Staudämme, Schleusen, Hochwasserschutzanlagen - Zielprogramm bis 2020 sieht 14 Mrd. Euro Investitionen vor / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russland investiert bis 2020 knapp 14 Mrd. Euro in die
Wasserver- und Abwasserentsorgung. Mit dem Geld sollen auch
Trinkwasserspeicher angelegt, Schleusen rekonstruiert und Dämme
ausgebessert werden. Der Löwenanteil soll dabei aus dem föderalen
Haushalt finanziert werden, geht aus dem Zielprogramm "Entwicklung des
Wasserwirtschaftskomplexes für die Jahre 2012 bis 2020" hervor. Das
Programm wurde am 19. April 2012 von der Regierung der Russischen
Föderation verabschiedet.
Durch Russland strömen 2,5 Millionen Flüsse, es ist das größte
und wasserreichste Land der Welt. Aber die Versorgung der Menschen mit
Leitungswasser lässt vielerorts zu wünschen übrig. Das soll sich ändern.
Zwischen 2012 und 2020 sollen 6 Millionen Menschen, die in Gegenden
ohne oder mit miserabler Kanalisation wohnen, ans Wasser- und
Abwassernetz angeschlossen werden. Außerdem soll in die
Wasseraufbereitung investiert werden. Das Ziel: Nur noch halb so viele
Abwässer sollen ungefiltert in die nächstbesten Flüsse und Seen geleitet
werden wie heute.
Außerdem will Russland 3.600 Labore zur Prüfung
der Wasserqualität bauen beziehungsweise modernisieren. Darüber hinaus
sollen 1.600 Kilometer Dämme zum Schutz vor Hochwasser verstärkt oder
neu errichtet werden. Ferner ist geplant, 2.500 Wasserspeicher,
Staudämme, Schleusen und andere "wassertechnische Einrichtungen" zu
bauen und bestehende Anlagen abzusichern vor Unfällen, wie sie es in den
vergangenen Jahren dutzendfach gegeben hat. Allein bis 2015 sollen
sieben neue Wasserspeicher mit einem Volumen von 400 Mio. cbm angelegt
werden.
Finanzierung des Zielprogrammes für die Wasserwirtschaft
| Finanzierungsquelle | Investitionsvolumen in Mrd. Rubel |
| Gesamtes Investitionsvolumen, davon | 523,0 |
| föderaler Haushalt | 291,7 |
| regionale Haushalte | 108,1 |
| nichtstaatliche Quellen | 123,2 |
Quelle: Zielprogramm "Entwicklung des Wasserwirtschaftskomplexes für die Jahre 2012 bis 2020"
Das
Ministerium für Naturressourcen soll 23,5 Mrd. Rubel erhalten, die
Föderale Agentur für Wasserressourcen (Roswodresurs) 213,3 Mrd. Rubel,
Rosgidromet 23,7 Mrd. Rubel, das Landwirtschaftsministerium 26,3 Mrd.
Rubel und Rosrybolowstwo (Fischerei) 4,9 Mrd. Rubel, meldete die
Nachrichtenagentur Ria Nowosti.
Für die Wasserver- und
Abwasserentsorgung der Haushalte und Unternehmen sind in Russland
regionale Betreiber-Gesellschaften zuständig. In einigen Fällen
engagieren sich auch private Betreiber. Der größte, Roswodokanal, hat
Ende 2011 von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
einen Kredit über 35 Mio. Euro erhalten zur Modernisierung der
Kanalisation in sieben russischen Regionen: Kaluga, Tjumen, Orenburg,
Barnaul, Twer, Omsk und Krasnodar. Bis 2015 investiert Roswodokanal 23,6
Mrd. Rubel (circa 610 Mio. Euro; EZB-Kurs vom 27.4.12: 1 Euro = 38,88
Rubel). Im April 2008 hatte die europäische Bank dem russischen
Unternehmen bereits eine Kreditlinie über 125 Mio. Euro eingeräumt.
In
Nowosibirsk soll 2012 und 2013 ein 2,7 km langes Uferstück entlang des
Wasserspeichers Bystrowka ausgebessert werden (Kosten: 6 Mio. Euro).
Weitere 5 Mio. Euro stehen von 2012 bis 2014 für einen 2,3 km langen
Abschnitt des Wasserspeichers im Gebiet Sosnowka zur Verfügung. Der
städtische Kommunalbetrieb in Nowosibirsk, Gorwodokanal, rechnet im
aktuellen 6-Jahres-Plan für 2012 mit einer Investitionssumme von 8 Mio.
Euro.
Auch in Sankt Petersburg und der umliegenden Leningrader
Region stehen eine Reihe großer Projekte an. Im Jahr 2011 wurden in der
Hauptstadt des Nordens 816 Mio. cbm wiederaufbereitet. Laut dem Sankt
Petersburger Wasserwirtschaftsbetrieb Wodokanal waren das 95% aller
Abwässer. Bis 2015 soll das Klärniveau in der zweitgrößten Stadt
Russlands auf 98% erhöht werden. Unter anderem soll in diesem Atemzug
auch die Verschmutzung des Flusses Ochta gemindert werden, in den bis
heute Abwässer aus Sankt Petersburg eingeleitet werden.
Außerdem
sollen die Belüftungsstationen "Zentralny" und "Sewerny" rekonstruiert
und auf alternative Energiequellen umgestellt werden. Zunächst wollen
die Betreiber allerdings den Energiebedarf durch neue Anlagen massiv
drosseln - insbesondere durch den Einsatz anaerober Techniken bei der
Wasseraufbereitung.
Desweiteren wird das Oberflächenwasserwerk
"Süd" rekonstruiert. Das beinhaltet auch den Bau eines neuen Blockes zur
Trinkwasseraufbereitung (K-6). Bei Wodokanal Sankt Petersburg will man
mit diesen Maßnahmen die Tageskapazität des Klärwerkes auf 900.000 cbm
erweitern. Das Stadtgebiet wächst weiter, ständig kommen neue Siedlungen
und Industrieanlagen hinzu. Deshalb benötigt Russland zweitgrößte Stadt
nicht nur größere Klärwerke, sondern auch ständig neue Pumpstationen
und Wasserleitungssysteme. Wodokanal Sankt Petersburg versorgt 4,8 Mio.
Menschen mit Wasser, 2011 waren es 1,9 Mio. cbm Trinkwasser. Das
Wasserleitungsnetz hatte Ende 2011 eine Länge von 6.665 km, das
Kanalisationsnetz von 8.246 km.
In der zentralrussischen Region
Orjol sollen 2012 über 170 Mio. Rubel (etwa 4 Mio. Euro) in den Ausbau
des Wasserversorgungsnetzes investiert werden. Es geht um 60 km
Wasserleitungen. In der Region gibt es 1.230 kleinere Netze mit einer
Gesamtlänge von 4.500 km. Allerdings reichen die eingeplanten Gelder
kaum aus; Experten schätzen das Volumen der tatsächlich benötigten
Investitionen auf 1,5 Mrd. Rubel. Außerdem soll in Orjol eine neue
Wasser-Enteisungsanlage für rund 600 Mio. Rubel (über 15 Mio. Euro) mit
einer Kapazität von täglich 75.000 cbm Wasser gebaut werden.
In
der Hauptstadt der Nachbarregion Woronesh stehen von 2012 bis 2014 rund
3,2 Mrd. Rubel (83 Mio. Euro) für die Sanierung und den Ausbau des
Wasserversorgungsnetzes zur Verfügung. Außerdem will die Stadt 36 km
Wasserleitungen und 10 km Abwasserleitungen sanieren. Die tägliche
Gesamtleistung der Brunnen soll um 20.000 cbm gesteigert werden.
Das
Unternehmen OOO SCHKCH Wodokanal baut im Stadtteil Saltykowka in
Balaschicha im Gebiet Moskau einen Abwasserkanal mit einer
Tageskapazität von 80.000 cbm. Dazu hat das Unternehmen, eine Tochter
der Morton-Gruppe, einen Kredit von Russlands größter Bank, der Sberbank
über 1,67 Mrd. Rubel (über 40 Mio. Euro) erhalten.
Das komplette
Programm "Entwicklung des Wasserwirtschaftskomplexes für die Jahre 2012
bis 2020" in russischer Sprache ist auf Anfrage bei Frau Edda Wolf
(E-Mail: edda.wolf@gtai.de) kostenfrei erhältlich.
Kontaktanschriften:
NP Rossiskoje wodnoje obschteschestwo
(Nicht-kommerzielle Russische Wasser-Gesellschaft, NP RWO)
Bolschoi Strotschenowski pereulok 7, office 702, 115054 Moskau
Tel.: 007 495 / 926 47 10, Fax: -926 47 11
E-Mail: info@nprvo.ru, Internet: http://www.nprvo.ru
Rossiskaja assoziazija wodosnabschenija i wodootwedenija
(Russischer Verband der Wasserversorgung und Wasserentsorgung, RAWW)
Leninski prospekt 38, Gebäude 2, 119334 Moskau
Tel./Fax: 007 495/939 19 36
E-Mail: info@raww.ru, Internet: http://www.raww.ru
Liste der Mitglieder: http://www.raww.ru/register
Nazionalnyi sojus wodokanalow
(Nationale Union der Wasserwirtschaftsbetriebe, NSW)
uliza Mischina 56, Gebäude 2, 127083 Moskau
Tel.: 007 495 / 649 88 09
E-Mail: info@vodokanals.ru, Internet: http://www.vodokanals.ru
Roswodokanal
Gamsonowski pereulok 2, Gebäude 4, 115191 Moskau
Tel.: 007 495 / 514 02 11, Fax: -514 11 17
E-Mail: info@rosvodokanal.ru, Internet: http://www.rosvodokanal.ru
Rossiskije kommunalnye sistemy (RKS)
uliza Malaja Poljanka 2, 119180 Moskau
Tel.: 007 495 / 783 32 32, Fax: -783 32 33
E-Mail: info@roscomsys.ru, Internet: http://www.roscomsys.ru
Gorwodokanal (in Nowosibirsk)
ul. Revoljuzi 5, 630007 Nowosibirsk-7
Tel.: 007 383/233 62 62
E-Mail: gorvoda@mail.ru, Internet: http://www.gorvodokanal.com
Wodokanal Sankt-Peterburga
Kawalergardskaja uliza 42, 191015 Sankt Petersburg
Tel.: 007 812/305 09 09, Fax: -274 13 61
E-Mail: office@vodokanal.spb.ru, Internet: http://www.vodokanal.spb.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland