höchsten Berges Russlands zieht außerdem Alpintouristen an. Als weiterer Vorteil gilt die mit 160 Kilometer kurze Distanz zum internationalen Flughafen in Mineralnye Wody.
In Nord-Ossetien wird mit Mamison ein ganzjähriges Touristikzentrum gebaut. Um auch im Sommer gute Skibedingungen zu ermöglichen, soll der Saramag-Gletscher erschlossen werden. In diesem größten der fünf Skigebiete entstehen Hotelkapazitäten für rund 30.000 Gäste. Weiterhin ist die touristische Erschließung zweier Heilquellen geplant.
Die Republik Dagestan möchte in Matlas neben umfangreichen Wintersportmöglichkeiten die reiche Geschichte der Region für Touristen zugänglich machen. Dagestan weist eine lange Traditionen in der Herstellung von Schmuck und Rüstungen auf. Mehr als 150 historische Monumente und Heilquellen, die bei Nierenbeschwerden helfen sollen, bieten weiteres touristisches Potenzial.
Geplante Großinvestition "North Caucasus Resorts"
Skigebiet Pistenkilometer Anzahl Skilifte Tageskapazität Touristen Hotelbetten 3 bis 5 Sterne
Lagonaki 164 28 28.000 16.674
Archys (Arkhyz) 263 54 45.000 23.760
Elbrus- Bezengi 165 28 29.000 14.450
Mamison 196 50 30.000 29.542
Matlas 109 19 18.500 7.000
Quelle: OOO Northern Caucasus Resorts
Die russische Vneschekonombank (VEB) vergab an das russische Unternehmen OOO Wedutschi einen Kredit über 10,2 Mrd. Rbl (240 Mio. Euro, Wechselkurs am 8.11.2011: 1 Euro = 42,07 Rubel). Das Unternehmen plant, den gleichnamigen tschetschenischen Ferienort massiv auszubauen. Es entstehen 17 Skilifte mit einer Kapazität zur Beförderung von 12.000 Personen pro Stunde. Das ist mehr als im olympischen Skiort Rosa Chutor. Neben Skianlagen sehen Planungen bis 2014 den Bau von Hotels, Chalets und einem Einkaufszentrum vor. Die Gesamtinvestitionen betragen 14,5 Mrd. Rbl (341 Mio. Euro).
Ebenfalls von der Vneschekonombank soll das Sportzentum "Kasenoi-Am" in Tschetschenien finanziert werden, das umgerechnet fast 90 Mio. Euro kosten wird. Die an einem See gelegene Anlage war in der Sowjetunion bereits ein großes Sportzentrum und wird auch in Zukunft wieder als Trainingsanlage für die russischen Kajak- und Kanumannschaften dienen. Derzeit liegt das Projekt noch bei den Moskauer Behörden zur Genehmigung vor.
Mit seiner Vielfalt an Mineralquellen und unberührter Natur ist der Kaukasus auch für Kurtouristen potenzielles Reiseziel. Das Unternehmen OOO AFI Rus betreibt bereits seit sechs Jahren in Kislowodsk mit dem "Plaza" ein Kurhotel der Luxusklasse. Die Gäste kommen zum größten Teil aus Moskau und Sankt Petersburg. In einem Interview mit der Tageszeitung RBK Daily zeigte sich Hoteldirektor Oleg Melnik zuversichtlich, was die künftige Entwicklung der Branche angeht. In Kislowodsk habe es noch nie einen Terroranschlag gegeben, Gefahren für die Gäste sehe er momentan aufgrund der guten regionalen Entwicklung nicht. AFI Development will in naher Zukunft ein Kurhotel mittlerer Klasse in Schelesnowodsk sowie ein weiteres Fünf-Sterne-Sanatorium in Kislowodsk eröffnen.
Auch das Stahlbau-Unternehmen Pichler sieht in einer zukünftigen Entwicklung der Wintersportinfrastruktur großes Potenzial. Architektur spielt in Skigebieten eine immer wichtigere Rolle, erklärt Russland-Manager Ausserer. Er hofft, dass sich dieser Trend auch in Russland durchsetzen wird.
Sicherheitsbedenken waren lange ein Hindernis zur touristischen Erschließung des Nordkaukasus. Bis heute kommt es regelmäßig zu Anschlägen auf Polizeistationen oder andere Verwaltungsgebäude. Im Februar 2011 hatten Terroristen in der Teilrepublik Kabardino-Balkarien einen Minibus beschossen und drei Touristen getötet sowie einen Skilift am Elbrus gesprengt. Dennoch hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB Anfang November 2011 die Anti-Terrormaßnahmen im Kaukasus für beendet erklärt. Das Ziel, die Region zu stabilisieren und kriminelle Aktivitäten zu unterbinden, sei erreicht worden. Jetzt biete sich eine einmalige Chance, die Region zu entwickeln.

Tipp

Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 bietet folgende Internetseite:

Kontaktanschriften

OOO Pichler RUS
uliza Malaja Pirogowskaja 18-1, Büro 202, 119435 Moskau
Tel.: 007 495/09 45 93 69
OJSC Northern Caucasus Resorts
Chlebny pereulok 21/4, Office 214, 121096 Moskau
Tel.: 007 495/956 67 01, Fax: -956 67 01
E-Mail: , Internet: www.ncrc.ru
AFI Development
Bereschkowskaya nabereschnaja 16A, Gebäude 5, 121059 Moskau
Tel.: 007 495/796 99 88, Fax: -796 99 89
(S.Z.)


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