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Mittwoch, 7. März 2012

Möbel "made in Germany" bleiben international gefragt

Kaum Modellanpassungen bei Exporten / Deutsche Qualität wird gern gekauft / Von Ingeborg Kozel

Bonn (gtai) - Der deutsche Möbelsektor blickt zuversichtlich in die Zukunft. Viele Single-Haushalte und steigende Baugenehmigungen versprechen auch für 2012 ein nominales Umsatzwachstum von bis zu 3%. Auch im Ausland werden gern deutsche Produkte gekauft. Neben Lieferzuverlässigkeit und Haltbarkeit sind die Möbel inzwischen auch für gutes Design anerkannt. Die Bedürfnisse in unterschiedlichen Ländern gleichen sich immer mehr an, es entwickelt sich ein Weltdesign.

Die deutsche Möbelbranche blickt mit Optimismus in die Zukunft, so Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie. Kein Wunder, im Jahr 2011 konnte sie ein Wachstum des Gesamtumsatzes von 6% verbuchen und rechnet für 2012 mit bis zu 3%. Der steigende private Konsum und die dynamischen Wohnungsbauinvestitionen sollen für einen soliden Inlandsabsatz sorgen. Der Sektor verspricht sich zudem Zuwächse durch das Auslandsgeschäft. Ende des Jahres 2012 soll das Umsatzvolumen vor der Krise (2008: 17,2 Mrd. Euro) wieder erreicht werden.
Das Jahr 2011 schloss die Branche mit einem Gesamtumsatz von 16,7 Mrd. Euro ab. Das 1. Halbjahr verlief erfreulich dynamisch, im 2. Halbjahr hielten sich die Konsumenten dagegen mit den Käufen zurück. Die Erträge der Branchenunternehmen wurden in den letzten Jahren durch steigende Holzpreise sowie Material- und Lohnkosten verringert.
Heute müssen sich Möbel den veränderten Bedürfnissen der Verbraucher anpassen. Die klassische Aufteilung in Wohnzimmer, Essen, Küche, Schlafen verschwindet mehr und mehr. Gekocht wird beispielsweise im Beisein und unter Mitwirkung der Gäste, die ehemals strenge Trennung von Kochen und Essraum löst sich auf. Das erfordert andere Räume und andere Möbel. Vielfach ersetzt das gemeinsame Kochen ein Treffen im Restaurant.
Auch die Ansprüche an private Arbeitsräume und -möbel verändern sich: Die Technik (wie bei Flachbildschirmen, Notebooks, Smart Phones) nimmt immer weniger Raum ein und Schreibtische und Regale aber auch Polstermöbel werden kleiner und schmaler. Ein weiterer Trend sind die zunehmenden Single-Haushalte, die über weniger Platz verfügen als die von Paaren oder Familien. In Deutschland gibt es 16,2 Mio. Single-Haushalte, durchschnittlich hat ein Bewohner 47 qm Platz. Möbel müssen daher multifunktional sein. Diese Tendenzen sind nicht nur auf Deutschland beschränkt, sie setzen sich auch in unseren Nachbarländern fort. Deutsche Möbelhersteller entsprechen diesem Trend und fertigen entsprechend. Mehr noch: Im Bereich Multifunktionalität, wie auch bei LED-Beleuchtung und bei intelligenten Scharnieren, sind deutsche Produzenten Marktführer. Chinesische oder osteuropäische Hersteller sind noch nicht zu einer entsprechenden Fertigung in der Lage.
Der Trend geht in Richtung Natur, zur Wohnhöhle gegen die Kälte von außen in Form von Stress, Technik und Arbeitsdruck. Materialien wie Holz, Parkett, Wolle, Filz und Leder werden bevorzugt verarbeitet und gekauft. Wohnungen werden verstärkt individuell gestaltet. Die Menschen bemerken, dass sie in vielen Bereichen Zwängen unterliegen und dass sie nur zuhause volle Gestaltungsfreiheit haben.
Trends verbreiten sich weltweit, die Tendenz geht zum Weltdesign, so Geismann. Angebote müssen immer weniger an lokale Gegebenheiten angepasst werden. Der Kastenmöbelhersteller Kettnaker bestätigt dies. Die Exportquote des Unternehmens beträgt stolze 35%. Die meisten Ausfuhren gehen in die Nachbarländer Deutschlands, in den letzten Jahren konnte man eine anziehende Nachfrage aus Russland begrüßen.
In die Europäische Union gehen rund 70% aller Möbelexporte. Weitere, wichtige Ausfuhrländer sind Russland und der Nahe und Mittlere Osten insbesondere im Objektgeschäft (wie Flughäfen, Hotels). Auch zahlungskräftige Verbraucher aus der VR China zeigen großes Interesse an deutschen Möbeln. Im Gegensatz dazu sind die Orders aus Japan zurückhaltend, da deutsche Möbel für kleinwüchsige Japaner häufig falsche Ausmaße haben.
Deutsche Top-Ten-Exportländer *) (in Mio. Euro, Veränderung in %)

Warenwert Veränderung 2011/10
Frankreich 1.100 18,5
Schweiz 770 16,1
Österreich 677 4,4
Niederlande 596 -1,3
Belgien 378 4,6
Vereinigtes Königreich 377 0,7
Spanien 237 12,7
Italien 234 15,5
Polen 216 22,3
USA 203 5,6
*) Januar bis September
Quelle: Verband der deutschen Möbelindustrie
Made in Germany ist auch bei Möbeln ein Verkaufsargument und steht im Ausland für Design, zuverlässige Lieferungen, hochwertige Materialien, innovative Lösungen und Qualität. Deutsche Hersteller können mit diesen Eigenschaften punkten, dem asiatischen Preisdruck sollten sie sich nicht unterwerfen, meint Geismann. Trotz steigender Preise greifen statusbewusste ausländische Konsumenten zu deutschen Kasten- und Polstermöbeln oder Küchen. Möbelbauer sollten Design und Formensprache über Jahre konstant halten, ein eigenes Profil entwickeln sowie stärker über Innovationen nachdenken.
Allmählich steigert auch das deutsche Design seine Reputation: Jahrelang galt italienisches Design und Lifestyle als führend. Im Jahr 2011 konnte Deutschland jedoch in diesem Bereich eine höhere Exportquote erzielen als Italien.
Der AUMA bietet deutschen Unternehmen 2012 Messebeteiligungen (http://www.auma.de/_pages/Auslandsprogramme/AuslandsprogrammeBund.aspx?sprache=d?1?db=fb) in der VR China (Kanton Shanghai), Dubai und Russland (Moskau). Für 2013 ist eine Beteiligung in Brasilien geplant. Geismann rät zu einer kontinuierlichen Messepräsenz. Ein Hersteller müsse drei bis vier Jahre auf einer ausländischen Messe präsent sein, um Kontakte aufzubauen.
Deutsche Möbelexporte (in Mio. Euro, Veränderung in %)

2008 2009 2010 2011 *) Veränd. 2011/10 *)
Ausfuhr 8.897 7.666 8.350 8.529 11,2
Einfuhr 8.938 8.483 9.629 9.344 6,2
SITC 82
*) Januar bis November
Quelle: Destatis

Kontaktanschrift:

Verband der deutschen Möbelindustrie e.V.
Flutgraben 2, 53604 Bad Honnef
Tel.:+49 2224 9377-14, Fax.: -77
(I.K.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland