Nowosibirsk und Sankt Petersburg benötigen mehr Investitionsmittel / Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Der soziale Wohnungsbau und die kommunale Wohnungswirtschaft
werden für Nowosibirsk und Sankt Petersburg auf Jahre hinaus
Sorgenkinder bleiben. Das größte Problem stellt die Finanzierung dar.
Daneben ist der Immobilienbestand vielerorts überaltert, die Einnahmen
aus Gebühren für kommunale Dienstleistungen fließen nur spärlich und der
rechtliche Rahmen benötigt eine Modernisierung. Aus diesen Gründen
halten sich private Investoren zurück.
Für den kommunalen Wohnungsbau zeichnet im Maßstab des gesamten
Landes das Ministerium für regionale Entwicklung verantwortlich. Im
April 2012 präsentierte das Ressort einen Vorschlag, wonach im
Geltungsbereich des Ministeriums eine neue Struktur, die Staatliche
Wohnungsgesellschaft (Gosudarstwennaja Schilischnaja Korporazija),
gegründet wird. Diese soll sich künftig mit allen technischen und
operativen Fragen des staatlichen Wohnungsbaus beschäftigen.
Um
die Finanzierung würde sich eine ebenfalls noch zu gründende staatliche
Bank für Wohnungsbau kümmern. Das neue Finanzinstitut könnte darüber
hinaus Hypothekenkredite mit vergünstigten Zinssätzen an sozial schwache
Bevölkerungsgruppen vergeben.
Ein 2007 ins Leben gerufener
staatlicher "Fonds zur Reformierung der kommunalen Wohnungswirtschaft"
(Fond Sodejstwija Reformirowaniju Schilischnowo Komunalnowo
Chosjaijstwa) vergibt Zuschüsse an Gebietskörperschaften und Kommunen
für Modernisierungs- und Renovierungsvorhaben beziehungsweise für die
Umsiedlung von Einwohnern aus abrissreifen Immobilien. Wegen der
Dringlichkeit des Wohnungsproblems hat die russische Regierung erst vor
kurzem die Laufzeit des Fonds bis 2015 verlängert.
Speziell das
Gebiet Nowosibirsk hat seit dem Bestehen des Fonds 2008, 2010 und 2011
Zuschüsse von zusammen 3 Mrd. Rubel zur Instandsetzung von 800
mehretagigen Wohnhäusern erhalten. Für die Förderung des kommunalen
Wohnungsbaus im Gebiet Nowosibirsk zeichnet das regionale Ministerium
für Bau und kommunale Wohnungswirtschaft verantwortlich und setzt dabei
die entsprechenden Beschlüsse der Gebietsregierung um. Seit 2010
existiert zusätzlich ein regionaler Fonds zur Modernisierung und
Entwicklung der kommunalen Wohnungswirtschaft.
Die
Gebietsregierung will 2011/12 insgesamt 34,4 Mrd. Rubel und zwischen
2013 und 2015 noch einmal 64,4 Mrd. Rubel in den sozialen Wohnungsbau
und in die kommunale Wohnungswirtschaft investieren. Finanziert werden
soll das aus den Haushalten der Föderation, des Gebiets und der Kommunen
sowie aus aufgenommenen Krediten. Wie vehement wichtig der Wohnungsbau
vor allem für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen ist,
veranschaulichen einige Kennziffern. Im Bezirk Nowosibirsk fehlen in
21,5% aller Wohnungen Wasseranschlüsse, in 26,9% Abwasseranschlüsse, in
39,0% eine Warmwassereinspeisung und in 35,1% ein Badezimmer. Besonders
hoch fallen diese Quoten auf dem Land aus, wogegen nur etwa 10% der
Wohnungen im Stadtgebiet Nowosibirsk solchen Komfort vermissen lassen.
Im gesamten Bezirk Nowosibirsk leben 77.500 Menschen in baufälligen
Häusern, die für den Abriss vorgesehen sind.
In Sankt Petersburg
zeichnet für die Bewirtschaftung und Reparatur von Immobilien, die sich
im kommunalen Eigentum befinden, das Wohnungskomitee der Stadt
(Schilischny Komitet Sankt-Peterburga) verantwortlich. Die Stadtoberen
bezeichnen finanzielle Engpässe als das größte Problem beim Erhalt und
bei der Erweiterung des Wohnraumbestands. Es stehen jährlich etwa zu 20%
weniger Mittel zur Verfügung, als tatsächlich gebraucht würden.
Im
Ergebnis hat sich in der Wohnungswirtschaft ein hoher
Verschuldungsstand angehäuft. Der vom Fonds zur Reformierung der
kommunalen Wohnungswirtschaft aus Moskau im März 2012 überwiesene
Zuschuss von 0,7 Mrd. Rubel zur Rekonstruktion von 313 Häusern scheint
da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Dementsprechend hoch
ist der Grad an unerledigten Reparaturarbeiten beziehungsweise der
Verschleißgrad einiger Immobilien.
Hinzu kommt der
Ausbesserungsbedarf in der kommunalen Infrastruktur: Allein 40% des
Fernwärmenetzes sind technisch abgeschrieben, aber notgedrungen trotzdem
in Betrieb. In der Wasserversorgung kommen 25% des Wassers wegen
poröser Leitungen beim Verbraucher erst gar nicht an. Nur 9% des
Frischwassernetzes entsprechen einigermaßen zeitgemäßen Standards. Das
Stromnetz hat im Schnitt ein Alter von 28 Jahren erreicht, bei einem
technisch vorgesehenen Höchstalter von 30 bis 35 Jahren. Infolge kommen
auf die Versorgungsunternehmen kaum zu stemmende Modernisierungen zu,
sofern keine privaten Investoren mobilisiert werden können.
Im
Sankt Petersburger Zentrum müssen gemäß den Vorschriften bei
Neubauprojekten die historischen Fassaden erhalten bleiben. Ein solches
Konzept verfolgt zum Beispiel das finnische Bauunternehmen YIT, das auf
diese Art 45.100 qm Wohnfläche auf einem Grundstück von 2,9 ha
errichtet. Dabei bleibt die Fassade dreier historischer Gebäude aus dem
19. und vom Anfang des 20. Jahrhundert unverändert.
Das Tempo im
Wohnungsbau der Stadt Sankt Petersburg hat im 1. Quartal 2012 im
Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,23% zugelegt. Geplant ist, 2012
insgesamt 2,75 Mio. qm an Wohnfläche fertigzustellen. In
unterschiedlichen Bauphasen befinden sich weitere 4,8 Mio. qm, davon 80%
im Segment für preiswerten Wohnraum.
Im benachbarten Leningrader
Gebiet werden 2012 insgesamt 1,9 Mrd. Rubel in den sozialen Wohnungsbau
und in die kommunale Wohnungswirtschaft investiert. In den folgenden
drei Jahren sollen noch einmal 5,6 Mrd. Rubel hinzukommen. Gebaut werden
Wohnungen für junge Familien und Angehörige des öffentlichen Dienstes.
Außerdem gibt es ein gesondertes Wohnungsbauprogramm zu Gunsten von
Lehrern. Für die Reparatur von Wohnhäusern fließen 117 Mio. Rubel,
weitere 84 Mio. für die Umsiedlung von Familien aus abrissbedürftigen
Immobilien.
Kontaktanschriften:
Fonds zur Reformierung der kommunalen Wohnungsverwaltung
(Fond Sodejstwija Reformirowaniju Schilischnowo Komunalnowo Chosjaijstwa)
ul. Zemljanoj wal 50A, stroenije 3, 109028 Moskau
Tel.: 007/495/651 65 42
E-Mail: pressa@fondgkh.ru, Internet: http://www.fondgkh.ru
Ministerium
für Bau und kommunale Wohnungswirtschaft des Gebiets Nowosibirsk
(Ministerstwo Stroitelstwa i Schilischno-Kommunalnowo Chosjaistwa
Nowosibirskoj Oblasti)
Krasnyi Prospekt 18, 630011 Nowosibirsk
Tel.: 007/383/223 06 06, Fax: -223 54 26
E-Mail: eag@nso.ru, Internet: http://www.minstroy.nso.ru
Fonds zur Modernisierung und Entwicklung der kommunalen Wohnungswirtschaft im Bezirk Nowosibirsk
(Fond Modernizacii i Razwitija Schilischno-Kommunalnowo Chosjaistwa Municipalnych Obrazowanij Nowosibirskoij Oblasti)
ul. Kamenskaja 3, ofis 22, 630099 Nowosibirsk
Tel.: 007/383/223 40 47, -223 37 26
E-Mail: info@fondgkh-nso.ru, Internet: http://www.fondgkh-nso.ru
Wohnungskomitee Sankt Petersburg
(Schilischny Komitet Sankt-Peterburga)
Pl. Ostrowskowo 9-11, 190000 Sankt Petersburg
Tel.: 007/815/576 02 86
Internet: http://www.gilkom-complex.ru
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland