Premiumsegment wächst besonders kräftig / Regionen entwickeln sich sehr dynamisch / Von Lukas Jakob und Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Neujahr und Weihnachten sind in Russland ein
Milliardengeschäft. Die Umsätze dürften sich auf über 12 Mrd. Euro
belaufen. Damit geben die Russen vergleichsweise mehr für
Weihnachtsgeschenke aus als die Deutschen. Für 2011 erwarten die meisten
Einzelhandelsbranchen Rekordumsätze - den Risiken auf den Weltmärkten
zum Trotz. Hochkonjunktur haben insbesondere frische Lebensmittel,
Haushaltswaren, elektronische Geräte und Spielzeug.
Das Weihnachtsgeschäft 2011/12 in Russland ist in vollem Gange.
Korrekter müsste es allerdings heißen: Neujahrsgeschäft. Denn die Woche
mit dem stärksten Umsatz im Einzelhandel ist die letzte Dezemberwoche.
Die Weihnachtsfeiertage schließen sich erst danach an und finden nach
orthodoxem Ritus am 6. Januar ihren Höhepunkt.
Diese Verschiebung
auf der Zeitachse schmälert die Bedeutung der Neujahrseinkäufe für den
Einzelhandel aber keineswegs. Im Gegenteil, im Verhältnis seien die
Umsätze im Dezember sogar wichtiger als in Deutschland, erläutert
Johannes Tholey, Generaldirektor der OOO Hyperglobus im GTAI-Interview.
In diesem Jahr erwarte das Unternehmen in seinen Hypermärkten ein
ausgezeichnetes Neujahrsgeschäft. Es werde sein zweistelliges
Wachstumsziel sogar um 5 bis 6 Prozentpunkte übertreffen und damit über
der durchschnittlichen Marktentwicklung liegen.
Den größten Anteil
am Umsatz des Neujahrsgeschäfts haben in Russland traditionell
Lebensmittel und insbesondere Frischwaren. Frischer Fisch, Obst und
Gemüse fallen auch bei Hyperglobus stark ins Gewicht. Verkaufsschlager
sind darüber hinaus Weihnachts- und Neujahrsdekorationen sowie Süßwaren.
In den Tagen vor Neujahr steigt auch der Absatz von Champagner und
stärkeren alkoholischen Getränken rapide. Das russische Neujahrsfest und
die darauf folgenden Feiertage seien im flächengrößten Land der Welt
noch mehr ein Familienfest als in Deutschland, erklärt Johannes Tholey
dieses Konsumverhalten. Das gemeinsame Versammeln und Feiern im
Familienkreis stehe nach wie vor im Mittelpunkt der Festtage. Zwar
würden in Russland auch Elektronik, Parfüm, Schmuck und ähnliches
verschenkt, die Geschenkkultur sei aber weniger ausgeprägt als in
Deutschland und oft auch nur auf das direkte Familienumfeld beschränkt.
Auffällig
ist, dass russische Konsumenten zunehmend Wert auf Produkte hoher
Qualität legen. Bei Hyperglobus haben gesunde Lebensmittel, Diätwaren
und hochwertige Pflegeprodukte in den vergangenen Jahren besonders
zugelegt. Auch Andrei Jakowlew vom russischen Premium-Retailer Globus
Gourmet rechnet mit einem Umsatzplus von 10 bis 15% im Vergleich zum
Vorjahr. Dieser Trend ist nicht nur in Moskau oder Sankt Petersburg
sichtbar. Das Premiumsegment steigt in den Regionen sogar
überproportional - allerdings von einer geringeren Basis ausgehend.
Deutschen Herstellern von hochwertigen Produkten bieten sich dort gute
Absatzchancen.
Mit ihrer optimistischen Einstellung stehen
Hyperglobus und Globus Gourmet nicht allein. Wie das Wirtschaftsblatt
Rbk Daily berichtet, hofft der russische Einzelhandel auf eine
durchschnittlich Absatzsteigerung von 50% im Vergleich zu den
Herbstmonaten. Michael Susow, Direktor für Unternehmensbeziehungen der
X5 Retail Group, hofft in Abhängigkeit von der Warengruppe auf ein
Wachstum von 20 bis 40% im Vergleich zum November. X5 ist die größte
Einzelhandelsgruppe Russlands mit mehreren Super- und Hypermarktketten.
Noch
optimistischer gehen Elektronikhändler in die absatzstärkste Zeit des
Jahres. Laut Anton Pantelejew von M.Video könnte das Wachstum in dieser
Branche zwischen 50 und 100% im Vergleich zum üblichen Jahresgeschäft
liegen. Die drei wichtigsten Artikelgruppen in diesem Segment sind
Smartphones, Computer und Fernseher.
Wachstumsprognose wichtiger Produktgruppen, Dezember 2011
| Produkt | Absatzsteigerung im Vergleich zum Durchschnitt Jan. bis Nov. 2011 (in %) |
| Alkohol | 123 |
| Spielzeug | 93 |
| Haushaltsgeräte | 70 |
| Computer | 58 |
| Haushaltswaren, nicht elektronische | 45 |
Quelle: Citibank
Laut einer Studie
der Citibank gibt der mittlere Kreditkartenbesitzer im Dezember 2011
etwa 16.890 Rubel (circa 400 Euro, EZB am 21.12.2011: 1 Euro= 41,96
Rubel) aus. Das sind 28% mehr als üblich. Damit wird das im ganzen Jahr
schon hohe Konsumniveau aufrecht erhalten. Im Jahr 2010 waren das für
Neujahrseinkäufe noch durchschnittlich 13.100 Rubel (umgerechnet 312,2
Euro) ausgegeben. Für die Studie wurden Daten von 500.000 Kunden ab 22
Jahren und mit einem Einkommen von mindestens 9.000 Rubel ausgewertet.
Die gesamten Ausgaben russischer Konsumenten im Dezember 2011 werden von
Citibank auf 2,6 Trillionen Rubel (61,963 Mrd. Euro) geschätzt. Davon
entfallen 520 Mrd. Rubel (12,4 Mrd. Euro), also etwa ein Fünftel, direkt
auf die Einkäufe für Neujahr und Weihnachten.
Auch einige
vorsichtige Stimmen trüben das grundlegend positive Bild des
Neujahrsgeschäfts 2011/12 kaum. Ein Mitarbeiter der Einzelhandelskette
Hoff äußerte sich Mitte Dezember der russischen Zeitung Wedomosti
gegenüber verhalten. Es gebe noch nicht den erwarteten Einkaufshype.
Hersteller von Fischdelikatessen beklagten in dem Bericht dürftige
Umsätze. Das milde Wetter senke die Neujahrsstimmung. Auch Citibank
räumte ein, dass im Jahr 2010 die eigene optimistische Prognose nicht
zutreffend war. Statt der vorhergesagten 42% Wachstum im Dezember wurden
nur 16% erreicht. Johannes Tholey ist dennoch zuversichtlich: Die
makroökonomische Instabilität auf den Weltmärkten spielt seiner Ansicht
nach keine Rolle. Sie hat bisher das Käuferverhalten nicht beeinflusst.
Die
in Deutschland allgegenwärtige Werbeoffensive zur Weihnachtszeit ist in
Russland noch weniger ausgeprägt. Hyperglobus informiert seine Kunden
durch Broschüren zwar gezielt über Weihnachts-Kassenschlager. Aber
Bedarf an gezielten, auf das Neujahrsgeschäft abgestimmten Werbeaktionen
bestehe bei den großen Handelsketten nicht. Der Fokus liegt klar auf
Imagewerbung. Wichtig sei, dass die eigene Handelsmarke bekannt ist bei
den Russinnen und Russen. Eine Aufgabe, der sich Einzelhändler das ganze
Jahr über widmen sollten und nicht erst zur Weihnachtszeit. "Russische
Kunden sind anspruchsvoll und kaufen dort wo es das beste
Preisleistungsverhältnis gibt", so Tholey gegenüber Germany Trade and
Invest.
Andere wiederum gehen sehr wohl in die
Weihnachtsoffensive. Detski Mir, Russlands größte Kette für Spielwaren
und Kindertextilien, startete Mitte November bereits ein Rabattprogramm.
Zahlreiche Waren verkaufte das Unternehmen zum halben Preis. Die
Strategie dabei: Möglichst viele Eltern unmittelbar vor Neujahr an sich
binden.
Kontaktanschriften
OOO Hyperglobus
ul. Smolnaja Dom 14, 5./6./7. Etage, Moskau
Tel.: 007 495/223 75-00; Fax: -02
Internet: http://www.globus.ru; E-Mail: Einkaufsleiter je nach Produktkategorie unter http://www.globus.ru/partners/suppliers/
OOO Stolitschnaja Torgowaja Kompanija (Globus Gourmet)
Kutusowski Prospekt Dom 48, 121165 Moskau
Tel.: 007 495/221 66 71
Email: visitor@stk-retail.ru; Internet: http://www.stk-retail.ru
(H.B.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der
Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für
Russland