Stabiles Nachfragewachstum bis 2016 erwartet / Abfüllung von Bier in Plastikflaschen könnte verboten werden / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Die Nachfrage nach Polyethylenterephthalat (PET) in Russland
wächst langsamer als die geplanten Kapazitätssteigerungen. Bereits 2015
könnte das größte Land der Welt Nettoexporteur sein, wenn alle
Investitionsprojekte fristgerecht umgesetzt werden. Aber einigen
PET-Verarbeitern droht Ungemach: Zurzeit wird ein Gesetz über das Verbot
von PET-Flaschen für alkoholische Getränke diskutiert. Sollte es
tatsächlich umgesetzt werden, droht einer Reihe von
Plastikflaschen-Herstellern das Aus.
Zwischen 2013 und 2015 will Russland die Kapazitäten zur
Produktion von PET von derzeit 510.000 t auf über 1 Mio. t pro Jahr
steigern. Das Unternehmen Sibur, größter Chemiekonzern des Landes, plant
seine PET-Kapazitäten zum 4.Quartal 2013 um 20.000 t auf 90.000 t zu
erweitern. Polyef baut seine Kapazitäten um 80.000 t auf 200.000 t aus.
Doch das größte Projekt entsteht in Kabardino-Balkarien. Zum Jahr 2015
sollen dort Kapazitäten von 486.000 t PET geschaffen werden.
Das
Projekt des Unternehmens Etana ist ein Schlüsselelement im
Entwicklungsprogramm der russischen Chemieindustrie. "Deshalb steht
fest, dass wir 2015 an den Start gehen", sagte Generaldirektor Sergei
Aschinow, auf der 8. Internationalen PET-Konferenz des
Chemieberaterunternehmens Creon. Als Technikpartner sei die Auswahl auf
die deutsche Firma Uhde Inventa-Fischer gefallen, Generalauftragnehmer
soll der Bühler-Konzern werden.
Mit diesem Megaprojekt dürfte
Russland auf einen Schlag Nettoexporteur von PET werden. Im Jahr 2011
hat das größte Land der Welt seine Ausfuhren bereits verneunfacht.
Grund: Alco-Nafta nahm in Kaliningrad eine Anlage für 220.000 PET pro
Jahr in Betrieb. Ein beträchtlicher Teil der dortigen Produktion wird in
den Nachbarstaaten verkauft; langfristig sollen 70% im Ausland verkauft
werden. Auch dieses Werk in Kaliningrad hat Uhde Inventa-Fischer
gebaut.
Russlands Markt für Polyethylenterephtalat (PET) auf einen Blick (in 1.000 Tonnen)
| Kennzahl | 2009 | 2010 | 2011 | Veränderung 2011/2010 in % |
| Kapazitäten | 290 | 290 | 510 | 76 |
| Produktion | 310 | 310 | 396 | 28 |
| Import | 210 | 272 | 263 | -3 |
| Export | 10 | 9 | 81 | um das Neunfache |
| Nachfrage | 463 | 573 | 577 | 1 |
*) Prognose
Quelle: Creon (http://www.creon-online.ru)
Marktexperten
sorgen sich jedoch um die Nachfrageentwicklung. Ein Hemmschuh könnte
das derzeit diskutierte Verbot des Abfüllens und Verkaufens von Bier in
PET-Flaschen sein. Derzeit streiten Lobbygruppen, Parlamentarier und
Konsumenten über ein PET-Verbot für Alkohol. Würden sich Russlands
Abgeordnete tatsächlich auf dieses Verbot einigen, käme es wohl zu einer
Änderung im technischen Reglement der Zollunion Russland - Kasachstan -
Belarus. Und danach sieht es derzeit aus.
Der russische
Brauereiverband indes spricht sich dafür aus, Bier von der umstrittenen
technischen Regulierung auszunehmen. Andernfalls droht vor allem einigen
kleineren Brauereien sowie einer Reihe von Herstellern von
Plastikflaschen das Aus. Derzeit werden 47% des russischen Bieres in
Plastikflaschen abgefüllt. Die Hersteller von PET-Flaschen sind wichtige
Abnehmer der großen Granulat-Hersteller Sibur, Senege, Polyef und
Alco-Nafta beziehungsweise der entsprechenden Händler.
Doch es
gibt auch Indizien dafür, dass der Markt weiter wachsen wird. So liegt
der Pro-Kopf-Verbrauch von PET in Russland bei gerade einmal 4,1 kg pro
Einwohner. Zum Vergleich: In den USA sind es 9,5 kg und in Westeuropa
immerhin 6,5 kg.
Im Jahr 2011 stieg die Nachfrage nach PET
lediglich um 1%. Von 2012 bis 2016 dürften es circa 3% pro Jahr sein,
glaubt das Management des Branchenriesen Sibur. Dabei stellt der
ungewisse Ausgang über die Debatte um die Bierabfüllung die größte
Bedrohung dar.
Die wichtigsten Unternehmen am russischen Markt für Polyethylenterephtalat (in 1.000 Tonnen)
| Unternehmen / Herkunft | Kapazitäten 2011 | Produktion 2011 |
| Gesamt, davon | 510 | 396 |
| .Sibur-PET | 70 | 75 |
| .Polyef | 120 | 137 |
| .SNP Senesch | 100 | 84 |
| .Alco-Nafta | 220 | 99 |
Quelle: Creon
Die PET-Importquote lag
2011 noch bei 47%, wird aber weiter fallen. Bereits 2012 dürfte sich
der Importanteil auf nur etwa ein Drittel belaufen. Denn man rechnet
damit, dass die Importe aus China von 100.000 t auf 80.000 t und die aus
Südkorea von 100.000 t auf 40.000 bis 50.000 t sinken werden. Doch
solange Russland seine Binnennachfrage nicht decken kann, ist es
weiterhin auf Importe angewiesen. Die Preise für PET liegen in der
Volksrepublik China derzeit um 180 US$ pro Tonne unter denen in
Russland. Diese Preise als Ausgangsgrundlage plus Zölle plus
Transportkosten ergeben den Preis in Russland. Denn russische Anbieter
orientieren sich bei ihrer Preispolitik einheitlich an den Preisen für
Importwaren.
Das Sammeln und Recyceln von Plastikflaschen ist in
Russland kaum verbreitet. Es gibt zwar einige Leuchtturmprojekte, wie
ein modernes Recyclingwerk von Plarus oder die Sammelaktion in der Stadt
Solnetschnogorsk im Gebiet Moskau. Doch es fehlen russlandweite
Strategien. Jahr für Jahr fallen in Russland 40 Mio. t feste Abfälle an.
Weder gibt es gesetzliche noch infrastrukturelle Voraussetzungen für
private lokale oder privat-staatliche Initiativen auf diesem Sektor.
Außerdem fehlt in Russland das Bewusstsein für Mülltrennung - dafür,
dass es sich bei Müll um wertvolle, wiederverwertbare Materialien
handeln kann.
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Tel.: 007 4012/71 60 22, Fax: -71 60 20
E-Mail: info@alco-naphtha.ru, Internet: http://www.alco-naphtha.ru
OOO Sawod nowych polimerow Senesch
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