Fertigstellungsvolumen und Nachfrage steigen / Auch außerhalb von Moskau viele neue Projekte / Von Gerit Schulze
Moskau
(gtai) - Der Bau von Lager- und Logistikkomplexen hat in Russland
wieder Fahrt aufgenommen. Nach zwei Jahren Krise wächst der Bedarf an
modernen Lagerhallen und deren Bewirtschaftung. Schwerpunkte der
Bautätigkeit bleiben zwar Moskau und Sankt Petersburg. Doch darüber
hinaus entstehen überall im Land neue Logistikzentren. Die Preise für
die Immobilien bleiben aber wegen des steigenden Angebots noch stabil.
Russlands Wirtschaft hat wieder Tritt gefasst, der Außenhandel
und der Einzelhandel brummen. Dadurch steigt der Bedarf an Transporten
und Lagerung. Nach Berechnungen der Intesco Research Group ist der
russische Markt für Logistikdienstleistungen nach einem Plus von 25% im
Jahr 2010 auch 2011 wieder zweistellig gewachsen. Das Volumen soll 60
Mrd. US$ erreicht haben. Davon entfallen etwa 5 Mrd. US$ auf
Lagerflächen-Management.
Der Bedarf an Lager- und Logistikflächen
wächst also wieder überdurchschnittlich. Russlands Immobilienmakler
beobachten eine spürbar gestiegene Nachfrage der Wirtschaft. Neben den
traditionellen Spitzenreitern Moskau und Sankt Petersburg gab es 2011 in
Kasan, Rostow-am-Don, Kaluga und Nowosibirsk die meisten Neuabschlüsse,
berichten Experten der Makleragentur Knight Frank. Marktkenner schätzen
die Rendite für Logistik-Immobilienprojekte in Russland derzeit auf 10
bis 12% jährlich. Die Investitionen in Lagerhallen rechnen sich in der
Regel innerhalb von neun bis zehn Jahren.
Experten gehen davon
aus, dass 2011 in Russland fast 500.000 qm Lagerflächen neu eingeweiht
wurden, davon 390.000 qm im Großraum Moskau. Für 2012 erwarten
Marktbeobachter noch größere Volumina. Knight Frank schätzt, dass allein
im Einzugsbereich der russischen Hauptstadt 800.000 qm fertig werden
könnten. In Sankt Petersburg seien Projekte mit 250.000 qm angekündigt
worden.
Nachdem im Zuge der Krise im Jahr 2009 die
Leerstandsquoten zweistellige Werte erreichten, gibt es zumindest rund
um Moskau derzeit kaum noch hochwertige, freie Lagerflächen. Die
Mietpreise sollen dennoch stabil bleiben und auch 2012 bei etwa 135 US$
(je qm und Jahr) liegen. B-Objekte würden 115 US$ je qm kosten (ohne
Betriebskosten), erwartet Knight Frank.
Der neue Aufschwung hat
für die Reaktivierung und Neuplanung von Bauvorhaben gesorgt. So hat zum
Beispiel der Kosmetikkonzern Procter & Gamble für 2012 den Baustart
eines Logistikzentrums in Uslowaja (Gebiet Tula) angekündigt. Das
Unternehmen betreibt bereits an seinem Produktionsstandort in
Nowomoskowsk eigene Lagerflächen, will diese jedoch durch das neue
Projekt erweitern. Russische Medien schätzen die Investitionen auf rund
25 Mio. Euro.
Entlang des geplanten Zentralen Autobahnringes ZKAD,
der sich bis 2025 in 50 Kilometer Abstand um die russische Hauptstadt
Moskau legen soll, entstehen eine Vielzahl neuer Logistikkomplexe. Das
Investitionsprogramm der Moskauer Oblast sieht im Zeitraum 2011 bis 2015
den Bau von 4,7 Mio. qm Lagerflächen entlang der künftigen Strecke vor.
Nach den Vorstellungen der Gebietsverwaltung könnten 20 multimodale
Logistik-Terminals gebaut werden.
Ebenfalls in der Moskauer Oblast
will das Reederei-Unternehmen Fesco aus Wladiwostok bauen. Das
Unternehmen hat von der russischen Eisenbahngesellschaft RZhD im
November 2011 grünes Licht bekommen für den Bau eines Transport- und
Logistikzentrums. Es soll in der Ortschaft Usady-Okruschnye entstehen
und über ein Eisenbahn-Containerterminal verfügen. Das
Investitionsvolumen beträgt rund 100 Mio. Euro. Jährlich sollen in dem
Logistikkomplex bis zu 300.000 TEU-Standardcontainer umgeschlagen
werden. Fesco bekommt von der Osteuropabank EBRD einen Kredit für das
Projekt.
Der Logistik-Projektentwickler Raven Russia will 2012
verstärkt solche Regionen ins Visier nehmen, in denen die Nachfrage nach
hochwertigen Lagerflächen bislang noch nicht sehr ausgeprägt war. Dazu
zählt das Unternehmen unter anderem Jekaterinburg, Nishni Nowgorod,
Omsk, Tscheljabinsk und Saratow, wo kundengerechte
Built-to-suit-Lösungen angeboten werden sollen. Insgesamt sind 2012
Investitionen von 200 Mio. US$ vorgesehen, zum Großteil für den Erwerb
fertiger Objekte. Etwa 100.000 qm Logistikflächen will Raven Russia
selbst bauen.
In der Region Kaluga errichtet GK Espro zusammen mit
der regionalen Entwicklungsagentur Industrieparks und Lagerhallen für
Automobilzulieferer. Ein Objekt mit 14.000 qm ist bereits fertig
gestellt. Ein zweites ist in Bau.
In der Republik Tatarstan geht
der Bau des multimodalen Logistikzentrums Swijaschsk bei Kasan weiter.
Das Vorhaben kostet 18,3 Mrd. Rubel (Rbl; 440 Mio. Euro, Wechselkurs am
23.12.11: 1 Euro = 41,23 Rbl) und soll bis 2015 fertig gestellt sein.
Der Standort ist ein Schnittpunkt am Transportkorridor
Westchina-Westeuropa. Dort entstehen Terminals für Güterwaggons und
Lastwagen, große Containerstellflächen sowie ein Hafen-Umschlagplatz.
Am
Ostseehafen Ust-Luga rücken 2012 die Bauleute an, um ein neues
Logistikzentrum für über 200 Mio. Euro zu errichten. Dort sollen
jährlich 6 Mio. t Waren umgeladen werden. Investoren sind OAO Kompanija
Ust-Luga und Gulftainer Global Logistics.
An der Grenze zu Belarus
nahe Smolensk entsteht in der Ortschaft Stabna ein weiteres Transport-
und Logistikzentrum. Die Gesamtkosten werden mit rund 150 Mio. Euro
angegeben. Perspektivisch sollen auf dem 100 ha großen Gelände bis zu
1.700 Lastwagen pro Tag abgefertigt werden können. Der Standort ist ein
wichtiger Knotenpunkt für Warenlieferungen zwischen Russland und
Westeuropa. Auch die deutsche Rhenus Logistics hat in der Region bereits
ein großes Zolllager errichtet.
In südlicher Richtung an der
Grenze zur Ukraine will sich das Gebiet Kursk als neuer Logistikknoten
etablieren. Im Jahresverlauf 2011 hat ein Tochterunternehmen des
Russischen Zolldienstes, Rostek, dort zwei große Terminals in Betrieb
genommen. Weitere sollen folgen. An den Projekten sind auch private
Investoren beteiligt.
Selbst im krisengeschüttelten Nordkaukasus
gibt es neue Logistikprojekte. Die Agrarholding Agriko hatte im
September 2011 angekündigt, in der Republik Dagestan ein Logistikzentrum
für umgerechnet 300 Mio. Euro bauen zu wollen. Dort sollen vor allem
regionale Agrarprodukte umgeschlagen werden. Ähnliche Vorhaben planen
auch die beiden südrussischen Regionen Astrachan und Stawropol. (S.Z.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der
Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für
Russland