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Freitag, 10. Februar 2012

Moskau will bis 2015 einen neuen S-Bahn-Ring aufbauen

Nutzung des vorhandenen Güter-Gleisnetzes / Eisenbahngesellschaft schafft dafür 350 neue Passagierwaggons an / Von Gerit Schulze

Moskau (gtai) - Russlands Regierung investiert in den kommenden drei Jahren über eine Milliarde Euro in den Aufbau eines innerstädtischen S-Bahn-Netzes für Moskau. Damit sollen die Metrozüge und die Straßen der Metropole entlastet werden. Die neuen Haltestellen entstehen an den Schnittpunkten der vorhandenen U-Bahn-Linien. Ab 2016 könnten jährlich 250 Millionen Passagiere auf der Strecke befördert werden. Dafür ist die Anschaffung von 350 Eisenbahn-Waggons geplant.

Die Idee ist nicht neu, doch sie verstaubte einige Jahre in den Schubladen des Moskauer Rathauses: Um dem Verkehrsstau in der Millionen-Metropole Herr zu werden, will die russische Regierung den so genannten Kleinen Moskauer Eisenbahnring für Passierzüge reaktivieren. Bislang rollen auf dieser 54 Kilometer langen Rundstrecke fast ausschließlich Güterwaggons.
Das Ringnetz wurde bereits vor mehr als 100 Jahren errichtet, um die Eisenbahn-Stichstrecken zu verbinden, die aus allen Himmelsrichtungen nach Moskau führen. Außerdem sollten damit die früher am Stadtrand liegenden Industriegebiete angebunden werden. Heute liegt der "Kleine Ring" fast mitten in der Stadt, etwa auf der Höhe des Dritten Transportringes (Stadtautobahn). Damit führt er unter anderem direkt am Wolkenkratzer-Viertel Moscow-City vorbei, in dem einmal 300.000 Menschen arbeiten sollen. Im direkten Einzugsbereich des Ringes leben 1,5 Mio. Moskowiter.
Die Strecke bietet sich also zur Nutzung für den öffentlichen Nahverkehr an. Allerdings muss sie zuvor noch elektrifiziert werden. Bislang ziehen Dieselloks die Güterzüge über den Ring. Das wäre bei einer verstärkten Nutzung des Schienenweges aus ökologischen Gründen nicht mehr vertretbar. Laut den Plänen der Stadtverwaltung ist vorgesehen, pro Tag und Richtung bis zu 100 Züge für den Passagierverkehr auf der Strecke einzusetzen und so bis zu 250 Mio. Fahrgäste pro Jahr zu transportieren. Um Güter- und Passagierverkehr gleichzeitig über den Ring zu leiten, soll ein drittes Gleis verlegt werden.
Verkehrsminister Igor Lewitin sagte Mitte November 2011, dass ab 2012 jährlich 15 Mrd. Rubel (Wechselkurs am 20.12.2011: 1 Euro = 41,67 Rubel) aus dem Staatshaushalt für das Projekt zur Verfügung gestellt werden. Außerdem beteiligt sich die Stadt Moskau an den Kosten. Sie hat im Sommer 2011 zusammen mit der russischen Eisenbahngesellschaft RZD das Gemeinschaftsunternehmen OAO MKZD gegründet, das sich um die Umsetzung des Projekts "Kleiner Moskauer Eisenbahnring" kümmert. Insgesamt kostet das Vorhaben rund 100 Mrd. Rubel, wobei ein Teil der Summe von privaten Investoren aufgebracht werden soll.
Bis 2012 laufen die 5 Mrd. Rubel teuren Projektierungsarbeiten für das S-Bahn-Netz. Auch diese Kosten teilen sich die Stadt Moskau und die RZD. In der zweiten Jahreshälfte beginnen dann die Bauarbeiten. Bis 2015 soll die Strecke elektrifiziert sein.
Vorgesehen ist, die neuen Haltepunkte entlang des Kleinen Moskauer Eisenbahnrings möglichst mit den vorhandenen Metrostationen zu verbinden. In der Anfangsphase entstehen laut dem NIiPI Genplana Moskwy zehn bis zwölf Haltepunkte in einem Abstand von vier bis fünf Kilometern. Später könnten weitere Stationen eingefügt werden. Zu Spitzenzeiten sollen die S-Bahnen im Fünf-Minuten-Takt auf der Strecke verkehren. Der Güterverkehr wird weiter auf der Strecke rollen, betonen Vertreter von NIiPI Genplana Moskwy. Das Unternehmen entwickelt derzeit im Auftrag der Stadt Moskau ein Entwicklungsschema für die Flächen entlang des Eisenbahnrings.
Schon 2012, noch bevor die Trasse elektrifiziert ist, sollen probeweise Dieselloks zwischen dem Geschäftsviertel Moscow-City und der Station Kanatschikowo (Höhe Gagarin-Platz) die ersten Passagierwaggons befördern. Für diesen Streckenabschnitt sind die Planungsarbeiten am weitesten fortgeschritten, und es liegt bereits eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vor.
Der Lieferant für das rollende Material auf dem neuen S-Bahn-Ring soll per Ausschreibung ermittelt werden. Unter anderem wurde der russische Waggonbauer Transmaschholding (http://www.tmholding.ru) aufgefordert, ein Angebot vorzulegen. Das Unternehmen will entweder den zusammen mit Alstom entwickelten neuen Nahverkehrszug ED10 (maximal 160 km/h) anbieten oder eine überarbeitete Version des Modells ED4. Laut Transmaschholding sollen für den Passagierbetrieb auf dem Kleinen Moskauer Eisenbahnring 350 Waggons angeschafft werden. Die Lieferung müsse im Zeitraum 2013 bis 2014 erfolgen.
Kritiker des Projekts bemängeln, dass der neue S-Bahn-Ring kaum wirtschaftlich zu betreiben sein wird. Da die Strecke meist durch Industriegebiete führt, könnten die erwarteten Passagierströme ausbleiben. Sinnvoller wäre es, für 100 Mrd. Rbl ein Schnelltram-Liniennetz aufzubauen, so unabhängige Verkehrsexperten.

Kontaktanschriften

Moskowskaja schelesnaja doroga
(Moskauer Eisenbahngesellschaft MZD,
Betreiber der künftigen S-Bahn-Strecke)
107174 Moskau, Nowaja Basmannaja uliza 2
Tel.: 007 499 / 262 99 01, Fax: -262 90 95
MosSchelDorProjekt
(Planungsbüro für den Kleinen Moskauer Eisenbahnring)
Direktor: Sergej Rjurikowitsch Duschetschkin
107078 Moskau, uliza Kalantschewskaja 29
Tel.: 007 499 / 266 20 75, Fax: -262 07 76
Nautschno-issledowatelski i proektny institut
Generalnogo plana goroda Moskwy
(NIiPI Genplana Moskwy)
(Projektierungsinstitut für den Generalplan
der Stadt Moskau)
125047 Moskau, 2-aja Brestskaja uliza 2/14
Tel.: 007 499 / 250 15 08, Fax: -251 90 75
(S.Z.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland