Kaum Modellanpassungen bei Exporten / Deutsche Qualität wird gern gekauft / Von Ingeborg Kozel
Bonn
(gtai) - Der deutsche Möbelsektor blickt zuversichtlich in die Zukunft.
Viele Single-Haushalte und steigende Baugenehmigungen versprechen auch
für 2012 ein nominales Umsatzwachstum von bis zu 3%. Auch im Ausland
werden gern deutsche Produkte gekauft. Neben Lieferzuverlässigkeit und
Haltbarkeit sind die Möbel inzwischen auch für gutes Design anerkannt.
Die Bedürfnisse in unterschiedlichen Ländern gleichen sich immer mehr
an, es entwickelt sich ein Weltdesign.
Die deutsche Möbelbranche blickt mit Optimismus in die Zukunft,
so Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie. Kein
Wunder, im Jahr 2011 konnte sie ein Wachstum des Gesamtumsatzes von 6%
verbuchen und rechnet für 2012 mit bis zu 3%. Der steigende private
Konsum und die dynamischen Wohnungsbauinvestitionen sollen für einen
soliden Inlandsabsatz sorgen. Der Sektor verspricht sich zudem Zuwächse
durch das Auslandsgeschäft. Ende des Jahres 2012 soll das Umsatzvolumen
vor der Krise (2008: 17,2 Mrd. Euro) wieder erreicht werden.
Das
Jahr 2011 schloss die Branche mit einem Gesamtumsatz von 16,7 Mrd. Euro
ab. Das 1. Halbjahr verlief erfreulich dynamisch, im 2. Halbjahr hielten
sich die Konsumenten dagegen mit den Käufen zurück. Die Erträge der
Branchenunternehmen wurden in den letzten Jahren durch steigende
Holzpreise sowie Material- und Lohnkosten verringert.
Heute müssen
sich Möbel den veränderten Bedürfnissen der Verbraucher anpassen. Die
klassische Aufteilung in Wohnzimmer, Essen, Küche, Schlafen verschwindet
mehr und mehr. Gekocht wird beispielsweise im Beisein und unter
Mitwirkung der Gäste, die ehemals strenge Trennung von Kochen und
Essraum löst sich auf. Das erfordert andere Räume und andere Möbel.
Vielfach ersetzt das gemeinsame Kochen ein Treffen im Restaurant.
Auch
die Ansprüche an private Arbeitsräume und -möbel verändern sich: Die
Technik (wie bei Flachbildschirmen, Notebooks, Smart Phones) nimmt immer
weniger Raum ein und Schreibtische und Regale aber auch Polstermöbel
werden kleiner und schmaler. Ein weiterer Trend sind die zunehmenden
Single-Haushalte, die über weniger Platz verfügen als die von Paaren
oder Familien. In Deutschland gibt es 16,2 Mio. Single-Haushalte,
durchschnittlich hat ein Bewohner 47 qm Platz. Möbel müssen daher
multifunktional sein. Diese Tendenzen sind nicht nur auf Deutschland
beschränkt, sie setzen sich auch in unseren Nachbarländern fort.
Deutsche Möbelhersteller entsprechen diesem Trend und fertigen
entsprechend. Mehr noch: Im Bereich Multifunktionalität, wie auch bei
LED-Beleuchtung und bei intelligenten Scharnieren, sind deutsche
Produzenten Marktführer. Chinesische oder osteuropäische Hersteller sind
noch nicht zu einer entsprechenden Fertigung in der Lage.
Der
Trend geht in Richtung Natur, zur Wohnhöhle gegen die Kälte von außen in
Form von Stress, Technik und Arbeitsdruck. Materialien wie Holz,
Parkett, Wolle, Filz und Leder werden bevorzugt verarbeitet und gekauft.
Wohnungen werden verstärkt individuell gestaltet. Die Menschen
bemerken, dass sie in vielen Bereichen Zwängen unterliegen und dass sie
nur zuhause volle Gestaltungsfreiheit haben.
Trends verbreiten
sich weltweit, die Tendenz geht zum Weltdesign, so Geismann. Angebote
müssen immer weniger an lokale Gegebenheiten angepasst werden. Der
Kastenmöbelhersteller Kettnaker bestätigt dies. Die Exportquote des
Unternehmens beträgt stolze 35%. Die meisten Ausfuhren gehen in die
Nachbarländer Deutschlands, in den letzten Jahren konnte man eine
anziehende Nachfrage aus Russland begrüßen.
In die Europäische
Union gehen rund 70% aller Möbelexporte. Weitere, wichtige Ausfuhrländer
sind Russland und der Nahe und Mittlere Osten insbesondere im
Objektgeschäft (wie Flughäfen, Hotels). Auch zahlungskräftige
Verbraucher aus der VR China zeigen großes Interesse an deutschen
Möbeln. Im Gegensatz dazu sind die Orders aus Japan zurückhaltend, da
deutsche Möbel für kleinwüchsige Japaner häufig falsche Ausmaße haben.
Deutsche Top-Ten-Exportländer *) (in Mio. Euro, Veränderung in %)
| Warenwert | Veränderung 2011/10 | |
| Frankreich | 1.100 | 18,5 |
| Schweiz | 770 | 16,1 |
| Österreich | 677 | 4,4 |
| Niederlande | 596 | -1,3 |
| Belgien | 378 | 4,6 |
| Vereinigtes Königreich | 377 | 0,7 |
| Spanien | 237 | 12,7 |
| Italien | 234 | 15,5 |
| Polen | 216 | 22,3 |
| USA | 203 | 5,6 |
*) Januar bis September
Quelle: Verband der deutschen Möbelindustrie
Made
in Germany ist auch bei Möbeln ein Verkaufsargument und steht im
Ausland für Design, zuverlässige Lieferungen, hochwertige Materialien,
innovative Lösungen und Qualität. Deutsche Hersteller können mit diesen
Eigenschaften punkten, dem asiatischen Preisdruck sollten sie sich nicht
unterwerfen, meint Geismann. Trotz steigender Preise greifen
statusbewusste ausländische Konsumenten zu deutschen Kasten- und
Polstermöbeln oder Küchen. Möbelbauer sollten Design und Formensprache
über Jahre konstant halten, ein eigenes Profil entwickeln sowie stärker
über Innovationen nachdenken.
Allmählich steigert auch das
deutsche Design seine Reputation: Jahrelang galt italienisches Design
und Lifestyle als führend. Im Jahr 2011 konnte Deutschland jedoch in
diesem Bereich eine höhere Exportquote erzielen als Italien.
Der AUMA bietet deutschen Unternehmen 2012 Messebeteiligungen (http://www.auma.de/_pages/Auslandsprogramme/AuslandsprogrammeBund.aspx?sprache=d?1?db=fb)
in der VR China (Kanton Shanghai), Dubai und Russland (Moskau). Für
2013 ist eine Beteiligung in Brasilien geplant. Geismann rät zu einer
kontinuierlichen Messepräsenz. Ein Hersteller müsse drei bis vier Jahre
auf einer ausländischen Messe präsent sein, um Kontakte aufzubauen.
Deutsche Möbelexporte (in Mio. Euro, Veränderung in %)
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011 *) | Veränd. 2011/10 *) | |
| Ausfuhr | 8.897 | 7.666 | 8.350 | 8.529 | 11,2 |
| Einfuhr | 8.938 | 8.483 | 9.629 | 9.344 | 6,2 |
SITC 82
*) Januar bis November
Quelle: Destatis
Kontaktanschrift:
Verband der deutschen Möbelindustrie e.V.
Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef
Tel.:+49 2224 9377-14, Fax.: -77
(I.K.)
Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der
Messmitteln, Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für
Russland