Nutzung des vorhandenen Güter-Gleisnetzes / Eisenbahngesellschaft schafft dafür 350 neue Passagierwaggons an / Von Gerit Schulze
Moskau
(gtai) - Russlands Regierung investiert in den kommenden drei Jahren
über eine Milliarde Euro in den Aufbau eines innerstädtischen
S-Bahn-Netzes für Moskau. Damit sollen die Metrozüge und die Straßen der
Metropole entlastet werden. Die neuen Haltestellen entstehen an den
Schnittpunkten der vorhandenen U-Bahn-Linien. Ab 2016 könnten jährlich
250 Millionen Passagiere auf der Strecke befördert werden. Dafür ist die
Anschaffung von 350 Eisenbahn-Waggons geplant.
Die Idee ist nicht neu, doch sie verstaubte einige Jahre in den
Schubladen des Moskauer Rathauses: Um dem Verkehrsstau in der
Millionen-Metropole Herr zu werden, will die russische Regierung den so
genannten Kleinen Moskauer Eisenbahnring für Passierzüge reaktivieren.
Bislang rollen auf dieser 54 Kilometer langen Rundstrecke fast
ausschließlich Güterwaggons.
Das Ringnetz wurde bereits vor mehr
als 100 Jahren errichtet, um die Eisenbahn-Stichstrecken zu verbinden,
die aus allen Himmelsrichtungen nach Moskau führen. Außerdem sollten
damit die früher am Stadtrand liegenden Industriegebiete angebunden
werden. Heute liegt der "Kleine Ring" fast mitten in der Stadt, etwa auf
der Höhe des Dritten Transportringes (Stadtautobahn). Damit führt er
unter anderem direkt am Wolkenkratzer-Viertel Moscow-City vorbei, in dem
einmal 300.000 Menschen arbeiten sollen. Im direkten Einzugsbereich des
Ringes leben 1,5 Mio. Moskowiter.
Die Strecke bietet sich also
zur Nutzung für den öffentlichen Nahverkehr an. Allerdings muss sie
zuvor noch elektrifiziert werden. Bislang ziehen Dieselloks die
Güterzüge über den Ring. Das wäre bei einer verstärkten Nutzung des
Schienenweges aus ökologischen Gründen nicht mehr vertretbar. Laut den
Plänen der Stadtverwaltung ist vorgesehen, pro Tag und Richtung bis zu
100 Züge für den Passagierverkehr auf der Strecke einzusetzen und so bis
zu 250 Mio. Fahrgäste pro Jahr zu transportieren. Um Güter- und
Passagierverkehr gleichzeitig über den Ring zu leiten, soll ein drittes
Gleis verlegt werden.
Verkehrsminister Igor Lewitin sagte Mitte
November 2011, dass ab 2012 jährlich 15 Mrd. Rubel (Wechselkurs am
20.12.2011: 1 Euro = 41,67 Rubel) aus dem Staatshaushalt für das Projekt
zur Verfügung gestellt werden. Außerdem beteiligt sich die Stadt Moskau
an den Kosten. Sie hat im Sommer 2011 zusammen mit der russischen
Eisenbahngesellschaft RZD das Gemeinschaftsunternehmen OAO MKZD
gegründet, das sich um die Umsetzung des Projekts "Kleiner Moskauer
Eisenbahnring" kümmert. Insgesamt kostet das Vorhaben rund 100 Mrd.
Rubel, wobei ein Teil der Summe von privaten Investoren aufgebracht
werden soll.
Bis 2012 laufen die 5 Mrd. Rubel teuren
Projektierungsarbeiten für das S-Bahn-Netz. Auch diese Kosten teilen
sich die Stadt Moskau und die RZD. In der zweiten Jahreshälfte beginnen
dann die Bauarbeiten. Bis 2015 soll die Strecke elektrifiziert sein.
Vorgesehen
ist, die neuen Haltepunkte entlang des Kleinen Moskauer Eisenbahnrings
möglichst mit den vorhandenen Metrostationen zu verbinden. In der
Anfangsphase entstehen laut dem NIiPI Genplana Moskwy zehn bis zwölf
Haltepunkte in einem Abstand von vier bis fünf Kilometern. Später
könnten weitere Stationen eingefügt werden. Zu Spitzenzeiten sollen die
S-Bahnen im Fünf-Minuten-Takt auf der Strecke verkehren. Der
Güterverkehr wird weiter auf der Strecke rollen, betonen Vertreter von
NIiPI Genplana Moskwy. Das Unternehmen entwickelt derzeit im Auftrag der
Stadt Moskau ein Entwicklungsschema für die Flächen entlang des
Eisenbahnrings.
Schon 2012, noch bevor die Trasse elektrifiziert
ist, sollen probeweise Dieselloks zwischen dem Geschäftsviertel
Moscow-City und der Station Kanatschikowo (Höhe Gagarin-Platz) die
ersten Passagierwaggons befördern. Für diesen Streckenabschnitt sind die
Planungsarbeiten am weitesten fortgeschritten, und es liegt bereits
eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vor.
Der Lieferant für das
rollende Material auf dem neuen S-Bahn-Ring soll per Ausschreibung
ermittelt werden. Unter anderem wurde der russische Waggonbauer
Transmaschholding (http://www.tmholding.ru)
aufgefordert, ein Angebot vorzulegen. Das Unternehmen will entweder den
zusammen mit Alstom entwickelten neuen Nahverkehrszug ED10 (maximal 160
km/h) anbieten oder eine überarbeitete Version des Modells ED4. Laut
Transmaschholding sollen für den Passagierbetrieb auf dem Kleinen
Moskauer Eisenbahnring 350 Waggons angeschafft werden. Die Lieferung
müsse im Zeitraum 2013 bis 2014 erfolgen.
Kritiker des Projekts
bemängeln, dass der neue S-Bahn-Ring kaum wirtschaftlich zu betreiben
sein wird. Da die Strecke meist durch Industriegebiete führt, könnten
die erwarteten Passagierströme ausbleiben. Sinnvoller wäre es, für 100
Mrd. Rbl ein Schnelltram-Liniennetz aufzubauen, so unabhängige
Verkehrsexperten.
Kontaktanschriften
Moskowskaja schelesnaja doroga
(Moskauer Eisenbahngesellschaft MZD,
Betreiber der künftigen S-Bahn-Strecke)
107174 Moskau, Nowaja Basmannaja uliza 2
Tel.: 007 499 / 262 99 01, Fax: -262 90 95
Internet: http://mzd.rzd.ru
MosSchelDorProjekt
(Planungsbüro für den Kleinen Moskauer Eisenbahnring)
Direktor: Sergej Rjurikowitsch Duschetschkin
107078 Moskau, uliza Kalantschewskaja 29
Tel.: 007 499 / 266 20 75, Fax: -262 07 76
E-Mail: info@mzdp.ru, Internet: http://www.moszdp.ru
Nautschno-issledowatelski i proektny institut
Generalnogo plana goroda Moskwy
(NIiPI Genplana Moskwy)
(Projektierungsinstitut für den Generalplan
der Stadt Moskau)
125047 Moskau, 2-aja Brestskaja uliza 2/14
Tel.: 007 499 / 250 15 08, Fax: -251 90 75
Internet: http://www.genplanmos.ru
(S.Z.)
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