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Dienstag, 21. Februar 2012

Russlands Logistiker erleben eine neue Boomphase

Fertigstellungsvolumen und Nachfrage steigen / Auch außerhalb von Moskau viele neue Projekte / Von Gerit Schulze

Moskau (gtai) - Der Bau von Lager- und Logistikkomplexen hat in Russland wieder Fahrt aufgenommen. Nach zwei Jahren Krise wächst der Bedarf an modernen Lagerhallen und deren Bewirtschaftung. Schwerpunkte der Bautätigkeit bleiben zwar Moskau und Sankt Petersburg. Doch darüber hinaus entstehen überall im Land neue Logistikzentren. Die Preise für die Immobilien bleiben aber wegen des steigenden Angebots noch stabil.

Russlands Wirtschaft hat wieder Tritt gefasst, der Außenhandel und der Einzelhandel brummen. Dadurch steigt der Bedarf an Transporten und Lagerung. Nach Berechnungen der Intesco Research Group ist der russische Markt für Logistikdienstleistungen nach einem Plus von 25% im Jahr 2010 auch 2011 wieder zweistellig gewachsen. Das Volumen soll 60 Mrd. US$ erreicht haben. Davon entfallen etwa 5 Mrd. US$ auf Lagerflächen-Management.
Der Bedarf an Lager- und Logistikflächen wächst also wieder überdurchschnittlich. Russlands Immobilienmakler beobachten eine spürbar gestiegene Nachfrage der Wirtschaft. Neben den traditionellen Spitzenreitern Moskau und Sankt Petersburg gab es 2011 in Kasan, Rostow-am-Don, Kaluga und Nowosibirsk die meisten Neuabschlüsse, berichten Experten der Makleragentur Knight Frank. Marktkenner schätzen die Rendite für Logistik-Immobilienprojekte in Russland derzeit auf 10 bis 12% jährlich. Die Investitionen in Lagerhallen rechnen sich in der Regel innerhalb von neun bis zehn Jahren.
Experten gehen davon aus, dass 2011 in Russland fast 500.000 qm Lagerflächen neu eingeweiht wurden, davon 390.000 qm im Großraum Moskau. Für 2012 erwarten Marktbeobachter noch größere Volumina. Knight Frank schätzt, dass allein im Einzugsbereich der russischen Hauptstadt 800.000 qm fertig werden könnten. In Sankt Petersburg seien Projekte mit 250.000 qm angekündigt worden.
Nachdem im Zuge der Krise im Jahr 2009 die Leerstandsquoten zweistellige Werte erreichten, gibt es zumindest rund um Moskau derzeit kaum noch hochwertige, freie Lagerflächen. Die Mietpreise sollen dennoch stabil bleiben und auch 2012 bei etwa 135 US$ (je qm und Jahr) liegen. B-Objekte würden 115 US$ je qm kosten (ohne Betriebskosten), erwartet Knight Frank.
Der neue Aufschwung hat für die Reaktivierung und Neuplanung von Bauvorhaben gesorgt. So hat zum Beispiel der Kosmetikkonzern Procter & Gamble für 2012 den Baustart eines Logistikzentrums in Uslowaja (Gebiet Tula) angekündigt. Das Unternehmen betreibt bereits an seinem Produktionsstandort in Nowomoskowsk eigene Lagerflächen, will diese jedoch durch das neue Projekt erweitern. Russische Medien schätzen die Investitionen auf rund 25 Mio. Euro.
Entlang des geplanten Zentralen Autobahnringes ZKAD, der sich bis 2025 in 50 Kilometer Abstand um die russische Hauptstadt Moskau legen soll, entstehen eine Vielzahl neuer Logistikkomplexe. Das Investitionsprogramm der Moskauer Oblast sieht im Zeitraum 2011 bis 2015 den Bau von 4,7 Mio. qm Lagerflächen entlang der künftigen Strecke vor. Nach den Vorstellungen der Gebietsverwaltung könnten 20 multimodale Logistik-Terminals gebaut werden.
Ebenfalls in der Moskauer Oblast will das Reederei-Unternehmen Fesco aus Wladiwostok bauen. Das Unternehmen hat von der russischen Eisenbahngesellschaft RZhD im November 2011 grünes Licht bekommen für den Bau eines Transport- und Logistikzentrums. Es soll in der Ortschaft Usady-Okruschnye entstehen und über ein Eisenbahn-Containerterminal verfügen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 100 Mio. Euro. Jährlich sollen in dem Logistikkomplex bis zu 300.000 TEU-Standardcontainer umgeschlagen werden. Fesco bekommt von der Osteuropabank EBRD einen Kredit für das Projekt.
Der Logistik-Projektentwickler Raven Russia will 2012 verstärkt solche Regionen ins Visier nehmen, in denen die Nachfrage nach hochwertigen Lagerflächen bislang noch nicht sehr ausgeprägt war. Dazu zählt das Unternehmen unter anderem Jekaterinburg, Nishni Nowgorod, Omsk, Tscheljabinsk und Saratow, wo kundengerechte Built-to-suit-Lösungen angeboten werden sollen. Insgesamt sind 2012 Investitionen von 200 Mio. US$ vorgesehen, zum Großteil für den Erwerb fertiger Objekte. Etwa 100.000 qm Logistikflächen will Raven Russia selbst bauen.
In der Region Kaluga errichtet GK Espro zusammen mit der regionalen Entwicklungsagentur Industrieparks und Lagerhallen für Automobilzulieferer. Ein Objekt mit 14.000 qm ist bereits fertig gestellt. Ein zweites ist in Bau.
In der Republik Tatarstan geht der Bau des multimodalen Logistikzentrums Swijaschsk bei Kasan weiter. Das Vorhaben kostet 18,3 Mrd. Rubel (Rbl; 440 Mio. Euro, Wechselkurs am 23.12.11: 1 Euro = 41,23 Rbl) und soll bis 2015 fertig gestellt sein. Der Standort ist ein Schnittpunkt am Transportkorridor Westchina-Westeuropa. Dort entstehen Terminals für Güterwaggons und Lastwagen, große Containerstellflächen sowie ein Hafen-Umschlagplatz.
Am Ostseehafen Ust-Luga rücken 2012 die Bauleute an, um ein neues Logistikzentrum für über 200 Mio. Euro zu errichten. Dort sollen jährlich 6 Mio. t Waren umgeladen werden. Investoren sind OAO Kompanija Ust-Luga und Gulftainer Global Logistics.
An der Grenze zu Belarus nahe Smolensk entsteht in der Ortschaft Stabna ein weiteres Transport- und Logistikzentrum. Die Gesamtkosten werden mit rund 150 Mio. Euro angegeben. Perspektivisch sollen auf dem 100 ha großen Gelände bis zu 1.700 Lastwagen pro Tag abgefertigt werden können. Der Standort ist ein wichtiger Knotenpunkt für Warenlieferungen zwischen Russland und Westeuropa. Auch die deutsche Rhenus Logistics hat in der Region bereits ein großes Zolllager errichtet.
In südlicher Richtung an der Grenze zur Ukraine will sich das Gebiet Kursk als neuer Logistikknoten etablieren. Im Jahresverlauf 2011 hat ein Tochterunternehmen des Russischen Zolldienstes, Rostek, dort zwei große Terminals in Betrieb genommen. Weitere sollen folgen. An den Projekten sind auch private Investoren beteiligt.
Selbst im krisengeschüttelten Nordkaukasus gibt es neue Logistikprojekte. Die Agrarholding Agriko hatte im September 2011 angekündigt, in der Republik Dagestan ein Logistikzentrum für umgerechnet 300 Mio. Euro bauen zu wollen. Dort sollen vor allem regionale Agrarprodukte umgeschlagen werden. Ähnliche Vorhaben planen auch die beiden südrussischen Regionen Astrachan und Stawropol. (S.Z.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland