Interview mit Wladislaw Dmochowski, Generaldirektor SAO Urban Engineering
Moskau (gtai) - Russland richtet die Olympischen Winterspiele 2014 aus.
Kurz darauf folgt die Fußball-WM 2018. Für deutsche Bauplaner und
Bauzulieferer bieten sich bei der Errichtung der Sportstätten, Hotels,
Einkaufszentren, Restaurants und Freizeiteinrichtungen gute
Geschäftschancen - wenn sie die Besonderheiten des russischen Marktes
beachten. Produkte, die für den deutschen Markt hergestellt wurden,
müssen für die Verwendung in Russland oft modifiziert werden. Das gilt
für die Entwurfsplanung von Bauten, aber auch für Brandschutz- oder
Reinigungstechnik
.
Viele deutsche Unternehmen träumen davon, bei den Olympiaprojekten in Sotschi zum Zuge zu kommen. Wie wichtig ist dabei ein lokaler Partner?
Dmochowski: Zweifellos sehr wichtig. Der
russische Markt ist sehr speziell und nicht immer laufen
Verkaufsgeschäfte hier so ab wie im Westen. Bei uns legen Auftraggeber
vor allem Wert auf möglichst geringe Ausgaben. Dabei vergessen sie
häufig, dass damit ab einem bestimmten Punkt auch Qualitätseinbußen
entstehen. Das führt im Endeffekt wieder zu höheren Ausgaben als
eigentlich geplant. Ein lokaler Partner kann den deutschen Unternehmen
dabei helfen, den russischen Kunden zu erklären, warum ihr Angebot, ihre
Technologie und ihre Materialien tatsächlich optimal für das Projekt
sind.
Dann müssen die deutschen Produkte noch den russischen Standards entsprechen...
Sehr
oft stellen wir fest, dass ein Produkt, das für den deutschen Markt
hergestellt wurde, in Russland nicht eingesetzt werden kann und
modifiziert werden muss. Das gilt in erster Linie für die
Entwurfsplanung von Standardbauten, besonders aber auch für bestimmte
Ausrüstung wie Brandschutztechnik oder Reinigungsanlagen. Ein russischer
Partner kann da helfen, den Arbeitsumfang für die Anpassung an die
russischen Erfordernisse besser einzuschätzen und so den Kostenaufwand
zu senken. So arbeiten wir zum Beispiel mit dem deutschen Unternehmen
Zehnder zusammen, dessen Produkte wir für den Einsatz bei Projekten in
Russland empfehlen.
Welche Projekte hat Ihr Unternehmen bereits in Sotschi realisiert?
Urban
Engineering ist seit 2008 in Sotschi vertreten. Seitdem haben wir eine
Reihe von Projekten dort begleitet, sowohl aus dem offiziellen
olympischen Bauprogramm als auch andere Bauvorhaben. Aktuell sind wir in
die Planung des Olympischen Dorfes in der Imeritinskaja-Niederung
involviert. Der Bau der olympischen Objekte erfordert enorme Ressourcen.
Bei vielen Baumaterialien herrscht in der Region ein Defizit. Daher
haben einige Investoren ihre Baupläne nach hinten verschoben. Das
betrifft zum Beispiel den von uns geplanten Umbau eines Sanatoriums im
Ortsteil Lasarewskoje, der nun erst 2014 beginnen soll.
Die Bauarbeiten für die Winterspiele 2014 sind in vollem Gange. Gibt es noch Vorhaben, an denen sich deutsche Unternehmen beteiligen können?
Die
Sportstätten sind bereits im Bau, einige wurden zum Teil sogar schon
übergeben. Bei den Hotels beginnen die Bauarbeiten oder Sanierung gerade
erst. Hier sehe ich großes Potenzial für deutsche Technologie und
Erfahrungen. Derzeit konzentrieren viele deutsche Unternehmen ihre
Aufmerksamkeit auf Olympia 2014. Die moderne Infrastruktur, die Sotschi
für die Spiele 2014 bekommt, macht die Region insgesamt attraktiver für
neue Bewohner. Es entsteht Bedarf an neuen Einkaufszentren, Restaurants,
Freizeit- und sozialen Einrichtungen, aber auch an Logistik- und
Produktionsflächen. Die deutschen Erfahrungen sind hier sehr gefragt.
Wie sehen Sie Sotschi nach dem Frühjahr 2014? Hat die Stadt eine Chance, zu einem Erholungsort von Weltrang zu werden?
Die
Erfahrungen anderer Städte zeigen, dass Olympische Spiele der
Entwicklung einer Region gewaltige Impulse verleihen. Im Jahr 2014
erfährt die ganze Welt von Sotschi. Das wird den Tourismus ankurbeln und
neue Investoren anlocken. Außerdem unternimmt die russische Regierung
einiges, um internationale Sportereignisse in die Stadt zu holen. Gleich
nach den Winterspielen findet in Sotschi erstmals in der Geschichte
Russlands ein Formel-Eins-Rennen statt. Außerdem sind die Stadien von
Sotschi als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018
vorgesehen. Ich bin sicher, dass die Region auch in Zukunft eine
Vielzahl von Sportwettkämpfen auf höchstem internationalen Niveau sehen
wird.
Apropros: Wie stehen die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2018? Werden schon jetzt erste Aufträge vergeben?
Wie
die Olympia-Erfahrungen gezeigt haben, vergeht zunächst sehr viel Zeit
für die Grundlagenermittlung und Vorplanung. Das liegt an der zum Teil
veralteten, zum Teil fehlenden normativen Basis für den Bau moderner
Fußball-Stadien. Allerdings wissen wir, dass Planung und sogar der Bau
einiger Objekte bereits laufen. Spezifische technische Lösungen, die
deutsche Unternehmen anbieten, müssen in der Architektur- und
Planungsphase an die russischen Normen angepasst werden. Das gilt
besonders für Umwelttechnologien. Wer solche Produkte verkaufen will,
sollte schon jetzt aktiv werden. Für einfachere Produkte bleibt sicher
noch etwas Zeit. Allerdings würde ich die Gespräche mit potenziellen
Auftraggebern nicht auf die lange Bank schieben.
Die Fragen stellten Anna Metzler (AHK Moskau) und Gerit Schulze (GTAI).
Das Unternehmen
Die SAO Urban Engineering (www.ipmp.ru)
mit Sitz in Moskau war eines der ersten privaten Projektierungsbüros,
das nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland gegründet wurde. Die
Gesellschaft hat sich spezialisiert auf die Entwurfs- und
Genehmigungsplanung für große Bauvorhaben. In der Kundenkartei des
Unternehmens stehen namhafte Konzerne wie Gasprom, Strabag und BP, auch
deutsche Firmen wie Veka, Schattdecor und Metro. Urban Engineering ist
in ganz Russland aktiv, ein regionaler Schwerpunkt liegt jedoch in der
Olympia-Metropole Sotschi. Dort hat das Unternehmen seit 2008 eine
eigene Repräsentanz. Eines der Vorzeigeprojekte in der Region ist der
Erholungskomplex "Sotschnoje" direkt am Schwarzen Meer. Mit einer
Mischung aus Apartmentgebäuden (3.000 Wohnungen), Fünf-Sterne-Hotel (500
Zimmer), Jachtclub (650 Ankerplätze), Einkaufszentrum (158.000
Quadratmeter) und Ausstellungshallen (50.000 Quadratmeter) soll das
Immobilienvorhaben die Region deutlich aufwerten. SAO Urban Engineering
ist ein interessanter Ansprechpartner für deutsche
Technologielieferanten. Das Unternehmen berücksichtigt bei seinen
Planungen vorwiegend westliche Technik.
Tipp
Die aktuelle
Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den
Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 bietet
folgende Internetseite:
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland