Großprojekte im Kaukasus angekündigt / Ausländische Unternehmen bekunden Interesse / Von Lukas Jakob und Gerit Schulze
Moskau (gtai) - Die krisengeschüttelten russischen Regionen im
Nordkaukasus sehen den Tourismus als Chance für eine nachhaltige
Entwicklung. Schon in einigen Jahren soll das Gebiet mit den großen
Wintersport-Regionen der Welt konkurrieren können. Ausländische
Investoren haben bereits Interesse an den geplanten Projekten
signalisiert. Die russische Regierung hat zum Beginn der Wintersaison
alle Antiterror- Maßnahmen im Kaukasus für beendet erklärt.
Die in Russland anstehenden Sportereignisse Olympische Winterspiele
2014 und Fußball-WM 2018 bieten ausländischen Unternehmen gute
Geschäftschancen. Neben Stadien und Liftanlagen werden Hotels, Einkaufs-
oder Erholungszentren entstehen. Bei Investitionen in die Infrastruktur
schätzen Auftraggeber europäische Tugenden wie Qualität, Sicherheit und
Fachkompetenz der Unternehmen, erklärt Johannes Ausserer,
Verwaltungsdirektor der OOO Pichler Rus, den Erfolg seines Unternehmens
in Russland. Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, importiert das
Unternehmen mit Sitz im Südtiroler Bozen fertige Teile aus Italien.
Diese werden vor Ort von italienischen Fachleuten zusammengesetzt. Nur
für kleinere Arbeiten greift Pichler auf lokale Partner zurück.
Zwischen 8 und 10% des Umsatzes erwirtschaftet Stahlbau Pichler
mittlerweile in Russland. Dieser Anteil werde weiter steigen, so
Ausserer. Das Unternehmen plante die Curlinghalle und die kleine
Eishockeyhalle für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Das
Besondere daran: Beide Gebäude sind montier- und demontierbar und können
somit nach den Wettkämpfen an einem anderen Ort wieder aufgebaut
werden.
Die Olympischen Spiele sind bei weitem nicht das einzige Großvorhaben
im Kaukasus. Im März 2011 hat die neugegründete OJSC Northern Caucasus
Resorts in Cannes das Projekt "Northern Caucasus Resorts" vorgestellt.
Nach Angaben von Direktor Alexej Newski sollen bis 2020 insgesamt etwa
14 Mrd. US-Dollar US$ in den Bau von fünf neuen Skigebieten fließen.
Davon hat der russische Staat 2 Mrd. $ zugesichert, um das Schienen- und
Straßennetz auszubessern und zu erweitern. Das schließt auch den Neubau
oder die Erweiterung von Bahnhöfen und Flughäfen ein. Die restlichen 12
Mrd. $ Finanzmittel sollen private Investoren beitragen. Sie sollen
vollständig ausgestattete Bauplätze mit Strom-, Wasser- und Gasanschluss
zur Verfügung gestellt bekommen. Die Koordinierung des Entwicklungs-
und Baukonzepts übernimmt eine von OJSC Northern Caucasus Resorts und
der französischen Bank "Caisse des dépôts et consignations" neu
gegründete russisch-französische Gesellschaft.
Auch Korea (Rep.) will von der Entwicklung des Kaukasus profitieren.
Wie auf einem Treffen der beiden Staatspräsidenten Dmitri Medwedew und
Lee Myung-Bak im November 2011 bekannt gegeben wurde, gründen die OJSC
Northern Caucasus Resorts und die koreanischen Unternehmen Korea Western
Power und CHT Korea eine gemeinsame Tochterfirma. Die Asiaten planen 1
Mrd. US$ Investitionen in den Bau von fünf Kraftwerken zur
Energieversorgung des Tourismus-Cluster im Nordkaukasus.
Im Westen des Kaukasus soll unweit von Sotschi das ganzjährige Resort
Lagonaki gebaut werden. Neben Alpin- und Langlaufski möchte Northern
Caucasus Resorts besonders mit Extremsport wie Rafting und Klettern
Gäste anlocken. Der internationale Flughafen in Krasnodar liegt nur etwa
190 Kilometer entfernt.
In der Republik Karatschai-Tscherkessien sehen die Planungen große
Investitionen in den Ferienort Archys vor. Neben Wintersport und
Sommertourismus werden die in Russland bekannten Mineralwasserquellen
des Ortes für den Kurtourismus erschlossen. In der Ortschaft
Selentschugskaja ist der Bau eines neuen Inlandsflughafens vorgesehen.
In der Nähe des mit 5.642 Meter hohen Elbrus wird der Urlaubsort
Elbrus-Besengi entstehen. Wintersportler sollen in der Lage sein, bis
auf 4.164 Meter Höhe zu fahren, um das Bergpanorama zu genießen. Die
umliegende Hochgebirgslandschaft des höchsten Berges Russlands zieht
außerdem Alpintouristen an. Als weiterer Vorteil gilt die mit 160
Kilometer kurze Distanz zum internationalen Flughafen in Mineralnye
Wody.
In Nord-Ossetien wird mit Mamison ein ganzjähriges Touristikzentrum
gebaut. Um auch im Sommer gute Skibedingungen zu ermöglichen, soll der
Saramag-Gletscher erschlossen werden. In diesem größten der fünf
Skigebiete entstehen Hotelkapazitäten für rund 30.000 Gäste. Weiterhin
ist die touristische Erschließung zweier Heilquellen geplant.
Die Republik Dagestan möchte in Matlas neben umfangreichen
Wintersportmöglichkeiten die reiche Geschichte der Region für Touristen
zugänglich machen. Dagestan weist eine lange Traditionen in der
Herstellung von Schmuck und Rüstungen auf. Mehr als 150 historische
Monumente und Heilquellen, die bei Nierenbeschwerden helfen sollen,
bieten weiteres touristisches Potenzial.
| Skigebiet | Pistenkilometer | Anzahl Skilifte | Tageskapazität Touristen | Hotelbetten 3 bis 5 Sterne |
| Lagonaki | 164 | 28 | 28.000 | 16.674 |
| Archys (Arkhyz) | 263 | 54 | 45.000 | 23.760 |
| Elbrus- Bezengi | 165 | 28 | 29.000 | 14.450 |
| Mamison | 196 | 50 | 30.000 | 29.542 |
| Matlas | 109 | 19 | 18.500 | 7.000 |
Quelle: OOO Northern Caucasus Resorts
Die russische Vneschekonombank (VEB) vergab an das russische
Unternehmen OOO Wedutschi einen Kredit über 10,2 Mrd. Rbl (240 Mio.
Euro, Wechselkurs am 8.11.2011: 1 Euro = 42,07 Rubel). Das Unternehmen
plant, den gleichnamigen tschetschenischen Ferienort massiv auszubauen.
Es entstehen 17 Skilifte mit einer Kapazität zur Beförderung von 12.000
Personen pro Stunde. Das ist mehr als im olympischen Skiort Rosa Chutor.
Neben Skianlagen sehen Planungen bis 2014 den Bau von Hotels, Chalets
und einem Einkaufszentrum vor. Die Gesamtinvestitionen betragen 14,5
Mrd. Rbl (341 Mio. Euro).
Ebenfalls von der Vneschekonombank soll das Sportzentum "Kasenoi-Am"
in Tschetschenien finanziert werden, das umgerechnet fast 90 Mio. Euro
kosten wird. Die an einem See gelegene Anlage war in der Sowjetunion
bereits ein großes Sportzentrum und wird auch in Zukunft wieder als
Trainingsanlage für die russischen Kajak- und Kanumannschaften dienen.
Derzeit liegt das Projekt noch bei den Moskauer Behörden zur Genehmigung
vor.
Mit seiner Vielfalt an Mineralquellen und unberührter Natur ist der
Kaukasus auch für Kurtouristen potenzielles Reiseziel. Das Unternehmen
OOO AFI Rus betreibt bereits seit sechs Jahren in Kislowodsk mit dem
"Plaza" ein Kurhotel der Luxusklasse. Die Gäste kommen zum größten Teil
aus Moskau und Sankt Petersburg. In einem Interview mit der Tageszeitung
RBK Daily zeigte sich Hoteldirektor Oleg Melnik zuversichtlich, was die
künftige Entwicklung der Branche angeht. In Kislowodsk habe es noch nie
einen Terroranschlag gegeben, Gefahren für die Gäste sehe er momentan
aufgrund der guten regionalen Entwicklung nicht. AFI Development will in
naher Zukunft ein Kurhotel mittlerer Klasse in Schelesnowodsk sowie ein
weiteres Fünf-Sterne-Sanatorium in Kislowodsk eröffnen.
Auch das Stahlbau-Unternehmen Pichler sieht in einer zukünftigen
Entwicklung der Wintersportinfrastruktur großes Potenzial. Architektur
spielt in Skigebieten eine immer wichtigere Rolle, erklärt
Russland-Manager Ausserer. Er hofft, dass sich dieser Trend auch in
Russland durchsetzen wird.
Sicherheitsbedenken waren lange ein Hindernis zur touristischen
Erschließung des Nordkaukasus. Bis heute kommt es regelmäßig zu
Anschlägen auf Polizeistationen oder andere Verwaltungsgebäude. Im
Februar 2011 hatten Terroristen in der Teilrepublik Kabardino-Balkarien
einen Minibus beschossen und drei Touristen getötet sowie einen Skilift
am Elbrus gesprengt. Dennoch hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB
Anfang November 2011 die Anti-Terrormaßnahmen im Kaukasus für beendet
erklärt. Das Ziel, die Region zu stabilisieren und kriminelle
Aktivitäten zu unterbinden, sei erreicht worden. Jetzt biete sich eine
einmalige Chance, die Region zu entwickeln.
Tipp
Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere
Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen
Winterspiele 2014 bietet folgende Internetseite:
Kontaktanschriften
OOO Pichler RUS
uliza Malaja Pirogowskaja 18-1, Büro 202, 119435 Moskau
Tel.: 007 495/09 45 93 69
E-Mail:
johannes.ausserer@stahlbaupichler.ru, Internet:
www.stahlbaupichler.ru
OJSC Northern Caucasus Resorts
Chlebny pereulok 21/4, Office 214, 121096 Moskau
Tel.: 007 495/956 67 01, Fax: -956 67 01
E-Mail:
press@ncrc.ru, Internet:
www.ncrc.ru
AFI Development
Bereschkowskaya nabereschnaja 16A, Gebäude 5, 121059 Moskau
Tel.: 007 495/796 99 88, Fax: -796 99 89
E-Mail:
info@afid.ru, Internet:
www.afi-development.ru
(S.Z.)
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland