Deutsche Exporte auch 2011 stark gestiegen / Hauptabnehmer sind die USA und China / Von Edda Gaude
Bonn (gtai) - Die deutsche Photonik-Branche erwartet für 2012 ein Umsatzwachstum von rund 10%, nachdem in 2010 und 2011 noch höhere zweistellige Wachstumsraten erzielt wurden. Die sich verbreitende Wahrnehmung der Branche als Schlüsseltechnologie stimmt die Unternehmen erwartungsvoll. Die Branche ist durch den Mittelstand geprägt. Die Exportraten steigen weiter. Hauptzielregion für deutsche Photonik-Produkte ist die EU. Die VR China, Russland und Indien gewinnen an Bedeutung.Die Photonik wird das 21. Jahrhundert maßgeblich prägen. Dabei beträgt das Volumen des Weltmarktes bereits jetzt 300 Mrd. Euro. In den kommenden Jahren werden dabei durchschnittliche Wachstumsraten von 10% erwartet. Allein der europäische Markt, als Hauptexportregion deutscher Hersteller, wird mit einem Anteil von 20% am Weltmarkt auf 60 Mrd. Euro beziffert. Große Zuwachsraten im Export wurden aber 2011 in Drittstaaten und Asien erzielt. Es ergeben sich für deutsche Unternehmen dieser Branche eine Reihe neuer Chancen.
"Der Branche geht es aktuell sehr gut", bestätigte Dr. Klaus Schindler, Geschäftsführer von OptoNet und Vorstandsvorsitzender von OptecNet Deutschland e.V. Nach dem Krisenjahr 2009, in dem die deutsche Photonik-Industrie einen Umsatzeinbruch von 20% verkraften musste, stieg der nominale Umsatz stetig. Im Jahr 2011 verzeichnete die Branche einen Umsatz von 25,7 Mrd. Euro. Für 2012 prognostiziert Spectaris, der deutsche Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien, Verkaufserlöse in Höhe von 28,2 Mrd. Euro, was einem Umsatzwachstum von 9,7% entspricht.
Gesamtumsätze der deutschen Photonik-Industrie (in Mrd. Euro; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
| Jahr | Umsatz | Veränderung |
| 2008 | 23,1 | -2,5 |
| 2009 | 18,4 | -20,4 |
| 2010 | 21,9 | 19,0 |
| 2011 | 25,7 | 17,4 |
| 2012 *) | 28,2 | 9,7 |
Quelle: Spectaris
Als Querschnitts- und Schlüsseltechnologie ermöglicht die Photonik Innovationen in sehr unterschiedlichen Branchen. Damit ist sie eine der wichtigsten Wachstums- und Zukunftsbranchen in Deutschland. Hauptanwendungsfelder sind Flachdisplays und Informationstechnik, aber auch Energie-, Mess-, Beleuchtungs- und Medizintechnik. Damit bietet die Photonik Möglichkeiten zur Lösung der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts, wie etwa der Ressourcen- und Energieknappheit, aber auch der Medizintechnik.
In Deutschland gibt es etwa 1.000 Unternehmen, die in diesem Sektor tätig sind. Davon sind 85% kleine und mittelständische Unternehmen. Bei einer Exportquote von 60 bis 80% je Unternehmen verwundert es kaum, dass das Auslandsgeschäft den Löwenanteil der Umsätze insgesamt generiert und hier das Wachstum entsteht. 2011 entfielen 69,1% der Umsätze auf den Export, was Erlösen in Höhe von 17,8 Mrd. Euro entspricht. Dem standen Inlandsumsätze von 7,9 Mrd. Euro gegenüber. Auch im laufenden Jahr wird ein Anstieg der Exportquote auf 69,5% (19,6 Mrd. Euro) erwartet. Für den deutschen Markt wird mit einem Wachstum der Umsätze um 8,8% auf 8,6 Mrd. Euro gerechnet. Für die Beschäftigtenzahl wird dies einen Anstieg um 5,5% für 2012 auf dann 142.500 Personen bedeuten.
Auslandsumsatz und Exportquote der deutschen Photonik-Industrie
| Jahr | Auslandsumsatz (in Mrd. Euro) | Veränderung Auslandsumsatz im Vergleich zum Vorjahr (in %) | Exportquote (in %) |
| 2008 | 15,5 | -4,3 | 67,1 |
| 2009 | 12,4 | -20,0 | 67,4 |
| 2010 | 15,2 | 22,6 | 69,3 |
| 2011 | 17,8 | 17,1 | 69,1 |
| 2012 *) | 19,6 | 10,1 | 69,5 |
Quelle: Spectaris
Insgesamt erfreuen sich deutsche Produkte nach wie vor großer Beliebtheit. "Made in Germany hat weiterhin einen hohen Stellenwert bei den ausländischen Kunden", sagt Birgit Ladwig, Leiterin des Fachverbands Photonik und Präzisionstechnik. Die deutsche Zuverlässigkeit wird weltweit sehr geschätzt. Doch die internationale Photonik-Branche entwickelt sich stetig weiter. In den letzten Jahren ist zunehmend starke Konkurrenz aus Asien aufgetaucht. So bescheinigt Dr. Rainer Schuhmann, Leiter Business Unit Industrial Solutions von der Berliner Glas KGaA, heute mehr Wettbewerb als früher.
Die Konkurrenz aus Fernost schläft nicht. Werden bisher noch Standardprodukte und Massenware in China hergestellt, so steigt die Nachfrage nach Hochpräzisionstechnik für die Universitäten und Forschungsinstitute. Um weiterhin die Nase im internationalen Wettbewerb vorne zu haben, müssen deutsche Photonik-Hersteller stark investieren. Derzeit werden überdurchschnittliche 10% des Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Ein Abfall dieses Trends ist nicht abzusehen.
Der größte Zielmarkt deutscher Unternehmen ist die Europäische Union. Dabei ist aber zu beachten, dass ein Großteil der deutschen Exporte innerhalb der EU in die Niederlande ausgeführt werden, von wo aus die Güter weiter verschifft werden. Die wichtigsten Abnehmerländer sind somit China und die USA. 26% des deutschen Exportes gehen in diese zwei Staaten.
Neben China sind auch Taiwan, Japan, Südkorea und Malaysia (insbesondere für Unternehmen mit Kunden in der Automobilbranche) wichtige Absatzmärkte. Unter den europäischen Ländern sind Polen (nach China und den USA), die Schweiz, Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich wichtige Abnehmer. In Zukunft erwarten Experten weiterhin zweistellige Wachstumsraten für Asien. Auf dem amerikanischen und europäischen Markt wird ein eher moderates Wachstum erwartet. Berndt Zingrebe von der SILL Optics GmbH erklärte im Rahmen des CEO-Roundtable auf der Messe Optatec: "Bei High-Tech Produkten steht der technologische Vorteil im Vordergrund. Die Finanzkrise hat daher wenig Auswirkungen auf den Absatz in der Photonik-Industrie."
Export von optischen Komponenten und Strahlquellen 2011 nach Zielregionen (Veränderung des Exportwerts im Vergleich zum Vorjahr)
| Zielregion | Exportanteil (in %) | Veränderung (in %) |
| EU-27 | 45,1 | 3,2 |
| Asien | 36,7 | 36,5 |
| Nordamerika | 8,0 | 5,5 |
| Europa (ohne EU-27) | 7,3 | 58,9 |
| Sonstige | 3,0 | 25,1 |
Quelle: Spectaris
So vielfältig die Branche und vielseitig einsetzbar ihre Produkte sind, so unterschiedlich sind auch die Meinungen dazu, in welchen Regionen der Erde in den kommenden Jahren starkes Wachstum zu erwarten sein wird. Die Berliner Glas KGaA als Hersteller optischer Komponenten und technischer Gläser, die drei Viertel ihres Umsatzes innerhalb der EU generiert, wird sich auch in Zukunft auf diesen Markt konzentrieren, gleichwohl wird Wachstumspotenzial in den USA und Asien gesehen. Für B&M Optik, einen Hersteller optischer Bauelemente mit einem Auslandsgeschäftsanteil von 40%, sieht Herr Steffen Jainta, Technical Manager, wachsendes Potenzial in Südamerika. Auch Nordamerika sei weiterhin ein riesiger Markt.
Neben den etablierten Märkten wie den USA und China erscheinen zunehmend auch zwei weitere BRIC-Staaten in der Diskussion - Russland und Indien. Mit fortschreitender Industrialisierung in diesen Ländern steigt auch die Nachfrage nach photonischen Gütern. Vorreiter ist hier die Lasertechnik, insbesondere der Bereich der Industrielaser. Der Weltmarkt für Laser lag 2011 bei 7,5 Mrd. Euro. Für 2012 ist ein Wachstum von 1,2% prognostiziert worden.
Der indische Markt für Photonik steht derzeit am Beginn seiner Entwicklung. Experten erwarten trotz des derzeitigen Reformstaus in der indischen Politik auch weiterhin Wachstum. Im Bereich Photonik importierte Indien 2010 Laser (ohne Laserdioden) im Wert von 9,5 Mio. Euro (Durchschnittswechselkurs 2010 = 1,3257 US Dollar, +7% zum Vorjahr). Deutsche Laser machten dabei einen Anteil von 27% aus. Herr Hervé Passot von Qioptic Photonics GmbH & Co. KG betont: "Indien ist sehr an deutscher Technologie interessiert".
Indiz für die wachsende Bedeutung Indiens ist die erstmalige Ausrichtung einer Laser Messe in Indien durch die Deutsche Messe AG im Dezember 2011. Zudem wird die LASER World of PHOTONICS India dieses Jahr zum ersten Mal in Mumbai stattfinden. Schwerpunkt der Messe werden Laser und Lasersysteme sein. Die Veranstalter sehen großen Bedarf photonischer Produkte in den Wachstumsbranchen Automobilbau, Elektronik, Luft- und Raumfahrttechnik, Photovoltaik und Telekommunikation.
Russland ist da bereits wesentlich weiter. Die optische Industrie gilt hier als die am weitesten entwickelte hochtechnologische Branche in Russland. Das jährliche Marktvolumen für optische Technologien wird auf 240 Mio. Euro (330 Mio. US-Dollar) geschätzt. Ein russischer Experte prognostiziert eine Vervierfachung des Marktvolumens bis 2015. Der Markt für Lasertechnologie alleine wird hier auf 140 Mio. Euro (200 Mio. Dollar) pro Jahr geschätzt - mit jährlichen Wachstumsraten von 10%, nach Angaben von OptecNet.
"Besonders gute Verkaufschancen bieten sich in Branchen, die verstärkt optische Technologien einsetzen, wie beispielsweise die Automobilindustrie, der Maschinenbau oder die Medizintechnik", erklärte Dr. Schindler. Nach Angaben von Spectaris exportierten deutsche Unternehmen 2011 Güter im Wert von 142 Mio. Euro nach Russland. Im Vergleich zum Vorjahr (38 Mio. Euro) ist dies eine Steigerung um 250%. Intensive Forschungsaktivitäten werden derzeit in den Bereichen Faseroptik, nicht-lineare sowie diffraktive Optik vorgenommen.
Vom 22. bis 25. Mai 2012 fand in Frankfurt am Main die Optatec, Fachmesse für optische Technologien, Komponenten und Systeme zum elften Mal statt. Knapp 500 Aussteller aus 26 Ländern präsentierten hier ihre Neuheiten. Ausländische Aussteller waren mit einem Anteil von 50% vertreten. Die Messe erfreute sich auch dieses Jahr eines gesteigerten Publikumsinteresses. Insgesamt verzeichneten die Veranstalter 5.200 Besucher. Das nächste Mal wird die Optatec ihre Tore vom 20.5. bis 23.5.2014 wieder in Frankfurt öffnen.
Kontaktanschrift:
Spectaris - Deutscher Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V.Werderscher Markt 15, 10117 Berlin
Tel.: 0049 (0)30 41 40 21-0, Fax -33
E-Mail: info@spectaris.de, Internet: http://www.spectaris.de
(EGA)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland