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Dienstag, 14. Februar 2012

Bulgarien steigt aus dem Pipeline-Projekt Bourgas-Alexandroupolis aus

Absage an Projektpartner Russland und Griechenland / Bulgarische Regierung schlägt neuen Kurs in der Energiepolitik ein

Sofia (gtai) - Bulgarien gab am 7.12.2011 seinen Rückzug aus dem Pipeline-Projekt Bourgas-Alexandroupolis bekannt. Dieser Schritt kommt nicht überraschend. Seit seinem Amtsantritt hatte Ministerpräsident Borissov öffentlich Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens geäußert, das auf einer Vereinbarung zwischen Russland, Griechenland und Bulgarien aus dem Jahr 2007 basiert. Als Grund wurden finanzielle und ökologische Aspekte genannt. Hinzu kommen dürfte das Bestreben, den Einfluss Russlands auf die bulgarische Energiepolitik zu begrenzen.

Die Idee für das Pipeline-Projekt Burgas-Alexandroupolis stammt aus dem Jahr 1994. Dahinter steht die Befürchtung, dass es in Anbetracht des starken Schiffsverkehrs im Bosporus früher oder später zu einer größeren Havarie mit der Folge einer Vollsperrung der Wasserstraße kommen wird, wodurch die Umwelt stark verschmutzt und russische Ölexporte empfindlich eingeschränkt werden könnten. Durch eine 288 km lange Leitung sollten vom bulgarischen Schwarzmeer-Hafen Burgas bis zum griechischen Alexandroupolis jährlich 35 Mio. Tonnen russisches Öl in Richtung Westeuropa gepumpt werden. Im Laufe der Zeit sollte die Kapazität auf 50 Mio. Tonnen erhöht werden. Am Projekt beteiligt sind beziehungsweise waren: Russland mit 51%, Bulgarien und Griechenland mit je 24,5%. Von den Kosten in Höhe von geschätzten 1 Mrd. Euro sollte Bulgarien rund 300 Mio. Euro tragen. Im Gegenzug sollte Bulgarien eine jährliche Transitgebühr zwischen 30 Mio. und 50 Mio. US$ erhalten.
Seit Anfang 2007 untersuchten die bulgarischen Behörden die Umweltverträglichkeit des Pipeline-Projekts, was zu Verzögerungen des für 2009 geplanten Baubeginns führte. Am 7.12.2011 gab dann Finanzminister Djankov bekannt, dass sich Bulgarien aus dem Projekt zurückzieht. Die im Jahr 2007 getroffene Vereinbarung zwischen der russischen, griechischen und bulgarischen Regierung steht damit vor dem Aus. Djankov begründete den Ausstieg damit, dass sich der beschlossene Finanzrahmen für das Projekt nicht einhalten ließe. Das Projekt sei zudem finanziell für Bulgarien insgesamt unattraktiv, da die zu erwartenden Transiteinnahmen in Höhe von circa 35 Mio. US$ jährlich nicht in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten und Risiken stünden.
Die bulgarische Regierung befürchtet Umweltbelastungen, welche das für den Balkanstaat wichtige Tourismusgeschäft negativ beeinflussen könnten. Die Tourismusbranche und die Gemeinden an der Küste hatten sich bereits von Beginn der Vereinbarung an gegen das Vorhaben ausgesprochen. Zudem sollte die Leitung durch ein Schutzgebiet des Natura-2000-Netzes verlaufen, was ebenfalls zu einer kritischen Beurteilung führte. Dennoch war erst im Oktober 2011 die Frist für die Fertigstellung der Umweltverträglichkeitsprüfung verlängert worden. Frühere Studien des Baukonsortiums für die Bewertung der Umweltrisiken waren zwei Mal vom bulgarischen Umweltministerium zurück gewiesen worden. Ministerpräsident Borissov hatte die Richtung vorgegeben, indem er öffentlich erklärte, er "rechne damit", dass das Ergebnis der Prüfung durch das Umweltministerium negativ ausfallen werde.
Die weitere Vorgehensweise ist noch nicht klar. Bulgarien beabsichtigt, seinen Austritt aus dem Projekt mit den anderen Teilnehmern zu besprechen. Sollten diese dem Rückzug von Bulgarien nicht zustimmen, werde der Ausstieg laut Djankov einseitig, wie im Vertrag vorgesehen, innerhalb von zwölf Monaten erfolgen. In jedem Fall wird das Projekt zunächst unbefristet auf Eis gelegt.
Die offenen Beträge für die Projektgesellschaft in Höhe von 12 Mio. BGN will Bulgarien zahlen. Nach Aussage des Finanzministers ergäben sich aus dem Rücktritt aber keine sonstigen finanziellen Konsequenzen.
Zu vermuten ist, dass Russland jetzt die Verhandlungen mit der Türkei über die Erweiterung der Ölleitung Samsun-Ceyhan intensivieren wird. Derzeit sind an diesem Projekt ENI (Italien) und Calik (Türkei) beteiligt. Je 25% könnten Rosneft und Transneft erhalten. Die russischen Konzerne hatten das Projekt bisher als unrentabel bezeichnet. So bestehe die türkische Seite auf zu hohen Transittarifen (30 US$ pro Tonne Öl gegenüber nur 8 US$ pro Tonne durch die Burgas-Alexandroupolis-Pipeline) .
Die Aufkündigung der bulgarischen Beteiligung an der Ölpipeline Burgas-Alexandroupolis wird in Moskau vermutlich als Beleg dafür aufgenommen werden, dass sich die Beziehungen mit Bulgarien, zumindest im Energiesektor, weiter verschlechtern. Erneut wird ein Projekt gekippt, an dem Russland Interesse hat. Für die Wartung und Modernisierung des Kernkraftwerks Kozloduy hat Bulgarien Verträge mit westlichen Unternehmen geschlossen, die Verhandlungen über den Weiterbau des Kernkraftwerks Belene kommen nicht von der Stelle, die bulgarische Steuerverwaltung liegt im Streit mit dem russischen Ölkonzern Lukoil wegen der Abgaben, Bulgarien will am Projekt "Nabucco" festhalten und baut Gas-Interkonnektoren in seine sämtlichen Nachbarstaaten. Als Druckmittel einsetzen ließe sich von russischer Seite allenfalls eine Kürzung der Gaslieferungen im kommenden Winter. Aber dieses Risiko wird von Sofia offenbar als begrenzt kalkuliert, und als EU-Mitglied ist das Land wahrscheinlich in einer stärkeren Position als zu der Zeit, aus der frühere Energievereinbarungen mit Russland stammen.
(E)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland