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Freitag, 1. Juni 2012

Internethandel wird in der Ukraine immer populärer

Haushaltsgeräte und Mobiltelefone besonders gefragt / Gesetzgeber prüft rechtlichen Rahmen / Von Jan Triebel

Kiew/Bonn (gtai) - In der Ukraine beflügeln die fortschreitende Verbreitung des Internets und eine robuste Konsumlaune den Onlinehandel. Laut Einschätzungen von E-Shop-Betreibern ist die zwischenzeitlich krisenbedingte Zurückhaltung überwunden. Der Absatz von Waren und Dienstleistungen über das Internet hat 2011 einen neuen Rekord erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Umsätze um 75% auf knapp 1,1 Mrd. US$ zu. Dazu trug die wachsende Kundenorientiertheit der Händler bei.

Als eine der wichtigsten Aktivitäten, die ukrainische Nutzer ins Internet treibt, gilt das Einkaufen in einem der unzähligen Onlineshops. Experten gehen davon aus, dass das 2011 bei gut der Hälfte der Einwohner, die über einen Zugang zum Internet verfügen, mindestens einmal der Fall war. Die Vereinigung der Teilnehmer am E-Business in der Ukraine (UELBU), die über mehr als 50 Mitglieder verfügt, beziffert den Wert des durchschnittlichen Online-Einkaufs von Waren auf 500 bis 700 Griwna (UAH; 45 bis 63 Euro; Jahresdurchschnittskurs 2011: 1 Euro = 11,092 UAH). Bei den Dienstleistungen liege der Schnitt zwischen 100 und 150 UAH.

Dem Branchenverband zufolge stieg der Umsatz der Internetverkäufer 2011 auf knapp 1,1 Mrd. US$, womit erstmals die Marke von 1,0 Mrd. $ übertroffen werden konnte. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich der Absatz verachtfacht.
Entwicklung des E-Commerce-Umsatzes in der Ukraine (Umsatz in Mio. US$; Veränderung in %)
Jahr                                            Umsatz                         Veränderung gegenüber Vorjahr
2006 138,8 k.A.
2007 249,8 80
2008 474,6 90
2009 332,2 -70
2010 611,9 84
2011 *) 1.071,0 75
*) Schätzung

Quelle: Wirtschaftszeitschrift Bisnes; Berechnungen von Germany Trade & Invest
Hinter dem stattlichen Umsatzzuwachs 2011 steht nicht nur das steigende Interesse der Konsumenten. Auch die Internethändler haben ihre Aktivitäten wieder ausgebaut. Nach den Boomjahren 2007 und 2008 war der Sektor im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise sehr geschrumpft. Wurden Anfang 2009 noch rund 10.000 E-Shops registriert, war es ein Jahr später nur noch die Hälfte. Der Verband geht davon aus, dass sich dank der wachsenden Beliebtheit des Einkaufs per Mausklick die Zahl der Onlinehändler seither wieder auf den Vorkrisenstand erholt hat.

Zu der wachsenden Popularität des Onlinehandels trägt bei, dass dieser inzwischen stärker auf die Bedürfnisse potenzieller Kunden eingeht. Kam es bis vor kurzem noch vor, dass Händler an Wochenenden offline gingen und keine Bestellungen entgegennahmen, ist inzwischen eine Sieben-Tage-Woche und eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft die Regel. Auch bei den Auslieferungen werden Kundenwünsche berücksichtigt. Statt wie früher bestimmte Zeitfenster vorgegeben zu bekommen, kann der Käufer die Ware auf Wunsch auch bis in die späten Abendstunden erhalten.

Wie die Wirtschaftszeitschrift Bisnes berichtet, wächst auch durch flexiblere Zahlungskonditionen (etwa die Wiedereinführung von Zahlungszielen oder des Kaufs auf Kredit) das Interesse der Kunden am Onlinehandel. In der Krise waren solche Angebote schlagartig vom Markt verschwunden; wurde strikt nur gegen Vorkasse oder Barzahlung geliefert. Marktteilnehmer schätzen, dass 2012 bereits mehr als 30% aller E-Shop-Verkäufe im Rahmen von Ratenzahlungsmodellen erfolgten.

Gut drei Viertel des Umsatzes wird mit großen und kleinen Haushaltsgeräten, Mobiltelefonen, Zubehör und Computertechnik gemacht. Fast gleichauf lagen 2011 die Haushaltstechnik mit einem Anteil von 27% (2010: 26%) und die Mobiltelefone mit 26% (28%). Es folgten PC und Peripheriegeräte mit einem Anteil von 22% (19%).

Erfolgreichster Aufsteiger im Internethandel war der Analyse von Bisnes zufolge die Warengruppe Bekleidung, Schuhe und Accessoires. Ihr Anteil am Gesamtumsatz des Onlinehandels schnellte gegenüber 2010 um neun Prozentpunkte auf 16% in die Höhe. Einbußen erlebten die Anbieter von Software. Ihr Marktanteil sank um sechs Prozentpunkte auf 5%. Weitere Umsatzträger im E-Commerce sind Unterhaltungsmedien wie CD und DVD (2010: 6%; 2011: 3%) sowie Automobilreifen und -felgen (3%; 1%).

Die rege Handelsaktivität im Internet hat den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Dem ukrainischen Parlament liegt seit Herbst 2011 eine Novelle des Gesetzes über den Binnenhandel vor. Kommt es zu einer Verabschiedung in der vorliegenden Fassung, würden sich die Anforderungen an die Händler beträchtlich ausweiten. So müssten diese zum Beispiel ein reales Büro einrichten, wo sämtliche mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit in Verbindung stehenden Unterlagen aufzubewahren sind. Zudem könnte es für die Betreiber der E-Shops verpflichtend werden, dem Kunden wesentlich mehr Informationen über das Unternehmen zugänglich zu machen als bisher. Einen weiteren Vorschlag, demzufolge alle Onlinehändler über eigene Lagermöglichkeiten für die von ihnen offerierten Waren verfügen sollten, konnte der Verband für E-Business vorerst verhindern.

Dank der hohen Zuwächse steigt die Bedeutung des Internethandels innerhalb des Einzelhandels. Lag der Umsatzanteil des Onlinesegments 2010 noch unter 5%, gehen Beobachter 2011 von 7% aus. Hält das Expansionstempo an, könnten 2013 bereits 10% der Einzelhandelsumsätze über das Internet laufen.

Diese Erwartungen beruhen nicht zuletzt darauf, dass die Internetgemeinde generell rasch wächst. Nach Erhebungen der Marktforschungsfirma InMind gab es zum Ende des 3. Quartals 2011 in der Ukraine 14,3 Mio. regelmäßige Internetnutzer. Fast ein Drittel der Einwohner ist also technisch in der Lage, auf die Ressourcen des Internets zuzugreifen und zählt dadurch zu den potenziellen Online-Kunden. Mit steigender Tendenz: Schätzungen der Wirtschaftszeitschrift Bisnes zufolge könnten 2015 bereits drei Viertel der Bevölkerung das Internet in Anspruch nehmen.

Die Nutzung des Internets hängt stark von der Größe des Siedlungsgebietes und der zugänglichen IKT-Infrastruktur ab. Während der potenzielle Kunde in Großstädten aus einer Vielzahl von Offerten verschiedener Provider wählen kann, können die Bewohner vieler ländlicher Gebiete sich glücklich schätzen, wenn es überhaupt einen Anbieter gibt. Gleichwohl hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Der InMind-Studie zufolge galt 2011 ein Fünftel der auf dem Land lebenden Bevölkerung als internetaffin und verfügte über einen eigenen Netzzugang. In Städten bis 100.000 Einwohnern können sich demnach bereits 37% der Einwohner regelmäßig ins Web einloggen. Die Hauptrolle spielen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. In ihnen nutzt die Hälfte der Einwohner das Internet.

Kontaktanschrift:

Vereinigung der Teilnehmer am E-Business der Ukraine
Asoziazija Utschasnykiw Elektronnowo Bisnesy Ukrajiny (UELBU)
01103 Kyiv, bul. D. Narodiw, bud. 10, of. 77
Tel./Fax: 0038 044/585 89 83
(T.J.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), UkrSEPRO, Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland