Haushaltsgeräte und Mobiltelefone besonders gefragt / Gesetzgeber prüft rechtlichen Rahmen / Von Jan Triebel
Kiew/Bonn
(gtai) - In der Ukraine beflügeln die fortschreitende Verbreitung des
Internets und eine robuste Konsumlaune den Onlinehandel. Laut
Einschätzungen von E-Shop-Betreibern ist die zwischenzeitlich
krisenbedingte Zurückhaltung überwunden. Der Absatz von Waren und
Dienstleistungen über das Internet hat 2011 einen neuen Rekord erreicht.
Im Vergleich zum Vorjahr legten die Umsätze um 75% auf knapp 1,1 Mrd.
US$ zu. Dazu trug die wachsende Kundenorientiertheit der Händler bei.
Als eine der wichtigsten Aktivitäten, die ukrainische Nutzer ins
Internet treibt, gilt das Einkaufen in einem der unzähligen Onlineshops.
Experten gehen davon aus, dass das 2011 bei gut der Hälfte der
Einwohner, die über einen Zugang zum Internet verfügen, mindestens
einmal der Fall war. Die Vereinigung der Teilnehmer am E-Business in der
Ukraine (UELBU), die über mehr als 50 Mitglieder verfügt, beziffert den
Wert des durchschnittlichen Online-Einkaufs von Waren auf 500 bis 700
Griwna (UAH; 45 bis 63 Euro; Jahresdurchschnittskurs 2011: 1 Euro =
11,092 UAH). Bei den Dienstleistungen liege der Schnitt zwischen 100 und
150 UAH.
Dem Branchenverband zufolge stieg der Umsatz der
Internetverkäufer 2011 auf knapp 1,1 Mrd. US$, womit erstmals die Marke
von 1,0 Mrd. $ übertroffen werden konnte. Innerhalb der vergangenen fünf
Jahre hat sich der Absatz verachtfacht.
Entwicklung des E-Commerce-Umsatzes in der Ukraine (Umsatz in Mio. US$; Veränderung in %)
| Jahr | Umsatz | Veränderung gegenüber Vorjahr |
| 2006 | 138,8 | k.A. |
| 2007 | 249,8 | 80 |
| 2008 | 474,6 | 90 |
| 2009 | 332,2 | -70 |
| 2010 | 611,9 | 84 |
| 2011 *) | 1.071,0 | 75 |
*) Schätzung
Quelle: Wirtschaftszeitschrift Bisnes; Berechnungen von Germany Trade & Invest
Hinter
dem stattlichen Umsatzzuwachs 2011 steht nicht nur das steigende
Interesse der Konsumenten. Auch die Internethändler haben ihre
Aktivitäten wieder ausgebaut. Nach den Boomjahren 2007 und 2008 war der
Sektor im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise sehr geschrumpft. Wurden
Anfang 2009 noch rund 10.000 E-Shops registriert, war es ein Jahr
später nur noch die Hälfte. Der Verband geht davon aus, dass sich dank
der wachsenden Beliebtheit des Einkaufs per Mausklick die Zahl der
Onlinehändler seither wieder auf den Vorkrisenstand erholt hat.
Zu
der wachsenden Popularität des Onlinehandels trägt bei, dass dieser
inzwischen stärker auf die Bedürfnisse potenzieller Kunden eingeht. Kam
es bis vor kurzem noch vor, dass Händler an Wochenenden offline gingen
und keine Bestellungen entgegennahmen, ist inzwischen eine
Sieben-Tage-Woche und eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft die Regel. Auch
bei den Auslieferungen werden Kundenwünsche berücksichtigt. Statt wie
früher bestimmte Zeitfenster vorgegeben zu bekommen, kann der Käufer die
Ware auf Wunsch auch bis in die späten Abendstunden erhalten.
Wie
die Wirtschaftszeitschrift Bisnes berichtet, wächst auch durch
flexiblere Zahlungskonditionen (etwa die Wiedereinführung von
Zahlungszielen oder des Kaufs auf Kredit) das Interesse der Kunden am
Onlinehandel. In der Krise waren solche Angebote schlagartig vom Markt
verschwunden; wurde strikt nur gegen Vorkasse oder Barzahlung geliefert.
Marktteilnehmer schätzen, dass 2012 bereits mehr als 30% aller
E-Shop-Verkäufe im Rahmen von Ratenzahlungsmodellen erfolgten.
Gut
drei Viertel des Umsatzes wird mit großen und kleinen Haushaltsgeräten,
Mobiltelefonen, Zubehör und Computertechnik gemacht. Fast gleichauf
lagen 2011 die Haushaltstechnik mit einem Anteil von 27% (2010: 26%) und
die Mobiltelefone mit 26% (28%). Es folgten PC und Peripheriegeräte mit
einem Anteil von 22% (19%).
Erfolgreichster Aufsteiger im
Internethandel war der Analyse von Bisnes zufolge die Warengruppe
Bekleidung, Schuhe und Accessoires. Ihr Anteil am Gesamtumsatz des
Onlinehandels schnellte gegenüber 2010 um neun Prozentpunkte auf 16% in
die Höhe. Einbußen erlebten die Anbieter von Software. Ihr Marktanteil
sank um sechs Prozentpunkte auf 5%. Weitere Umsatzträger im E-Commerce
sind Unterhaltungsmedien wie CD und DVD (2010: 6%; 2011: 3%) sowie
Automobilreifen und -felgen (3%; 1%).
Die rege Handelsaktivität im
Internet hat den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Dem ukrainischen
Parlament liegt seit Herbst 2011 eine Novelle des Gesetzes über den
Binnenhandel vor. Kommt es zu einer Verabschiedung in der vorliegenden
Fassung, würden sich die Anforderungen an die Händler beträchtlich
ausweiten. So müssten diese zum Beispiel ein reales Büro einrichten, wo
sämtliche mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit in Verbindung stehenden
Unterlagen aufzubewahren sind. Zudem könnte es für die Betreiber der
E-Shops verpflichtend werden, dem Kunden wesentlich mehr Informationen
über das Unternehmen zugänglich zu machen als bisher. Einen weiteren
Vorschlag, demzufolge alle Onlinehändler über eigene Lagermöglichkeiten
für die von ihnen offerierten Waren verfügen sollten, konnte der Verband
für E-Business vorerst verhindern.
Dank der hohen Zuwächse steigt
die Bedeutung des Internethandels innerhalb des Einzelhandels. Lag der
Umsatzanteil des Onlinesegments 2010 noch unter 5%, gehen Beobachter
2011 von 7% aus. Hält das Expansionstempo an, könnten 2013 bereits 10%
der Einzelhandelsumsätze über das Internet laufen.
Diese
Erwartungen beruhen nicht zuletzt darauf, dass die Internetgemeinde
generell rasch wächst. Nach Erhebungen der Marktforschungsfirma InMind
gab es zum Ende des 3. Quartals 2011 in der Ukraine 14,3 Mio.
regelmäßige Internetnutzer. Fast ein Drittel der Einwohner ist also
technisch in der Lage, auf die Ressourcen des Internets zuzugreifen und
zählt dadurch zu den potenziellen Online-Kunden. Mit steigender Tendenz:
Schätzungen der Wirtschaftszeitschrift Bisnes zufolge könnten 2015
bereits drei Viertel der Bevölkerung das Internet in Anspruch nehmen.
Die
Nutzung des Internets hängt stark von der Größe des Siedlungsgebietes
und der zugänglichen IKT-Infrastruktur ab. Während der potenzielle Kunde
in Großstädten aus einer Vielzahl von Offerten verschiedener Provider
wählen kann, können die Bewohner vieler ländlicher Gebiete sich
glücklich schätzen, wenn es überhaupt einen Anbieter gibt. Gleichwohl
hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Der InMind-Studie
zufolge galt 2011 ein Fünftel der auf dem Land lebenden Bevölkerung als
internetaffin und verfügte über einen eigenen Netzzugang. In Städten bis
100.000 Einwohnern können sich demnach bereits 37% der Einwohner
regelmäßig ins Web einloggen. Die Hauptrolle spielen Großstädte mit mehr
als 100.000 Einwohnern. In ihnen nutzt die Hälfte der Einwohner das
Internet.
Kontaktanschrift:
Vereinigung der Teilnehmer am E-Business der Ukraine
Asoziazija Utschasnykiw Elektronnowo Bisnesy Ukrajiny (UELBU)
01103 Kyiv, bul. D. Narodiw, bud. 10, of. 77
Tel./Fax: 0038 044/585 89 83
E-Mail: info@uelbu.org, Internet: http://www.uelbu.org
(T.J.)
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