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Freitag, 25. Mai 2012

Kommunaler Wohnungsbau bleibt Russlands Sorgenkind

Nowosibirsk und Sankt Petersburg benötigen mehr Investitionsmittel / Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Der soziale Wohnungsbau und die kommunale Wohnungswirtschaft werden für Nowosibirsk und Sankt Petersburg auf Jahre hinaus Sorgenkinder bleiben. Das größte Problem stellt die Finanzierung dar. Daneben ist der Immobilienbestand vielerorts überaltert, die Einnahmen aus Gebühren für kommunale Dienstleistungen fließen nur spärlich und der rechtliche Rahmen benötigt eine Modernisierung. Aus diesen Gründen halten sich private Investoren zurück.

Für den kommunalen Wohnungsbau zeichnet im Maßstab des gesamten Landes das Ministerium für regionale Entwicklung verantwortlich. Im April 2012 präsentierte das Ressort einen Vorschlag, wonach im Geltungsbereich des Ministeriums eine neue Struktur, die Staatliche Wohnungsgesellschaft (Gosudarstwennaja Schilischnaja Korporazija), gegründet wird. Diese soll sich künftig mit allen technischen und operativen Fragen des staatlichen Wohnungsbaus beschäftigen.

Um die Finanzierung würde sich eine ebenfalls noch zu gründende staatliche Bank für Wohnungsbau kümmern. Das neue Finanzinstitut könnte darüber hinaus Hypothekenkredite mit vergünstigten Zinssätzen an sozial schwache Bevölkerungsgruppen vergeben.

Ein 2007 ins Leben gerufener staatlicher "Fonds zur Reformierung der kommunalen Wohnungswirtschaft" (Fond Sodejstwija Reformirowaniju Schilischnowo Komunalnowo Chosjaijstwa) vergibt Zuschüsse an Gebietskörperschaften und Kommunen für Modernisierungs- und Renovierungsvorhaben beziehungsweise für die Umsiedlung von Einwohnern aus abrissreifen Immobilien. Wegen der Dringlichkeit des Wohnungsproblems hat die russische Regierung erst vor kurzem die Laufzeit des Fonds bis 2015 verlängert.

Speziell das Gebiet Nowosibirsk hat seit dem Bestehen des Fonds 2008, 2010 und 2011 Zuschüsse von zusammen 3 Mrd. Rubel zur Instandsetzung von 800 mehretagigen Wohnhäusern erhalten. Für die Förderung des kommunalen Wohnungsbaus im Gebiet Nowosibirsk zeichnet das regionale Ministerium für Bau und kommunale Wohnungswirtschaft verantwortlich und setzt dabei die entsprechenden Beschlüsse der Gebietsregierung um. Seit 2010 existiert zusätzlich ein regionaler Fonds zur Modernisierung und Entwicklung der kommunalen Wohnungswirtschaft.

Die Gebietsregierung will 2011/12 insgesamt 34,4 Mrd. Rubel und zwischen 2013 und 2015 noch einmal 64,4 Mrd. Rubel in den sozialen Wohnungsbau und in die kommunale Wohnungswirtschaft investieren. Finanziert werden soll das aus den Haushalten der Föderation, des Gebiets und der Kommunen sowie aus aufgenommenen Krediten. Wie vehement wichtig der Wohnungsbau vor allem für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen ist, veranschaulichen einige Kennziffern. Im Bezirk Nowosibirsk fehlen in 21,5% aller Wohnungen Wasseranschlüsse, in 26,9% Abwasseranschlüsse, in 39,0% eine Warmwassereinspeisung und in 35,1% ein Badezimmer. Besonders hoch fallen diese Quoten auf dem Land aus, wogegen nur etwa 10% der Wohnungen im Stadtgebiet Nowosibirsk solchen Komfort vermissen lassen. Im gesamten Bezirk Nowosibirsk leben 77.500 Menschen in baufälligen Häusern, die für den Abriss vorgesehen sind.

In Sankt Petersburg zeichnet für die Bewirtschaftung und Reparatur von Immobilien, die sich im kommunalen Eigentum befinden, das Wohnungskomitee der Stadt (Schilischny Komitet Sankt-Peterburga) verantwortlich. Die Stadtoberen bezeichnen finanzielle Engpässe als das größte Problem beim Erhalt und bei der Erweiterung des Wohnraumbestands. Es stehen jährlich etwa zu 20% weniger Mittel zur Verfügung, als tatsächlich gebraucht würden.

Im Ergebnis hat sich in der Wohnungswirtschaft ein hoher Verschuldungsstand angehäuft. Der vom Fonds zur Reformierung der kommunalen Wohnungswirtschaft aus Moskau im März 2012 überwiesene Zuschuss von 0,7 Mrd. Rubel zur Rekonstruktion von 313 Häusern scheint da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Dementsprechend hoch ist der Grad an unerledigten Reparaturarbeiten beziehungsweise der Verschleißgrad einiger Immobilien.

Hinzu kommt der Ausbesserungsbedarf in der kommunalen Infrastruktur: Allein 40% des Fernwärmenetzes sind technisch abgeschrieben, aber notgedrungen trotzdem in Betrieb. In der Wasserversorgung kommen 25% des Wassers wegen poröser Leitungen beim Verbraucher erst gar nicht an. Nur 9% des Frischwassernetzes entsprechen einigermaßen zeitgemäßen Standards. Das Stromnetz hat im Schnitt ein Alter von 28 Jahren erreicht, bei einem technisch vorgesehenen Höchstalter von 30 bis 35 Jahren. Infolge kommen auf die Versorgungsunternehmen kaum zu stemmende Modernisierungen zu, sofern keine privaten Investoren mobilisiert werden können.

Im Sankt Petersburger Zentrum müssen gemäß den Vorschriften bei Neubauprojekten die historischen Fassaden erhalten bleiben. Ein solches Konzept verfolgt zum Beispiel das finnische Bauunternehmen YIT, das auf diese Art 45.100 qm Wohnfläche auf einem Grundstück von 2,9 ha errichtet. Dabei bleibt die Fassade dreier historischer Gebäude aus dem 19. und vom Anfang des 20. Jahrhundert unverändert.

Das Tempo im Wohnungsbau der Stadt Sankt Petersburg hat im 1. Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,23% zugelegt. Geplant ist, 2012 insgesamt 2,75 Mio. qm an Wohnfläche fertigzustellen. In unterschiedlichen Bauphasen befinden sich weitere 4,8 Mio. qm, davon 80% im Segment für preiswerten Wohnraum.

Im benachbarten Leningrader Gebiet werden 2012 insgesamt 1,9 Mrd. Rubel in den sozialen Wohnungsbau und in die kommunale Wohnungswirtschaft investiert. In den folgenden drei Jahren sollen noch einmal 5,6 Mrd. Rubel hinzukommen. Gebaut werden Wohnungen für junge Familien und Angehörige des öffentlichen Dienstes. Außerdem gibt es ein gesondertes Wohnungsbauprogramm zu Gunsten von Lehrern. Für die Reparatur von Wohnhäusern fließen 117 Mio. Rubel, weitere 84 Mio. für die Umsiedlung von Familien aus abrissbedürftigen Immobilien.

Kontaktanschriften:

Fonds zur Reformierung der kommunalen Wohnungsverwaltung
(Fond Sodejstwija Reformirowaniju Schilischnowo Komunalnowo Chosjaijstwa)
ul. Zemljanoj wal 50A, stroenije 3, 109028 Moskau
Tel.: 007/495/651 65 42
Ministerium für Bau und kommunale Wohnungswirtschaft des Gebiets Nowosibirsk (Ministerstwo Stroitelstwa i Schilischno-Kommunalnowo Chosjaistwa Nowosibirskoj Oblasti)
Krasnyi Prospekt 18, 630011 Nowosibirsk
Tel.: 007/383/223 06 06, Fax: -223 54 26
Fonds zur Modernisierung und Entwicklung der kommunalen Wohnungswirtschaft im Bezirk Nowosibirsk
(Fond Modernizacii i Razwitija Schilischno-Kommunalnowo Chosjaistwa Municipalnych Obrazowanij Nowosibirskoij Oblasti)
ul. Kamenskaja 3, ofis 22, 630099 Nowosibirsk
Tel.: 007/383/223 40 47, -223 37 26
Wohnungskomitee Sankt Petersburg
(Schilischny Komitet Sankt-Peterburga)
Pl. Ostrowskowo 9-11, 190000 Sankt Petersburg
Tel.: 007/815/576 02 86
(U.U.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland