Exporte von Standardsoftware steigen um ein Drittel / Start für elektronische Universalkarte verzögert sich / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Zweistellige Wachstumsraten im Inland, Top-Image auf den
Weltmärkten und Produktneuheiten am laufenden Band - Russlands
IT-Branche zählt zu den Vorzeigesektoren des Landes. Der Bereich gilt
als relativ wenig reguliert und ist hoch wettbewerbsfähig. Der beste
Beweis sind die sagenhaften Wachstumsraten der Exporte. In einigen
Nischen liegen diese bei 30%. Die Kehrseite: Staatliche IKT-Programme
kommen kaum voran und Produktpiraterie ist allgegenwärtig.
Computer, IT-Dienstleistungen und Software - der russische
IT-Markt wächst und wächst. Im 3. Quartal 2011 legten die Verkäufe von
Computern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,1% auf 3,82 Mio.
Stück zu. Die beliebtesten Marken waren Asus, HP, Samsung, Acer und
Lenovo. Am dynamischsten entwickelte sich der Verkauf von Laptops: er
stieg um 17,3% auf 2,7 Mio. Stück. Der Absatz von Personalcomputern lag
bei 1,14 Mio. Stück.
Der russische Servermarkt hat im 3. Quartal
2011 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 18,5% auf 247
Mio. US$ zugelegt, so das Marktforschungsinstitut IDC. "Kein Wunder,
dass das Interesse sowohl ausländischer wie auch russischer Akteure an
dem Wachstumsmarkt steigt", zitiert die Nachrichtenagentur Prime den
IDC-Marktforscher Aleksandr Sagnetko.
Doch Russland ist nicht nur
als Absatzmarkt für internationale IT-Konzerne interessant. Russlands
Tüftler und Programmierer nutzen längst ihre Chancen auf
Auslandsmärkten. Software "made in Russia" ist ein Exportschlager. Seit
Jahren steigen die Ausfuhren mit zweistelligen Wachstumsraten. Die
Exporte von speziell auf einen Kunden zugeschnittener Software legten
2010 um 14% auf 1,6 Mrd. US$ zu. Noch dynamischer entwickelten sich die
Ausfuhren von Standard-Computerprogrammen. Deren Ausfuhrwert stieg auf
1,35 Mrd. US$ - 30% mehr als noch vor einem Jahr, heißt es bei Russoft.
In zwei oder drei Jahren dürfte diese sogenannte boxed software in der
Außenhandelsbilanz bereits eine größere Rolle spielen als
Spezialprogramme. Russische Programmierzentren dürften 2010 an den
Entwicklungen für ausländische Softwarefirmen 350 Mio. US$ verdient
haben.
Wie die Wirtschaftszeitung "Vedomosti" berichtet, ist der
Antiviren-Hersteller Laboratorija Kasperskogo (Kaspersky Labs) der
erfolgreichste IT-Konzern im Ausland. Das Unternehmen erwirtschaftete im
Jahr 2010 Umsätze in Höhe von 538 Mio. US$, davon 80% im Ausland. Aber
auch andere Produzenten von standardisierten Computerprogrammen
verzeichnen gehörige Exportzuwächse. Dazu zählen Firmen wie Parallels,
Acronis, Transas Technologies, Cboss, Abbyy, Paragon Software Group und
Spirit DSP. Der Exportumsatz des Herstellers von Übersetzungsprogrammen
Abbyy etwa lag im Oktober 2011 um 35% über den Erlösen im Oktober 2010.
Im kommenden Jahr 2012 will Abbyy-Geschäftsführer Sergei Andrejew im
Ausland erneut um ein Drittel wachsen, sagte er im Vedomosti-Interview.
Das zeigt: Russlands Softwareschmieden strotzen vor Selbstvertrauen.
Prognose für die Entwicklung russischer Softwareexporte (in Mrd. US$)
| 2011 | 2012 | 2013 | |
| Exporterlöse russischer Softwarefirmen | 3,30 | 4,00 | 4,75 |
Quelle: Nichtkommerzieller Verband Russoft
Aber
es gibt auch Schattenseiten. Der Anteil von Computergeschäften, in
denen Verkäufer ihren Kunden Piratensoftware empfehlen, liegt
russlandweit bei 23%. Dies geht aus einer Erhebung des US-amerikanischen
Softwaregiganten Microsoft hervor. In Städten wie Ulan-Ude, Lipezk,
Bratsk oder Noworossisk spielten verhältnismäßig viele Computerhändler
kopierte Programme ohne Lizenzvertrag direkt im Laden auf. In Pskow,
Surgut und Krasnojarsk bieten Verkäufer ihren Kunden sogar
Piratensoftware zum Kauf an. Laut Microsoft empfiehlt noch heutzutage
jedes dritte Geschäft in Moskau Plagiate.
Der russische IKT-Markt
dürfte 2011 ein Volumen von rund 1.770 Mrd. Rubel erreichen (knapp 43
Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 1.12.2011: 1 Euro = 41,47 Rubel). Das ist
zwar aus russischer Sicht ein sattes Ergebnis, doch das sind lediglich
1,8% der weltweiten Umsätze in diesem Sektor. Im Klartext: Russland ist
im internationalen Vergleich noch ein Zwerg im Bereich der Informations-
und Kommunikationstechnologien. Und das, obwohl die Branche 2009 in den
Kreis jener Sektoren gehoben wurde, in denen Präsident Dmitri Medwedew
die Modernisierung mit Nachdruck vorantreiben will. Es gehe um nichts
geringeres als die Vorrangstellung im Bereich IKT, gab der erste Mann im
Staat damals als Ziel aus.
Modernisierungsziele der russischen Regierung im IKT-Sektor bis 2020 (Anteil in %)
| Anteil in % zum Jahr 2020 | |
| Anteil der Bevölkerung, die staatliche Dienstleistungen elektronisch in Anspruch nimmt | 85 |
| Anteil der Radiofrequenzen, die von Bürgern genutzt werden können | 18 |
| Anteil der Haushalte mit Internetanschluss | 85 |
| Anteil des elektronischen Dokumentenaustausches zwischen Behörden | 70 |
Quelle: Minister für Netze und Telekommunikation
Um
den Rest der Welt im IKT-Sektor zu überflügeln, vertraute Medwedew
nicht nur auf die vielen privat geführten, kreativen und
wettbewerbsfähigen Firmen im eigenen Land. Ein umfangreiches staatliches
Modernisierungsprogramm sollte die Nachfrage nach IKT-Produkten
zusätzlich stimulieren. Beispielsweise soll im Frühling 2012 der Bau
eines eigenen IT-Städtchens in der Republik Tatarstan beginnen. Auf
einer 1.200 Hektar großen Fläche sollen rund 20.000
Computer-Spezialisten leben und arbeiten.
Zu den
Lieblingsprojekten der Modernisierungsoffensive von Medwedew gehört die
elektronische Universalkarte. Doch Mitte November 2011 und damit
eineinhalb Monate bevor die Karte 142 Millionen Russinnen und Russen das
Leben leichter machen und die Bürokratie im Lande verringern sollte,
wurde das Projekt um ein Jahr verschoben. Die Staatsduma hat am
17.11.2011 einer Gesetzesänderung zugestimmt, wonach die Karte erst ab
2013 erhältlich sein wird.
Mit der neuen Universalkarte sollen
Russlands Bürgerinnen und Bürger überall im größten Land der Welt für
staatliche Dienstleistungen, wie etwa Kommunalgebühren, zahlen können.
Sie sollen Zuwendungen aus dem Staatshaushalt bekommen oder dorthin Geld
einzahlen können. Jede Russin und jeder Russe wird die Karte wie eine
EC-Karte nutzen und damit Geld abheben oder einzahlen können. Dabei soll
man die Karte entweder am Bankautomaten, an einem Bezahlterminal oder
am Heimcomputer nutzen können. Die Kosten für die Kommunikation der
Bürger mit dem Staat sollen minimiert werden - wie auch
Korruptionsgelegenheiten. Angeblich mangelt es noch am Ausbau des
E-Government in den Regionen. Mit anderen Worten: Die Verknüpfung der
russischen Behörden untereinander steht noch nicht. Derzeit sind laut
dem Ministerium für Netze und Massenkommunikation lediglich 38 Regionen
an das System angeschlossen.
Der Grund für die Verzögerung dürfte
wohl bei der Finanzierung liegen. Im Juni 2011 hatte die
Wirtschaftszeitung "Kommersant" bereits berichtet, dass die geplanten 10
Mrd. bis 30 Mrd. Rubel aus dem föderalen Budget für die Karte nicht
zugeteilt werden. Doch bis 2016 sollten für den Ausbau Systems über 100
Mrd. Rubel bereitgestellt werden. Wirtschaftsministerin Elwira
Nabiullina sprach sogar von 135 Mrd. bis 170 Mrd. Rubel.
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E-Mail: moscow.sales@parallels.ru, Internet: http://www.parallels.com
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ABBYY
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Spirit DSP/Moskau
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1-j Wolokolamski projesd 47, str. 3,
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