Zyprische Offshores bestimmen das Geschehen / Deutscher Bestand durch ein Großengagement geprägt / Von Jan Triebel
Kiew
(gtai) - Trotz zahlreicher Risiken kann die Ukraine mit
kontinuierlichen Zuflüssen an ausländischen Direktinvestitionen
aufwarten. Deren Bestand erhöhte sich offiziellen Angaben zufolge 2011
um 10% auf rund 49 Mrd. US$. Entsprechende Engagements werden
überwiegend mit Hilfe von Kapital verfolgt, das aus der Steueroase
Zypern in verschiedene Bereiche der Wirtschaft strömt. Dabei stand
zuletzt der Bereich Finanzdienstleistungen im Fokus der Aktivitäten des
Auslands in der Ukraine.
Angaben der amtlichen ukrainischen Statistik zufolge belief sich
der Bestand ausländischer Direktinvestitionen (ADI) per 31.12.11 auf
49,4 Mrd. US$. Im Vergleich zum Jahresbeginn erhöhte er sich um 10,2%,
was einem Zufluss von 4,5 Mrd. $ entsprach. Fast 80% des Bestands geht
auf Engagements von Akteuren mit Sitz in der EU zurück. Diese haben 39,4
Mrd. $ in der Ukraine direkt investiert. Die Mitgliedsländer der GUS
steuerten ihrerseits 4,0 Mrd. $ oder 8,1% bei. Auf sonstige Staaten
entfiel Ende 2011 ein Anlagevolumen von 5,9 Mrd. $; das entsprach einem
Anteil von 12,0%. Mit Ausnahme von Frankreich und den USA verbuchten die
zehn führenden Investorenländer 2011 Erhöhungen ihrer Bestandswerte.
Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine nach wichtigen Herkunftsländern
| Ursprungsland | Bestand (in Mio. US$) 1) | Anteil (in %) | Bestandsveränderung (in %) 2) |
| Insgesamt, darunter aus: | 49.362,3 | 100,0 | 10,2 |
| .Zypern | 12.645,5 | 25,6 | 25,9 |
| .Deutschland | 7.386,4 | 15,0 | 4,3 |
| .Niederlande | 4.822,8 | 9,8 | 3,0 |
| .Russland | 3.594,5 | 7,3 | 5,6 |
| .Österreich | 3.423,1 | 6,9 | 25,3 |
| .Vereinigtes Königreich | 2.508,2 | 5,1 | 9,7 |
| .Frankreich | 2.230,7 | 4,5 | -5,8 |
| .Schweden | 1.744,0 | 3,5 | 2,0 |
| .Jungferninseln (brit.) | 1.607,0 | 3,3 | 10,7 |
| .USA | 1.043,1 | 2,1 | -9,9 |
1) Stand 31.12.11; 2) Vergleich 31.12. gegenüber 1.1.11
Quelle: DerzhStat; Berechnungen von Germany Trade & Invest
Hinter
den Zuwächsen aus Zypern stehen rege Zuflüsse von Kapital mit
vermutlich zumeist ukrainischem oder russischem Hintergrund, das
aufgrund steuerlicher Vorteile in Offshore-Gesellschaften auf der
Mittelmeerinsel geparkt wird. Ähnliche Umstände charakterisieren auch
die Aktivitäten von Investoren, die von den Britischen Jungferninseln
aus ihre Engagements in der Ukraine verfolgen.
Besonders stark
begannen die - de jure - zyprischen Direktinvestitionen in den jüngsten
Boom-Jahren zu sprudeln. Allein zwischen 2006 und 2008 erhöhte sich ihr
Bestand nahezu um das Fünffache, was der Inselrepublik im
Investorenranking der Ukraine zur seitdem unangefochtenen
Spitzenposition verholfen hat. Auch in der sich anschließenden
Wirtschaftsflaute der Jahre 2009 und 2010 versiegten die Zuflüsse nicht.
Wie die meisten sonstigen Investoren sahen sich während der Krise auch
die auf Zypern registrierten Geldgeber regelrecht in die Pflicht
genommen, ihre ukrainischen Aktivitäten mit nennenswerten Finanzspritzen
zu unterstützen. Häufig konnten nur so negative Entwicklungen vermieden
werden.
Interessant erscheint der Umstand, dass Investoren aus
der VR China die Ukraine offenbar noch nicht auf ihrem Radar haben. Mit
einem von der amtlichen Statistik für das Jahresende 2011 vermeldeten
Bestand von lediglich 15,0 Mio. $ fiel das Engagement aus dem Reich der
Mitte bisher noch sehr überschaubar aus.
Deutsche Investoren haben
dem Statistikdienst der Ukraine zufolge 2011 rund 303,4 Mio. $ direkt
investiert; das war im Vorjahresvergleich ein Plus von 4,3%. Damit lag
das Engagement 2011 leicht unter dem Mittelwert der Direktinvestitionen
aus Deutschland für die zurückliegenden sechs Jahre. Zwischen 2006 und
2011 ist es der deutschen Wirtschaft gelungen, ihre Direktinvestitionen
in der Ukraine um gut ein Drittel auszuweiten - von 5,5 Mrd. auf 7,4
Mrd. $.
Zuvor hatte es im Jahr 2005 einen beträchtlichen Schub für
das deutsche Direktengagement in der Ukraine gegeben - im Rahmen einer
Privatisierung. Über eine deutsche Tochtergesellschaft war das indische
Unternehmen Mittal Steel (heute: ArcelorMittal) als Sieger aus einem
Bieterverfahren für die Aktienmehrheit am größten Stahlproduzenten der
Ukraine in Kryvyi Rih hervorgegangen. Dank der Zahlung des Kaufpreises
von 24,2 Mrd. UAH - einer Summe, die seinerzeit gut 4,8 Mrd. $ entsprach
- schnellte damals der Bestand der deutschen Direktinvestitionen auf
einen Schlag um das Achtfache in die Höhe. Ein derart umfangreiches
Einzelinvestment in der ukrainischen Wirtschaft hat es seither nicht
mehr gegeben - weder mit deutscher noch mit sonstiger ausländischer
Beteiligung.
Es überrascht daher wenig, dass der Bereich
Metallurgie und Fertigung von Erzeugnissen aus Metallen Ende 2011 mit
4,6 Mrd. $ und einem Anteil von 62,3% die branchenspezifische Struktur
der deutschen Direktinvestitionen in der Ukraine dominierte.
Nennenswerte Bestände innerhalb der verarbeitenden Industrie entfielen
noch auf die Herstellung nichtmetallischer, mineralischer Erzeugnisse,
wohinter sich in erster Linie Baustoffe und -materialien wie Zement und
Gipskartonplatten verbergen, mit einem Bestand von 262,0 Mio. $ (3,5%)
sowie die chemische Industrie samt der Sparte Gummi/Kunststoffe mit
163,0 Mio. $ (2,2%).
Das Gesamtengagement der deutschen Wirtschaft
in Bereichen des verarbeitenden Gewerbes der Ukraine belief sich der
amtlichen ukrainischen Statistik zufolge Ende 2011 auf 5,3 Mrd. $
(71,4%). Es folgten die Bereiche Finanzdienstleistungen mit 1,3 Mrd. $
(18,3%), Immobilienwirtschaft, Leasing, Engineering und weitere
unternehmensnahe Dienstleistungen mit 267,4 Mio. $ (3,6%) sowie der
Großhandel mit 168,5 Mio. $ (2,3%).
Insgesamt gesehen aber entfiel
mit knapp einem Drittel aller ADI-Bestände in der Ukraine per 31.12.11
der Löwenanteil auf Finanzdienstleistungen aller Art. Hier schlugen die
zahlreichen Übernahmen von lokalen Banken durch ausländische Institute
vor der Krise und die nennenswerten Kapitalstützen von Seiten der
ausländischen Mutterhäuser während und nach der Krise zu Buche. Allein
zwischen Anfang 2007 und Ende 2011 hat sich das ausländische Engagement
im Finanzsektor der Ukraine so wertmäßig nahezu verfünffacht.
An
zweiter Stelle steht die verarbeitende Industrie, die gut ein Viertel
der Direktanlagen des Auslands auf sich vereint. Mit einer Erhöhung der
entsprechenden Bestände um lediglich knapp 34% innerhalb der letzten
fünf Jahre hielt sich das Interesse an neuen Anlageobjekten in der
ukrainischen Industrie jedoch vergleichsweise in Grenzen. Auf knapp ein
Fünftel belief sich darüber hinaus zum Stichtag Ende 2011 der
entsprechende Anteil für Immobilien und sonstige unternehmensnahe
Dienstleistungen. Die ADI-Bestände in diesem Sektor nahmen im Zeitraum
2007 bis 2011 um gut das Dreifache zu.
Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine nach wichtigen Zielbranchen
| Zielbranche | Bestand (in Mio. US$) 1) | Anteil (in %) | Bestandsveränderung (in %) 2) |
| Insgesamt, darunter: | 49.362,3 | 100,0 | 10,2 |
| .Finanzdienstleistungen | 16.318,5 | 33,1 | 8,0 |
| .Verarbeitende Industrie, darunter: | 13.056,8 | 26,5 | 4,6 |
| . Metallurgie und metallische Erzeugnisse | 6.084,2 | 12,3 | 2,3 |
| . Nahrungsmittel | 2.065,7 | 4,2 | 13,5 |
| . Chemie, Gummi- und Kunststoffindustrie | 1.375,8 | 2,8 | 1,4 |
| . Maschinenbau 3) | 1.226,0 | 2,5 | 4,1 |
| .Immobilienwirtschaft, Leasing, Engineering und weitere unternehmensnahe Dienstleistungen | 5.721,5 | 11,6 | 19,4 |
| .Großhandel | 4.205,8 | 8,5 | 4,6 |
| .Bauwirtschaft | 2.992,7 | 6,1 | 27,9 |
| .Transport und Telekommunikation | 1.855,0 | 3,8 | 8,7 |
| .Bergbau | 1.492,4 | 3,0 | 25,1 |
| .Nichtmetallische, mineralische Erzeugnisse | 893,0 | 1,8 | 10,8 |
| .Landwirtschaft | 810,1 | 1,6 | -3,1 |
| .Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft | 689,5 | 1,4 | 95,2 |
| .Einzelhandel | 523,2 | 1,1 | 44,9 |
| .Hotel und Gastronomie | 463,7 | 0,9 | 3,0 |
1) Stand 31.12.11; 2) Vergleich 31.12.
gegenüber 1.1.11; 3) fasst nach ukrainischer Lesart die Segmente
traditioneller Maschinenbau, elektrische und elektronische Ausrüstungen,
optische Geräte sowie Herstellung von Transportmitteln zusammen
Quelle: DerzhStat; Berechnungen von Germany Trade & Invest
In
regionaler Hinsicht gilt die Hauptstadt Kiew als der mit Abstand
wichtigste Zielort für ausländische Akteure. Am 31.12.11 konzentrierte
sich mit 24,5 Mrd. $ knapp die Hälfte sämtlicher Direktinvestitionen des
Auslands auf das Einzugsgebiet der knapp 3 Mio. Einwohner zählenden
Metropole. Es folgte das Gebiet Dnipropetrovsk mit einem Anlagevolumen
von 8,0 Mrd. $ (16,2%). Darin schlägt sich die diese Region prägende
hohe Konzentration an Unternehmen der Rohstoff- und Schwerindustrie
nieder - darunter auch das Stahlwerk Kryvyi Rih. Nennenswert punkten bei
ausländischen Investoren konnten in den letzten Jahren zudem noch die
Gebiete Kharkiv (2,7 Mrd. $; 5,6%), Donetsk (2,5 Mrd. $; 5,1%) und Kiew
(1,7 Mrd. $; 3,5%).
Einen mehr oder weniger großen Bogen machte
ausländisches Kapital hingegen bisher um die Gebiete Chernivtsi,
Ternopil und Kirovohrad, für die DerzhStat den Bestand an ADI bei Werten
von lediglich 60 Mio. bis 70 Mio. $ ansiedelt. Diese drei Regionen
waren Ende 2011 auch beim Indikator "ADI pro Einwohner" mit 57,4 $
(Ternopil), 68,6 $ (Chernivtsi) und 72,3 $ (Kirovohrad) die
Schlusslichter. Im Landesdurchschnitt ergibt sich ein Mittelwert von
1.084,3 $. Ganz vorne lag hier die Hauptstadt Kiew mit 8.844,7 $ vor den
Gebieten Dnipropetrovsk, Kharkiv und Kiew mit durchschnittlichen
Beträgen von 2.407,8; 1.004,6 und 1.003,6 $ pro Kopf der jeweiligen
Bevölkerung.
Den höchsten ADI-Zuwachs wies 2011 mit 43,0% die
Autonome Republik Krim auf. Im höheren zweistelligen Bereich bewegten
sich darüber hinaus auch die Gebiete Zhytomir (31,5%), Poltava (26,9%)
und Ivano-Frankivsk (20,7%). Die Metropole Kiew kam auf ein Plus von
12,0%. Rückgange der Bestände an Direktinvestitionen mussten die Gebiete
Mykolaiv (-5,7%), Rivne (-4,5%), Zakarpattia (-4,2%), Cherkasy (-1,2%)
und Chernivets (-0,1%) verkraften.
Das Auslandsengagement
ukrainischer Unternehmen fällt vergleichsweise gering aus. Als
beliebteste Destination für ukrainische Investoren erwies sich Zypern
mit einem Bestand in Höhe von 6,3 Mrd. $. Dahinter folgte Russland mit
236,5 Mio. $. Das Anlagevolumen in Deutschland wird per 31.12.11 mit 9,0
Mio. $ angegeben, davon soll sich die Hälfte im verarbeitenden Gewerbe
befinden. Wegen der überschaubaren Anzahl der darin involvierten
Unternehmen lässt die offizielle Statistik keinen weiteren Aufschluss
darüber zu, um welche Branchen es sich im Einzelnen handelt.
(J.T.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), UkrSEPRO, Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland