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Dienstag, 6. Dezember 2011

Beim Hotelbau in Sotschi sind deutsche Erfahrungen gefragt

Interview mit Wladislaw Dmochowski, Generaldirektor SAO Urban Engineering

Moskau (gtai) - Russland richtet die Olympischen Winterspiele 2014 aus. Kurz darauf folgt die Fußball-WM 2018. Für deutsche Bauplaner und Bauzulieferer bieten sich bei der Errichtung der Sportstätten, Hotels, Einkaufszentren, Restaurants und Freizeiteinrichtungen gute Geschäftschancen - wenn sie die Besonderheiten des russischen Marktes beachten. Produkte, die für den deutschen Markt hergestellt wurden, müssen für die Verwendung in Russland oft modifiziert werden. Das gilt für die Entwurfsplanung von Bauten, aber auch für Brandschutz- oder Reinigungstechnik
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Viele deutsche Unternehmen träumen davon, bei den Olympiaprojekten in Sotschi zum Zuge zu kommen. Wie wichtig ist dabei ein lokaler Partner?

Dmochowski: Zweifellos sehr wichtig. Der russische Markt ist sehr speziell und nicht immer laufen Verkaufsgeschäfte hier so ab wie im Westen. Bei uns legen Auftraggeber vor allem Wert auf möglichst geringe Ausgaben. Dabei vergessen sie häufig, dass damit ab einem bestimmten Punkt auch Qualitätseinbußen entstehen. Das führt im Endeffekt wieder zu höheren Ausgaben als eigentlich geplant. Ein lokaler Partner kann den deutschen Unternehmen dabei helfen, den russischen Kunden zu erklären, warum ihr Angebot, ihre Technologie und ihre Materialien tatsächlich optimal für das Projekt sind.

Dann müssen die deutschen Produkte noch den russischen Standards entsprechen...

Sehr oft stellen wir fest, dass ein Produkt, das für den deutschen Markt hergestellt wurde, in Russland nicht eingesetzt werden kann und modifiziert werden muss. Das gilt in erster Linie für die Entwurfsplanung von Standardbauten, besonders aber auch für bestimmte Ausrüstung wie Brandschutztechnik oder Reinigungsanlagen. Ein russischer Partner kann da helfen, den Arbeitsumfang für die Anpassung an die russischen Erfordernisse besser einzuschätzen und so den Kostenaufwand zu senken. So arbeiten wir zum Beispiel mit dem deutschen Unternehmen Zehnder zusammen, dessen Produkte wir für den Einsatz bei Projekten in Russland empfehlen.

Welche Projekte hat Ihr Unternehmen bereits in Sotschi realisiert?

Urban Engineering ist seit 2008 in Sotschi vertreten. Seitdem haben wir eine Reihe von Projekten dort begleitet, sowohl aus dem offiziellen olympischen Bauprogramm als auch andere Bauvorhaben. Aktuell sind wir in die Planung des Olympischen Dorfes in der Imeritinskaja-Niederung involviert. Der Bau der olympischen Objekte erfordert enorme Ressourcen. Bei vielen Baumaterialien herrscht in der Region ein Defizit. Daher haben einige Investoren ihre Baupläne nach hinten verschoben. Das betrifft zum Beispiel den von uns geplanten Umbau eines Sanatoriums im Ortsteil Lasarewskoje, der nun erst 2014 beginnen soll.

Die Bauarbeiten für die Winterspiele 2014 sind in vollem Gange. Gibt es noch Vorhaben, an denen sich deutsche Unternehmen beteiligen können?

Die Sportstätten sind bereits im Bau, einige wurden zum Teil sogar schon übergeben. Bei den Hotels beginnen die Bauarbeiten oder Sanierung gerade erst. Hier sehe ich großes Potenzial für deutsche Technologie und Erfahrungen. Derzeit konzentrieren viele deutsche Unternehmen ihre Aufmerksamkeit auf Olympia 2014. Die moderne Infrastruktur, die Sotschi für die Spiele 2014 bekommt, macht die Region insgesamt attraktiver für neue Bewohner. Es entsteht Bedarf an neuen Einkaufszentren, Restaurants, Freizeit- und sozialen Einrichtungen, aber auch an Logistik- und Produktionsflächen. Die deutschen Erfahrungen sind hier sehr gefragt.

Wie sehen Sie Sotschi nach dem Frühjahr 2014? Hat die Stadt eine Chance, zu einem Erholungsort von Weltrang zu werden?

Die Erfahrungen anderer Städte zeigen, dass Olympische Spiele der Entwicklung einer Region gewaltige Impulse verleihen. Im Jahr 2014 erfährt die ganze Welt von Sotschi. Das wird den Tourismus ankurbeln und neue Investoren anlocken. Außerdem unternimmt die russische Regierung einiges, um internationale Sportereignisse in die Stadt zu holen. Gleich nach den Winterspielen findet in Sotschi erstmals in der Geschichte Russlands ein Formel-Eins-Rennen statt. Außerdem sind die Stadien von Sotschi als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 vorgesehen. Ich bin sicher, dass die Region auch in Zukunft eine Vielzahl von Sportwettkämpfen auf höchstem internationalen Niveau sehen wird.

Apropros: Wie stehen die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2018? Werden schon jetzt erste Aufträge vergeben?

Wie die Olympia-Erfahrungen gezeigt haben, vergeht zunächst sehr viel Zeit für die Grundlagenermittlung und Vorplanung. Das liegt an der zum Teil veralteten, zum Teil fehlenden normativen Basis für den Bau moderner Fußball-Stadien. Allerdings wissen wir, dass Planung und sogar der Bau einiger Objekte bereits laufen. Spezifische technische Lösungen, die deutsche Unternehmen anbieten, müssen in der Architektur- und Planungsphase an die russischen Normen angepasst werden. Das gilt besonders für Umwelttechnologien. Wer solche Produkte verkaufen will, sollte schon jetzt aktiv werden. Für einfachere Produkte bleibt sicher noch etwas Zeit. Allerdings würde ich die Gespräche mit potenziellen Auftraggebern nicht auf die lange Bank schieben.
Die Fragen stellten Anna Metzler (AHK Moskau) und Gerit Schulze (GTAI).

Das Unternehmen

Die SAO Urban Engineering (www.ipmp.ru) mit Sitz in Moskau war eines der ersten privaten Projektierungsbüros, das nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland gegründet wurde. Die Gesellschaft hat sich spezialisiert auf die Entwurfs- und Genehmigungsplanung für große Bauvorhaben. In der Kundenkartei des Unternehmens stehen namhafte Konzerne wie Gasprom, Strabag und BP, auch deutsche Firmen wie Veka, Schattdecor und Metro. Urban Engineering ist in ganz Russland aktiv, ein regionaler Schwerpunkt liegt jedoch in der Olympia-Metropole Sotschi. Dort hat das Unternehmen seit 2008 eine eigene Repräsentanz. Eines der Vorzeigeprojekte in der Region ist der Erholungskomplex "Sotschnoje" direkt am Schwarzen Meer. Mit einer Mischung aus Apartmentgebäuden (3.000 Wohnungen), Fünf-Sterne-Hotel (500 Zimmer), Jachtclub (650 Ankerplätze), Einkaufszentrum (158.000 Quadratmeter) und Ausstellungshallen (50.000 Quadratmeter) soll das Immobilienvorhaben die Region deutlich aufwerten. SAO Urban Engineering ist ein interessanter Ansprechpartner für deutsche Technologielieferanten. Das Unternehmen berücksichtigt bei seinen Planungen vorwiegend westliche Technik.

Tipp

Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 bietet folgende Internetseite:



Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland